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Jüdische Rundschau · 1906-07-27 · Heft 30 (27.7.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 447 No. 30 sie. ist ihnen wohlcr. sind sie die einzigen Erntemacher, die ihren Weizen gründlich mähen. Unter sich Neuerdings ist die Nachricht verbreitet worden, *n Rom seien Berichte aus Jerusalem cingclaufen. wonach die Fran• ziskaner auf dem Oelberg bei Jerusalem am Himmelfahrts־ , tage einen ffinftstfindigen A n g r i i f der Griechen auszti-! halten gehabt hätten. Tatsächlich ist wie man hört folgendes vorgegangen. Die Armenier, nicht die Griechen, wollten zur Himmelfahrt ihr Zelt iibor ihr Gebiet hinaus auf das der Franziskaner ausdehnen Es kam dadurch zu Auseinander- Setzungen. Man riet den französischen Konsul, den Kadi und den Mufti herbei, die daun auf Grund der rechtsgültigen Karten zu gunsten der Franziskaner entschieden. Ehe sie anlaugten, dauerte cs bei den grossen Entfernungen und der Hitze einige Stunden. Aus Südafrika Nachk einer Mitteilung des STANDARD vom 16. d. Mts. fand am Nachmittag des 15. Jbli in Kapstadt eine grosse, vor! zionistischer Seite veranstaltete Massenversammlung statt, in welcher Protestresolutionen gegen die russischen Juden massakres gefasst wurden. Ausserdem wurde ein Fond zur Unterstützung der durch diese Massakres betroffenen Personen gegründet. Unter den Rednern waren Mr. Schreiner (Minister a. D. von Kapland) und Dr. Smart (B'cvoUmüchtigter der öffentlichen Arbeiten von Kapland). Letzterer drückte im Namen der Regierung seine Sympathie mit den russi* sehen Juden aus und sprach sodann von der Hoffnung, die er hegt, nämlich, dass cjtzt endlich ein genügender Druck •auf die russischen Autoritäten ausgeübt werden könne, durch den diese zu veranlassen seien, die Rechte der Juden anzuerkennen, wie dies z. B. die britische Regierung täte. Die Frage des Wanderns Auf Veranlassung des Herrn Oskar S. Straus, der bei den Maccabacans in London eine Rede gehalten batte, fand in London eine Besprechung statt, an der ausser ihm E. Adler. Herbert Bentwieh. A. Cohen. J. Cowen. Grecnbert׳. Kann, Kish, Spiclman, Stettauer. Zangwili. Clement. L. Wolii. auch’ unser Präsident D. Wolffsoim teilnahm. Es wurden verschicdcnc Kolonisationsplänc ganz allgemein und theoretisch ins Auge gefasst und verschiedene Resolutionen beraten und zum Teil beschlossen. Wenn Tatlächliches vorliegen wird, werden wir ausführlich berichten. Herr Spiclmann hat im Sinne der Brüsseler Beschlüsse den Auftrag erhalten, zum Zwecke weiterer Besprechungen nach seinem Ermessen eine neue Vrsammlung einzuberufen. Rundschau der Presse Unter der Aufschrift «Ausländische jüdische Händler auf sächsischen Jahrmärkten“ beschwert sich die sächsische DEUTSCHE REFORM, das«; Sachsen sich nicht in genügender Weise an den Ausweisungen beteiligt, die freilich augenblicklieh wieder in Berlin einen ganz kolossalen Umfang ange- und will — mit Protesten, die auf dem Papier, aber nicht in den Herzen stehen, beruhigen. Wir westlichen Juden könnten aus wohlbeschützter Ferne fort und fort rat- und tatlos diesem entsetzlichen Schauspiel Zusehen? Aber wir haben ja das Menschenmöglichste getan, wird man aus gewissen Kreisen ciuwenden. Der ins Leben gerufene Hilfsverein Deutscher Juden z. B. steht ja bezüglich seiner Leistungen bis jetzt utierreicht da. Nun denn — der Hilfsverein in Ehren — ist er doch. d. h. sein Prinzip, vom besten Wollen und Körnten‘ bc־ seelt, haben ihn doch Stammesgefiihl und Bruderliebe geschaffen. Aber wie mangelhaft, wie wenig ausreichend doch eben dieses Können ist beweist die täglich bemerkbare, r}\.arcn.m**ssigc“ Verschickungsart unserer armen gehetzten fliiehtlinge.' Es wird doch niemand bestreiten können, dass tu diesem Dian- und ziellosen Abschieben von Ort zu Ort. von Land zu Land nicht eine namenlose Härte liegt, abgesehen von der ganzen Zwecklosigkeit dieses Vorgehens. Es donnert und blitzt doch, sagte mir unlängst ein mit seiner Familie in solch ewiger Wanderung begriffener russischer Jude — warum erreicht uns kein Donncrschlag? Warum werden wir nicht von! Blitz getroffen? Warum müssen wir denn leben und immer lebe״, wenn es doch auf weiter Erde dazu für uns kein Platzclien gibt? Ist diese Anklage vielleicht nicht schwer genug? 