Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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No. 25 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 375 Strassen Ncuwclt und Polowaja gegen die Hooligans mit I grösstem Erfolg. Erst als das Militär g ßcn die 1 s i c h v c r t c i d i ß e n d e n Juden einschritt wurde die Verteidigung u 11111 ö ß I i c 11. Verschon blieben die Strassen Suraskaia, Kaldhistotenska. Japieski. weil mau an- J nahm, dass dort energischer Widerstand erfolgen würde l Weitere Judenhetzen ן Odessa, 17. Juni. Wegen der Judcrunassakrcs beginnt auch hier die jüdische Bevölkerung panikartig zu fliehen Ebenso wird aus Minsk, Proskow und Bcrditschew gemeldet. dass sich ן eine Bewegung bemerkbar macht, welche Exzesse gegen die Juden befürchten lässt. Berlin, 18. Juni. De NATIOXALZETIUNG schreibt: Uumittelbar nach dein Bekanntwerden der jüngeren Vorgänge in Bialystock hat die deutsche Rciclisregierunß im Hinblck aui die Interessen der deutschen Rcichsangchürigen und das deutsclie Kapital in Bialystock sich wegen des Schutzes dieser 11> tcressen dringend au die russische Regierung gewandt. Die Regierung hat unverzüglich Massnahmen zum Schutze dieser Interessen zugesagl. ן London, 18. Juni. Das Rcutcrsche Bureau erklärt, dass י vom Auswärtigen Amte ernste Vorstellungen wegen der Erj eignissc in Bialystock erhoben werden. Lord Rothschild hat } heute Nachmittag eine Unterredung mit dem Minister des Alis• , wärtigeu Sir Edward Grey gehabt. Bialystock, 18. Juri. Heute hat die Beerdigung von 79 bei den Utztcu Unruhen getöteten Personen stattgeiundcii. Uebcr weitere Judcnh.etz.cn 11t Russland wird d־reh Draht־ berichte, die beute um 2 Uhr .31 Min. an der Grenze aiifgegellen sind, gemeldet: ln Lall bei Bialystock hat ein grosses Blutbad stahgciundci:. Auf dem Bahnhof sind fii1׳i Personen tot. in der Stadt sehr viele verwundet. 111 Starnselcze bei Bialystock sind sämtliche Läden der Juden geplündert und zerstört worden. Warschau. Der Oberpdiz.eimeister licss heute nachmittags einen Aufruf auschlagen. in welchem cs heisst, das־; ieder Vcrsuch. Judcnkrawalle zu erregen, mit Gewalt unterdnickt werden würde. Warschau. Wie die Blätter melden, sind a;cli 111 den zum Gouvernement GroJno gehörigen Ortschaften Zabh.dow, Ossowicc und Gor.iondz Judenverfolgungen ausgebroclicn. Ein Wort an die Judenmission Es gibt eine besondere Institution, die dazu bestimmt ist. die Juden itt ׳den Scltoss der christlichen Kirchen überzufiihtut. Die ״Arbeit an Israel* wird von jeder christlichen Kirche mit besonderem Wohlgefallen ausgeübt. Man will offenbar damit die Juden aut eine höhere Stufe der Gesittung heben. Ohne auf die Qualitäten getaufter Juden entgehen zu wollen, bemerken w ir. dass wir nicht morden, nicht vergewaltigen, keine Kinder zu Tode misshandeln, nicht rauben und pliindem. dass wir alle die Greuel nicht begehen, die gegen uns in allen Ländern begangen worden sind, in denen wir bekehrt werden sollen und "die jetzt wieder in Russland gegen uns begangen werden. Wir erachten es daher für eine dankci.swerte Aufgabe der Judeiimissioii. erst einmal die Russen zu bekehren, wenn ihr das gelungen ist. wird sie ein Recht haben, die JuJctibekehrung versuchen zu dürfen. 3UO■ Rundschau —: Judenlos Auch die Liste, welche für die am 18. Juni in Posen bcginnende Scliw urgericlitspcriodc heute veröffentlicht wird, zeigt ein reckt interessantes und lehrreiches Bild. Wie der Leser der RUNDSCHAU sich vielleicht erinnern wird, hielt der Vorsitzende des ״Zentralvercins" vor einigen Monaten int Stadtparlamcnt einen kleinen Vortrag über die Ausschaltung denr Juden aus der Ocschworeiicnliste. Einen s:> wichtigen Protest auch nur mit einer Silbe 11 unterstützen, hielt kein M a g i s t r a t s m i t ß 1 i c d für nötig. Eisiges Scliwi igen! — Die nächste Liste brachte zwei Juden aus Posen- Land, allwo ein sehr kluger Landrat regiert. D׳e flachste und die heutige Liste sind judenrein! Das Los .'ieses Guttesgcricht. will uns Juden gar nicht mehr wohl. Posen ist eine der wenigen Städten, wenigstens, in wcleben die Juden noch zahlreich vertreten sinJ. Wenn das Eintreten der klcinparlamcntarischen jüdischen Ercisiniisprotestanteii so wenig Eindruck auf die staatlichen Machthaber macht, als wir aus diesen Vorgängen kennen lernen, dann sollten stell die Juden doch einmal die Frage vorlegen, ob ihre Reclite in den richtigen Vcrtreterlüiudu! liegen. Die Stunde des Liliputfreisimis in Posen hat geschlagen — es werden im Laute der nächsten Jahre hoffeiit- \ lieh andere markigen Judenkräite sich hier t׳elt-1d machen, welche die Rcgierfiug nicht mehr als Sajazzi behandeln wird, wie sie dies mit den heutigen Vertretern des Israeliteiitums machen darf. — Angeklagt sind 18 Personen, darunter 15 Polen, drei Protestanten, kein Jude. Als Verteidige• fungieren 5 Mal Polen. 