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Jüdische Rundschau · 1906-08-17 · Heft 33 (17.8.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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*io. 33 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 491 Vagabund begangen, am welchem der Verdacht lastete, ei habe in Höhnten mehrere Sittlichkeitsverbrechen begangen. Dieser Verdacht wurde noch durch nachstehenden Umstand bestärkt. In ucr Nähe der Leiche der Agnes Hruza wurde ein blutbefleckter Stock gefunden. Line Zeugin aus einem Nachbardorfe, die Gattin des dortigen Ortsvorstehers, beschrieb deutlich den jungen Mann, der sich im Walde einen Stock abgcscliuittcn und abgeschült hatte, ülmlich jenem, welcher in der Nähe der Leiche gefunden wurde. Ausdrück• lieh erklärte sie. dieser junge Mann sei nicht Hilsner gewesen. Nun brachten von kurzem alle Zeitungen ausführliche Berichte über den Frauemnörder Dittrich. Derselbe wtlrde in Triest inhaftiert und an die deutsche Behörde ausgeliefert, ohne dass — merkwürdigerweise -- er an jene Behörden ausgeliefert wurde, die über Frauen- und Mädchenmorde Unter- Weitungen eingelcitet hatten. Dittrich bekennt sich zu vier ־ Frauenniordeu in Deutschland und zu fünf Frauenmorden in Böhmen. Als Dittrich im Juni 190ö von Dresden, wo die Untersuchuug gegen ihn geleitet ward, nach Berlin cingelieiert wurde, schrieb ein Berliner Blatt: '» Ein Scheusal In Menschengestalt. Gestern' nachmittag •trat aus Dresden der Massenmörder Max Dittrich aui dem .Anhalter Bahnhof au. Unterwegs wusste, der Krinüualkommissar ein umfangreiches Geständnis Dittrichs zu bekommen. . Dieser gab au. wo sich das zur Ermordung der Portiersfrau ..Schurm‘: unweit Zeuthen benutzte Messer und die dabei getragene blutige Hose befanden. Beide Gegenstände sind daraufhin auch schon herbeigeschafft worden. Dittrich erzählte, er habe die Frau Schurm schon in einiger Lntfcrmmg bemerkt und sei ihr mit gezücktem Messer cntgegcngcgangcn, da sein ״Koller“ über ihn gekommen wäre. Die Frau hätten flüchten wollen. Er habe sie cingcholi und ihr einen Stich in den Hals beigebracht, so dass sie sofort mit kurzem Aufschrei umgefallen sei. Dann habe ihn eine solche Wut erfasst, dass er ihr noch zahlreiche Stiche beigebracht habe. Lr leugnete auch nicht, dass er ein Sittlichkeitsverbrechen versucht hat. Dittrich erzählte weiter, dass er nach der Tat drei Damen mit dem weissen Hunde auf der Chaussee gesehen habe, die ihn aber .wohl nicht erblickt hätten, da er sich in die Fichten ..geduckt“ habe. Von den Damen und dem Hunde gal) er eine genaue, ־völlig zutreffende Beschreibung. Auch zu dem Morde an dei Schiffcrsfrati ״Grasstück" machte Dittrich neue, völlig zutreffende Angaben.; v; Er erzählte, dass die Frau zwischen Eichwald und Zeuthen ' auf dein Moose gesessen und ein Butterbrot gegessen habe. Dittrich hat sich zu der Frau gesetzt und wollte “licbenswürdig“ werden. Frau Grassnick wehrte ihn ab und benutzte ..dazu schliesslich ihr Brotmesser. Er habe ihr dies mit Gc- Walt entrissen; es sei zu einem Ringen gekommen, bei dem er in die grösste Wut geraten sei. Er wisse deshalb nur noch, dass er ihr mit dem Messer den Hals bis auf der! Rückenwirbel aiirchgeschnitten habe. — Auch die fünf