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Jüdische Rundschau · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 505 11 die’,Art und'Welse des europäischen Gewerbebetriebes zunutze machen., d.\b. sie müssen die Einteilung der Arbeit lernen, durch die der Handwerker sich in kurzer Zeit in seinem Fache vollständig ausbilden kann: 2. muss der Handwerker lernen, sich einfacher Arbcltsgerate zu bedienen, damit er nicht gezwungen sein muss, mit teueren Geräten zu arbeiten und grosse besondere Räume zu benutzen. Hi. Der Warcnclnkauf. Damit das Komitee versichert sein kann, dass die Ware kaufkräftig sei. muss es danach streben: 1. Das Rohmaterial in grosser Quantität für einen mögliehst billigen Preis einzukaufen und darauf Gewicht zu legen, dass cs auch, soweit als möglich, eine gute Qualität erhalte. . .2. Die fertige Ware an bedeutende Handelshäuser in grosser Quantität in den Orten, wo diese viel gesucht wird, zu verkaufen, damit der Export .möglichst billig zu stehen komme. .. . 3. Der Gesellschaft einen guten Ruf zu erwerben, dass die Käufer auf die gute Qualität der Ware.sich verlassen kö!mcjt.: Unsere Nationalbank und die Hamburger Palästina-Handelsgesellschaft haben dem Komitee ״Rezalcl‘ versprochen: . I. ihm eine Anleihe zu gewähren; ־. . 2. in Gcschäftsangelcgcuhcitcn als unsere Vermittler zu fungieren und uns das Roiimatericl in der nötigen Quantität und mit guter Qualität usw. zu Vorschauen; . 3. für ,unsere Ware einen kaufkräftigen Markt zu crlangctl. .Die Bezalelschule verpflichtet sich, allle Gewerbebetriebe unter ihre Aufsicht zu.steilen, deren Produkte mit ihrem Siegel zu versehen, um damit ihren Käufern für die Güte der Ware zu bürgen und den Produkten des ״Bezalel“ ein besseics Rciiosnnid zu erwerben, als es diejenigen von Damaskus, Smyrna und Persien gemessen, weil dertn Kunden vor Nachahmung und Fälschung;zu fürchten linken. . .. Durch solche .verständnisvolle und gründliche Leitung des Geschäftes-wird cs auch erreicht werden, dass dem Arbeiter für seine Arbeit der höchstmögliche Lonli wird bezahlt werden können, ... . Das Komitee des ״Bezalel“ hat aus den folgenden Ursachen gerade Palästina für seinen Wirkungskreis gewählt: 1. In Palästina kann sich der Handwerker für seine!. Lebensunterhalt mit einem viel kleineren Arbeitslohn als in anderen. Ländern begnügen. 2. Die Importkosten des Rohmaterials sind hier Verhältnismüssig•.keine grossen und der Zoll dafür (8 Prozent) ist auch nicht bedeutend: ausserdem gibt cs hicrsclbst an Ort uiid Stelle gutes und ausgezeichnetes Rohmaterial in grosser Quantität, wie z. B. weissen, rötlichen und schwarzen Marmor und Wolle, die für die‘Teppiche nötig ist. 3. Palästina wird von allen Nationalitäten verehrt und heilig gehalten:• was uns zu grossen Hoffnungen berechtigt, dass-die Produkte dieses Landes leicht zum Verkauf gelangen werden und vielfach namentlich auch als Zierde für die jildisehen und christlichen Beihäuser werden s'crwendet werden. 4. Palästina wird von Tausenden und Zehntausenden louristen besucht. . Nach der Ansicht sachverständiger Personen (Dr. Benziger und anderen) wird Palästina künftighin die reichsten Reisende der ganzen Welt anzichen und da jedweder wünscht, als Andenken vom heiligen Lande, einen geschmackvollen und künstlerischen Gegenstand, der den Stempel des Landes trägt, nach Hause zu bringen, wird er auch gerne einen entsprechenden Preis anlcgen. 5. Der palästinensische Bauer und seine Familie, die Im ganze« Jahre durchschnittlich eine geraume Zeit von ihrer Arbeit frei sind, werden Gelegenheit haben, ihre freie Zeit mit der Hausindustricbcsehäftigung auszufiillcn. wobei sie auch zu einem nicht geringen Verdienste kommen werden. Dasselbe ist bei den Tagelöhnern der Fatl. Dadurch wird die Frage: ״Wie man jüdische Arbeiter bekommen kann und womit sjc ihre freie Zelt vertreiben werden der Lösung nähergerückt werden. 6. Die hiesigen Bewohner und namentlich die Frauen bcsitzen die gute Eigenschaft, ihre Arbeit lieber in ihrem eigenen Hause, als an anderen Orten verrichten zu wollen. Das Komitee des ..Bczalcl“ erhofft durch die Verbreitung der Hausindustrie in Palästina, auch den Zustand der ackcrbautreibenden Bevölkerung zu heben und zu bessern. Denn die Hausindustrie wird dem Bauern helfen, sich seinen Lehens unterhalt zu erleichtern, wenn er auch noch so wenig Land besitzt. So werden Ackerbau und Hausindustrie ihren Segen über das Land verbreiten und einander unterstützen. Man darf es schliesslich nicht unterlassen, auf die bedeutende moralische Wirkung hinzuweisen, welche durcli die Hausindustrie auf die Bevölkerung ausgeübt wird. Sie wird nicht nur Brot geben, sondern auch den allgemeinen Geschmack veredeln, für die Schönheit empfänglich machen und (weil bei der korporativen Arbeit keine Konkurrenz existiert) die Herzen einander nähein, das Vertrauen auf