Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651478--03802-2660746- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ml »JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 3] •Seite >-•_ ‘io/ Deshalb ist cs nicht richtig. ü!c Aibeit in Palästina abzu leimen, sor/t;11 ihr, die ja jedenfalls von privater Seite eriolgt, die richtigen V• e g e vorziischrelbcn, die ia von privater Seite doch erfolgt, die rieh- : i g e n W e g e vorznsehrdben. wie sie von Aktioiiskomitee und Paliistinakommission für richtig und notwendig erkannt werden. Wenn wir Furcht habet!, dass die Massen zwischen ״Versuchen im Grossen" und ..Kieinkoionisatioir nicht zu ‘unterscheiden vermögen, st» dürfen wir darum nicht die Versuche ini Grossen, deren Notwendigkeit sich jedem, der etwas von Kolonisation verstellt, von selbst amdrängt. ablehnen, sondern müssen d׳־s Volk, das siel; ganz gern belehren lässt und das ja nur nach Heinrich Heine Jange Ohren hat. über diesen Unterschied in geeigneter. Weise autklären. Wenn wir es heute ablekiwn sollten.׳ aus dogmanschen.Gründen — die grosse wirtschaftliche Ver* snehsstntion zu schaffen, die sich aus :der Anregung dgr I n 1; e t! kolonisation von selbst .ergibt, •-so würden; wir uns schwer gegen die Politik des Zionismus versimdigen. die nicht bloss aus etwaige;;;, VeYlu‘p1d!ungen mit der Türkei und noch häufigerem träos&n Abwarten, was da werden wird, besteht. Man muss zuerskeimna! Pu!!■ dumentc legen, w em! man ein politisches ׳Gebäude au:*־ richten will. Das Fundament fiir d׳e zionistische Politik bestellt aber in einem Erhöhen des kulturelLn mid wir’.־ scliaftiiclieu Standes der Hunderttausend Inden, die sehen jetzt in Palästina der Seeleiuahl nach wenigstens den vierten Teil der Bevölkerung rüden. Wenn wir es unterlassen, so werden einst unsere späten Enkel Grund und Veranlassung haben, von uns zu sägen: «# «■>** U»l 4 * j! •%«♦•* o%* *%*« י.. / <k . י«1# Um des politischen Gedankens im Zionismus willen, dürfen wir kein anständiges Mittel ausser Acht lassen, das geeignet ist, uns dem von uns erstrebten politischen Ziele näher zu bringen. Weil wir politische und nur politische Zionisten sind, müssen wir jede Tätig- Reit, in Palästina, die unmittelhar oder mittelbar uns dem Charter nähert, in den Bereich unserer Tätigkeit ziehen. Damit sind wir himmelweit von den kleinen' Zielen und noch kleineren Mitteln entfernt, durch die die ..Kleinkolonisation“ ihre Unfähigkeit bewiesen hat. . ••־ Es würde zu weil führen, in diesem Rahmen auch nur zu skizzieren, welcher Art die Tätigkeit der zionisti־ sehen Partei auch schon heute in Palästina sein kann und sGl. Immerhin können wir uns darüber klar sein, dass diese Arbeit nur ein».־ vorbereitende sein kann, eine solche, die Bedingungen schafft So w־eilig wir kleine Kolonicon gründen wollen, ebenso wenig wollen., und werden wir jetzt am* irgend einem andern Gebiete aus dem Bereich des Vorbereitcns und des Versuchs. im Grossen herausgehen. Nicht einmal die Chalukah können w ir jetzt beseitigen, so verrottet ihr System gewurden ist. Aber auch hier müssen wir Vorbereitungen treffen, dass sielt Bedingungen ergeben, unter denen die Chalukah von selbst auüiört. Das weite Feld . der Kulturarbeit sollte von uns in Palästina ganz besonders beackert werden, und wir sollten erkennen, dass