Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1906)
- Date
- 1906-07-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 28 * י >% JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 421 in der Provinz angeworben. Die Versammlung sprach den ״Reisenden" lür ihre iruclitbare Tätigkeit die Anerkennung ans. Die Pol!zc i hat sich mit allen Kräften bemüht. dass in die Versammlung keine ״unerwünschten“ Klemcntc einJringcu sollten, indem sie nur solche cinliess. die ausser den Eintrittskarten auch die Abzeichen des ״Vereins der echt russischen Leute" bei sich trugen. Boykott in Bialystok Bekanntlich haben die Juden Bialystoks die Strasscnbalm boykottiert, weil es sich herausgestcllt hat. dass eine Anzahl von StTass.nbalmkutschern an dem Pogrom Anteil genommen hat. Dieser Boykott wurde durch acht Tage auirecht erhalten. Nachdem die Direktion sämtliche an dem Pogrom beteiligte Angestellte, die Jbr uamhait gemacht wurden, entlassen und sich überdies bereit erklärt hat. alle, die noch in Zukunft der Teilnahme an den! Pogrom überwiesen würden, gleichfalls des Dienstes zu entliehen Tat die Organisation ..Po ilc Zion" durch einen öffentlichen Anschlag der Bevölkerung mitgeteilt dass der Boykott nunmehr aufgehoben sei. Hingegen hat dieselbe Organisation gleichfalls durch öffentlichen Anschlag eine Reihe von Personen dem Boykott preisgegeh.11, nachdem deren Teilnähme an der Anstiftung oder Durchführung des Pogromes unzweifelhaft ewiesen ist. Unter den Boykottierten befindet sich leider auch ein Akademiker, ein Student der Moskauer Universität. Während des Pogroms beteiligte er sich an Raul) und Diebstahl. Kr iand irüher seinen Krwcrb als Lehrer, vorzugsweise in jüdischen Häusern, wie denn überhaupt fast samtliehe Boykottierte von jüdischer Klientel lebten. Auch ein Apotlicker befindet sich in der Reihe dieser Verbrecher. Wert der Balten Die KÖLNISCH!; VOLKSZK1TUNO beginnt einen Artikel über ״Die Lage des baltischen Deutschtums“ folgendermasscn: ״Sonderbare Geschichten von den Dumawahlcn in den baltischen Provinzen erzählt im TAG der Krlir. Alexis v. Kugelhardt. Ks waren •16 Wahlmänner gewählt, darunter H deutschbaltische Adelige. Die grosse Mehrheit bildeten die I-ettcn und Kstcn, die für sich in der Lage gewesen wären, alle II Dumamandatc mit ihren Volksgenossen zu bestzen. Statt dessen gaben sie den Russen und den Juden noch freiwillig je ein Mandat ab, und die Deutschen wurden von den ganzen Phanlanx aller anderen Volksstänune niedergestimt.ii. Gewählt sind fünf Letten, vier Ksten. ein Russe und ein Jude, aber kein Deutscher. Unter diesen Umständen kann» man eigentlich nicht'mehr von ״deutschen*‘ Provinzen Russlands an der Ostsee sprechen und die Krage liegt nahe, ob die Deutschen denn doch nicht manche«; verkehrt gemacht haben, dass alle andere Nationalitäten so gegen sie Zusammenhalten. Früher sprach man immer von der russischen Glaubcnstyrannei und die Verfolgung der Evangelischen in den baltischen Landen, wobei die Sachlage so geschildert wurde, als oh alle evangelischen Bewohner in glauhensmutigcm Zusammenhalten wieder die russische Orthodoxie ihren Mann stellten. Allein die Letten und Ksten sind selbst Lutheraner, dennoch reichen sie den Juden wie den orthodoxen Russen die Hand und bezeichnen in ihren BUUlttcrn den Deutschen ״als den Keind“." Pogrompanik in Russland Der STANDARD teilt mit, dass man sogar in Moskau sicli vor einem Pogrom fürchtet. Die ״Schwarzen Banden" sind gut bewaffnet, während cs der sonstigen Bevölkerung streng verboten ist. Wafien bei sich zu tragen. Die vorige Nacht waren die Strassen von Chuligans voll, die von einem Meeting kanten. Als die Polizei sie fragte, was sie auf den Strassen machten, sagten sic ihr Losungswort und wurden dann ohne Hindernisse durehgelasscn. Sic sind also gute Bekannte der Polizei. Am 23. Juni wurde in ShUotnlr eine Vcrsammlu-g von den ״echt-russischen Leuten“ abgehalten. Als Redner traten Polizeibeamtc auf. Kin Polizeikommissär hielt eitie feurige Rede gegen die Juden, die an der Revolution schuld seien. Man müsse darum ally Juden ermorden. ״In Bialvstok.“ sagte er, ״halten die ״echtriissischeu Leute" begonnen. Russland zu retten, wir werden cs ihnen nachtun.