Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 33 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 487 Inioljsc ths ständigen Fluktuicrcns der Emigranten ist die Zahl der Schfiler, eine wechselnde. Im Kanzen haben die Schule, die zwei Kurse abhielt, einen für AntTuiKer. einen für Vorgerückte. 12.3 Schüler besucht, darunter auch einige Frauen. Es wurden an 74 Schultagen 259 Unterrichtsstunden erteilt: infolge einer besonderen Spende von Herrn Rechtsanwalt Garkawy, Moskau, konnten, soweit es möglich, die Schulsachen gratis gegeben werden. Gegen eine entsprechende Vergütung hat die Stadt Zürich eines ihrer Schullokale hergegeben. Im Winter haben 7. im Sommer 11 Lehrer und Lchreriniier• den Unterricht erteilt. Es ist nicht zu zweiieln. dass eine ganze Anzahl jüdisch-russischer Arbeiter, die in Zürich Station gemacht haben, aut diese Weise in ihrem späteren Fortkommen wesentlich gefördert wordeu sind. Vom Hilfsverein Entsprechend dem Antrag der Deutsch-Israelitischen Kultusgemeinde zu Sofia, die dringend um einen Lehrer zur Erteilung von Unterricht in der deutschen Sprach/ bat. hat der Hilfsverein der deutschen Juden eine tüchtige Kraft gewonnen — Herrn Siegmund Ruda, z. Zt. Berlin, der im Oktober sein Amt an der Schule in Sofia antreten wird. Bei der wachsenden Bedeutung, die der deutsche Handel in den Donaukindern und im Orient gewonnen 'bat, ist die Kenntnis der deutschen Sprache ein höchst wertvolles und in seiner Wichtigkeit in immer weiteren Kreisen erkanntes und geschätztes Mittel, um Handelsbeziehungen und ev. gute kaufmännische Stellungen zu erlangen. Es bestellt daher ein lebhaftes Bedürfnis unserer Stammesgenossen in den osteuro• paischen Ländern und der europäischen wie asiatischen Türkei, der jungen Generation die Kenntnis der deutschen Sprache in einer zur Verwertung im praktischen Leben geeigneten Weise zu verschaffen. Es liegen dem HiUsverein eine ganze Reihe von Gesuchen aus den genannten Ländern um Bewilligung von Mitteln ifir deutschen Unterricht »*so Entsendung von deutschen Lehrern und Lehrerinnen vor. Der Hilfsveiein der deutschen Juden wird im Rahmen seiner finanziellen Mittel den in dieser Riehtuug an ihn hc rantretenden Wünschen zu entsprechen suchen. Für. J u r bu rg (Georgenburg), die russische Nachbarstadt Tilsit’s. die dutch ein grosses Braudunglück heimgesucht worden ist — V* der Stadt sind cmzcäschcrt und etwa 200 Familien von Stnmmesgenosscn haben ihr Mab und Gut eingebässt — hat der Hilfsvercin der deutschen Juden auf Antrag seines Königsberger Provinzial-Kcmitees 1000 Mark bewilligt. Die 1000 Mark sind an das Orts-Komitee überwiesen worden, das als Vorsitzenden die Fürstin Wassüitschkow gewählt hat, und das sogleich eine umfassende Hilfsaktion für die Betroffenen eingeleitet hat. .; Als Beillilie für die Abgebrannten in Goniondz (hei Biatystak) hat der Hilfsvercin der deutschen Juden 500 Mark über- ,sandt.— Für die Opfer der Brandkaiastrophe in Uretschje (bei Bobruisk) — die den halben Ort in Asche legte und zahlreiche Jüdische Familien auf das härteste betroffen hat — hatte der Hüisverein der deutschen Juden Ende Juni 5000 Mark ein ״Weibsbild‘‘ *seinen Mund zum Singen auftat. War sie ja doch sicher, dass diese heitere Kunst einem keuschen Wesen, nur erhöhten Liebreiz verteilte und sie pflegte nicht ohne Mutterstolz hinzuzufügen, sie glaube fest, dass ihre Julie nach Prag heiraten werde, sie sei ja ganz für die grosse Stadt geschaffen. -Julie machte auffallende Fortschritte in Sprachen und Musik und verkehrte mehr und mehr in nichtjüdisclten Kreisen, in welche sie ihre christlichen Lehrer, die überall ihr Lob ausposaunt hatten, einführten. So geschah es denn, dass sieh Sara, verblendet durch die Liebe zu ihrem Kinde, Zu einem Schritte verleiten Hess, der unter ihren Glaubensgenossen allgemeines Aergernis hervorrief. •Sie Hess. nämlich ihre Tochter in fremder. Gesellschaft Theatervorstellungen besuchen, sogar solche, wo• man .,gottlose Gesänge“ und ״ausschweifende Tänze“ sieht. — Nicht die Verdienste ihrer Eltern, nicht der Ruhm ihres Mannes, nicht ihr eigener guter Ruf vermochten sie diesmal gegen die Läster- Zungen zu schützen, ja, alle diese