2 Mal Deutsch-Katholiken. 2 Mal Protestanten und 8 mal Juden. Posen. Die heute veröffentlichte Liste der Hilfsgcschworeuen enthält 11 Namen, darunter sechs Juden. — Mcrkv/iirdiger Zufall! Wie die Alten sungen Aus Rastcnbiirg berichtet die OLETZKOER ZEITUNG: ״Das Turukräiizchen an der Rastenburger königlichen Herzog- Albrechtsehule hat einem jüdischen Schüler, der sich sejt l‘/i Jqhren in der Jugendriege des vor zwei Jahren gegriitideten Turnkrünzchens befindet, die Aufnahme als Mitglied in das Kränzchen verweigert, und zw ar mit der Begründung, dass jüdische Schüler nicht aulgcnotnmen werden. Mau sicht. Ostpreusseu ist um kein Haar weniger deutsch und estmärkiseb als Posen. Reichstagsersatzwahl Im Relchstagswalilkrclsc Hofgeismar-Rinteln wird es in- , folge des gespannten Verhältnisses zwischen den beiden antisemitischen Richtungen hei der bevorstehenden Reichstagsersut/.wahl zu einer Spaltung der Antisemiten kommen. Wie mitgetei!:. beabsichtigt auch die Reformpartei, die schon einmal. im Jahre 1890. im Besitz des Mandats gewesen ist. das später an die Dcutsclisozialen überging, einen Kandidaten auf- ״Zustellern In Marburg bestehen bekanntlich schon jetzt für die nächsten Reichstagswahlen zwei antisemitische Kandidaturen. Das von der Reiormpartei neu gegründete Organ für Hessen, die HE??. RUNDSCHAU, hatte in ihrem Nachrui tiVr den Graten Rcvcntlow heftige Angriffe gegen die deutschsoziale ״ürudcrparlci“ eliigefloclitcn. die dem Verstorbenen ״niedrige“ Agitationsdienstc zugemutet haben. Zum Schluss hiess cs dann: ״Ein Rcvcntlow unter dieser Gesellschaft nüchterner Prädikanten, zweifelhafter Puritaner und kondottierehafter Parteiführer — ein merkwürdiges Wechselspiel des Lebens und doch ein mir zu erklärlicher Vorgang.“ Man darf cinigcrmasscn neugierig sein, was der Abg. Liebcrmann .v. Sonnenberg auf das zweifellos auf ihn abz.ielende boshafte Beiwort: ״koiidottierehaitcr Parteiführer“ antworten wird. ״Gutgläubig“ — ״nur für Kenner“ Der Redakteur der antisemitischen HALLESCHEN RErORM. Schröder der wegen Beleidigung ues Chetredaktcurs der SAALE-ZEITUNG. Otto Sonne, angeklagt .var. fühlte vorige Woche vor dem Hallcsclicn Landgeri:ht eine höchst merkwürdige Verteidigung. Schröder hatte in seinem Winkelblättchcn untCf der Spitzmarke ״Eine kritische Sounciihetrachtung". zwei Artikel^ vcröiientiieht. in denen er sagte: Herr Sonne protegiere als Kunstkritiker solche Sängerinnen, die sich ihm gegenüber ״gefällig" erwiesen. Anspielungen lieblichster Art zierten die schmutzige Leistung. Eine bekannte Opernsängern!, die ebenfalls angcgriffen worden war. tröstete sich damit, dass die Vcruiiglinipiiingen in einem antisemitischen Schmutz- und Revolver- Matt, das kein anständiger Mensch lese, ־׳cstaiideii liäjttcn. Der Antisemitenredakteur verkauft•' die Nummern pro Stiiek mit 50 und 60 Pfennig. Als mau ihn aber wegen Beleidigung an den Kragen ging, verriet er erstens den Verfasser der Artikel in der Person des Kunstkritikers Martin Erev lind dann behauptete er. er habe ..keine Idee * gehaot. wer mit den Artikeln getroffen werden sollte. Als F«w ihm die Aitikel gebracht und Beklagter gefragt habe, «ui weit sie gemünzt wären, habe Erev entgegnet: ״Wissen Sic. das ist nur et w a s f ii r Ke 11 n c r!“ Gutgläubig als Redakteur habe er. nachdem man dun die Fremdwörter klar gem a c 111, die Artikel ohne Bede 11 k e 11 v c 1 ö f f entlicht. Gegen Erev schwebt ein besonderes Verehre» und der ״gutgläubige" Autiscmiteurcdaktcur wurde mit 500 Mark bestraft Schröder ist Christ und rein-arischer Abkunft, nicht minder. Herr Erev. Rumänien Da in einem einzigen südwcst-russischea Go.ivcruemeiit mehr Juden als in ganz Rumänien wohnen, so ist cs ganz natürlich, dass angesichts der Katastrophe in Russland das Interesse für unsere Glaubensgenossen in dem benachbarten viel kleineren Lande sehr ziirüclgetreteu ist. Ls wäre jedoch ein Irrtum, zu glauben, dass die Lage sich dort wesentlich