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Jüdische Rundschau · 1906-07-27 · Heft 30 (27.7.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 443 No. 30 ausstrecken auf unser Vaterland. Demgegenüber müssen wir unsere germanischen Hochgedanken verbreiten, um dadurch das fremde Gift aus unserm Volkskörper herausznziehen. Wir wollen unsere Kinder nicht mehr vergiften lassen mit fremder Art. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir die Pflicht haben der Reinigung und Säuberung unseres Volkskörpers von undeutscher Art. Und dass dies geschieht, dafür haben wir den ..0 e t! t s c h c n V o I k s b u n d“. Der unverbrüchliche Glaube an die Zukunft deutscher Art und des deutschen Volkes ist unser Evangelium und unser Dogma und anstelle dessen ztt setzen, was man uns bisher aufgezwungen hat. (Stürmischer Beifall.) Hierauf sprach Hans von Mosch, der die.Ausführungen des Vorredners in trefflicher Form ergänzte und ebenfalls reichen Beifall erntete.** , Einen ähnlichen Standpunkt gegenüber dem Christentum, wie er hier entwickelt wird, vertritt eine ganze Reihe allerdeutschester Männer. So schreibt Paul de Lagarde (Deutsche Schriften 1. 328): ..Ein •Sohn Gottes, welcher mit der Uhr in der Hand am ersten Januar des Jahres Eins, fünftausend oder viertausend Jahre nach der Schöpfung in Bethlehem oder Nazareth das Licht der Welt erblickt, hilft niemandem etwas, der 1S78 Jahre nach diesem Zeitpunkt sich mit Gott und der Kreatur abzufinden hat.“ Und Eugen D fi bring sagt in seiner Abhandlung ״Die Parteien und die Judenfrage“: .,Das Christentum hat überhaupt keine praktische Moral, die unzweideutig, brauchbar und gesund wäre. Mit dem semitischen Geist werden daher die Völker erst fertig werden, wenn sie auch diese zweite jenseitige Gestalt des Hebraismus. der ihre nationale Kindheit durch Unerfahrenheit anheimnel, w-icedr aus ihrem besseren Geiste ausgeschicden haben.“ Die antisemitischen Schüler E. Diihrings eifern ihrem Meister in der Beschimpfung der christlichen Lehre nach. E. D ii 11 rings Wort: ״D a s C h r «i s t e!11 u m ist die ־Schmach des Jahrtausends“, seinen Hass gegen die ..fugenlose und verderbliche Jesuslehre“ variieren sie in allen Tonarten. Im MODERNEN VÖLKERGEIST (Septbr. 1896, S. HO) heisst es: .,Wenn jemals ein Schwert im Zusammenhänge mit dem Christcntume gezogen wurde, so hätte das immer nur ,zum Zwecke der Zerschmetterung des Kreuzes geschehen sollen: denn dann wäre nicht diese tiefgehende Verseuchung des Oistes der mordernen Völker vor sich gegangen, und an der Oberfläche unseres Planeten würden die Menschen unter Beseitigung ihrer missgelungcnen Gebilde ein freieres und besseres Dasein rühren, als es bisher unter der drückenden Last jenes Kreuzes geschehen könnte.“ Prof. D!י. Paul Försters FREI DEUTSCH AND .(2. Juni 1896) sagt: ״Geschichtlich ist unstreitbar, dass die altgermanfsche Kraft des Hcldenvolkes der Weltgeschichte völlig echt nur vor der Berührung mit dem Christentum da war. seitdem im Laufe der Jahrhunderte stets mehr gebrochen wurde, biswirendlieh zu dem Jammervolkc von heute wurden.innner unter dem Einfluss des — Christentum! Ober diese harte ge- Schichthöhe Tatsache hilft keine dem Christentum noch so freundliche Stellung hinweg. Mit ihr muss erst sich abfinden. wer in der Frage ״deutsch oder christlich“ mitsprechen will.“ In Dr. Böc k e 1 s DEUTSCHER VOLKSWACHT (16. März 1895) ist zu lesen: ״Deutschtum und Hebräertum verhalten sich wie Feuer und Wasser; man merke wohl auch das geistige Hebräertum, auch wo letzteres in christlicher Salbe geschminkt sich mit deutscher ״Frömmigkeit" aufspielt." Wilhelm Marr nennt das Christentum ״einen Baum, welcher bis jetzt nur Früchte des Todes getragen hat.