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Jüdische Rundschau · 1906-08-10 · Heft 32 (10.8.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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V. Seite 470 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 32 bibliothek zu arbeiten und dass, sobald wir nur systej niatiseh in diesen! Sinne tätig sein werden, ein gc- I waltiger Aufschwung der Bibliothek stattfinden wird. Das gewaltige Verdienst Chazanowicz’ würde von uns unterschätzt werden, und mit Recht würde man uns der Undankbarkeit gegen diesen Idealisten der Kulturtat zeihen, wenn wir sein grosses Werk, mit den! er sich selbst ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat, auch nur einen Moment vcrnachlässigen woMtcn. Es gilt Hand anzulegen, das Werk Chazanowicz׳ weiter zu führen, so lange er es noch mit anschen kann, dass der Kulturbau, für den er sein Leben eingesetzt hat, nicht stehen bleibt, sondern rüstig weiter geführt wird. Die Jahreskonferenz soll es nicht zu ihren geringsten Aufgaben erachten, die Nationalbibliothek unter Dach und Fach, aber auch in öffentlich-reclitlich gesicherte Verhältnisse zu bringen. hl. Die Konferenz der Ito in London Am 2. und 3. August tagte in London die Konferenz der Ito. die durch ihre bcz. Organe im BERLINER TAOEBLAT1 die folgende Auslassung gibt: ״London, 4. August. Unter dem Vorsitz Za!1 g wil 1 s ist heute die Konferenz der indischen Tcrrltorlalorganisation zusannnengetrctcii. Sie ist beschickt von Vertretern aus England, Deutschland. Frankreich. Russland. Amerika. Belgien und der Schweiz. Die jüdische tcrritorialistisehc Organisation erstrebt die Regelung der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa durch Gründung autonomer Siedelungen. Aus vielen Städten Russlands sind Gesuche von Auswandcaingslustigen eiligegangen, höchst wertvolle Landangebote und Projekte sind aus verschiedenen Erdteilen angeboten. Auf Antrag des Dr. Klee (Berlin) und Professors Aland eist a nun (Kiew) wurde bcschlossen, die definitive Auswahl unter den angebotenen Ländereien einer Spezialkommission zu überweisen. Der englische Philanthrop Herr Fels schenkte eine halbe Million Mark zum Erwerb von Land, das im Gemeinbesitz bleiben solle. Lord Rothschild liess der Konferenz seine wärmste Sympathie aussprechen.“ Wenn auch das Wort Deutschland im Bericht des BERLINER TAGEBLATTS hertorgehoben ist, so waren die Das Schulgespenst (UJK0U060H3Hb) Humoreske aus der jüdischen Vergangenheit in Lithauen. Von Leo Lew and a. Aus dem Russischen übersetzt von Williatn Zcitlin. (Schluss.) IX. Ich beabsichtige nicht, hier all die fabelhaften Gcrfichte und Klatschereien aufzuzählen, die infolge der Schreckensnachricht von den Schulen täglich in unserm Gässchen zirkulierten; ebenso will ich alle die Vcrwünschungen und Schmähungen übergehen, welche auf den gottlosen Urheber der verhassten Schulgcschichte abzielten. Ich erwähne nur, dass dank dieser häufigen Stadtgespräche und Redereien uns die ״Schule“ zum Schreckbild wurde, bei dessen Erinnerung wir schon aus Furcht ausspuckten. Uebrigcns fürchteten wir eigentlich weniger die Schule selbst, als .deren imabwendbare Folgen, d. h. den kaukasischen Militärkordon. Obwohl wir von diesem Kordon auch nicht die geringste Ahnung hatten (auch die Gässchenbewohner waren über seine Existenz nicht besser unterrichtet), so waren | deutschen Juden einzig durch die Person des Herrn Dr. j Klee vertreten. Briefe sind eingegangen an die Konferenz aus Deutschland von