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Jüdische Rundschau · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 506 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 34 in Gips umzuRlesscn; ausserdem erlernen sechs Schüler die GipsKiesscrei als spezielles Handwerk, wobei sie auch 1m Zeichnen unterrichtet werden. Einer dieser Schüler, der diese Arbeit bei uns erlernt und die Schule bereits verlassen hat, £1 Öffnete seihst hier eine GipsKiesscrei. wo er Rcliefbildcr von Ansichten des heiligen Landes und Typen desselben nach den Modellen, die unsere Schüler verfertige«, in Gips giesst. Diese erfreuliche Tatsache, dass der ,.Bczalel•* in so einer kurzen Zeit einem Manne die .Möglichkeit gab, sich von seiner Hände Arbeit in einem ganz neuen Fache zu ernähren, wozu.bisher im Lande alle Gelegenheit fehlte, bezeugt die gute Wirkung unseres Institutes. 4. Abendschule. 25 Schüler, die meisten Handwerker, erhalten Zeichenunterricht, der ihnen unentbehrlich ist. Hier ist der Ort. wo man bedeutende Begabungen entdecken kann, von denen man früher Leine Kenntnis hatte. 5. Teppich-Abteilung. A11 diese schliesscn sich eine Fürberei und eine Spinnerei. Daselbst befinden sich 45 Schn- 1erinnen. 400 Frauen. Witwen, Verlassene, Waisen und Kinder v״n armen Eltern haben sch während zwei Wochen, ohne ein Annoncieren (das wir der Regierung halber .unterlassen müssen) für diese Arbeit gemeldet. 355 mussten wit leider wegen Mangel s»r. Raum und den nötigen Mitcln abweisen, wobei das Weinen und Klagen der armen Bittende!! kein Ende nehmen wollte. Die Teppich-Abteilung ist erst seit drei Monaten (am 14. Mai 1906) eröffne( worden. Auch diese hat grosse und bedeutende Fortschritte gemacht, die wir gar nicht erwartet haben. Die Schülerinnen, die nicht gewohnt waren, einen Stift in der Hand zu halten, kopiere;* schon die Zeichnungen, die sie für ihre Arbeit nötig haben, und diejenigen, die mehr begabt sind, helfen den Schülern bei der Vorbereitung der gemalten Muster. Alle Schüienk nen erfüllen ihre Arbeit mit der grössten Freude und Liebe, und es gelang schon beinahe einem Jeden, einen kleinen Tcppich nach der persisch-technischen Art zu verfertigen. Sie lernen auch die Spinnerei, und künftighin wird man jene Frauen, die die Tcppichknüpferci nicht erlernen können, spezicll die Spinnerei lehren. Dann wird man ihnen ein Spinnrad nach Hause geben, dessen Preis sie ratenweise auszuzahlen haben. Dort werden sie gesponnene Wolle für die Teppiche vorbereiten, wodurch sie ihr Brot verdienen werden. Mit dieser Arbeit können sich die ältesten und schwächsten Frauen beschäftigen. 6. Hebräischer Sprachkurs. Hier lernen! Schüler uifd Schülerinnen in einer Art. dass wir hoffen, dass im ״Bczalel‘־ nicht nur ein Geist das Streben nach einem Ziel sondern auch eine Sprache vorherrschen wird, unsere hebräische Sprache! Denn nur auf diese Weise ist es möglich, unsere Schüler und Schülerinnen, die aus allen Gemeinden. Aschk!13zin! Sepliardim. Bucharicr. Yemeniter. Perser Grusiner, Marokkaner usw. angehören, gemeinsam zu unterrichten. Die Sympathie aller Einwohner von Jerusalem ist auf unserer Seite und «Bczalel“ ist die einzige Unterrichtsanstalt, die nicht mit dem .,Banne‘׳ belegt ist. Den irn Bczalel“ studicrcnden Jungen Leuten raubt mar! nicht die Chaluka. wie das gewöhnlich bei dem Besuch aller übrigen Schulen der Fall ist obwohl man genau weiss. dass wir bei der Bildermalcrci und im Modellicrzimmcr auch Figuren nach lebendigen Modenen machen. Alte Rabbiner besuchen unsere Anstalt und wünschen unserem Unternehmen bestes Gedeihen. Die Gründer des scphardischen Waisenhauses wandten sich an den .Bczalel“ mit der Bitte, einen Plan für den zukünftigen Bau ihrer Anstalt aufzustellen. Und die Vorstände der grössten Synagoge, der ״Churwa von Rabbi Jehuda Hachassid" ersuchten den ״Bezalcl“. dieselbe zu malen. Auch die hiesigen Christen verhalten' sich dem ״Bczalel“ gegenüber mit Achtung und Teilnahme. So boten uns das deutsche Blindeninstitut und Waisenhaus von Schneller und die amerikanische Kolonie sofort ihre Hilfe an mit allem; was ihnen zur Verfügung steht und borgten uns Spinnrocken, die sonst hier nicht zu erlangen waren. Sic wenden sich an uns mit der Bitte, von ihnen Schüler und Schülerinnen anzuaber cust .MUrc״,t xöT. ctua'«er Konkurrenz konnte!. bisher Par Schüler akzeptieren, die bloss malen zu lernen wünschen (einer von der amerikanische״ Kolonie und der zweite cm Armenier. Angestellter hei der türkischen Post). Die geplante Erüifming einer Werkstätte fiir Marmor zur Bearbeitung von Handgeräten mit Perlmutter bedeckt, wie sic Damaskus .liefert, Schnitzerei, Mctallarheitcn usw. konnte vor der Hand aus Mangel an Mitteln und hauptsächlich aus Mangel an Raum noch nicht stat!finden. m. Wenn wir in unserer gemieteten Wohnung bleiben, könne״ wir nicht nur nicht daran denken, unser Unternehmen zu vergrössern und zu erweitern, sondern wir werden im Gegenteil gezwungen sein, die ganze Abteilung für Tcppichknüpferci zu verkleinern und die Anzahl der Schülerinnen zu vermindem. denn im Winter ist cs unmöglich, unter freiem Himmel unter Strohmatten zu arbeiten, wie cs jetzt bei einigen Schiilerinnen der Fall ist. , . , Ich halte es für meine heilige Pflicht, den Mitgliedern und Abgeordneten des Aktionskomitees anlässlich der Konferenz zu Köln über diesen Punkt so ausführlich zu berichten und im Namen Tausender von Familien in Palästina., die sich liier zu 1'odc hutigcrii lind ihre Hoffnung in den ״Bczalel“ setzen, die koch verehrte Konferenz flehentlich zu ersuchen, uns in dieser Hinsicht nach Möglichkeit zu helfen. Denn ich glaube, dass die Zeit schon gekommen ist. wo das Aktions* komitcc. ohne Opfer seinerseits zu bringen. Grosses für den ,..Bczalel“ tun kann. Für unsere gemietete Wohnung zahlen wir 2300 Frcs. jährlich, eine Summe, welche sich bei manchen Acndcrungcn und Reparaturen auf 2600 Frcs. iälirlich beläuft. Nun müssen wir nach vier Monaten den Kontrakt erneuern und zum früheren Mietzinse noch 100 Frcs. Jährlich Zusagen und dazu, wie jetzt, alle Acndcrungcn und Rcptraturcn auf unsere Rcclinung. Da wir aber, wie gesagt, in diesem Hause schied:- lieh gedrückt sind, ist cs uns nicht möglich, darin!:och weiter zu bleiben, ohne vor der Hand noch einige Zimmer provisorisch liinzuzubaiicn. was uns wenigstens 6—7000 Frcs. kosten wird, die wir ja bei dem Verbissen der Wohnung auch vorlicrcn müssen. Und haben v.ir