Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651480--03852-2660798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 33 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 493 und im Gegenteil die Schwaben, die meist längst den Pilug beiseite gestellt haben und Handelsleute sind, durch die Judeneinwanderimg direkt reich werden. Wir gönnen es ihnen. Es wäre sehr s hön, wenn die Angaben über Besitz der Juden an Boden bei Jaffa, Tiberias um! im Ostjordanlande wahr waren. Leider ist das aber nicht der l all. Jedenfalls kann man wieder einmal sehen, dass die evangelischen Deutschen in Palästina ebenso judenfeindlich sind, wie die schwäbischen Templer andererseits im besten Einvernehmen mit den jiidisehen Kolonisten leben. Aber sie sind auch weniger Händler als die Evangelischen. Palästinaausstellung Anlässlich der 25. Jahreswende der Gründung einer moderneu jüdischen Kolonie in Palästina wird im kommenden Jahre!9117 in New Y o r k eine gross angelegt Ausstellung palüsti• rischer Produkte stattfindcii. Die Ausstellung, die im grossen Stile angelegt werden soll, wird den Entwicklungsgang de!־ Industrie. Landwirtschaft. Kunst und des Gewerbes in Palä stina während der letzten 25 Jahre veranschaulichen. Die Verbreitung und das Arrangement der Ausstellung, welcher auch ein grosser agitatorischer Wert beigemessen wird, hat die Federation of American Zionists im Sinne des jüngst erbrachten Konvcntionshcsehlusses. übernommen. Misrachi im amerikanischen Zionismus " Die inisrachistschc NATIONALZEITUNG in Wien schreibt: ״Zu verschiedenartigen Kommentaren gab der Umstand Anlass, dass die gesetzestreuen Zionisten, welche in der Mi$* rachigruppc vereinigt und hier sehr zahlreich sind, von dem jüngsten, in Taiinersville »!'gehaltenen Zionisteutag ostentativ iernbliebcn. Nun hat die misrachistische Leitung in Amerika in einem ,.offenen Brief“ eine Erklärung tiir das Fernbleiben ihrer Gruppe gegeben. In der Erklärung wird darauf hingewiesen, dass fast lauter entschieden religiöse Elemente die Geltung des Zionismus an sich gerissen 1!:.*;c i. Obgleich der Misrachi bezüglich seines ferneren Verhaltens noch keinen Entschluss gefasst hat. fiihit er cs schon heute. dass ii!:n ein engeres Zusammengehen not dem Zier!* :“.es auf die Datier unmöglich gemacht wird.“ Wo ist die Logik? Die Echtheit das Pentateuchs . Leo X1IL. der bekanntlich auf dem Gebiete Wissenschaftlieber Forschung von einer bemerkenswerten Objektivität war. hatte in seinen btzteu Lebensjahren eine Kommission eiligesetzt, die sich mit der Frage befassen sollte, wie weit die Bibelkritik, die auch unter den katholischen Theologen immer mehr Anhänger gewinnt, in ihren Untersuchungen gehen dürfe, ohne mit den Satzungen der Kirche in Widerspruch zu geraten. Leo starb darüber weg und unter Pius X. hatte man bisher von da Tätigkeit dieser Kommission nichts gehört, die. wie mau sagte, auf Wunsch des Papstes ihre Arbeiten nicht weiter fortgesetzt habe, weil Pius die Rechte der Kritik nicht erweitern wolle. Nun ist aber doch im ״Osser.vatore Romano“ d־e Entscheidung der Kommission bezüglich des sogen. Pentateuchs und der Autorschaft des Moses daran, veröfientliclit worden. Es wird darin festgestellt, dass die von den bisherige 1 Kritikern zur Bekämpfung der mosaischen Echtheit des Pentateuchs zusamiitengebrachten Gründe nicht so wichtig seien, um behaupten zu können, dass nicht Moses der Urheber da nach ihm benannten Bücher sei. sondern da"., diese Bücher zum grössten Teil nach mosaischen Quellen zusannnengesetzt seien. Dagegen lasse die Kirche die Annahme gelteiL dass Moses nicht alles und jedes mit e gencr th. d geschrieben oder seinen Schülern diktiert habe. so::d,*־n ,!a.-s er das von ihm unter Einfluss göttlicher luspiratim k־mzVertc Werk einem «der mehreren andern zur Abfassung i.bergcbcn hätte.'dass es aber trotzdem nur das enthalte, was von Moses ausdrücklich gebilligt worden sei. Ebenso dürfe zugegeben werden, dass Moses zur Herstellung seines Werkes gcschriebene Dokumente und mündliche Überlieferung als Üuellcn ververwandt habe, aus denen sich manches, durch göttliche Inspiration bearbeitet, in den Büchern des Pentateuchs finde. Vorbehaltlich der Entscheidung der Kirche und unter Wahrung der im wesentlichen mosaischen. Echtheit der Schriften dürfe gleichfalls behauptet werden, dass im Laufe so vieler Jahr• hunderte manche Veränderungen au den heiligen Büchern vorgenommen worden seien, freilich nur, soweit sie sielt auf Äusserungen bezögen, wie etwa Zusätze nach dem Tode des Moses. Umänderungen von Worten aus einen! veralteten Dialekt in einen jüngeren und fehlerhafte Lesarten, soweit sie sich auf Versehen von Abschreibern zurückiührcn liessen. Wie man sieht, hat die Kirche den modernen Forschungen ganz bedeutende Zugeständnisse gemacht, indem sie an der Einheit der fi!11f Bücher und der unmittelbaren Autorschaft des Moses nicht mehr fcstliält. Sprechsaal r־1־־^ Fßr die Mttteflungch an dieser Stelle Obemlmmt die Redaktion nur die pressgesetillche VerantworUichkelt .