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Jüdische Rundschau · 1906-08-17 · Heft 33 (17.8.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 33 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 489. inhaltlich gebracht, um seine Harmlosigkeit zu zeigen, welche ■ chenerzählern aus dem Hilsncrprozess. deren krasse Widerauch durch seine einfache Kenntnisnahme seitens des Fiseker , Sprüche die Lammsgeduld des Staatsanwaltes mit Lächeln hin- Gerichtshofes bewiesen wird. I nahm. Das Organ des Ehrenbürgers tat mm so. als wäre durch Bulowa dxts Verbrechen begangen worden, den Gang der Vcrhandlung zu beeinflussen und Zeugen für ihre Aussagen zu bearbeiten. Ist das nicht die höchste Unverschämtheit und Unverfrorenheit? Das Verbrechen ist nämlich wirklich und in krassester Weise geschehen, aber nicht durch den Brief Dr. Bulowas, sondern durch die private Untersuchungskommission. welche Zeugen noch im Gericlitssaal terrorisierte und an der Spitze Hans Arnold Schwer, ein Redakteur des DEUTSCHEN VOLKSBLATTES, stand. Ganz Europa staunte und jedem anständigen Ocstcrreicher stieg darob die Schamröte ins Gesicht, dass die österreichische Justiz im Halle Hilsner unter antisemitischem Befehle stand, unter dem Diktat des Ernst Schneider, des Sei!wer. des Sadil und Vergant. -‘,Niemand wusste dafür die Erklärung, bis die Schntidcr’sche Erklärung von der Bestechung des damaligen Justizministers Ruber herauskarn. Und dieses DEUTSCHE VOLKSBLATT, welches die Hauptschuld und Leitung der antisemitischen Verbrechen an der Justiz hatte, wagt cs nun. mit der Gewandtheit einer gifticcu Rcptilie und mit verkommener Moral einen Unschuldigen dessen zu bezichtigen, was es selbst und niemand anderer bcgangen hat. Die Hüter der christlichen Moral mögen stolz sein auf diesen ireclic« Schwindel! Diese Leute dürfen sich solche Sachen leisten, denn seit jenen Tagen in Polna und in Pisek dürfen sie sich mit vollem Rechte als Hericn der österreichischen Justiz fühlen, die stär- "ker sind als die Gesetze. Wir fragten den Staatsanwalt, wieso es kommt, dass ein Akt aus dem Hilsncrprozess. wie der Brief Bulowas. in die Redaktion des DEUTSCHEN VOLKSBLATTES komme. Nun rühmt sich das Organ des dummen Kerls mit dem Stol/.c von Einbrechern, denen ein grosser Diebstahl gehingen ist. in einer Antwort ruf unseren Artikel, es sei vom Reviskinsrunmicl der ..Allianz" .nicht überrascht, sondern verrate nun das Geheimnis, dass es im Besitze noch mancher Dokumente sei. die auf den Hilsncrprozess und die versuchte Revision, ein grelles Schlaglicht werfen und die man zu gelegener Zeit der Oefientlichkeit übergeben werde. Das Material werde sich nicht auf Vermutungen, sondern auf Aussagen beeideter, ehrenwerter Personen stützen. . . Das kann gn! w erden. Hoffentlich kommt die gelegene . Zeit für die Bo rc;rea« > und 2: deren Fälschungen des DEUT- : SCHKN VOLKSBLAT1 ES recht bald. Heraus mit eurem Flcderwisch und zugestossen! Wir sind überzeugt dass es bessere Beweise fiir Hilrners Unschuld nichj gibt, als *die Schuldbeweise des Ehrenbürgers aus der Piistcrerpartei. Die eilrenwerten Leute, die .er uns als seine Unterstützung angibt, wo mögen die nur her sein? •Wird denn Vergani ausserhalb seiner Partei noch Zeugen finden? Wir fürchten leider, dass w׳ir wieder den ehrenwerten, alten Bekannten begegnen werden, dem Kilometergucker Pesack und all den beeideten Mär- Wir bitten aber den Ehrenbürger, nicht zu fackeln. Wir werten nun schon jahrelang auf einen Schuldbeweis fiir Hilsner. und da wir keine antisemitischen Bluthunde sind, sondern Menschen, so beunruhigt cs uns, einen vollkommen Unschuldigen auf Lebenszeit im marter vollen Kerker zu wissen. Auch betreiben wir Studien an Idioten des Ritualmordglaubens. Vergaiii, Ehrenbürger! Wir möchten unseren guten Schlaf wieder haben, unseren. Wissensdurst befriedigen. Heraus mit den Geheimnissen des Antisemitenhofes. mit den Beweisen von Hilsners Schuld! Wenn sie. wie die bisherigen, von Schwer geschrieben, von Schneider Stampiglien und von Vergani beglaubigt sind, wird jeder Mensch daraus die Wahrheit erkennen." . OEST. WOCHENSCHRIFT. Theoretischer