Morde •in Böhmen, unweit der sächsischen Grenze, deren Täterschaft Dittrich in seinem ersten Geständnis vor dem Dresdner Untersuchungsrichtcr einräumte. sind von ihm zweifellos verübt worden. Den Mord des kleinen Mädchens bei Riesa will Dittrich jetzt bestreiten. Ebenso sucht er den Vorgang im Walde bei Königstein als ein einfaches Sittlichkeitsverbrechen hinzustellen, mit dem der Tod der Frau Opitz nicht im Zu- ־ sanunenhange stände. Die Dresdener Gericlitsärzte halten Dittrich für geistig gesund. Laut einem weiteren Berichte deckten sich die Ergehnisse der Lokalkommission an den zwei Mordstellen bei Zeuthen mit den früher gemachten Angaben Dittrichs. Wie aus diesem Bericht ersichtlich, war das Moti v der hier geschilderten Morde sowie ihre Durchführung ähnlich den Tatuuiständen bei dem Morde der Agnes Hruza — und Dittrich bekennt sich dazu, fünf ähnliche Morde in Böhmen begangen zu haben. Da wäre es doch angezeigt, dass auch die von Dittrich unbekannten Morde in regelrechte strafgerichtlichc Untersuchüng gezogen werden. An die österreichischen Rcchtsgelehrtcn richtete Herr Doktor Max Ncrdaü den Appell, eine Revision des Hilsner- Prozesses diirchzusetzen. Hicz!^ fehlte die Handhabe, ״ein neuer Umstand ', der bei dem •Prozesse entweder nicht bckaiint oder nicht, beachtet wurde. Auf einen solchen Umstand glaube ich hingewiesen zu haben, und ich appelliere an den Vorstand des Vereins ״Union“, an den Verteidiger Hilsners. Herrn Dr. Aurcdnicck. sowie an alle, die in dieser Angelegenheit das Recht zur Geltung bringen wollen, und stelle das Ansuchen, dahin zu wirken, dass auch wegen der fünf Fratienmordc. die Dittrich laut seinem Bekenntnisse in Böhmen beging, eine regelrechte strafgerichtlichc Un- Icrstichung einvcleitet wird. Die natürliche Folge hievön dürfte sein, dass die Revi- Sion des Hilsner-Prozesses sich von selbst ergeben würde. Prag, 4. August 1906. J. S. Kraus. Vorbereitung von Uudenmassakres In Sebastopol bereitet man, wie der DAILY MAIL-Korrespondent mitteilt, neue Judenrnassakres vor, uni. die -Aufmerksamkeit der Bevölkerung von den Meutereien abzulenken. Gedruckte Proklamationen, in denen aufgefordert wird, die Juden totzuschlagen, sind in beinahe einer halben Million Exemplaren vc«breitet worden. -Es zeigt sich sogar, dass diese F I u g z e 11 e I in der amtlichen Druckerei des Militärgouxerneurs von Scbasiopol gedruckt worden sindt Das jüdische Schutzkouiitee hat ferner Schriftliehe Beweise dafür, dass die Massakres. die an mehreren Plätzen in Bessarabien kürzlich stattfanden. von Sebastopol aus kommandiert und geleitet worden sind. Odessa. 7. August. Zwei Hooligans überfielen ,Juden auf dei Strasse und versetzten einem Messer- Stiche. Passanten überwältigten die Hooligans. Einer wurde nach Beseitigung eines falschen Bartes als Schutzmann entlarvt. Die Bevölkerung ist gegenwärtig ausserordentlieh erregt, es wird lebhaft der Generalausstand befiirwortct, der wahrscheinlich doch noch ausbrechen wird. Einige Regimenter der Garnison sind ebenfalls sehr unruhig. Die Sozialdemokraten suchen spontane' Putsche zu verhüten, do.ch sind solche bei der Stimmung der Bevölkerung nicht ausgeschlossen. Ungeachtet der strengsten Regierungsmassnahmen wurden grosse Mengen des Wiborgcr