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Jüdische Rundschau · 1906-08-10 · Heft 32 (10.8.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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» No. 32 JÜDlSCftE RÜ'ftD S' Cft A ü ־ Seite 471 das Proletariat und der kleine Mittelstand sich von der Ito absolut fcrnhaltcn. Sic ist ein Verein weniger zum grossen Teil recht reicher Juden, denen das Volk völlig fehlt. In dem auf die Konferenz am 3. August folgenden Meeting teilte Zangwill mit, dass er unter den Zustinunungsschrciben auch eine Sympathieerklärung von Lord Rothschild erhalten habe. Die private Stimmung der russischen Vertreter geht dahin, dass Zangwill einen schweren und nicht wieder gut zu machenden Hehler begangen habe, als er auf dem siebenten Kongress die Abspaltung von der zionistischen Partei bewirkt habe. Schon jetzt tut es den alten Zionisten in der Ito leid, dass sic im Kampfe gegen eine Partei stehen, in der sic seit zehn Jahren und mehr Schulter an Schulter mit ihren zionistischen Freunden gekämpft haben. Alles in allem bewies die Konferetiz, dass der Itoismus auch in anderen Ländern ebensowenig Boden gefunden hat wie in Deutschland. Cypern als Ansiedlungsgebiet Die FRANKFURTER ZFITUNO. die bereits mehrere Artikel filier die Eignung Cyperns als KoI״n!sation$gebiet brachte, bringt in ihrer letzten Sonntagsnummer einen kurzen Artikel an leitender Stelle, der energisch von der Besiedlung Cyperns mit Juden abwiukt. Der kleine Artikel lautet: ..Man schreibt uns: Von Zeit zu Zeit erscheinen sogenannte ..authentische“ Mitteilungen, welche die einst so glorrc.chc Insel als einladende Heimstätte für Emigranten zu schildern sich bemühen. Schade, dass die Wirklichkeit das gerade Gegenteil zeigt. Es ist in Cypern keine wie immer geartete, nennenswerte Ansiedlung möglich, der kultivierhare Boden ist selbst den Einwohnern karg zugemessen und jeder Fremde wird als Eindringling betrachtet, wie sehr auch die englischen Behörden sonst jeder Xenophobie abhold sind. Die Wirklichkeit ist folgende: Die Gesamtzahl der Bc völkerung beträgt laut der Volkszählung von 1901 (s. Handbook of Cyprus 1903) 237 022 Seelen, der für den Ackerbau geeignete Boden umfasst 395000 Hektaren, dabei ist hervorzulieben, dass der weitaus grösste Teil der Bevölkerung Ackerbau treibt. .Findet man hier und da einzelne zum Verkauf angebotene Besitzungen, so sind cs zumeist Terrains von geringer Ausdehnung von 4—500 Hektaren Maximum. Der Grundbesitz ist in Cypern sehr zerstückelt und fast jede Besitzung zerfällt in mehrere Parzellen, die selbst noch in den meisten Fällen fremde Enklaven enthalten. Ja. es kommen Fälle vor. dass der Boden einem Besitzer, die auf demselben befindlichen Bäume aber einem anderen gehören. Was nun die Qualitäten des Bodens anlanct. erklärt derselbe Fachmann, den! wir die ,obigen Mitteilungen verdanken, und der Ort und Stelle ein- Klettern streng verbaten, kroch* ich ins KIciderspind hinein, wo ich bis zur Dämmerung verblieb, weil ich mich im Hanse, wo alles im tiefen Schlummer lag, ohne genügenden Schutz gegen ״Schule“ und Kordon glaubte. Unter dem Einfluss dieser krassen Panik passierte mir folgende Geschichte, welche mich fast das Leben kostete. Ich muss zunächst bemerken, dass cs zu den Oblicgcnhcitcn des* Gehilfen meines Mclamed gehörte, meine kleine Person nach dem Cheder und vom Cheder nach Hause zu geleiten. Dieses Ehrengeleit wurde mir aus dem Grunde zuteil״ weil ich die Gewohnheit hatte, allein nicht eher nach dem Glieder zu gelangen, als bis ich, durch sämtliche Strassen flanierend, alle Sehens- Würdigkeiten der Stadt von! abgerichteten Papagei am Balkon des Stadtpräsidenten bis aui das vortreffliche Aushängeschild des Marionettentheaters am Trödelmarkt in Augenschein genommen hatte. Besonders dieses Aushängeschild nahm meine Aufmerksamkeit in hohem Masse in Anspruch. Was für Wunderdinge waren da zu sehen! Zwei Kamele, zwei Schlangen, ein Tiger, ein drei Ellen langer, rauchender Türke, ein kohlschwarzer Neger im schnccwcisscn Hemde, ein ungeheurer Teu- 1 gehende Studie» gemacht hat. dass der Bodenmager, sehr kalkhaltig,■ sehr durchlässig sei, dass die Kulturen ohne Be- Wässerung Fchl'erträgcn ausgcsetz.t sind, dass andererseits die Bewässerung — aus Mangel an genügenden