der Hände Arbeit starken (durcli kollektive Versicherung u. dgl.) und ihr endlich aas stolze Bewusstsein cinflösscn. das Zentrum und den besten Kern der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu bilden* Unser Institut ist nicht auf Almosen gegründet, sondern aut Selbsthilfe jedes einzelnen errichtet. Es wird eine Zeit kommen, wo die Arbeiter, die den Namen ״Handwerker des Bczalcl־ tragen mit den Schulen des ,Bczalcl“. seinen Bureaux und Handelshäusern zu einem grossen Verbände sich vereinigen werden, so dass, sobald die natürliche Ansiedelung in Palästina anfangen wird, die Bewohner ihre Verwandten. Freunde und Bekannte hierher, bringen und deren Situation auf, festem Bi •den begründen können, wie cs oft bei den Juden in Amerika d<r Pall ist. ־ ׳ ■ ’ . - .־ Wenn unser Werk weiter fortschrcitet und sicli verbreitet, werden die Zinsen,, welche die Arbeiten für •die• Gesellschaft abwerfen, für den Unterhalt .der• Schule genügen. Für den ersten Anfang aber sah man sich, gezwungen, Unterstützung zu verlangen, da,wir kein natürliches Volks• Ir.liAli I1n11r>11 nnrl• krUnr» PpCMPrlltlrr besitzen die IflStltutC. Wi0 das unsrige. subventioniert. . . , Damit nun das Bezaielkomitce nicht den Charakter einer Partei trage oder die besonderen •Bestrebungen und die Sprache jenes Landes teile, wo man das Institut unterstützt, beschloss mau. das Komitee aus den Vorstehern der. grössten jüdischen Vereine 'zusammenzusetzen.. Es gelang uns bis jetzt schon die folgenden Korporationen für unser. Werk zu gewinnen: Zionisten-Kongress, ״Hilfsverein der Deutschen Juden‘־, ,.Esra“. und ״Bnei-Brith“. Wir , hoffen, dass.es uns in kurzer Zeit glücken wird, weitere und erfreuliche Resultate aufweisen zu können, dass, wie wir wünschen, die Brücke errichtet werden wird, welche alle jüdischen Vereine und ,Organisationen zu einem Ziele, zur sozialen Arbeit :in Palästina und zur Verbreitung der hebräischen Sprache, vereinigen wird. III. Prog ramm der Schule. Die Kunslgewerbcschulc ..Bczalcl“ ist vor fünf Monaten (am 1. März 1906) eröffnet worden, und trotz ihrer winzigen Mittel (•10 00D Mk. für, 3 Jahre) hat die Schule sehr erfreuliehe Resultate, aufzuweisen. •.: : ׳ 1. I. Klasse. Daselbst befinden sich zehn Schüler. die unsere zukünftigen Lehrer und Musterzeichner, abgeben werden. Die meisten unter Ihnen haben, .schon die Bildung einer ■ Kunstmittelschule genossen. Sic lernen bei mir . jetzt das zweite Semester, und machten bedeutende . und . wesentliche Fortschritte: sic zeichnen halbe Körper nach der Natur, und auch bei der Bildhauerei bedienen sie sich lebender Modelle, malen Blumen nach der Natur, mit. einem sehr feinen! und gewählten Geschmack, sic komponieren stilisierte .Zeichnungen und sind immer bemüht, diesen, einen speziellen jüdischen, palästinensischen Charakter zu verleihen. Für diesen' Zweck benutzen wir verschiedene palästinensische Tiere, Vögel- und Insekten-Kollektioiicn. wie auch die alten Sammlungen, die im Museum des Bczalcl aufbewahrt sind und die sehr viel fiLr die Fntwickhmg des palästinensischen Stils betragen werden. Die palästinensische Judenschaft schenkt dem Museum mit Freuden jede Antiüuiiat. die sich Irgendwo vorfindet, wodurch-sic .ihre! völligen Sympathie zu unserem Institute und ihrer •bereitSviilieen Förderung desselben Ausdruck verleiht. Wir haben bereits das Stilisieren der hebräischen Buchstaben arigefangen,• und es gelang uns schon damit schöne Ornamente zusammenzusetzen und den alten Buchstaben auch eine moderne Gestalt zu verleiben. Alle diese neuen Zeichnungen übergeben wir sogleich der Teppichknüpferei-Abteilunv Der Grundstil wird einen bedeutenden Platz in unserem Werke einnehmen. Hier auf dem Platze, wie. auch im Auslände besitzen die Arbeiten, die sich durch einen besonders foineii Stil auszeiclinen. einen sehr hohen Wert. Es hat sich sogar ein sehr grosses und bedeutendes Handelshaus in England an uns mit dem Ersuchen gewendet, dass wir ihm den Alleinverkauf unserer Teppiche für England und Irland übertragen sollen. Ein solches Handelshaus allein kann Tausende Familien mit Brot ver• sorgen. Dies hat tuic die Praxis bewiesen. 2. Präparandie. Daselbst erhalten acht Jerusalemer Schü- 1er. die gutes Talent besitzen. Unterricht im Zeichnen, und ich kann, mit Recht behaupten, dass nur der ״Bezaiel“ ihr Talent aus dem Schlafe und der Lethargie, womit sic ihr Leben in der Jescfiiba zubrachten, gerettet und es in die richtigen Bahnen gelenkt hat. nachdem sie sich früher begnügen muss• | teri. ihre Begabung dadurch zu betätigen, dass sie auf den Umschlägen der Gemaroth manches zeichneten und mit einem Federmesser verschiedenes in Holz und Stein schnitzten. I 3. Ginsgicsserei-Abteilung. Alle Schüler lernen daselbst ' ihre Arbeiten, die sic in der Bildhauerei-Abteilung verfertigen,

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