Vorzüge wurden ihr vielmehr übel angerechnet. ~~ Würde eine Frau von dunkler Herkunft sich au der altersfrommen Sitte versündigt haben, das Beispiel wäre nicht so ansteckend, nicht so verderblich gewesen, aber sie, die fromme, überwiesen. Dieser Betrag ist zusammen mit einer Spende der Stadt Bobruisk zur. Verwendung gelangt. Ueber die Verteilung der zur Verfügung stehenden Summen ist dem Hilfsverein der deutschen Juden der folgende Bericht zugegangen: Zur Verteilung kamen: Vom Hilfsvercin der deutschen Juden 2309.45 Rbl., von der Stadt Bobriusk 600 Rbl״ in Summa 2909.45 Rubel. Hiervon wurden 52 Unterstützungen verteilt in Summa 1871 Rbl. Dein Wunsche der Einwohner des Ortes Uretschje entgegenkommend, wurde zum Bau einer Badstube affigniert 200 Rbl. An 15 Christen, die durch das Feuer Schaden erlitten 75 Rbl״ zusammen 2146 Rubel. Der Rest 763,45 Rbl. wurde unter Billigung des Hilfsvcrcins der deutschen Juden, um der schwer geprüften Gemeinde wieder aufzuhelfen. zur Gründung eines Spar-Leihkassen-Vercins für Kleinhändler und Handwerker bestimmt. *»׳ ־ Was ist ihr die — Wahrheit Die STAATSBUERGF.RZEITUNG. die ja jetzt auch fromm zu sein vorgibt schreibt über den Bund jüdischer Akademiker: .,Ein ״Bund jüdischer Akademiker" ist auf einer Studcntenkonferenz in Berlin, an der auch' Vertreter der jüdischen Studenten Märchens, Strassburgs usw. tcilnahmen. ins Leben gerufen worden. Der Bund soll, nach den Satzungen ״zur Abwehr aller das Wesen des Judentums bedrohenden Tages- Strömlingen dienen.“ Zum Vorsitzenden der neuen Organisation wurde Kandidat der Philosophie Wohlgcmuth-Berlin gewählt. Die Herren Studenten wollen die Machtstellung des Judentums Im öMcntüchcn Lehen .erweitern. Uns scheint: das liicssc: Tannen nach Eisenach tragen.“ Wenn die STAATSBUERGERZE1TUNG andeuten will, dass der Bund jüdischer Akademiker ..die Machtstellung des Judcntutis im öffentlichen Leben erweitern will.“ so wird damit nur jene Wahrheitsliebe beleuchtet, die aus dem Prozess Becker-Stöcker bekannt genug ist. Aber was i sj Wahrheit? sagt die Staatsbürgerin mit Pilatus. SI3 erst Hebt — die Wahrheit Die DEUTSCHE HOCifWACHT versuchte, das Dementi bezüglich ihre! Lügenmeldung über Ncucr.hhr durch folgende Bemerkung zu diskreditieren: ״An viele Einsender. Wir bitten Sie zu beachten, dass die MITTEILUNGEN sich nicht an die Badedirektion in Neuenahr, sondern an einen ״angesehenen Herrn“ daselbst gewendet haben. Von diesem namenlosen Genossen stammt die Kunde, dass unser Bericht nicht stimme. — Wer kann denn nun mit solchen verborgenen Ouellen etwas anfangen? Hm ja. so wird-semitische Politik gemacht“ Die MITTEILUNGEN aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus wandten sich nunmehr direkt an die Kurd i r e k t i o n. welche ihnen nachstehenden Bescheid zugehen liess: ־ Bad Neuenahr, den 3. August 1906. Auf Ihre gefl. Anfragevom 1. er. teilen wir Ihnen ergebenst mit. dass von Israelitischen Kurgästen das Ansinnncn, —? —tuwwmn 1■ ^■יי^w^rv^דK!י^m^^Tווffil.rw^ry’זv:a^t,^;1#a8yiיiKa^pi;-w■^^וa——^ •musterhafte Sara, die Tochter solcher Eitern, die Frau eines.solchen Mannes, unerhört, beispiellos! Zu jener Zeit verschlossen sich die Juden noch -mit einer chinesischen Mauer gegen jede Neuerung, jeder weltliche Hauch galt als etwas Verpestendes. Ein Schritt, wie ihn Sara gewagt, rief allgemeine Entriistung hervor, erbitterte die ruhigsten Gemüter. Die Vorsteher der Gemeinde gerieten in nicht geringe Verlegenheit Eine Frau wie Sara massregeln? Dass könne das ganze Volk, das vor dem Andenken ihrer Eltern im Staube lag, zur Empörung gegen sie, seine Vorsteher, reizen! Sich passiv verhalten? War ihnen nicht das Wohl und Wehe Ihrer Gemeinde anvertraut? Sie hielten Beratungen ab und beschlossen endlich, sich noch einige Zeit ruhig zu verhalten •» Härter jedoch, als das strengste Oe rieht, ist das Verdammungsurteil des Volkes Die Gemeinde.sah sich berufen, die in ihrer Mitte begangene Sünde selbst zu ahnden. Diese Schmach, rief man sich gegenseitig zu, darf nicht geduldet, muss mit der Wurzel ausgerottet werden, bevor sich der Zorn Gottes in schrecklichen Strafgerichten über uns entlädt. So ist die Menge voll Mitleid gegen den Ver-