Aufrufs de! Dumainitglicder verbreitet. Die Sozialrevolutionäre arbeiten rege auf dem Lande. Uudenheize im russischen Heer Von einem Korrespondenten wird der RUSSISCHEN! KORRESPONDENZ geschlichen: Um die Agitation unter den Soldaten zu unterdrücken, wird alles mögliche unternommen• um das Militär von dem verderblichen Einfluss der zivilen Leute, hauptsächlich der ״verfluchten Juden" zu isolieren. Es wird den Soldaten natürlich eine grosse Dosis von dem Gift des ״schwarzen Hunderts״ eingeimpft. aber das gesunde Blut des Volkes überwindet das Gift. Um die Si'Stematischv Propaganda für das ״schwarze Hundert" zu zeigen, gebe ich hier eine Reihe von Befehlen wieder, die in der 3. Sappeur-Brigade, an deren Spitze der bekannte Kommandeur General-Leutnant Suchomlinow steht, erteilt wurden, in der genannten Brigade entstanden im Dezember vorigen Jahres Unruhen, die sehr schwere Folgen nicht .nur für die Teilnehmer sondern auch für viele Xichtbetciligte hatten. Die Befehle umfassen die Zeit vom 2. Dezember 1905 bis 10. April 19!6י. _ Unterwerfen wir sie einer Prüfung. In dem Befehl 3 vom 5. Januar 1906 wurde der unglückliche Ausgang des Krieges den Revolutionären zugeschoben: ״Um ihre Ziele zu erreichen, beschlossen sie die Zufuhr der Verstärkungen und des Pcovianbr iiir unsere Armee in der Mandschurei aufzuhalten, wodurch wir gezwungen wurden. Frieden zu schliessen. ohne den Feind besiegt zu haben." Die Feinde des russischen Volkes", lesen wir weiter, wollen verschiedene Komitees, die aus Juden. Polen und russischen Anarchisten bestehen, gründen. um über das Land zu herrschen. Sie wollen den Zar beseitigen und die ganze Macht an sich relssen. An der Spitze der revolutionären Banden, zu deren Bekämpfung das Militär aufgeiordert wird, stehen Juden und Anarchisten.‘ Dieser Befehl musste allen Mannschaften und Regimentern der Brigade drei Abende hintereinander beim Appell vorgelesen werden, damit ihn die Soldaten hörten und behielten! Den Soldaten, die aus anderen Mannschaften kamen, musste der Befehl besonders vorgelesen werden. Solchen Wert legte man darauf, dass die Soldaten die Juden als Haupturheher der Unruhen in Russland ansehen lernten. Der Kommandeur der 3. Brigade hat den Rassenhass an die Spitze des Kampfes mit dem inneren Feind gestellt, er bearbeitete dieses Thema in einer ganzen Reihe von Befehlen. Den 24. Januar 1906 wurde der Kommandeur des 14. Bataillons (Befehl Nr. 370) aufge-!ordert, für jede Rotte 20 Exemplare der lehrreichen Broschtfre: ״Erläuterung fiir den russischen Soldaten über das, 'vas li*2* 111 Russland vorgeht.“ zu kaufen. Die Broschüre ist von Hass gegen die ״Fremdlinge“ durchdrungen. Ihr Verfasscr. ״Stary Soldat“, warnt seine jungen Freunde vor der Idee des allgemeinen und direkten Wahlrechtes, da dieses System den jüdischen Wählern gegenüber den echten Russen den Eriolg sichere. In den Händen der Juden befinde sich ״der ganze Reichtum der Welt", sie verehren das Gold, das ist ihr lebendiger Gott, mit dessen Hilfe sic die ganze Welt zu beherrsche!! denken. An der Spitze der aufrührerischen Bande, der ,falschen Freunde des Volkes", stehen die verfluchten Juden. ״Richtig ist,“ bemerkt der Verfasser, dass cs

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