Antisemitismus Die CUrlstlichsozIalen haben im Ruhrrevier grosse Pläne vor. Auf einer Konferenz von christlichsozialen Delegierten für die Ruhrwahlkreise am 5. August glaubte man feststcllerr gu können, dass die Partei stetige Fortschritte mache. Die Aussprache über die Wahltaktik der christiichsozialen Partei wurde nicht zu Ende geiührt; auf einer Herbstkonferenz soll darüber weiter beraten und Beschluss gefasst werden. In der Besprechung wurde von allen Rednern gefordert: Die Christliclisozialcn st Uten bei den allgemeinen Wähler 1908 hl den Industriewahlkreisen mit eigenen Kandidaturen Vorgehen, falls es nicht zu einer ehrenvollen Verständigung mit anderen Parteien komme. Heran Ihr Nationalliberalen! E'loss Bamberger Juden In einigen Blättern sind Angriffe gegen das Verkehrsministerium gemacht worden, weil es das Nichtanhalten des D-Zuges 39 in Furth •verfügt hat. Minister v. Frauendhrfer wies in der Abgeordnetenkammer diese Angriffe zurück und berührte hierbei die vom sozialdemokratischen Abg. Segitz gemachte Äusserung, wonach der Referent des Vcrkehrsniinisteiiums in dieser Sache gesagt haben sollte, in Fürth wäre für das Anhalten kein Bedürfnis, wer steige dort ein. höchstens ein paar J u d e 11 w e i b e r! (Abg Mjcmminger ruft: Sehr richtig!). . ״Eine derartige. Äusserürig ״״ fuhr der Minister fort — wäre .höchst beklagenswert: ■sic. ist aber *0 nicht gefallen. Ich war selbst Zeuge dieser Äusserung. Der betr. Beamte sagte: «Ich kenne die Verhältnissc persönlich aus meiner früheren Tätigkeit in Bamberg: w׳cr benutzt denn den Zug. höchstens ein paar Barnberger Juden.** daraus sind dann, wie die Sache durch mehrere Zungen hindurchging, wie es ja häufig geht, die ״paar Judcinvcibcr" geworden, und das klingt allerdings hässlicher. (Heiterkeit. Abg. Me in m i 11 ge r: Aber gleich ist’s-) Ich I. illigc ^:ese Äusserung nicht und habe auch dena betr. Beamten die erforderlichen Bemerkungen zugehen lassen. ‘ so atemlos und mit Angstschweiss bedeckt die Schwelle ihrer Türe, wo jedoch ein neuer Schrecken Ihre Glieder lähmte. Julie sass beim offenen Flügel, unweit von ihr •stand-ein schöner, schlanker, junger Mann, mit dem sie in eifrigem Gespräch begriffen schien und dem man in .Tracht, Haltung und Miene sofort den hohen Adligen .ansah. ... . ״Mutter!" rief Julie, indem sie Sara freudig zur ,Türe erttgcgenflog. ״Seine Durchlaucht, Fürst B., Bc- *sitzqr unserer Stadt und der Umgebung, ist so gnädig,; tmS zu besuchen und uns seineuSchutz anzubicten, da. .er gehört hat, dass wir Verfolgungen ausgesetzt sind. . ,Doch vvas ist dir, liebe Mama, du siehst so bleich aus!“ ,.Nichts, Kindchen,. nichts“, erwiderte Sara, ״und . ich will nicht daran zweifeln, dass du dem Herrn Fürsten hier gesagt hast, dass wir seines Schutzes nicht; bedürfen• und uns 'cilitc'r־' unseren Glaubensgenossen׳ vollkommen sicher fühlen!“ j Der .Fürst stutzte. ,.So?“ murmelte er verlegen.! ״Dann hat mich also der abscheuliche Jude, der zu mir! ins Haus kommt, düpiert, indem er sagte, dass Ihr zumj christlichen Glauben iibergetretcu und infolgedessen! von Seiten der Juden allerhand Chikanen ausgesetzt .seid." %י ״Eine schwarze Lüge,“ schrie die Aermste eiitsetzt, ״wir leben treu unserem Glauben und unserem Volke. Wir brauchen keinen menschlichen Schutz. Eitel ist alle Hilfe, die nicht von• Gott kommt!" Der Fürst und Julie wechselten verlegene Blicke. Als der Fürst sich einige Augenblicke später etnp- -fahl und ihr nochmals seinen Schutz anbot, hatte Sara kein Wort des Dankes dafür. Nachdem sich die Türe hinter ihm geschlossen, sagte sic vollkommen ruhig: ״Trachte alles schnell zusammenzupacken, denn in drei Tagen müssen wir die Stadt verlassen haben." .,Wohin ziehen wir, Mutter?“ ״Nach Prag!“ .' Ehe drei Tage verstrichen waren, hatte sic das kleine Häuschen, das Erbe ihrer Väter, veräussert und an demselben Tage noch verliess Sara mit ihrer Tochter ihren Geburtsort, die Stritte, wo die Gebeine ihrer Eltern ruhten, wo ihre Wiege einst gestanden, wo sie die Tage der Freude verlebt, wo sie sich so viel Glück .geträumt ....

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