Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651481--03870-2660817
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 504 JjjDjS C H E R U N D S C M A U No. 3 t keimen. Doch bleiben wir vorerst bei der Fahrt nach Ofe1׳- Pest. An Bord sind viele Leute; wie überall in Oesterre::!! sehr viele Juden und zwar ied^n Genres. In der Unter- Haltung mit braven, wenn auch assimilierten kroatischen und ungarischen Juden vergeht die Zeit rasch. Es mochte eben noch das letzte deutsche Gebiet verschwunden sein, als ich mir das Schiit besehen wollte. Ich stieg in die unteren Kabinen, an Verdeck und in den Maschirenraum. Aut einmal — ich traute wirklich meinen Ohren nicht — hörte ich ein hebräisches Gespräch. Jch trat näher und traf mehrere Brüder meines Volkes. In der Mitte sass ein alter Rabbi aus Rumänien, daneben ein junger Rabbiner und mehrere iungc Leute. Ls war'•das erste Mal in meinem Leben, dass ich erfahren sollte, dass unsere Sprache wirklich wieder zu neuem Werden erstanden ist. In der Benutzung des Hebräischen lag hier nichts Posiertes. Juden aus aller Herren Länder! Sollten sic sich nicht endlich des Nächstliegenden erinnern, utn sich zu verständigen? . Es tat mir leid, dass später das Gespräch eines Schülers der Alliance wegen, der in Palästina in der Ackcrbatischule (Mikweh Israel) erzogen worden war, auf Französisch weiter geführt wurde. Der junge Mann, der heute an einer Bank in Egypten beschäftigt ist, behauptete zwar, etwas Hebräisch auch reden zu können; gehört habe ich davon nichts und schliesslich kann er ja auch nichts dafür, dass er als Palästina!* scr nicht Hebräisch verstellt. Noch manches ücschichtchen wäre von der Reise zu erzählen, wie das. dass der junge Rabbi für den alten ein zweiter Classc-Bilett löst, damit der alte doch etwas ruhen kann. Und dabei hat er den Alaun noch nie in seinem Leben gesehen. Und der Greis verschwindet lachend und immer noch plaudernd: ״Gott hat gegeben und er wird geben. Und auch unser Volk wird noch eines Tages das Seine erhalten.“ (Fortsetzung folgt.) Professor Boris Schatz über den ״Bezalel“ Einige Worte über die häusliche Kunstindustrie. Bei allen Vervollkommnungen der Herstellung von Waren auf dem Wege der Fabrikation durch Maschinen blüht noch in allem Löudern die ländliche Hausindustrie, die die Maschine weder verdrängen konnte noch verdrängen wird. Sie wird Dessen ist ihr Kind nicht fähig! Ist sie nicht nach wie vor ihr gutes,' einziges, herzliebes TÖchterchcn, das in Gottesfurcht und edler Menschensitte erzogen ist? Wahrend sie in dieser Weise mit ihren Gedanken beschäftigt war, stand der Portier noch initiier gekrümmten Rückens da und erwartete ihre Antwort. Sie .wolle nur, sagte jetzt Sara dein Portier, dass er ihr Gelegenheit gebe, die Künstlerin aus der Ferne zu sehen. . Er versprach ihr, sie abends in ein Seitengemach zu bringen und es so einzurichten, dass die Tür des Saales offen bleibe und sie die Diva nach Herzens- Inst ansehen könne. Es war Abend, als Sara, hoehklopfcnden Herzens, |m Nebengemache wartete. Da ging die Tür endlich geräuschvoll auf," Sara erblickte ihre Tochter — und in diesem Augenblicke war es, wo der Wind jenes' klagliehe Seufzen hjneintrug, bei dem die Sängerin so! krampfhaft' zusammenzucktc. Tags darauf zog man aus dem Teiche, der hinter dem'Palaste .lag, eine Frauenleiche. An demselben Jage erhielt der Rabbiner ein Schreiben, das von einer bedeutenden Summe begleitet war. Die Ertrunkene, hiess es ln demselben, sei die Tochter des grossen Rabbiners in D. und zeitlebens eine Perle der Frauen, ein Ideal weiblicher Sittlichkeit gewesen, man möge das bleiben: 1. dank dem Stoffe, aus welchem die Gegenstände gemacht werden und 2. dank der'Art und Weise der Herstellung. Bekanntlich gibt es viele Stoffe, die