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Jüdische Rundschau · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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x\ ו 1,י V No. M JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 461 hielt er zwar noch einen Acrbatidstag in Hamburg ab, der mit hochtönenden Phrasen allgekündigt war. auf dem man aber der Oeiientliclikeb nichts zu sauen wusste: dem! man verliandilte hinter verschlossenen Ihren. Die Beratungen sollen sieh hauptsächlich u!n die finanzielle Sicherstellung des von He rrn Heile ״״m V. D. St. in Hannover so schnell ins l.ebe!! gcrufeneh Yerbandsorgans. der 1 יU*I M2HFN HOCHSCHULE gedreht haben, '!'rot/ a'.lcni blüht und gedeiht der Judenhass in dcutschstudentisclien Kreisen wie me zuvor. Um den Nobelpreis Der antisemitische Sänger Max B e w e r zeigt lebhafte Ambitionen iür den nächsten literarischen Nobelpreis. Um sicherer zum Ziele zu kommen, hatte er sich au Uelicunrat T11 ade in Weimar gewandt und ihn um eine Empfehlung gebeten. Diode hatte sich dazu verstände!! und den Bewersehe!» Poesien einige Porte des Lobes gezollt. Gegen dieses '1 hode'sche Lob und übeihaujn gegen eine eventuelle Ver- Icitumg des Nobelpreises au Bewer erhob Ferdinand A vrnariiis. der bekannte Herausgeber des KUNST- WARTS energischen Einspruch. Lr erklärte, aus einer solchen Ehrung Bewcrs müsse das Ausland den Schluss ziehen. dass dieser der erste deutsche Dichter sei. Und dies sei durchaus nicht der Lall. Avenarius wandte sich in dieser!־'rage um Aufklärung an Tlmde. und dieser äussvrte sich dahin, dass es ihm fern gelegen habe. Bewer durch seine anerkennenden Worte als ersten deutschen Dichter hinzustellen, er habe nur ein einfaches Lob ohne irgend welche Messung an anderen dichterischen Produkten erteilen wollen. Avenarius bringt ein diesbezügliches längeres Schreiben Thodes in der letzten Kunstwartmnnnier zun! Abdruck tr!d erhebt nochmals schärfsten Widerspruch gegen eine etwaige Verleihung des Preises an Bewer. Wer wusstscin zu schätzen w issen, das höre!', dass _ . ״ seien. Die Regierung mache mit dem neuen Gesetz de.!! such,!'euer und Wasser zu vereinigen, und sollte erkennen, dass die den Juden zugedachte Wohltat gerade für den letl der hessischen Judeiiheit zur unerträglichen Plage werden müsse, der jahraus!ahrein freudig bereit sei, die grössten Opter iür Glaube und Rtligionsgcsetz zu bringen. Den ganzen Schrecken des neu ein/ufiUireiidca .Gesetzes erblickt DLR ISRAELIT jedoch in dem Oberrat. Lr hält es iür undurchführbar, dass eine Behörde gemeinsam über Neologie und Orthodoxie herrschen soll: diese Tatsache zeige, welch einer unerträg־ iichen Knechtung des Geistes und Gewissens die Orthodoxen Hessens hei Annahme des Entwurfes eutgegeugeheu. Die mit Recht ob ihrer Toleranz gerühmte hessische Regierung sei bei bester Absic!!:. den Juden ein gutes Geschenk zu machen, von irrigen Voraussetzungen ausgegangen und falsch beraten: Re* gicrung und Landstündc sollten, so hoiit LDR ISRAELIT, sich eines besseren belehren lassen und aui eine den .Inden z.ugcdachte' Wohltat verzichten, die für eine grosse Anzahl der* selben nur Qual und Plage bedeuten würde! Wahrheitsliebe