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Jüdische Rundschau · 1906-07-20 · Heft 29 (20.7.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No; 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 431 Soldaten, der In ein grosses Ziel geschossen hat, die getroffenc Stelle mit einem Zirkel umkreiste und dann prahlte, er hätte in diesen Kreis gezielt. Unsere Minister, die zuerst den Soldaten danken und dann ihr Verhalte:« untersuchen — sind auch solche Schützen. ׳ Sie müssen.׳cs wissen, n«. t(.f über den Köpfen von MiN lionen Mctischcn hängt das Schwort des Damoklc.־•*. Die Jude!« könne«, sich nicht beruhigen! Es steht eine grosse Arbeit vor — fiir Sie und für uns. lloiicn Sic nicht ausschliesslich auf Zeitungsartikel und Interpellationen. Jeder von Ihnen muss au *Ort und Stelle die lebhafteste Agitation entwickeln. Das ist Ihre Aufgabe, das ist unsere gemeinsame Aufgabe. Aber für Sic ist sic bequemer auszuiührc«:. Beweisen Sie, dass auch Sic dem Pogrom entgegenarbeiten. Beweisen Sic der ganzen Welt, dass Sie dieser Strömung cntgcgcntretcn. Die Menschheit hat das Mittelalter überlebt. Jas so viele Opfer gekostet hat, und hat gesiegt. Ich bin überzeugt, dass auch jetzt der Moment nahe ist, wo die Freiheit über das Mittelalter siegen wird. Die Gegenwart ist zu schwer. In diesem Zustand kann das Volk nHit länger verbleiben. Wir haben bald keine Kraft mehr, uns!> »erlich 7\\ empören. Als ich ein Kind war, weinte ich über jeden im Pogrom Getöteten. Jetzt können wir nicht mehr v einen, wir haben's verlernt. Kommen Sic uns doch zu Hilfe. Wir werden zusammen arbeiten, wir werden verschiedene Wege gehen, aber am Ziele werden wir Zusammenkommen, um uns die Hände zu reichen. Vom Individuellen durch das Nationale zum Allgemeimnenschlichcu — dort werden wir uns treffen. Bezalel Die DEUTSCHE TEPPICH-MOEBELSTOFF-ZE1TUNQ lässt sich aus Jerusalem einen merkwürdigen Bericht über die Schule des Bezalel schreiben, dessen Lächerlichkeit in dem Einlcitungssatze gipfelt, der die Anhänger des Zionismus ״zu reichen Juden“ macht. Wir lassen den Bericht wörtlich folgen: Eine neue Tcpptch-Webschulc. Die Anhänger der zionistischen Idee und somit auch reichen und einflussreichen Israeliten haben in Jerusalem eine Tcppich-Webesduilc errichtet, einerseits, um armen Juden — Nun, unterbrach die Frau das Schweigen, willst du etwas Geld zum Sahbath geben? Rabbi MeVr stöberte in seiner Brusttaselic herum, zog schliesslich einige Münzen heraus und reichte sie seiner Frau. Statt jeder Antwort gab uns Rabbi Me'ir ein Zeichen, zu den Folianten zu greifen — was bedeutete, dass er nicht länger zu sprechen geneigt sei. — Oh! — Oh! — Oh! machte seine Frau — und damit war die Audienz geschlossen.- Die Donnerstage und Freitage waren uns immer die lästigsten, nicht allein der schon früher erwähnten Umstände halber, sondern aucli deshalb, weil an diesen lagen niemand unserm Melamed seine Aufwartung machte. Wir erfreuten uns vielmehr ungehindert der Prärogative des Pfeifenrohrs — was uns schlechterdings nicht besonders behagen konnte. Infolgedessen waren wir an solchen Tagen so aufgeregt, rach- und hündcl* , süchtig, dass wir jede Gelegenheit ergriffen, um unsre Wut an irgend jemand auszulassen. Dieser Jemand war ein Schulkamerad, den wir zum allgemeinen Sündenbock machten, weil er die Dummheit begangen hatte, als ein Cliassid geboren zu sein, während wir doch Misnagdim*) waren. Selbstverständlich hatten wir damals noch gar keinen Begriff von dem Antagonis• »ins, der zwischen Misnagdim und Chassidim herrschte, von vornherein Beschäftigung zu geben, und andererseits, 1*111 für die Zukunft de«; Juden einen weiteren Beruf zu sichern. Die Schule wird in diesen Tagen eröffnet. Der bekannte Professor Schatz ist Leiter der Sache, und noch «nchrere andere Künstler haben sic!« engagiert.» lassen, damit die Anstalt von vornherein über die neuest•.