Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 26 (29.6.1906)
- Date
- 1906-06-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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No. 26 Seite 386 JÜDISCHE RUNDSCHAU 49. 50. 51. 52 53. 54. 55. 56. 57. 5S. 59. 60. 6t. 62. 63. 64. 65. 66. 67. 6S, 69. 70. 71. 72. 73. 74. 75. 76. 77. 78. 79. 80. 81. S c 111 c m a Susebit 7. ki.30 Jahre Fetdsnhcr des jftdisehen Krankenhauses, Schädel und Gesteht zertrümmert, Atexanderstr.. getötet afs er den Verwundeten Hilfe leistete. Chain! Frei.dk in. 50 Jahre. getötet am 1. Jmii durch A x t h i e b e in! Schädel. Isaak .... aus Scliolki. getötet am 3. Jun: abends auf d:1n Wege nach der Sagemühle. ntehrcr Schusswunden. A b r a m S c 11 w a r z. 24 Jahre. Schusswunde in der Brust. Sorach Paude, IS Jahre. Flinlenkugcl. Nach mann Grabowski, 28 Jahre. Schusswunde in der Brust. Jakob Suraawitz. Schusswunde in der Brust. Schlema (Name unleserlich), Schuhmacher. Ketötet auf der Schkolna/astr.. Schusswunde im Kopi. Mordcbe Sapirstein. ca. 25 Jahre. Schusswunde in der Brust. Sara Jaworowskaia. Frau von 35 Jahren, Schusswunde in der Brust. Der Krüppel Leib P a p u s, ca. 40 Jahre, S c h u s s ־ w u n d e im Hais. Itzchop Jaskolski. 22 Jahre. Schu sswund e im Leib. S a 1 inan G r i 11 b e r k . Ketötet am Bahnhof, Schädel zettrummert, Zunge herausReschnfttcn. Hirsch Hepner, 61) Jahre, getötet am 2. Jnni in dei Sagemühle. Schusswunde in der. Brust. Leib Masur. getötet in der *Sagemühle, mehrere Schusswunden. 11 z k o R a w i t z k i. Mendel A r k i n . 55 Jahre, Zündhölzchenhändler. Frau (Name unleserlich). M c i r W c i n z i e r, 40 Jahre, getötet Gerechowajastr., Schusswunde. Marcus Belkin. C 11 a hu S c h a p i r a. Salma (Name unleserlich). Tischler. C h a i m L e s c h a k. Joel T w a r k 0 w s k!, getötet am 3. Juni mühle. 2 Schusswunden. Mordcchai Schmukler, 17 Jahre, 3 wundert in den Leib. Berel Newir.schski. getötet auf der Bcjaristr. Abram Newiadoxvski, getötet a»af der Bejarfctr. Mosche Simche Brianski. Taube Katz, Frau von 72 Jahren, verbrannt in der Sägern Ghle. Abram Machai, 24 Jahre, Schusswunde am 5. Juni. Rubranowskala. Mädchen von 19 Jahren, erm 0 r d e t am 3. Juni vom Offizier Xiillcr mit dem Revolver. Jena Kagan. getötet am I. Juni. Schusswunde. Schenkel zerschmettert. Verkohlter Leichnam. a.n i Juni in der Säge- Bajonett- Die obige Liste der bisher aufgeiuu denen Toten, die dem Hilfsverein der Deutschen Juden übersandt worden ist. und in der auch die Art der Tötung angegeben ist, zeigt ebenfalls mit voller Deutlichkeit, dass es sich in Bialystok um einen obrigkeitlich vom Militär und Polizei arrangierten Pogrom gehandelt hat. Die Todesursache ist. soweit es sich bei den furchtbar verstümmelten Leichnamen überhaupt fcststellen licss, durch amtliche Autopsie festgestellt worden. Von den 81 bisher . aufgefundenen Leichen weisen nicht weniger als 44 Ver- * wundungen durch Flintenschüsse oder durch Bajonett, also von Soldaten herruhrend auf. Wie bekannt hat der Gouverneur von Grodno die Depesche, welche behauptete, dass Ausschreitungen der jüdis heil P.völkerung die Metzeleien veranlasst hätten, öffcntlicn als absolut erlogen bezeichnet. Der Gouverneur erklärt, dass die Pro- Zessionen ungestört verlaufen seien und dass niemand Schaden gelitten habe. Auch Minister Stotypfn bezeichnete die betreffende angeblich offizielle Depesche als erlogen: ja er wisse nicht einmal von wem die ,.offizielle Depesche״ herrühre. Vor dem von der D1!ma gesandten Abgeordneten S 'hepkin erklärte der russische Pope aus NVasilkow, der an der Prozession teilnahm, es sei keine Bombe geworfen, kein Heiligenbild durchschossen worden, überhaupt seien keine Schüsse aul den Zug abgegeben worden. Friedensrichter Dercwin sagte aus. er sei am Donnerstag und Freitag auf d;n Strassen gewesen und habe beobachtet, dass regelmässig, während der Pöbel die Häuser plünderte dem Militär Ke trt befohlen wurde, und gleichzeitig wurde Feuer gegen das gegenüberliegende Haus kommandiert, so dass die Soldaten die Plünderung nicht mit ansah.