der HOCHWACHT Die DEUTSCH!; HOCH WACHT ist eines der verlogensten antisemitischen Biätter. Unter dem H. Juli brachte sic 101־ eende Notiz: Bad Neuenahr (Rheinland). Hier haben die zahlreichen jüdischen Kurgäste die Frechheit gehabt, von der Badedirektion zu verlangen, sie solle den Choral, mit dem die Kurkapelle morgens das Konzert beginnt (Ein* teste Burg) fortfallen lassen. Die Direktion hat aber .geantwortet, die ..Herrschaf־ teif konnten ja während des Chorals den Kurort verlassen. In jener erzkatholischen Gegend, wo man so viele dicke Schwarzrecke sieh;, die dünner werden wollen, hätten diese doch n*׳eh eher Anlass, das Lmherlied zu beanstanden: sie tun es aber nicht. Der Jud bringt eben alics fertig; und mit Juden ist Bad Neuenahr gesegnet, sogar mit zahlreichen russischen Juden — also ganz modern. Mar! wandte sich um Aufklärung an einen angesehenen Herrn in Neuenahr und erhielt von ihm folgenden Bescheid: ..Die Mitteilung der DEUTSCHEN HOCHW'ACHT ist frei erfunden. Ich lene dieselbe dem Herrn Kurdirektor Kütten vor. Derselbe erklärte mir. dass niemals, weder jetzt, noch fr,Hier — der Herr ist seit 1893 hier — ein derartiges Ansinnen an ihn gestell: worden sei. noch dass man sicli mit etwas Aihulicheiii jemals an die Direktion gewandt habe.“ also die orthodoxe״ Juden nicht .befragt worden Ver- B e w e r s Poesie kennt. P wird das holte Selbstbeden Mann von sich selbst sie ist tcutsch und tcutsch begeistvr:. Teutsch ist er. seine ist auch sein Selbstgefühl. Die jüdischen Gemeinden in Hessen Darmstadt. 2-t. Juli. Die Verfassung und Verwaltung der isiaelitischei! Religionsgemeinden in Hesse;! ist in einem umfangrc-ichci; üesetzeutwu 11־c von 122 Artikeln durch die hessisehe Regierung den Ständen zur Beschlussfassung vorgelegt worden. Die Zahl der in Hessen lebenden Israeliten beträgt rund 251)00. wovon je über 200 Seelen sich auf 10 Städte verteilen; bis zu 200 Seelen haben 27 Orte, während in 355 Genieinden des Landes sieh weniger als je Jot! Israeliten beimden. Die Zahl derjsraeütischen Rcügionsgemeiudc!! des Laudes beträgt 220. Der Gesetzentwurf wurde von dem Ministerium des Innen! unter Zuziehung einer grossem Versaminlung von Israeliten bearbeitet und beabsichtigt eine Vertretung der Gesamtheit der Israeliten zu schaffen und damit auch eine gesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen ReUgümsgeuiemdcu. Nach dem Entwürfe wird es möglich sein, dass zukünftig au ein und demselnen Orte mehrere israelitische Religionsgemeilideu nebeneinander hestehen, deren Vorstände ähnlich wie die Ortsgenieindevor• stände in! direkten Wahl vor fahr tu gebildet werden. Lebet Vermögensverwaltung Und Umlagen der Religionsgemeiude sind eingehende Bestimmungen getrofien. ebenso über Bildung der Rabbitiatsbezirkc. Den Gemeinden soll das Recht zustehen, siel! einen Rabbiner ihrer ülaubeusnchumg zu wählen, der nur der Bestätigung des Oberrates, der neuen oberen israelitischen Verwaltungsbehörde bedarf. Bei seiner Weigerung, die Bestätigung zu citeilen, soll das Ministerium des hmem entscheiden. Der Religionsunterricht erfährt eine besondere Aufmerksamkeit, den Religionslelireru können unter bestimmten Voraussetzungen die