Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1906)
- Date
- 1906-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der grosse Mann hat freilich die Bewegung so verlassen, dass sic, obwohl er grade während der Krise in der Partei durch den Tod von der Leitung abbcriifen wurde, durch den Tod des Präsidenten nur für einen einzigen Augenblick verlangsamt wurde, um dann den Siegeszug weiter zu verfolgen, zu dem er die junge jüdische Volksbewegung geführt hatte. . Pcrsonenkiiltus liegt uns fern, auch unsern Grössten gegenüber. Der grösste Mann unseres Volkes, der das Volk^gcgründet hat und seinen Geist der Gerechtigkeit ihm für alle Zeiten einpilanzte, hat von vornherein jedem Personenkults in unserm VolKe die Spitze abgebrochen, indem er bei seiner eigenen Person jeden Personenkultus unmöglich gemacht hat. Und wenn unsere Gesetzeslehrer festgestellt haben, dass er in seiner Bedeutung dem ganzen Volke gleichwertig sei, so trat auch bei ihnen die Person so sehr in den Hintergrund, dass von Pcrsonenverchrung nichtdic Rede sein kann. Und doch wissen wir, dass wir unser Volk, dass wir uns selbst ehren, wenn wir dem Toten in unserm Volke die Ehre darbringen, die ihm gebührt. Die Ehre, die Theodor Hcrzl gebührt, die Ehre, die er allein uir sich beansprucht, ist die P 0 r t s e t z u n g und Vollc n d u!1 g des von ihm begonnenen Werkes. Jeder Portschritt, den der Zionismus macht, ist eine Ehre für den Mann, der ihm die politische Organisation geschaffen hat. Im Geiste und im Sinne Herzls wollen wir die Arbeit für unser Volk und unser Land fortführen. In seinem politischen Testament, in der Schlussrede, die er auf dein letzten von ihm geleiteten Kongresse gehalten hat, hat er sein ganzes politisches Bekenntnis darin zusammengefasst, dass er das Vertrauen, das der Leitung cntgcgcngcbracht wurde, als eine Verpflichtung fühle, niemals zu vergessen, dass Zion die ganze Arbeit geweiht sei. In dieser Rede, die, ohne dass er oder irgend jemand es ahnte oder ahnen konnte, sein letztes Krosses Wort an sein geliebtes Volk war, einigt er die brennende Liebe zu Palästina, die ihm inncwolmte, seit er das Land Israels besucht hatte, mit der politischen Energie und Klugheit, die ihm eigen waren. Jeder Weg, den er cinschltig, sollte nach Zion führen, und alle die Wege, die er ciiischlug, und w ie er sie einschlug, waren geeignet, nach Zion zu führen. Er war der jüdische Politiker und vereinigte zum ersten Male, seitdem der jüdische •Staat zugrunde gegangen ist, jüdisches - Stammesgefüh! und Nationalbewusstsein mit der Realpolitik, deren Meister er, der Idealist, in hohem Masse war. Er war alles andere als ein Dogmatiker in seiner Politik. So unbeweglich der Kompass seiner Politik nach Zion wies, so steuerte er und lawierte er oft so, dass das ganze Vertrauen, das wir mit Recht zu ihm hatten, dazu gehörte, um zu verstehen, dass diese Bewegungen, die der machtvolle Steuermann das zionistische Parteischiff machen Hess, cs nicht von seinem Kurs abbrachten, der d ir c k t aut Palästina zu hielt. Und traun, wir durften mit Recht sein Wort hinnehmen, dass er selbst der Bürge wäre, dass nichts geändert würde an dem Programm des Zionismus, das er selbst am meisten mitgeschaffen hatte. Er war der Schöpfer zw ar nicht des Gedankens des politischen Zionismus^ — der existierte schon vor ihm — wohl aber der zionistischen P o I it i k. Und er war nicht nur ihr Schöpfer, sondern zugleich ihr grösster Meister. Er wusste der eben erst entstehenden Partei die Bedeutung zu verschaffen, dass sic bald eine grosse Partei wurde, der diese Bedeutung mit Recht zukam. Er, dessen Wesen reiner und lauterer Idealismus war, der beinahe ein Ideologe zu sein schien, fand sich in de־׳ Welt der Realitäten mehr zurecht, als so mancher, der kraft des Mangels von Idealen^ glaubt, auf realem Boden zu stehen. Für Herzl und durch ihn wurden ideale Werte zu realen Potenzen. Er hatte freilich in der Politik, die er trieb, und bei der die Diplomatie nur ein kleiner Teil seiner politischen Tätigkeit war, etwas iu die Wagschalc zu werfen, was andere nicht konnten. Das war seine eigene Persönlichkeit, diese Idealperson, die bezauberte und fortriss und zugleich so ruhig und klärend w irkte. Wenn wir glaubten, vor einer Mauer zu stellen, so war er cs, der bereits einen Weg gefunden hatte, um die Partei aus der Verlegenheit herauszuführen, in die sie durch die Verkettung der von ihr 1111abhängigen Umstände hineingekommeu war. Er war ein Meister der Politik und legte sich darum niemals fest, obgleich jeder w usste und er seihst es nie leugnete, dass seine ganze Politik sieh nur um den einen Punkt Zion bewegte. Wer Merz! anders verstehen wollte,