Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 473 I I der Deutschen Bank Iiintcrlegcn. Er steckte ihn iedach in seine eigene Tasclic und verschwand damit. Lauck ist 2» Jahre alt. 1.7*1 Zentimeter gross und schlank gewachsen. Kr stammt aus Dresden und spricht die sächsische Mundart, er hat ein bartloses (iesicht und kurz geschorenes hellblondes Haar.“ Wir wir erfahren, ist Herr Walter Lauck wieder einmal ein engerer Gesinnungsgenosse der STAATSBÜRGERIN. Es ist eben kein sehr aussichtsreiches Unterfangen, die Welt nur aus der Vogelperspektive des Tippeiskirchturms zu betrachten. Nationalliberaler Ertolg Mi{׳• dem Siege des Antisemiten hat am Sonnabend die Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar- Wolfliageit geendet. Gewählt ist Herzog (deutschsozial) mit rund 9100 Stimmen. Der Antisemit wurde auf ausdrückliche Empfehlung durch den n a t i 0 n a 11 i b c r a I e n Parteivorstand von den N a t i o n a 11 i b e r a I e n durch d i e W a h I gehoben. Wir Juden können deshalb nach wie vor alles Liebeswerben nationallibcral sein wollender Juden deshalb nur zuriickweiseii. Wir können doch unmöglich veranlasst werden, eine Partei zu der unsrigen zu machen, die für den Antisemitismus eintritt. Bei der Wahl im Jahre 1903 erhielten: Graf Rcventlow (dcutsch-soz.) 6-126. Vetterleiu (So/..) 3-1SS. Rocke (natl.) 2151, Volkcning (fr. Vp.) 71־ s und Müller (Zeutr.) 5-12 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte Rcventlow mit 95-13 Stimmen gegen Vetterleiu. auf den •1030 Stimmen entfielen. — Bei der Er• satzwahl für den verstorbenen Rcventlow am 20. Juli d. J. wurden insgesamt M 322 Stimmen abgegeben. Herzog (deuts-ch-soz.) mit 6135 und Vetterleiu (SozJ mit 3995 Stirnmen kamen in die Stichwahl, während für Helme rieh (Amis.)!535, für Rocke (natl.)!367 und ihr Röhrig (fr. Vp.) 1033 Stimmen abgegeben wurden. Nach dem Wahlergebnis vom Samstag ist der freiheitliche Antisemitismus durchweg für den reaktionären eingetreten obwohl sich vorher die Deutschsozialcn und die deutsche Reiormpartei um der Erb- Schaft des Grafen Rcventlow willen stark befehdet hatten. Dabei sind manch kräftige Wörticin gefallen, die man ruhig unterschreiben darf. Auch die Nationalliberalen haben geschlossen für Herzog gestimmt., während der grössere Teil der Freisinnigen für den Sozialdemokraten cingctrctcü sein durue. Bund Jüdischer Akademiker Berlin. Am Montag und Dienstag, dem 23. und 24־. Juli, weilten hier die Delegierten der ..Vereinigungen Jüdl• scher Akademiker“ von München und Strass bürg i. E., um mit den Vertretern der ״V. J. A.-Bcrjin die Gründung eines ..Bundes Jüdischer Akademiker" zu beraten. Die Festlegung der Bundesstatuten und die Stellung, die der Bund gegenüber den Zeitströmungen innerhalb der jüdischen und akademischen Welt cinnchmen sollte, waren Gegenstand der 2 Tage dauernden Verhandlungen. Am Dienstrg Abend wurde der Bund einstimmig begründet. Zum ge- Ich verlicss also den Glieder und das Gässchen. Die Nacht war’mondhell und frostig und der Schnee knisterte unter meinen Füssen. Ich ging mutig und rasch vorwärts, denn die Kälte gestattete mir nicht, bei den zu beiden Seiten des Wegs befindlichen Selicnswiirdigkeiten mit Behagen zu verweilen. Plötzlich hörte ich hinter mir gewichtige Schritte, ich sah mich um und meine Augen erblickten einen liochgewaclisenen Mann in einem Schafpelz ohne Ueberztig und hoher Pelzmütze. Der Mann folgte meinen Fusstapfen als wolle er mich einholen. Wie — wollte dieser grosse Kerl sich meiner bemächtigen? fuhr es mir plötzlich durch den Kopf und sofort wurde es mir klar, dass dieser grosse Kerl diesen günstigen Moment benutzen wollte, um mich zu ergreifen und nach der Schule zu schleppen. Das genügte, um mich vor Angst erstarren zu lassen. Ich verdoppelte meine Schritte, während mein Verfolger meiner Meinung nach dasselbe tat. Ich hatte mich also offenbar nicht geirrt, als ich in ihm den längst gefürchteten Häscher vermutete. Mein Antlitz rötete sich vor Angst, mein Herz pochte; ich bereute tief, diesen bedenklichen Weg ohne genügende Deckung unternommen zu haben und plötzlich fühlte ich, wie angesichts dieser unabgenwärtigcti Präsidial vertan wurde die V. J. A.