“ Alle Versammelten erhielten je hundert Proklamationen, die zum Morden der Juden aufrufen. Man sagt, dass die Versammlung vom Gouverneur erlaubt wurde und dass die Polizei alle Teilnehmer gut bewaffnet hat. Aus S h»t o m i r entfliehen die Juden, wohin sie nur können. Der Bahnhof ist überfüllt, und ■mit iedem Zuge fahreii ganze Familien in grosser Zahl ab. Die Polizei wrsucht vergebens. die Judon zutn Pableiben zu bewegen. Dwfnsk. Hier befindet sich die jüdische Bevölkerung in äusserster Aufregung. Seit einer Woche erklären die Mitelieder der ״Schwarze!» Bande“ öffentlich, dass sie einen Pogrom ä la Bialystok veranstalten werden als Rache für einen vor kurzem ermordeten Polizcihaimtmann. Sfnifcropol. Viele Juden verlassen aus Furcht vor einem Pogrom die Stadt. Die jüdisch;• Bevölkerung in Tfraspol ist vom Pogromschrecken erfasst. Die Straschuiki (ländliche Polizei) bereisen die Dörfer und reizen die Bauern gegen die Juden auf. Die ״schwarzen“ Proklamationen worein auch unter den Soldaten der nahen Modliner Festung verbreitet. Ks hat gewirkt, und Soldaten versuchten schon eiutnal. Scheiben in jüdische:־ Häusern einzuwerfen. Ks gelang jedoch den jungen Leuten der S e 1 b s t %\ c h r. sie auscinandcrzutrcibcn. Die RJKTSCH meldet aus Odessa: Heute wurde auf den Strassen ein gewisser Kachow verhaftet, der Klugblätter der ״schwarzen Bande" verteilte, worin das Volk zuin Morden der Juden und der Intelligenz autgeiordert wurde. Eine halbe Stunde später drang in die Polizeistube der Bruder des Kachow. Sekretär des ״Vereins der echt-russischen Leute“ und verlangte unte-r Drohungen gegen den Polizc'komtnissar die Freilassung seines Bruders. Nachdem er per Telephon sich an den G c n e r a I g o 11 v c r 11 e u r gewendet hatte, befahl dieser, den Kachow sofort f r ci zu I a ssen. Die WKLT erhielt folgendes Telegramm: ״In Uman (Gouvernement Kiew) droht für Sonnabend, den 30. ein Gemetzel. Die Anzeichen sind die üblichen. Schon vor zwei Wochen sagte ein Polizeiheamter einem angesehenen niclitjiidisclicn Bürger: ״Ks sind bereits 1500 Messer für die Judenabschlachtung geschliffen." Der Bürgermeister vc• Uman und der Stadtgeistlichc Kudritzky fuhren am 25. d. M. in den Uman benachbarten Dörfern umher und reizten dabei die Bauern zu einem Gemetzel für morgen auf. Ein Offizier riet einem ihm befreundeten jüdischen Geschäftsmann, unbedingt vor morgen 1/man z.u verlassen. Diese Nachrichten werden durch anderweitige Meldungen bestätigt. Die Lage ist höchst bedrohlich. Laut telegraphischen Nachrichten, die die WKLT erhielt, ist (offenbar infolge der rechtzeitigen Massnahmen der Umaner jüdischen Bevölkerung) der kritische Samstag ohne Störungen vorübergegangen. Aus flomcl lief bei unserm Gesinnungsgenossen Dumaabgeordneten Rosen bäum (Minsk) ein Telegramm folgenden Inhaltes ein: ״Kosakenbanden planten für die Nacht ein Judctunassaker. Das Unglück ist durch Polizei und Infanterie, die rechtzeitig angcrufen wurden, bisher verhütet worden. Den» Gouverneur wurde hhrvoi! Mitteilung gemacht. Die örtlichen Hilfsmittel sind erschöpft. Wir bitten um Hilfe." Dumumltglied Rosenbäum begab sich hierauf in Begleitung eines zweiten Abgeordneten zum Minister Stolipin. der sogleich an den Mohilewer Gouverneur ein Telegramm absandte, worin er Mitte-'lung verlangte, ob die Meldung auf Wahrheit beruhe, und, falls dieses so wäre, forderte, dass man sofort alle Kosaken aus der Stadt entfernen solle. Bef dieser Gelegenheit sagte der Minister, er habe an diesem Tage beieits aus vielen Städten ähnliche Telegramme erhalten. Die jüdische Bcvölkerung sei ״sc hr nervö s" geworden und beeile sich darum. $o*'«׳rt Hilfstelegrannnc zu schicke 1. Tatsächlich aber sei alles ruhig und auch in Hornel werde wohl nichts geschah׳ n sein. — er habe kurz, vorher erst ein Telegramm des Gouverneurs von Mohilcw in diesem Sinne erhalten. — Ob der Herr Stolipin nicht vielleicht auch nervös werden würde, wenn er glaubt, atmehtnen zu dürfen, dass er aufgehängt oder totgCjChMge!. werden solle? Aus Ktschlncw schreibt man den! TELEGRAF. BcJ uns herrscht wieder der Pogromschrcckcn. Alles ist auf den Pogroni .vorbereitet. Man schläft nachts in den Kleide.n. Anfälle auf jüdische Häuser, das Kiuwcrfer! von Feastcii» und Aelmliches mehren sich in den letzten Tagen. In d r Stadt werden Proklamationen verbreitet, die zum Pogrom aufrufen. Die jüdische Deputation, die beim Gouverneur um Hilf5 nachsuchen wollte, h a t tu a n d r c i m a I nicht v o r g e 1;י s s c n. ln einer allgemeinen jüdischen Versammlung wurde bis Idossen. direkt an den Minister des Innern zu telegraphier v Aus Minsk wird gemeldet, dass die Juden in Massen aus der Stadt auswandern. In der letzten Woche sind iu*tausend Personen aus Minsk ausgewandert. Auch aus vie!0' Flecken im Gouvernement Minsk flüchten die Juden. In Slo'.onosclia (Gouvernement Poltawa) rüsten sich Chuligans in der üblichen Weise zu einem Pogrom. Der Hllfsverefn der Deutschen Juden erhielt dai nachstehende Telegramm aus Petersburg: ״Soeben kommen ausserordentlich beunruhigende Nachrichten aus Wilna. Für Sonnabend und Sonntag \v׳-d daselbst ein Pogrom vorbereitet. Diesen Alarmgerüchten ist 1 j *!: . ) . 1 י i t * I 1 t, t