1 Irmt sie uns nicht alle? Ich meinerseits werde die ver- י zweifelten, totestraurigen Augen dieses Mannes, in deren Hin-! *ergründ bereits der Wahnsinn lauerte so schnell nicht ver- I gossen. Wie ein Händiger, zu uns allen dringender Mahnruf, i treten sie beständig vor mich Inn und gewiss, wenti nur ein- ' «>al des Tages, oder nur einmal in der Woche, eine solche.; >‘״n einer schwachen und hilflosen Frau, von lieblichen, aber ' nommen haben und selbst gebürtige Berliner nicht verschonen. Die DEUTSCHE .REFORM schreibt: «Ein Unfug, der schon grossen Umfang genommen, soll nun endlich behoben werden. Das Königliche Ministerium des Innern hatte infolge verschiedener Beschwerden die Dresdener Gewerbekammer um eine gutachtliche Aussprache über die Schädigung dr Marktbudenbesitzer durch das Auftreten ausländischer jüdischer jugendlicher Händler auf den Jahrmärkten it• Sachsen aufgefordert. Die Dresdner Gewerbekammer bcschloss darauf, dem genannten Ministerium mitzuteilen, dass auch nach den iru Kammcrbezirke gemachten Wahrnehmungen ausländische jüdische Händler auf den Märkten sowohl die redlichen Marktbudenbesitzer schädigen, wie auch die Bevölkeruug in erheblicher Weise belästigen. Sic pflegen keinen festen Stand zu haben, stellen sich vielmehr mit Vorliebe vor den Ständen der mit gleichen Waren handelnden Marktfieratiten auf und lenken dadurch die Aufmerksamkeit der Käufer von diesen ab. Ferner kommt es oft vor. dass die fraglichen Händ- (er zur Zeit des Marktes auf Strassen und Plätzen hausieren, die ausserhalb des Marktbereiches liegen. Aus diesem Grunde erscheine es auch angebracht, dass die* Beamten des Aufsichtsdienstes streng darüber wachen, dass jene Händler, die ausserhalb des Marktes an Jahrmarktstagen hausieren, einen Wandergcwcrbeschein bei sich führen, und dass die Behörden in einer Marktordnung ein Verbot des Hausiercns auf den für den Marktverkehr bestimmten Strassen und Plätzen erlassen. — Wir haben unsrerseits bescheidene Zweiiel. ob diese Massnahmen zum Schutz des heimischen Handels und Gewerbes geniigen. Gegen die ausländischen •Juden, die sich immer zahlreicher in Sachsen cinfindcn. sollte man nach prcussischcm Muster mit Ausweisungen aufs schärfste Vorgehen. Wir bcdauern, das die derartigen Anregungen bei der sächsischen Regierung noch keinen Widerhall gefunden haben, so offenbare Schäden sich bereits heratisgcstellt haben. Unser sächsisches Land ist wirklich zu gut. als dass es der Weideplatz für fremde Hebräer werden dürfen.“ Es wäre gut. wenn die Juden gelcgentlicli erführen, wie in deutschen Blättern über sie geschrieben wird. Im GENERA! ANZEIGER FÜR DIE GESAMTINTERESSEN DES JUDENTUMS wird der Piicklerskanda! als ein Hohn auf die Staatshoheit nachgcwiesen. Das der GENERALANEIGER das Interesse der .Juden geschickt und würdevoll vertritt, beweist die Wut. mit welcher er dauernd von deutschen Blättern von der Gesinunvstüchtigkcit der STAATSBÜRGERZEITUNG, der KREUZZEITUNG und dem Organ, das die grössten Karlöffeln vertritt, verfolgt wird. In der WELT gibt Davis Trietsch einen ausführlichen Bericht über Kiriath-Sefer. das im Entstehen begriffene Waisenhaus unter Bclkins Leitung. Ob seine Anregung in der Form, wie er sie zum Vorschlag bringt ausführbar ist. soll hier nicht erörtert werden, jedenfalls muss man sie in Erwägung ziehen. DAS FRANKFURTER ISRAELITISCHE FAM1LIENBATT bringt in einem Leitartikel einen Bericht über die palästinischen Kolonien, aus dem man ersieht dass dieses Blatt gern von verkümmerten Kindern umringte, gebrochene Jammer- und Märtyrergestalt unsern Reichen und Grossen vor Augen träte, cs würde bald, oder doch noch zu rechter Zeit anders werden. Man würde endlich erkennen und cinschcn. dass nur auf einem einzigen Wege, auf dem zur Rückkehr in eine^ Heimat, in ein eigenes Vaterland endgültige Hilfe durchgrcifende Rettung möglich ist. Auch unsere Frauen würden, angesichts dieser trostlosen Tatsache, dieser so unmittelbar vor Augen tretenden, erschütternden Tragik ihr jüdisches Herz sich regen fühlen — sic wurden erwachen aus •ihrer Letargie. sie würden sich aufrafien aus diesem ebenso sträflichen als verhängnisvollen Indiffercntismus. ihre so rückständige Interessclosigkeit für die Umwelt für die engste Umwelt, würde schwinden, sie würden nicht länger ihr «Bestes‘* in ״Kleinlichen“ und ..Nebensächlichkeiten' verausgaben — sie würden, sie müssten mit einem Ruck cinschcn. welche hohe Aufgabe auch an ihre Türen pocht wie sic auch von ihnen, und gerade von ihnen, als Mutter und Gattinnen, die Beihilfe zur Lösung verlangt. Darum dürfen wir kein diesbezügliches Elend beschönigen, keine Unzulänglichkeit verleugnen, keinen Jammer verheimlichen. Gilt cs doch die Sonde zu legen auf tiefe, scheinbar unheilbare Wunden. Und nur durch euergisches. tatkräftiges Eingreifen aller, nur durch den starken Willen aller ist hier ein Gesunden möglich. Und deshalb darf es kein Iuuchaltcn. kein Verstummen geben, immer und •immer, bis er gebürt und verstanden wird, muss er wiederholt werden, der Ruf: Brüder. Schwestern, helft Eurem Volk, helft Euch selbst, so hilft Euch die Welt und hilft Euch Gott. Elise Outmaiin.

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