Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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. X V Seite -16U JÜDISCHE RUNDSCHAU tick, da' sie ilnn bloss eine formelle Konzession an die _reak- 1-ire. noch herrschende Anpassung vom chnsJiüien Maat. wohl Goldbccks Ansicht teilen, dass die R rung. auch wenn sie den guten Willen hätte, in ihrer Kraftlosigkeit nichts zu bessern vermag. Ebenso wird die Duma .die ganz vorzüglich blitze!!, aber p׳ci1t mirabeauisch donnern kann, weder Hiiie noch Rettung bringen. Was soll inzwischen mit den Juden geschehen? ich meine, mit denen, die nicht totgeschlagen werden. In Russland ist ihres Bleibens nicht. Schon ist New York überfüllt. London wird allmählich ihrer iiherJriissig. Soll man, nach oharaonischcm Muster, sie in den Ozean werten? Wer weiss, oh sie untergeben? — Es gibt keinen andern Ausweg als den Appell an die nolitische Einsiclu und an das ethische Gewissen der Kulturvölker. Die Kardinaltilgend der Gerechtigkeit soll sfeh hier mit einer .Massrcgel von wcltnoütischer Tragweite verbinden, um über das Schicksal der Juden zu entscheiden. Wenn Amerika, das freie, ruft, wenn England, das stolze folgt, dann wird Frankreich, das edle nicht zuriiekstehen. Dem internationalen Kongresse der Grossstaaten, die an der Snitzc der Zivilisation marschieren, lieg! die Aufgabe, ob. die Judcnlamh'rage zu lösen. ־ Verehrter Leser, wir unterhielten uns eben über die Juden: bei diesem Thema pflegt auch der objektivste Referent hergebrachte Gefiihlsurtcile einzuflechteu. Deshalb sei liinzugeriigt: Herr Geldbeck gab sich als parteilosen Christen: ich bin parteiischer Jude; das möge der berücksichtigen, dein ich zu eifervoll gesprochen habe. Ausr DIE FUNKEN'. 1 Rundschau Frhr v. Durant, In der Schlusssitzung des Herrenhauses am 7. Juli d. J., In welcher das SchulunterhaUungsgesetz endgültig verahschle• det wurde, glaubte das Mitglied des Herrenhauses Friir. v. Durant. wie wir bereits' erwähnt haben, seinen judenfeind• liehen Empfindungen Ausdruck gehen zu sollen, indem er hei Beratung des § 40 die möglichste Einschränkung der״Vcr- Wendung, jüdischer Lehrkräfte zur Erteilung in anderen I3nterriehtsfächern als im Religionsunterricht verlangte und zur Begründung dieser Forderung bemerkte: ..Wiewir es am Grund der verschiedenen Grundunschamaigen. .welche die christliche und die jüdische Religion trennen, schon nicht für wünschenswert erachten, dass die christliche Bevölkerung von jüdischen Richtern ahgcurtcilt w׳erJe. so können wir es .1!.0?J1 lvic1 Nvc״'"cr wünschen, dass christliche Kinder durch jüdische Lehrer in gewissen anderen Schulfächern unterrichtet werden.“ . * ־ No. 31 Durant wird der zürn tio! nur eine partielle Lösung der Judentrage bilden: sie se! c ne Wahrscheinlichkeitsrechnung, angewandt atu eine־ imbctr.iclitliehe Minorität kulturell vorgeschrittener Juden \\ estemopas. Aber die Massen eines Volkes von mehr als zehn Aullioncn Seele!: könnten nicht untertauchen m;d unter ihren W »rts\oikern verschwinden: könnten nicht, selbst wenn sie• woluen. Aber sic wollen n‘c'!t; sie so wenig wie die \\irts'olkci.. or allem wollen die Juden ihr Leben als Volk nicht negieren; sondern sie wollen es behaupten. Wie aber entzieht man sic dem Schicksal Ahasvers? Die Jiidetifrage besteht überall da. wo Irden in merklicher Anzahl beisammen wohne», ohne eine Majorität zu biiden. Um die Judenfrage zu überwinden, müssen die Juden also ein Land besitzen, wo sie selber die Maioririit sind. d. h. in einem eigenen Gemeinwesen, im Judenstaut. Die Möglichkeit der Verwirklichung eines solche» Gehiides vorausgesetzt,!miss cs jedem cinleticluen. dass 1 hcodor lierzls Vorschlag eine endgültige Lösung des Problenms invoiviert: den matcri.ller Not erliegenden Desperados Ostcuropas würde eine normale Existenz, den westeuropäischen Assimilierten eine Erleichterung ihres Ziclstrebens geschaffen. Der Kern der Judenfrage wäre demnach eine Landfrage grossen Stils. Wenn sie das wirklich ist. so erweitert sich die Jmknirage zu einem weltpolitischen l’robieme. das von den Regierungen der Kulturnationen im Interesse ihrer Staaten über kurz oder lang in Angriff genommen werden muss. Auf diese Notwendigkeit scheint die Entwickelung de. Dinge in Russland machtvoll hinzudrängen. Herr Ooldbeck iragt ironisch: ..sollen wir mobil machen und emmaseliieren?