Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 494 JÜDISCHE RUNDSCHAJJ No. 33 . II. ־ * Es wird uns Beschrieben: , ״Wie bekamt, wurde der Jetzige Obcrrabbiüer der 22 ackerbautreibenden Kolonien des Chersoner Gouvernements gewesener Obcrrabbiüer, Dr. phil. M. Kreps. von seinen remden daran beschuldigt, als ob er die russische Administration in ihrer Unschuld im Odessaer Pogrome zu verteidigen gesucht hfltte. Pa *um hat Herr Dr. Kreps von der Gcincindc gefordert, dass ein-Ehrengericht der Sache auf den Orund gehe upd die Wahrheit ieststclle. Es wurden wirklich 23 •Ehrenrichter \(n den angesehensten jüdischen Bürgern von Odessa (Rabbiner. Rechtsanwälte, Aerztc, Lehrer. Gemeinde- Vorstandsmitglieder) gewählt, welche die Sache gründlich untersuchten. Und so hat das Ehrengericht einstimmig beschlossen, dass der Rabbiner Dr. Krens ein Opfer der Verleumdung geworden sei. dass er ausserdem in keiner Beziehung während des Pogroms schuldig sei, im Gegenteil, er hat heilig und aufopferungsvoll seine Pflicht als Rabbiner erfüllt, und so ist unser alter Gesinnungsgenosse. Rabbiner Dr. phil. M. Kreps vollständig rehabilitiert.“ Kleine Mitteilungen Odessa. Der Rat der Universität beschloss beim Ministcrium die Zulassung sämtlicher jüdischer S 111 d e 11t c n zu beantragen, die zu Beginn des neuen Semesters um Zulassung zum Universitätsstudium bitte 11. Bad Eimen (Regierungsbezirk Magdeburg). 9. August. Für jüdische Kinder ist hier ein neues Genesungsheim nach dem Entwürfe der Magdeburger Bau- und Kreditbank erbaut worden. Aufnahme können 300 Kinder finden. Frankiurt a M. Auch;. "esem Jahre hat ein von Herrn Realschuldircktor Dr. Lange geleitetes Komitee während der Dauer der Ferien für nahezu hundert erholungsbedürftige Kinder, zumeist Schüler und Schülerinnen der Israelitischen Volksschule gemeinsamen Waldaufenthalt organisiert. : Aus De Haag schreibt man dein PETIT BLEU, dass ge* Icgentlich der Einweihung des Fricdcnspalastes in dieser Stadt eine internationale jüdische Ausstellung eröffnet werden soll. Man will in dieser Ausstellung den Besuchern vornehmlieh Zahlen, Tabellen, Statistiken, historische Darstellungen, Illustrationen der Verfolgungen, deren Opfer die Juden im Laufe der Jahrhunderte, und besonders in diesem Jahrhunäert in Russland, geworden sind, vor Augen führen; ferner Zahlen. Tabellen tisw״ welche zeigen sollen, eine wie bedeulende Rolle die Juden in der Entwickelung der Zivilisation, der Kunst, der Literatur, der Industrie gespielt haben. Die jüdischen Kfn.stler der ganzen Welt sollen ersucht werden, ihre Werke .auszustellen; die jüdischen Komponisten sollen ihre Kompositionen selbst dirigieren. Anlässlich der Ausstcllung sollen auch wissenschaftliche Kongresse* stattfindeji. Italien hat in der Person des jüdischen Professors, dci Rechte. Fusinato. einen neuen Unterrichtsminister erhalten. Odessa. II. August. (Russ. Korr.).«» Der hiesige Stadthauptmann hat vertraulich die Stadtverwaltung aufgefordert, künftig keine Juden In den städtischen Dienst aufzunehmen. Von der Aussch'.iessung werden auch Aerzte. Rcchtsbeflisscnc. Ingenieure. Techniker betroffen. Die Aufforderung ist auf ministerielle Zirkularverfügung aus Petersburg znrückzuführcn. Berlin. In unser Genossenscliaftsrcgister ist heute bei No. 254 (Verlag JÜDISCHE RUNDSCHAU. Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Berlin) eingetragen worden: An Stelle des ausgeschiedenen Ludw ig Behr ist Max Wolisteiner in Berlin in den Vorstand gewählt. Berlin, den 18. Juli 1906. Königliches Amtsgericht Berlin-Mitte. Abteilung 88. In Witten hat in den letzte« Tagen de! Rheinisch ־ westfälischc Verband der Vereine .fiir jüdische Geschichte und Literatur eine Sitzung abgehaltcn. U. a. wurde auch für den nächsten Winter die Rednerliste fiir Vorträge in den einzelnen Vereinen festgesetzt. Die Haupttätigkeit des Verbandes liegt in dem Entgegenkommen der grösseren Vereine, durch Zahlung höherer .Honorare auch den kleineren Vereinen die Möglichkeit zu bieten, Männer von Ruf für Vorträge im Laufe des Winters zu gewinnen. Aus Sassnitz auf Rügen wird geschrieben: ..Vor einigen Tagen las ich hier, wo im übrigen von Antisemitismus nichts?u spüren ist. a־t der Tür des Geschäftes von J o I! a n n Mer 1. Ecke Weddincstrasse und Prinzen-Allee, einen grossen Anschlag folgenden Wortlauts: ,.Israeliten, die dies Oeschüft betraten, werden wegen H a 11 s f r i e d e n sbruch belangt“ Darüber stand noch auf einem kleineren Zettel: ״Israeliten draussen bleiben.