-. - - - — - — I. Der Pansemitismus Im Monat September wird die erste Nummer einer neuen Zeitschrift erscheinen unter dem Titel: ״L e P a n s <5 m i t i s m c*\. Diese Zeitschrift wird in den Dienst einer neuen Idee treten, und zwar fiir die Verbrüderung sämtlicher Nationalitäten dei semitischen Rasse, besonders der beiden Hauptzweige: der Araber und der Juden. In diesem Bündnis finden die Araber ihre Rechnung in der abendländischen Zivilisation, in dem Unterneliuiuiigsgeist. in den finanziellen Talenten und in den anderen Eigenschaften der Juden, welche sic ergänzen und vergüten, durch die numerische Kratt. sowie ihre durchgehend politische Staatsoiganisation. Die neue Zeitschrift wird von einem Komitee redigiert werden, welches sich aus Arabern. Juden. Syrern und Armettiern zusammensetzt, unter .der General-Direktion des Initiators und geistigen Urhebers dieser Idee. Herrn Zabi ibu Jliyas. Hie, Verwirklichung der pänsemitiscliai Idee Ist keineswegs gedacht irn Geiste der Feindschaft, sei cs gegen die Türken, sei es gegen die Christen. Bezüglich der letzteren ist der Einschluss der Armenier der beste Beweis davon, dass, obwohl die politische Hegemonie bei der Vereinigung der semitischen Staaten der Türkei reserviert bleibt, falls, wie zu erwarten wäre, sie sich der pansemitischcn Idee günstig gesinnt zeigen wird. Obgleich heute diese Idee von vielen Leuten als Chimäre angesehen werden könnte, sind ihre Vertreter überzeugt, dass nur sic cs ist. welcher die Zukunft im Orient gehört. Denn die verschiedenen Nationalitäten, die semitische sowohl wie di_e Türken, bedürfen eine der anderen und müssen sich wirb schaftlich unterstützen, wenn sie nicht wollen, dass die Grossmachte des Westens Vorteile aus ihrer Uneinigkeit ziehen können, uni sie allmählich zu verschlingen. Ausserdem haben d.ie Araber, welche die Nachbarländer Palästinas bewohnen, mit dem jüdischen Zukunftsstaat zu rechnen, welcher früher oder später nicht verfehlen wird, ein fait accompli zu werden. Es wird alsdann von unschätzbarem Werte für die Araber sein, .mit diesem Volke ztisammenzugehcn. von so viel grossen Eigenschaften. Wenn also die Araber sich entschlicsscn. schon jetzt den Juden die Hand zu reichen zum brüderlichen Bunde und sie in ihren Bestrebungen unterstützen, so werden sie Anspruch gewinnen für ihre tiefe und ewige Erkenntlichkeit Wir werden jedenfalls im Augenblick uns nicht darüber in Erörterungen einlassen, welche die Bedeutung dieser Allianz, für die anderen Gruppen, welche wir genannt haben, Kai aber alle Gesichtspunkte werden eine vollkommene Erörterung in der Zeitschrift selbst finden. Fiir die semitisch-muharmnedanisclie **Nationalität würde die kommende Verwirklichung der pansemitischcn Idee von einer hervorragenden und unübertroffenen Bedeutung sein, von einer viel grösseren Wichtigkeit als die panislamische. Denn mau legt seit lauge der Religion nicht mehr die Stellupg bei. die sie früher besass. Wir sehen die stets wachsende Abnahme des religiösen Gefühls, dass die Religion selbst von Tag zu Tag an Terrain verliert. Ein Bund wirkungsvoll und dauerhaft auf religiöser Basis ist in unseren Tagen nur noch ein scheinbarer, weil die nationalen Einflüsse ihn verdrängen müssen. Es mus« uns gleichgültig lassen, in aer tätigen panislaniisclicu Bewegung. So hat die panislamisehe Bewegung in Aegypten einen rein nationalen Ursprung. Die Zeit der Religionskriege• ist vorbei. Die Muhammedaner von Indien, Persien und China werden ohne weiteres zu den Waffen greifen, um ihren Religionsgcnosscn in der Türkei zu Hilfe zu kommen und die Besitztümer des Grossherrn zu verteidigen.' Und wie steht cs mit der grossen Anzahl (100000) christlicher Araber? Und mit den niuhammedatiischcn Albaniern. welche sich öffentlich gegen die Türkei erklärten? Glaubt mau, dass sic auch teil nehmen werden an der panislamitischcu Bewegung? Heute können nur die Allianzen existieren, die auf gemeinsamen Interessen gegründet sind. Aber eine Gemeinsamkeit dieser Natur befindet sich in Wirklichkeit hei den semitischen Nationalitäten. Es ist genau eine Frage ihrer Existenz, ihres Gedeihens und ihrer folgerichtigen Ent- Wicklung, dass sie dahin kommen werden, sic nur zu stürzen durch das Mittel der pansemitischcn Idee. Zy.