«« Muster und Zeichnungen vcriiVgen kann Für den Anfang werden lediglich die Muster von künstlerischer Seite entworfen, und alles Material wird aus Europa oder von sonstwo bezöge««. Aber schon sobald als möglich wird das Unternclunei« eine eigene Schafherdc besitzen, um die Wolle in die entsprechenden Farben kleiden, und so werden allmählich alle Zutaten zu dieser Tcpoicli-Wcbcrci im Hause selbst angefertigt werden. Dann auch wird aus der ganzen Sache ein materieller Verdienst hcrausschaucn. .Man wird die Teppiche!1י1ד!ז nur durch bestimmte Ausstellungsräumc bei den hiesigen Touristen anbringen, sondern man wird sich auch mit Europa und Amerika in Verbindung setzte«!, sonderlich mit England, um die Teppiche in bedeutender Anzahl nach dort zu exportieren. Ein cigemlicher Verdienst soll aus der Sache nicht lierausschen. vielmehr rechnet man die Deckung aller Unkosten schon als Gewinn an: denn zun« ״Decke«« aller Unkosten“ rechnet man aucli das Herauskommen der gute״ Gehälter für all? Lehrer und Arbeiter und für alle die vielen, heute beschäftigungslosen Juden, die auf diesem neuen Arbeitsfeld Brot und juskommen finden werden. Die Teppiche werden natürlich weit billiger geliefert werden. als dies heute selbst durch billige Händler der Fall ist: wohl verkaufen die Beduinen ihre Teppiche heute billig, aber die Zwischenhändler steckte״ den hohen Verdienst ein. Diese neuen Teppiche werden solid, schon und gcschmackvoll gearbeitet sein, und unstreitig bald einen guten Ruf erlangen. Das Ins-Lcbcn-trcte«! dieses neuen Tcppich-Webehauses bestätigt nur. was wir im Artikel ״Felle contra Teppiche" sagten: denn wenn die neue Teppich-Webcschule eingearbeitet ist und fiott und billig liefert, werden die Orientslischen Teppiche noch weit mehr als bisher im Werte und im Ansehen sinken, und dürfte sich die Modegunst den Felten jeglicher Art als Zimtncrschmuck dann immer mehr zuwenden. Jedenfalls raten wir deutschen Teppichhändlern dringend. bei«n Ankäufe von Orient-Teppichen sehr sparsam vorzugehen, selbst wenn ihnen jetzt ״Gelegenheitskäufc“ sehr \ortcilhait angeboten werden. Denn selbstverständlich werden die schlauen hiesigen Händler unter allerlei Vorspiegelungen einen grosse״ Warenvorrat noch schnell absetzen wollen, der. wenn auch tatsächlich zu herabgesetztem Preise doch noch gut bezahlt sein dürfte, da die Baisse in« Preise für Orient-Teppiche unstreitig sehr bald, und vor allen Dingen aber wir wussten genau, dass zwischen den Anhängen*• dieser Sekten Feindschaft bestehn muss und dass cs eine gottgefällige Sache sei, einen Chassid zu verfolgen. Da wir an Zahl die überlegene Partei bildeten, so wurde cs uns ziemlich leicht, unserm Kameraden die unvorteilhafte Lage eines einsamen Chassid zwischen zahlreichen Misnagdim — denen ein gottgefälliges Werk kein leerer Schall ist — im vollen Umfange fühlen zu lassen. Die Widerstandslosigkeit unsres Kameraden milderte unsre Roheit keineswegs, sie ermunterte uns vielmehr 71« neuen Tapferkeiten. Wir knippen ihn, zausten ihn an seinen Haaren, lachten ihn wegen seines Glaubens aus, bespöttelten das Oberhaupt der Sekte, den Wunderrabb!, verkündeten ihm ungeheuerliche Qualen in der Höllle, jagten ihn unter Tisch und Bank, triebe)! ihn von doit mit der Oicngabel wieder hervor, kurz, wir wendeten alles au, um diese gottgefällige Ergötzung möglichst herrlich zu gestalten. Der arme Junge kreischte, weinte und flehte inständig um Erbarmen, wir kehrten uns aber nicht daran und setzte unsre wilde Hetze fort. Nachdem wir uns genügend ergötzt zu haben glaubten, gewährten wir unserm Opfer eine kurze Rast bis zu unsrer nächsten Anwandlung wohlfeiler Tapferkeit. Während dieses Waffenstillstandes musste unser Kamerad eine , Kontribution in Gestalt von eingeweichten Aepfeln oder Biittersemincln leisten, die er gewöhnlich von zu Hause mitbrachte, wodurch es ihm gelang, unser!! Zorn vor- *) Gegner des Chassidismus (Zelotismus).

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