“ Rundschau •sc Das Schulgesetz Bel der Scfcfussbcratung des Schulgesetzes Itn Herrenfuuise bat der bekannte Frhr. v. Durant bei § 40. der von der Ver- Wendung jüdischer Lehrer handelt, die Verwendung jüdischer Lehrer sehr einzuschränken. Ebenso wie das deutsche Volk sich nicht von jüdischen Richtern Recht sprechen lassen wolle, ebensowenig dürften die christlichen Kinder von jüdischen Lehrern erzogen werden. Und Ministerialdirektor Schwartzkopff beeilte sich zu erklären, die Anstellung solcher Lehrer solle, ״wie bisher nur in Fällen dringendster Notwendigkeit erfolgen.“ Di ״.e Äusserung geschah, als Herr Schwartzkopff wusste, dass die Vorlage nicht mehr an das Abgeordnetenhaus zuriickgelangen würde; vorher, solange er die Kritik des Landtages zu fürchten hatte, waren seine Erklärungen auf einen anderen Ton gestimmt. Wie die Bemerkung des Herrn v. Durant bezüglich der Anstellung jüdischer Richter in offenem Wider- Spruch mit Verfassung und Gesetz steht, so auch die Erklärung des Herrn Schwartzkopff. Denn die Zugänglichkeit zu den! Ämtern!ist allen Befähigten ohne Rücksacht auf ihre Konzession verheisseu. Nun ist allerdings diese Verheissung. soweit die Judenin Betracht kommen, bisher gänzlich unerfüllt geblieben; aber mit gleich rückhaltloser Offenheit ist diese Übertretung von Verfassung und Gesetz unseres Wissens noch nie vom Regierungstischc aus wie eine völlig einwandfreie Sclbstverständüchkeit angekündigt worden. Antisemitischer Exzess Breslau, 19. Juli. Zu einer sehr ärgerlichen Szene kam es in der vergangenen Nacht am Taucntzienplatz. In einem grossen bekannten Bierrestaurant wurden drei Gäste, auswärtige Reisende, von an einem Nebentische befindlichen ״Herren“ belästigt und mit antisemitischen Redensarten traktiert Die Rowdies, von denen der eine Leutnant der Reserve sein soll, während der andere, wie es heisst früher dem Offiziersstande angehörtc, verlangten von dem Kellner, er solle den ״Juden“ kein Bier mehr einschenken. Es kam Infolgedessen, da andere 11t dem Wirrwarr der endlosen Rederei hörte ntan vorwiegend: Schulen — für Juden spezielle Schulen — Judenknaben müssen die Schulen besuchen! . . . Dieses Unglück fehlte nur noch! Es genügt wohl der Regierung noch nicht, dass alljährlich eine Aushebung jiidischer Rekruten stattfindet? — Was glauben Sie, Rabbi Metr, fragte der Haus- Wirt wiederholt, werden auch meine Söhne gezwungen werden, in die Schule zu gehen? Vor drei Jahren habe ich, wohlverstanden, für unsre Familie einen Mietsretruten an die Ersatzkonimission geliefert, worüber ich äne legale Quittung erhielt. — Der Herrgott wird alle Juden schützen, antworete Rabbi Me'ir, der nicht gewöhnt war, Projekte zu naehen. — Es ist unmöglich, dass unsre Familie schon nieder an der Reihe sein sollte; nötigenfalls werde ich aich beim Gouverneur beschweren. — Das Schicksal aller Juden wird auch Iimen zuül, antwortete Rabbi Me‘»r, tief seufzend. - Wissen Sic, was dann folgt, wenn die Jungen •c Schule besucht haben? sagte jemand. Alle Anwesenden spitzten die Ohren. — Sie werden dann nach dem Kaukasus deportiert! behauptete Jener. — Gott, erbarme dich unser! riefen bestürzt und händeringend alle aus. — Sie kommen schon am nächsten Montag, unter- ״brach sie Rabbi Tanchum, seine Blechbüchse schüttclnd. — Wer denn? fragte verblüfft die ganze Gesell- Schaft. — Bene-Don und Benc-Mosche! antwortete er, sein Haupt bedeutungsvoll bewegend. Sie machten sich bereits auf den Weg mit Schwertern, Lanzen und sonstigem Kriegsmaterial. Das ewige Wogen des Flusses Sambation legte sich und ihre Schiffe segelten sicher. Ain Samstag werden sie am Fusse der dunklen Berge rasten und• dann werden sie den Krieg gegen Gog und Magog führen. Zwar mächtig ist der Feind, aber auf unsrer Seite werden die Engel Zebaoths siegreich kämpfen. Die Sonne wird ihre Hülle abwerfen und in der ganzen Welt wird eine unerträglich dumpfe Schwüle herrschen, nur im Josephattale wird ein frischer Zephj'r wehen und Gott in seiner Herrlichkeit erscheinen, um die Völker zu richten. Gewiss hat

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