-Berlin gevählt. deren Vorsitzender cand. phil. J. Wolilgcmuth*) statutciigeniuss zugleich zum Vorsitzenden des Bundes ernannt wurde. Der Bund erstrebt, alle Vereinigungen Jüdischer Akadeinikcr, die auf dem Boden des gesetzestreucn Judentums stehen, zu verbinden, damit sic so. geeint, sich selbst untereinander stützen und starken können und nach aussen hin eine mächtige Phalanx bilden gegen alle, das Wesen des Judentums bedrohende Tageserschehungen. Dieses henre Ziel könne nur erreicht werden, wenn alle Kräfte, die sich in der akademischen Welt bereits befinden und die. welche ihr noch zugeführt werden sollen, sich einen. Daher rufen wir allen denen zu, denen die lebendige Fortpflanzung der jüdischen Gedankenwelt Lebensnerv und Lebensinhalt bedeutet: ״Führet uns alle diejenigen zu. die einst als akademische Bürger zugleich die Träger der lichtvollen jüdischen Ideenwelt sein sollen!1' Möge unser Streben Anklang finden, und dem Judentum zum Heile gereichen! (Eig. Ber.) Oer Kampf um den Juden ״Um den Juden zu suchen, der sich alle Jubeljahre einmal bereit finden lässt, sich zum Christentum zu bekehren, zog vo! kurzem der Vertreter des• Westdeutschen Vereins für Israel, der Pastor W a g n e r aus Köln, nach Ostfriesland. Er schlug sein Feldlager gcccn den semitischen Teufel zunächst in der reformierten Kirche zu Emden auf und rückte dem Bösen mit einer geharnischten Predigt zu Leibe über Hcsck. 37, 3 ״M einst du. dass diese Beine wieder lebendig werden?*־ Ob ein Emdener Semitenbein die Kirche be• treten, weiss man nicht geschweige denn: ob es ״wiedei lebendig geworden." Doch hatte dieser Kreuzzug den Ärger des lutherischen Geistlichen der guten Stadt Emden erregt, bcsonders, weil der eifrige Judenbekehrer auch seine Kanzel zu einer Bastion gegen Israel zu machen gedachte. Und er ver• schafft seinen! Groll in einer Ankündigung a!1 seine Gläubigen Luit, indem er ihnen das folgende versichert: ״Am Abend 5 Uhr wird hier ein gewisser Pastor Wagner aus Köln über Judenmission predigen. Jetzt predigt er in der.reformierten Kirche. Ich hätte ihm die Kanzel nicht gegeben. Man sagt zwar, die Mission sei nicht konfessionell; aber sie ist cs doch. I J!!d wer nicht 1 u t h e 1 i s c h predigt, der predigt nicht die Wahrheit." —- Durch diese fromme Versicherung sollen min die EmJener Juden so kopfscheu geworden sein, dass sie, aus Sorge, den richtigen Weg für ihre ״lebendigen Beine“ zu verleiden, vorläufig gänzlich im Unglauben verharren. Weshalb man cs den reformierten Judenbekehrcrn nicht verdenken kann, dass sie. wie die EMDENER ZEITUNO berichtet, ggen den einseitigen Glaubenseifer des lutherisclien Geistlichen den Schutz der kirchlichen Behörde aurufen wollen.“ WELT AM MONTAG. *)Herr W'oh Igcntu th. Berlin. Auguststr. 29 ist zu jeder Auskunft gern bereit. wendbaren entsetzlichen Gefahr alles Blut aus meinem Gesicht wich. Nur einen Augenblick noch und ich war in seinen Krallen. OI1, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, hilf mir doch aus dieser Not! Eilends erreichte ich die Brücke und da der Fluss zugefroren war, wendete ich mich, um den Weg abzukürzen, dem Flusse zu und nahm Reissaus. — He Junge, wohin willst du? rief er, mir nach-» setzend. Diese Worte überzeugten mich, dass ich keinen Augenblick mehr zu verlieren habe. Ich raffte die letzten Kräfte zusammen, stürzte mit Windeseile vorwärts und kopfüber in ein Loch.- Was sich nachher ereignete, vermag ich nicht zu sagen. Ich weiss nur, dass ich, als ich wieder zu mir kam, i!11 Bette lag und schwitzte. Unsre Hausgenossen huschten auf den Zehen im Zimmer herum und tusche!- teil sich gegenseitig etwas in die Ohren. Was bedeutete dies. Starb ich denn oder war ich schon im kaukasisclien Militürkordon? Plötzlich schien es mir, als höre ich die Stimme unsrer Dienstmagd, ich rief sie an, worauf sie zu mir kam und sich über mich neigte. — Wo bin ich denn? fragte ich sie leise.