“ Es wäre in der Tat kein schlechter Witz der Weltgeschichte,- wenn zugunsten der notleidenden Judenhcit turn einmal ein Kreuz/ug gegen Christen inszeniert würde. Wir wollen aber aie so ernste Sache nicht ins Lächerliche ziehen. Man kann Zu diesem Auftreten des l'rhrn. v. VOSSISCHEN •ZEITUNG geschrieben: . Frhr. v. Durant ist ein Nachkomme der ihres Glaubens wegen aus Frankreich vertriebenen Hugenotten: er hätte, itu Andenken hieran am wenigsten sich zum Mundstück von aus Religiuushrss diktierten Gehässigkeiten gegen die jüdische Religionsgemeinschaft!!ergeben sollen. Dergleichen war auch früher in der Familie des Herrn v. Durant nicht Brauch. Irn Jahre IM'• hatte die jüdische Gemeinde in R.vbnik. ’Ober- Schlesien, den Bau einer Synagoge unternommen, sie ־konnte iliu aber mangels genügender eigener Mittel und weil in jenem unruhigen Jalire Darlehen schwer erhältlich waren, nicht zu Lude führen. Da war cs der Vater des jetzigen Herreiikausmiigliedes v. Durant, der damalige Laudra: des Rybniker Kleines. Baron v. Durant auf Baranowitz. welcher durch Fortführung des unterbrochene» Synagogenbaues die Fertig- Stellung des jüdischen Gotteshauses ermöglichte. Das Darleheu ist später dem Herrn v. Durant Vater mit Dank ■•und Anerkennung ztiriickgezahii worden, und dieser hat das bctreffende Dankschreiben des Synagogenvorstandes wie folgt beantwortet: י ״Das anerkennende Dankschreiben vom 20. d. M.-halve ich mit lebhafter Freude empfangen, weil es mir einen wohltiicnden Beweis einer Gesinnung gibt, welche nicht za den zeitgängigen Gesinnungen der Gegenwart gehört. Mein langes Leben ist reich an trüben Erfahrungen in dieser Beziehung, deshalb geize ich mit den besseren, die mir Gott der Herr zuweilen beschert. Lassen Sie. meine Herren, mich die Eriniierung an Ihre freundliche Gesinnung gegen mich für die kurzen Lebenstage bewahren, welche mir noch beschiede» sind, und solche dam! auf meine Söhne übergehen zum Gedüehtnis ci:1-.s guten Einverständnisses. Einige von Urne», meine Herren, wissen es sehr wohl, dass Eigennutz mich niemals beherrschte, am wenigsten, wenn es sich um eine Hilfe in der Not liandelte. Habe ich der jüdischen Gemeinde zum Aufbau ihres Gotteshauses helfen können, so habe ich solches gern und ohne jede Ncbenriicksicht getan, es freut mich, dass ich. wenn ich auch zu einer andern Konfession gehöre, der Gemeinde bei dem Aufbau eines 1 La:«:s habe behililich sein können, in welchem Sie würdig zu dem Gott Ihrer Väter beten. Der Gott Abrahams. Isaaks und Jakobs ist auch mein Gott, zu dein ich bete, und Sie wissen es. ich bin weit entfernt davon. Andersgläubige wegen ihres Glaubens zu vordämmen. Lassen Sie uns immer an Gott und dem Glauben festhaUen. es sei. unter welcher Form es wolle . . . .“ So der Vater der dabei ein streng konservativer Mann wäre so konservativ, dass er beim Einsetzen einer liberalen Richtung in der Regierung aus seinem Amte schied. Und der Sohn? Er ist auch konservativ. aber wie himmelweit unterscheidet sich seine Gesinnung von der des Vaters. Oh der Sohn, auf den doch ..die Erinnerung der freundlichen Gesin■ innig“ zum Gedächtnis eines guten Einverständnisses mit den Juden Rybniks übergeben sollte, angesichts dieses Briefes sehr stolz auf seine Hcrrenliaiisrede sein wird? Wir wagen cs., zu bezweifeln. Er hätte das Vermächtnis des Vaters höher ha'ften sollen. Im Anschluss hieran bringen wir zwei vom •h September 1S9S datierte, uns von geschätzter Seite zur Verfügung gestellte Telegramme zum Abdruck. Sie haben folgenden Wortlaut: Baron v. Durant auf Baranowitz. Demj^olme des edlen Mannes, der vor 50 Jahren der hiesigen Synaeogcu-Gemeinde in uneigennütziger \Veise als , Helfer in d;־r Not heigestanden. spricht bei Gelegenheit der ־ Jubelfeier der Erbammg ihres Gotteshauses die jüdische Oementde ihre Ehrerbietung aus. Der Vorstand der S v 11 a e o g e 11 - 0 e tu e i n d e. Vorstand der indischen Gemeinde Rvbnik. ‘ ' Baranowitz. Dank tür das Gedenken der Unparteilichkeit meines seligen Vaters u:׳d für freimdliche Begriissting sagt Baron v. Durant. Nationalliberaler Rischus Aus dem Wahlkreise Rlntclcn-Ilolgeisinar Das na tional liberale Wahlkomitee fordert aut. in der am Samstag stnUnndemkn Stichwahl für den deutscU-soziaLu. ultraantisemitischen Kandidaten Herzog zu stimmen. Studentisches Der ״Verband Deutscher Hochschulen", der in den Tagen des Kammes um die .;akademische Freiheit“ gehören wurde mid der. wie seine Leiter vom Verein Deutscher Studenten und dci Burschenschaft auf ganz einseitigem kryptoantisemitischen Standpunkt■ steh;, scheint• seine• Rolle in der Studentenschaft so ziemlich ausgespielt zu haben. Jüngst I