Rechte der Volksschullehrer erteilt werden. Sowohl für die Lehrer als auch für die Rabbiner soll eine besondere Witwen־ und Waisenversorgung eingerichtet werden. Der Oberrat ist die oberste Verwattungsbehorde. ohne Entscheidungsbefugnis über Lelirtragen. Kultus und Ritus zu haben: 111 religiösen Angelegenheiten erstattet er nur Gutachten, besitz; aber keine Zwangsmittel zu ihrer Durchführung. Der Oberrat kann durch Zuwahl erweitert w erden, insbesondere zum Zweck der Voransctilagsberatung und der Steuerfestsetzung. Gegen diesen hier kurz skizzierten Gesetzentwurf wendet sich das in Frankfurt a. M. erscheinende Zentralorgan iür das orthodoxe Judentum DLR ISRAELIT. Zunächst wird zwar der 2ute Wille der hessische״ Regierung anerkannt, welche die uteiclistclluux der Juden mich lutch der Seite hin verwirklichen wolle, dass sic ihnen eine der evangelischen ähnliche Konsistorialvcrmssung gibt: dagegen wird der Yorwuri erhoben dass dil• Regierung sich nur von Männern habe berat-p lassen; die in Lehen und Lehre der radikalen Neologic ' aiigü- Wie ein ״fair.es“ Blatt schreibt Lin .hochfeines.. Blut: ist dieSTAATSBUERGLRZElTUNü. die seit ihrem L'ebergaiig in stöckerianische Hände nun auch nonirn geworden ist. Ihr neuer frommer Eifer hindert sie freilich nicht, sich mit Orten zu befassen, die man nur in dem Lalle aufsucht, dass man ihrer bedarf. Die STAATSBÜRGER• ZEH UNO hält diese Orte regelmässig ihrer Spalten angemessen. Auch jetzt bei der Erwähnung des Warenhauses von Tfetz .zieht sie solche Oerter heran, deren man sich auch sonst in ihren Kreisen namentlich zur literarischen Kritik Heinrieh Heines bedient. Sie schrebt: ״Der Warenliaus-Kauf der Firma Leonhard Tietz In Düsse!־ dort endgültig genehmigt. Der KONFEKTIONÄR jubelt: Nun ist auch das letzte. Hindernis iiir den Warenhaus-Neubau der Firma Leonhard 'Hetz in Düsseldorf gefallen. Wie gemeldet w ird. hat das Stadiverordneten-Kollegium in der Sitzung am Dienstag je!:׳! auch die formelle Genehmigung zum Verkauf des al:en Gvmnasialgrmitlstiickes an Leonhard Tietz für den Breis von I 9tX»uu0 Mark erteilt. — Wir wir höre!!, will Herr riet־־״ für diese Genehmigung dem geplanten Heinedenk־ mal in seinem ..!ntelligenz“palast eine Stätte anwclscu. Nur ist man sich vorläufig noch nicht darüber einig, ob Heine in der ,.Literaturabteilung“. Im Eririscliungs- oder — im foil.!teilraum stehen soll!״ — Die STAATSBÜRGERIN findet offenbar den gleichen Geschmack am Toilettewie am Erfrischungsraun!;- Gemeindebund Die jüngst erschienenen Mitteilungen No. 66 vom Deutsch־ Israelitischen Gemcindcbgiide berichten über die seit dem X. Gememdetage aufgewandten Bemühungen. Fürsorge für die von der jüdischen Wohltätigkeit wenig beachteten Schwachsinnigen zu iibci!. Durch eine Enquete ist das Material ergänzt worden. Zu den schon bekannten 233 jüdischen Insassen christlicher Anstalten sind die Personalien 216 Scluvachsinniger. die sich gar keiner Anstaltsfiirsorge erfreuen, hinzugekommen. Doch ist das Material infolge der Sjeljw'ierigkcit, die in Betracht kommenden Kranken in grossen Städten zp ermiueln. m»ch i111m׳.r unvollständig. Von sachverständige! j

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