“ Binz auf Rügen. Der Kommerzienrat Z. aus Berlin gab in dem Restaurant Imperial ein Fischgericht mit dem Bemerken zurück, es schmecke ihm nicht und da er magenkrank sei, wolle er sich nicht der Gefahr aussetzen, sich den Magen zu verderben. Der Wirt hörte das. fuhr den Gast an und traktierte ihn mit Kraftausdriicken wie ״v erflucliter Jude!“ Als der (last erregt aufsteht. wird er aufgefordert. sofort das Lokal zu verlassen. Beim Hinausgehcm bekommt er noch Liebenswürdigkeiten folgenden Stils zu hören: ״Das verdammte Jude 11 pack, das hat man davon, dass man solche Hunde r c i n I ä s s t.“ Dabei fuchtelt der Wirt mit einem Stuhl in der Luft herum, wobei eine Scheibe in Trümmer gebt. Ein anderer Gast, der sich weigert, zu bezeugen, dass ״der Jude" äugefangen habe, wird ebenfalls an die Luft befördert. ״Der Jude" hat der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Goslar a. II. Der Niedersächsische Hoi (Hotel und Kaffee), Inhaber Piper, ist ein s t r e!1 g christliches Maus, und wünscht, wie die STAATSBÜRGERZE1TUNG mitteilte, keine jüdischen Gäste. Bad Wildlingen. Zu den ״streng c h r i s 11 i c he n" Sommerfrischen zählt, wie wir einem Schreiben des Elablissements entnehmen, die Pension Villa Wald-Eck. Die lnhaberin desselben, eine Frau Dr. T11 i 1 c 11 ins erteilt;: et :גז jüdischen Hcmi auf seine Anfrage die folgende An:•..:011־ ״Leider ist es mir nicht möglich. Ihnen das Zimmer zu überlassen, da ich nur mit voller Pension vermiete und mein Haus streng christlich ist.“ Frau Dr. '1'h i l e 11 i 1! s!: st gewiss als streng christliche l'rau recht oft das 13. Kapitel des ersten Korintiicrlirieies. Man kann freilich auch recht ״streng christlich" sein, und die Bibel überhaupt nicht lesen. Welnliclr.1 a. Bergstr. Letzten Freitag fand unter Teilnähme der gesamten Bevölkerung die feierliche Einweihung der neu.en Synagoge statt, nachdem am Donnerstag der Abschicdsgottcsdienst in der über 200 Jahre allen Synagoge abgehalten worden war. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Pinkiiss-Hcidelberg. Posen. Wie dem DZIENNIK KUJAWSKI berichtet wird, ist zum Vorstandsmitgliede der katholischen Seimigeineinde in Way.tschin der jüdische Krugwirt Baschwitz gewählt worden. Das Dorf ist durchweg polnisch und cs wohnt dort nur ein Jude, der genannte Krugwirt. —' Herr Baschwitz teilt dem DZIENNIK nun mit, dass er die Wahl ablehne, uni den Angriffen der polnischen Zcitungspresse ein Fndc zu machen. Im übrigen habe er an der katholischen Schule in Woytschin dasselbe Interesse wie jeder andere Biirger. da er zu den Unkosten der Schule beisteuere und die Schule als Kind seihst besucht habe. Hamburg. Die Arbeiter der A. L. Mohrschcn Margarinefabrik A.-G. in Bahrcnfcld beschlossen in einer bei Ott in der Friedcnsallec abgehaltenen Versammlung, ihre Uuterstiitzungskasse auffliegen zu lassen und von dem ca. 1100 Mark be tragenden Kapital 300 Mark für die notleidenden Juden nach Russland zu senden. Fulda. Auf Anordnung der Hanauer Staatsanwalt- Schaft wurde am Montag auf dem hiesigen israelitischer» Friedhof die Leiche des russischen Juden Moses Bog u sc hen exhumiert und seziert. Dieser alte Mann übernachtete ajn 10. Juli d. J. auf dem Heuboden über dem Vichstall des Jaakob Goldschmidt hier und wtirde am anderen Morgen mit einem Schädelbruch tot im Vichstall autgefunden. Er soll durch die Bodenluke aufs Pilaster gestürzt sein, doch fiel es aui. dass seine drei Begleiter spurlos verschwunden waren. Lemberg, 4. August. Um den Wahlkreis des verstorbenen Dr. Byk in Brodky-Zloczow bewirbt sich unser alter Gesinnungsgcnossc, der bekannte polnische Essayist Dr. Adolf Stand. Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees. Lezajsk (Galizien). Ein grosser Brand hat 1800 jüdische Seelen obdachlos gemacht und mehr wie 700 000 Kronen Schaden verursacht. Kopyczynce. Eine schwere Konkurrenz, machen die ..Barmherzigen Schwestern“ den jüdischen Geschäftsleuten, indem sie ein Geschält gegründet haben, welches alles für die Bauern Notwendige führt. Die ״Barmherzigen Schwestern!!“ bemühen sich auch noch um die Erlaubnis, geistige Getränke verkaufen zu dürfen. Aus Schweiulurt schreiben die KULMBACHER NACH- RICHTEN: ..ln der St. Johanniskirchc fand am Sonntag die Taufe eines jüdischen Rcchtspraktikantcn aus Wü'rzburg statt." Es ist bedauerlich, dass der Name des wackeren Jünglings nicht genannt wird, der durch diese Juristentat die Eignung