auch die Sorge für die Schulen und die Bildung, für die Satnni*• hmgen und die National! ibiiothek die aüerwichtigstc Yorbcreitmv/sarbeit ist. Der Ausbau der hebräischen Sprache in Palästina ist ein ganz besonders wichtiges Kapitel, das sieh־ der Zionismus noch viel mehr als bisher angelegen sein lassen sollte. Wenn aber die Einflusssphäre der luden in Palästina und bei ׳den Verhandlungen um Palästina proportional auch zu dem in jüdischen Händen befindlichen Grundbesitz ist. so haben wir doch so hinge Bedenken, grössere Lands!rocken fiir den Nationalfond zu er- ־’ erben, als die• rechtlichen Sicherheiten den juristischen Sachverständige!!!11 der Leitung noch nicht genügen. Wohl aber kann der Na’tiönaFfond und die Pälästiiiäliänk ans nichtifidisebvin Besitz Land erwerben und cs Tref* händig an jüdische Privatbesitzer" w citer verkaufen. Dabei vollen wir uns freilich nicht.verhehlen, dass' die Unsicherheit des Besitzes immerhiü keine grossere‘‘׳ist, als in den meisten europäischen ländern.* Der’Landkaut* durcli Privatgesellschaften und'einzelne Personen ist in jeder Weise zu fördern. Wir‘dürfen lins dabei nicht durch die von deutscher Seity' geflissentlich •in die ciircpäisofi^Prcssc lanzierten falschen' Nachrichten •über Nach der Einleitung ging Rabbi Me*r, nachdem er die Pelzmütze bis fast aut die Nase heruntergezogen hatte, 1'nit lauter, aber klagender Stimme ztittt ״Omar Rabbi Jolianan.“ über. .Die Zuhörer spitzten die Ohren und schnitten dem jeweiligen Gcsichtsmoiuciite entsprechende Gesichter. Je weiter Rabbi Mc*!r zu lesen fort fuhr, destc)'deutlicher nahmen diese Grimassen die definitive Form einer aut Weinen gestimmten Physiognomie an. Einige Minuten später standen in den Augen der empfindsamsten Frauen bereits Tränen, bald darauf glänzten diese auch in den Augen der härteren Männer und nach einer halben Stunde weinten alle, gross und klein - erst leise, dann immer lauter und lauter, .bis schliesslich die ganze Gesellschaft, jammerte und schliesslich heulte. Auch kabhi Me»ז erhob allmählich exaltiert seine Stimme: er las nicht mehr, sondern stiess einzelne, abgerissene Worte hervor, schwitzte und schnaufte, plötzlich’brach seine Stimme vollständig. Er schleuderte seine Mütze in die Höhe, schnappte nach Luft und fiel iu Ohnmacht. Nun erhob sich ein ungeheurer Tumult, eine tutbcschrcibüehc Verwirrung, die iu Zetern, Fluchen. T'HTrrr׳ Schimpfen tu d zuletzt' sogar .in •ein Handgemenge ausartete. Die emquartjc’rtcn' Soldaten glaubten, dass die Menge dem ״Popep“ (sie. betrachteten ttnsern Meiamed als einen Geistlichen) ein! »Leid zm’iigen wollte. Sie* streiften daher sofortdie Acrtucl auf und teilten nach rechts und links derbe Faustschläge aus — wodurch natürlich die Verwirrung noch' gesteigert wurde. In der testen Voraussetzung, dass dieser entsetzliche Wirrwarr der ven Rabbi Tanchmn verkündete' Krieg gegen Gog und ׳Magog sei. liefe!» die Chederjungen nach Hause, um ihren Eltern von den bereits׳ be־ gennenen, weltbewegenden Ereignissen zu' berichten. Leider holte uns der Gehilfe unseres Melatncds ־• unterwegs ein und benachrichtigte uns davon, dass Rabbi Mc'fr schon wieder zu sich gekommen sei und dass wir unser eigenmächtiges Wcglaufen hart biissen müssten. (Schluss folgt.) * » ־ ״;. י •' c v 1 •. s * . 1 •*. *.״•י ״; f •|* .'* >׳ ״.״•!־ II