sich nicht so leicht mit Maschinen bearbeiten lassen, wie z. B. Steine. Holz. Perlmutter u. a. Darum ist cs auch bisher der Maschine noch nicht gelungen, das schweizerische und holländische Holzgewerbe und die italienische Bearbeitung des Marn! •rs zu vernichtcn. ebensowenig wie sic die persische und smyrncnsisclie leppichknnpferei und noch andere Kunstgewerbe, die in der ganzen Welt existieren ,verdrängen konnte. Wenn nämlich die Erzeugung auf maschinellem Wege eine lolmcnie sein soll, so muss die Maschine viel Zehntausendc von Stücken her stellen, während bei der Hausindustrie die Produkte darum wertvoll sind. weil sie sich durch Vielgestaltigkeit und indi- \iduellen Cliaraktcr auszeichnen. Uin mm die häusliche Kunstindustrie zu entwickeln und zu erhalten, errichteten alle zivilisierten Länder dekorative Schulen für Werkmeister. Museen. Abend-Zeichenkurse für Arbeiter. Ganz besonders bestreben sielt diejenigen Länder, die־ häusliche Industrie zu fördern, die an Bodenntangel leiden oder unfruchtbar sind; denn zusammen mit dem häuslichen Kunstgewerbe kann der Bauer existieren, wenn sein Landteil noch so klein und gering oder nicht besonders fruchtbar ist. *B c z a I e l“. I. Unser Komitee ״Bczalcl" stellte sich nun zur Aufgabe, die erwähnte Haus- und Lntidindusirie in Pa iä s t i n a־ zu verbreiten, uni dadurch dem jungen gesunden Elemente der Bevölkerung die Möglichkeit zu bieten, im Lande zu verbleiben und neue Einwanderer ausicdcln zn können. Um sich den Erfolg zu sichern, beschloss unser Koniiteo, 1. auf die moderne Art und Weise des Unterrichts. 2. die neueste Art der Herstellung und 3. auf den Vertrieb solche Aufmerksamkeit zu richten, das letztere namc;u;:ch deshalb, damit mau vor diebischen Vermittlern, wie sie Bulgarien und Damaskus kennen, gesichert sein soll. f 1. Art und Welse des Unterrichts. Das Komitee, errichtete; . a) eine dekorative Kunstschule zur Vorbereitung von Fachlehrern und Musterzeichnern. Zu diesem Zwecke veranstaltete das Komitee einen Konkurs für eine beschränkte Zahl ganz besonders talentierter Schüler, denen man eine europäische Kunsibildung airi gedeihen lassen will. b) Abendkurse im Zeichnen für Arbeiter wo sic im Zeichnen soweit gebracht werden sollen, dass sie auch nach Kunstmodellcn arbeiten können. c) Ateliers mit allen kunstgewerblichen Spezialitäten. II. Die Art und Welse des Gewerbebet ri.hs. Damit die Arbeiter des ״Bezalei" imstande seien, die Konkurrenz auf dem europäischen Marktu zu bestellen, müssen sic sich Geld unter die Armen der Stadt verteilen und ihr auf dem Jüdischen Friedhofe ein ehrenhaftes Grab bereiten. An demselben Taue sah man auf dem jüdischen Friedliofe eine schlanke, schwarzgekleidete und dichtverschieierte Frauengcstalt, sielt über ein frisches Grab bcug.cn, selbst einem Grabmal gleich, still und traurig, ein versteinertes Bild der Trauer, und an demselben Tage noch verschwand eine berühmte Sängerin aus der glänzenden Welt, die sie bisher bewundert hatte, und zwar spurlos und für immer. Jahr für Jahr erliic!: jedoch der Rabbiner jener Stadt in Italien eine gross: Summe mit der Bestimmung, dieselbe unter die Armen der Stadt zu verteilen und Jahr für Jahr zeigte sich in der alten Synagoge in Prag eine schlanke, schwarzgckleidete und dichtverschleierte Frauengcstalt, die da inbrünstig betete. Wo man einen Tote» bestattete, wo es einen Schwerkranken zu pflegen gab, dort war auch eine schlanke, dichtverschlcierte Frauengestalt zu sehen, die überall mittrauerte, mithalf, und wo es nötig war, mit vollen Händen spendete. Niemand wusste, wer sie war und woher sic gekommen. Aber es gab einzelne, die wissen wollten, dass es jene verschwundene Sängerin gewesen, die Geliebte des Fürsten B.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.