Wasserquantitäten — sehr schwer und kostspielig ist. Die angeführten Tatsachen beweisen, dass von einer Kolonisation in nennenswertem Ausmassc in Cypern keine Rede ' sein kann und das* eine Einwanderung in grösserem Masst stabe die traurigsten Misserfolge haben könnte. Gar viele arme russisch-jüdische Familien haben cs bitter bereut, sich nach I der gepriesenen Insel begeben zu haben, wo sie keinen Raunt fanden, ilire Arbeit zu verwerten und unter dem ungewohnten Klima schwer zu leiden hatten. Wiederholt war in verschiedenen Publikationen von der kleinen Kolonie die Rede, welche die Jewish Colonisation Association auf der Insel Cypern besltz.t und die verschiedensten Kombinationen wurden an dieselben geknüpft. Die Geschichte dieser Kolonie ist kurz folgende: Vor einem Jahrzehnt etwa hatte eine Gruppe jüdischer Handwerker aus London ein Terrain in Cypern angekauft, das sie zum Teil bcsiedelten, aber nachträglich vcrlicsscn. Die J.C.A. übernahm das Terrain, auf welchem eine gewisse Anzahl früherer Schfilet der israelitischen Ackcrbauscliulen angcsledelt wurden. Der ursprüngliche Besitz ist seither um einige hundert Hektare vergrössert worden und momentan stellt die Gesellschaft mit einer Grupoc russisch-jüdischer Familien wegen Überlassung eines Teiles der Besitzung in Unterhandlungen, welche voraus- sichtlich zum Ziele führen werden. Ein Preis ist bisher noch nicht tcstgcstellt worden und ist auch in dieser Frage von geringen Belang da die genannte Gesellschaft vornehmlich darauf ' sieht, dass die aiizusicdclnden Familien auch wirklich einer gedeihlichen Zukunft zugefülirt werden.“ Es ist kaum eine Frage, dass hinter der FRANKFURTER ZEITUNG ein anderer Einfluss steht, der ein Interesse daran hat, von der Cvpcrukolonisation durch Juden abzulenkcn. Wenn wir unsererseits auch keinerlei unmittelbares Interesse an der K״!onisatiou Cyperns haben, so würden wir uns der Wahrheit vcrsclillcsscn. wenn wir aus den hier angegebenen Scheingründen, die Kolonisation verwerfen wollten. Obwohl cs keineswegs ausgemacht ist. dass Cypern zu den Nachbarländern Palästinas gehört, deren Kolonisation der siebente Kongress für notwendig erachtete, so müssen wir doch angesichts der Notwendigkeit, neue Gebiete für die jüdische Wanderung zu erschlossen, darauf hinwcisc». dass Cypern in alter Zeit zwar niemals die grossartige Fruchtbarkeit Palä- *tinas geteilt hat. dass es aber immerhin eine viel zahlreichere Bevölkerung zu ernähren imstande war. als das heute der Fall ist. Cypern teilt die Natur der ״anzen östlichen Mittelmeer- Kinder, die bekanntlich keineswegs als unfruchtbar bezeichnet werden dürfen. Ein Teil von ihnen, wie besonders Palästina, sind kolonisatorische Vorzugskinder. Wenn wir auch unsere Tätigkeit auf Palästina konzentrieren müssen, so wäre es doch verfehlt, die Kolonisation Anatoliens oder Cyperns aus nichtigen Gründen ohne Prüfung zu verwerfen, wenn sic auch keineswegs irgendw ie unserer Palästinaarbeit gleichartig oder gleichwertig sein können. rb. felskopf, der In seinem entsetzlichen Radien den armen kleinen Peter hielt, und so weiter; dies alles war so natiirlich und in so grellen Farben gezeichnet, dass es mir unmöglich war, den Blick von diesem ״Bilde“ abzuwenden. Ich blieb daher stundenlang davor stehen, den Cheder, den Mclamed und selbst die Pieifenrohrprärogative vergessend, denn wie sollte ich an solche Unannehmliehkeiten denken, während der majestätische Türke vor mir stand, dessen freundliches Gesicht und ausdrucksvolle gutmütige Augen mich mächtig anzogen. Bisweilen glaubte ich, dass dieser Mann gar kein Türke, sondern Elicsar, der treue Diener des Patriarchen Abraham sei, der auf seinem Kamele die Rebekka, die schöne Braut Isaaks, hemiführe. Von Isaak sprang meine Phantasie aui Jakob über und aui jene gute, alte Zeit, wo jüdische Knaben weder den Cheder besuchen, noch schmachtend über langweiligen Büchern grübeln mussten, auch keine Pfeifenrollrhicbe erhielten, sondern ihre Schafe auf unabsehbaren schönen Wiesen weideten, am Brunnen schönen Hirtinnen begegneten, die sie umarmten und küssten, bisweilen eine, zwei und sogar vier Frauen heimfiihrten und dutzendweise Kinder zeugten, — die sic aber nicht nach dem Cheder schickten, son-

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