Herrn Dr. Jeremias (Posen) und aus Österreich von Herrn Irrenarzt Dr. Kronberger. Die Konlcrc•’־ beschloss unter absolutem Ausschluss der 0ife11tlichke.it und so ist nicht zu verwundern, dass sogar die Berichte der itoistisclicn Blätter sich widersprechen. Ausserdem ist den Teilnehmern über den einzigen wichtigen Punkt der Tagesordnung das feste Gelöbnis absoluten Stillschweigens abgenommen worden, was natürlich nur möglich war, weil eine ganz kleine Anzahl von Personen beisammen war. Sehr merkwürdig macht sich daher der Satz, mit dem die itoistische NATIONALZEITUNG in Wien ihren Bericht beginnt: ״In weit grösserer Anzahl, als selbst von den Führern der Ito erhofft wurzle, sind die Vertreter der Ito-Organisationcn dei ganzen Welt zu ihrem ersten Kongress in London erschienen. Es kamen Vertreter aus England, Deutschland, Frankreich, Russland, Schweiz, Belgien und verschiedenen Staaten Amerikas.“ Dr. M ande 1 s t a 111111 -Kiew lieferte in ausführlicher, mit Beifall aufgenoinnicner Rede ein Bild über die Lage der Juden in Russland und glaubt, dn.ss die Ito in Russland an Terrain gewinne. Dr. Klee-Berlin überbrachte die Griisse der rcichsdeut• sehen Gesinnungsgenossen und redete über Ziel und Zweck der Itobcwcgung. Auf seinen Antrag, dem sich auch Zaugw i 11 und Professor M a!1 d c I s t a m 111 anschlossen, wurde der Beschluss gefasst, die Auswahl bei der I.nndsuclie einer Kommission zu überweisen. Mr. Fels. Multimillionär, sandte nebst seinen Glückwünschen ein Angebot von 400 000 Mark, welche Summe zur Erwerbung von Land verwendet werden müsse. Dieses Vcrmögen bleibt im Sinne des Stifters das gemeinsame Gut der im anziiwcrbendcn Lande angesicdeltcn Judengenieinschaft. Sie kommt zur Auszahlung, wenn sich das Projekt verwirklicht. Es wurde bestimmt, dass die Landprojekte, die sich au! Argentinien, Ostafrika und vielleicht sogar auf Mesopotamien beziehen sollen, einer Kommission überwiesen werden, die von dem Präsidenten cinzusetzen ist. Diese soll einen Bericht erstatten, wann sie cs kann. Es wurde mitgeteilt, dass aus Russland die Juden nur auf die Ito warten, um in die von ihr angebotenen Länder auszuwandern. Freilich seien das die Juden, die imstande wären, sicli dort auf eigene Kosten anzusiedeln, wie denn überhaupt die ganze Konferenz zeigte, dass wir doch fest davon überzeugt, dass der Kordon für uns unheilvoll werden würde, weshalb wir uns hüten mussten, in die Schule zu geraten. Diese Furcht wuchs in dem Masse, dass icli bcständig von der ״Sclmlc" und dem kaukasischen Kordon träumte und in jedem, mir auf der Strasse bcgegnenden Christen einen Häs-'her argwöhnte, der mich zu packen und nach de. Schule zu schleppen trachtete — und von da natürlich nach dem Kordon. Ich war daher darauf bedacht, die Strasse möglichst zu vermeiden und verlegte meinen gewöhnlichen Spielort von dem angrenzenden freien Platze nach unserm Hofe, den ich jedesmal sorgfältig abspcrrtc. Aber auch hier fühlte ich mich unsicher und in Gefahr, sobald ein Christ im Hofe erschien — ein harmloser Bauer, der Brennholz fuhr. Sofort sprang ich auf, kletterte behend wie eine Katze nach dem Dache und blieb solange hinter dem Schornstein verborgen, bis er fortgiug; niemand konnte meine Dachkletterei begreifen, nur ich allein wusste, warum ich es tat. Meine Musscstunden brachte ich auf dem Dache zu, wo ich auch alle meine Spielsachen aufbewahrte. Samstags nach dem Mittagessen, als mir die Eltern vor dem Zubettgehen das

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