-n. Friedensrichter Olden bürg machte dein Sinne nach die gleiche Aussage. Trotz dieser Dementis 1:• i Richtigstellungen, deren wichtigste bereits Montag und Dienstag bekannt waren, bleibt Prof. Theodor Schicmann noc'1 in der Mittwochsnunuuer der KREUZZEITUNG dabei, den Juden die Schuld In die Schuhe zu schieben und schreibt: ״Dass eine Absicht der örtlichen Obrigkeit Vorgelegen habe, die Schlächterei zu provozieren, wie seinerzeit in Kischinevv geschah, ist diesmal schwerlich anzunehmen- Das; entspricht nicht der politisch־.:! Lage des Augenblicks" j Wenn man weiss. dass Prof. Dr. Schiemann ein baltischer י Deutscher, also Stammes- und Landsmann der Russen gleichen ן Stammes Plehwe. Witte. Bader. Hitler, Meyer usw. ist. so versteht man die Motive des ausländischen Herren in der KREUZ- ZEITUNG sehr wohl. Die christlich-deutsche STAATSBÜRGER-ZEITUNG in Berlin schreibt im 23. Juni buchstäblich: ״Übel angebrachte Sympathiekundgebung. Der Senat in W a s h i n g t o n nahm einen Beschlussantrag an, in welchem erklärt wird, das Volk der Vereinigten Staaten sei entsetzt über die Berichte von Metzeleien, die an Ju.dcn in Russland wegen ihrer Rasse und Religion verübt seien. Alle diejenigen, die davon betroffen seien, hä.cen die herzliche Sympathie des Volkes der Vereinigten Staaten.“ DIE STAATSBÜRGER-ZEITUNG hat eben dieselben Sympathien wie Prof. Schic in a n n. Senator Turau über jüdische Pogrome Nach dem bekannten Kiew er Pogrom im He. bst vorigen Jahres, wo mehrere hundert Juden umgekommen sind, sandte die Regierung den S c n a t or T ti r a n nach Kiew um dort an Ort und Stelle Untersuchungen anzustcllcn über die Art und Weise, wie der Pogrom verlaufen ist. ln seinem Bericht, den er selbstverständlich kcnndcnziell erstattet hat. und der keineswegs für die Öffentlichkeit bestimmt wurde sagte Turau, wie wir mitzuteilen in der Lage sind, >1. a. folgendes: .,Es ereignete sic 11 auch, dass die Pogroms c h t s c h i k v’s selbst von den Treppen ein-?.einer Häuser geschossen haben, um dadurch eine Antwort-Salve der Soldaten hervorzurufen und um dann nachher sich auf dieses Haus zu stürzen unter de in Vorwand, als ob man aus dem betreffenden (Hause auf die ״kaiserlichen“ Truppen geschossen ha t." Dies sagt ein Senator, ein russischer Senator, freilich in seinem nicht für die Ö f f e n 11 i c 11 k e i t bestimmten Bericht. Damit ist die plan massige Vcranstalt u n g der jüdischen Pogrome sozusagen offiziell zugestanden. Wir mir ein vorzüglich Informierter Politiker mitteilt, waren zu Ostern in sechsStädten Pogroms geplant. In Kiew sollten die Juden mit Stumpf und Stic1 vusgerottet werden. Den Bemühungen der Vertreter der örtlichen Bevolkenmg gelang es, Witte zu wiederholten Depeschen an die Lokaladministralionen 7a bewegen, allein, sie blieben insofern resnltatlos. als die Vorbereitungen für die Exzesse ruhig fortgesetzt wurden. Es liiess. Durnowo allein könne etwas Entschiedenes in der Sache tun. Dank dem Umstande, dass es einem höheren Adininisiratlonsbeamtcn gelungen w׳ar, Dokumente zu erlangen, die die Beteiligung der Gendarmerie an den Vorbereitungen zu Gemetzeln klar erwiesen, gelang es Durnowo zu veranlassen, Schritte gegen die Pogroms“ zu tun. die dann auch, ausgenommen Hornel, verhindert wurden• Nach Hoinel war die Verfügung des Ministers des Innern 7u spät gelangt. Jetzt beginnt man mit der Ausführung des zu Ostern vereitelten Planes. Dunkle Machenschaften Fürst U־׳ussow׳. der dieser Tage in der Reichsduma über die Urheber der Judenhetcn Enthüllungen machte wfar zu Anfang dieses Jahres Gehilfe des Ministers des Innern. Als solcher xvurdc er vom Grafen Witte beauftragt, wegen der in der Druckerei der Petersburger Stadthauptmannschaft hergestellten Broschüre, in welcher 741 Judcmnefzeleleu und der Ermordung des Judenmuiisters Witte autgeiordert werde. Untersuchungcn anzustellen. Wie nun die RUSSISCHE KORRE- SPONDENZ mitteilt, hat Fürst Urussow damals folgendes festgestellt: Bestellt waren die Proklama tionen von dem BeamtcndcsPolizeidepartcinents, Staatsrat Lawrow Im Polizeidepartement war eine spezielle Druckerei zur Iler- Stellung solcher Proklamationen eingerichtet w׳orden. An der Spitze dieser Druckerei $;aud als leitende Instanz Timo-