das Recht, so etwas zu tun. wenn wir uns fiir das ganze Geld, indem wir nur mittclhohc Bankzinsen rechnen, eine eigene geräumige Wohnung auschaffen können auf eigenem Boden und un*crcm Zwecke entsprechend (grosse geräumige Zimmer, von oben cinfallcndes Licht)? Ich ersuche also die löhl. Konferenz des Aktionskomitees in Köln unsere Bitte zu erwägen; Man möge vom Gclde des Nationalfonds Boden fiir den ״Bezalcl“ kaufen, was zusammen mit allen dazu erforderlichen Bauten ungefähr 50 000 Frcs. ausmachcii kann. Land und Gebäude wurden auf den Nni.ncn des Aktionskomitees so lange verbleiben, bis der ,.Bczalel“ die Schuld bis zum letzten Pfennig getilgt hat. Der ״Bczalel" kann jährlich 4—5000 Frcs. und die Zinsen fiir das Kapital erlegen. ״ i Ich hoffe, dass die Konferenz des Aktionskomitees in Köln die Bedeutung und Richtigkeit meiner Bitte zu schätzen wissen wird. Damit wird sie unserer zionistischen Welt zeigen können, dass das Aktionskomitee alles, was den Bcreich seiner Tätigkeit, die Verbreitung der Siedclung in Palus'.'na. vergrössert. zu fördern bereit ist. Wir unserseits sind sicher, dass der ..Bezalel“ auch manches fiir die jüdische Kunst tun wird, was nicht direkt in den Bereich unserer speziellen Arbeit gehört, wodurch dem Volke Israel grosse Ehre bereitet werden wird. Wie bekannt, gibt cs viele jüdisclicn Künstler, die grosses Talent besitzen, die aber trotzdem fiir die jüdische Kunst sehr wenig leisten. Das kommt daher, dass der jüdische Künstler gezwungen ist. um sein Talent zu entwickeln und sich in seinem Fache vervollständigen, den jüdischen Kreis zu verlassen und in fremden Ländern, unter fremdem Einfluss sein Studium fortzusetzen und sich mit andersartigen Objekten zu beschäftigen, so dass er sich ntcl! und nach seinem Volke entfremdet, ohne es selbst zu fühlen. Hier aber in unserem alten Vatcrlandc. wo jeder Schritt und Tritt uns au unsere Vergangenheit erinnert, wo man die originellsten Gegenstände in den Strassen und Gassen antrifft, wo wir die vergangenen glücklichen Zeiten durch unsere Phantasie in die Gegenwart ziiriickriifcn und bei all dem die Stärke der Galutsbittcrkcit fühlen, hier, wo sich beim Bewusstscin der Knechtschaft die zuversichtlichsten Hoffnungen auf eine glänzende Zukunft in diesem Lande regen: hier, wo die Schüler nach ausgezeichneten jüdischen Modellen unter der Bläue des palästinensischen Himmels malen, während ihre Ohren der Zaiiherklang der hebräischen Sprache, die natio• nalcn Hoffnungen und Bestrebungen sprechen und von ihnen duiclidrunger. sein. Unsere Schüler werden einen neuen Geist erwecken und wrdeu der gar.zen Welt zeigen, dass auch das jüdische Volk einen künstlerischen Geist und eine eigenartige Phantasie bcsitzt. Und alidies ist keine leere Einbildung. Mit sicheren Schritten nähern wir uns unserem Ziele, und während der so kurzen Zeit von fünf Monaten haben sich alle, die unsere Schule besucht haben, überzeugt, und sobald wir unsere ersten Arbeiten in die Welt schicken, werden cs uns die andern hestätigen. Der schwere Anfang ist schon überwunden. Helfet uns nun. dass wir unser Werk zur Vervollkommnung bringen kön* nen! Dazu ist notwendig:

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