Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651472--03672-2660610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 373' JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 25 reklamiert wurde!*. Bei glühender Hitze herrscht furchtbarer Leichcngerucli. , Das Zionistische Zeiuralhureau in Köln erhielt das fob *;ende Telegramm aus Bialystock: Prostken, 18. Jtinl. 11,25 Uhr nt. Antwortlich Ihrer De* pesche in Bialystock veranstaltete Behörde und Militär mit Hilfe niederer Volksschichten. Anzahl Fabrikarbeitern, auch verkleideter Schuljungen. einen beispiellosen Pr״grotn. wütete drei Tagt. 14.. 15.. 10. Juni, (legen hundert grässlich Er* mordete liegen im jüdischen Hospital, ausser vielen in Häusern und umliegenden beidern. Verwundete zahllos, fast sämtliche* (•eschüftc aut den Hauptstrassen vollständig kahl ausgepli'm* dert. Nebenstrassen meistens verschont, wo weniger Mi- 1 i t ä r. wodurch es jüdischer Seihst w ehr g c» lang. C11 u I i g a n s zu vertreib c n. Grenzenloser Jammer, unzählige Witwen. Waisen unglückliche Krupp:!. Dringend sofortige Hille notw end'g. I: i 11-u och schreck* lieberer Pogrom wird den Nchenstrasscn gedroht, endlose Panik. Handel. Erwerb für unabsehbare Zeit völlig gelähmt. Masscnemigrantioii bevorstehend, man appelliere an das europäische Gewissen zwecks Verbeugt;.1;; in Zukunft solch bestialische tlreueltaten. DerBialystocker Pogrom und die Behörden Der Hilfsvcrciti der. deutschen Juden stellt noch folgendes Telegramm zur Verfügung: __ Furch Boten bis zur Grenze. von der deutschen (ireii/•: 12 Uhr per Telegraph: Die Bumudcputierten JacohMtlm und Bramson hatten bt- ];anntiieb am Donnerstag Abend in PcUrsburg׳ eine Unten edun/ mit dem Minister des Innern. Stolyp’n.׳ wegen des Pogroms I in Bialystock. Det Minister versprach ilmeu die Untcrdrückiiiig } der Unruhen telegraplt'sch auzuordnen. Bratt son teilte den it: I Bialystock anwesenden Dr. Reigmtzki und Bloch in cüicni 2 Ihr nachts ata'gcgebercn dringenden Telegramm das Versprechen des Ministers ״'it. Dies dringende Telegramm wurde zunächst ziiriickgehaltc.i. und :•ls es der Polizeibehörde in Bialvstock vnrgewiescu wurde, erklärte dieses, s’e seihst wisse am besten, wie vorzugclieu sei. ministeriell;: Verfügungen seien zurzeit nicht massgebend. Darauf nahm der Pogrom am Dreitag noch grossere Dimensionen au. I re tag früh um 9 Uhr •erschien vor der Polizei noch ein Trupp Arbeiter und bat um die Erlaubnis, an dem Pogrom sich beteiligen zu dürfen. Hü:- gegen liessen die Arbeiter der B.ekcrsehen Fabrik, ausscbliesslieh Christen, in der Vorstadt N״wa keine Ausschreitungen der Hooligans zu. Weichen Einfluss die OiHzlcre hatten, beweist der Umstand, dass sie am Marktplatz ein jüdisches W'eu'gcsebäft. in dc-ni sie verkehren nicht plündern liessen. während ein Möbelgeschäft im gleichen Hause unter ihren Augen ausgc* raubt und demoliert wurde. In der Nikolaistrasse sagte c:1! Offizier, dessen Name noch m-bekannt ist. den H״״ol:gaus. sie sollten E s s w a r e 111 ä d c n versc h o neu״ da sonst Teuerung eintreten würde. Das Haus in der Kopctschstrasse. in dem der Prokuratnr watlmr. wurde von den Chuligans gcstürmt. Der Diener des Prokurators schoss vom Balkon i׳: die Chuligans. worauf behauptet wurde. Juden hätten ge* schossen. Gleichwohl gelang es dem Prokurator persönlich, den Exzessen ein Ende zu machen. Jüdische Selbstwehr arbeitete in den ersten Sunden um Donnerstag, solange das Militär sich zurückhielt.'in de!׳ Strassen Neuwelt und Polowadu gegen die Hooligans mit grösstem Erfolg. Erst als das Militär gceen die sich verteidigenden Juden einschritt, wurde die Ver* tcldigung unmöglich. Verschont blichen die Strassen Suras* kaja. Kaldb.'stotenska. Japieski. weil man aiinahm. dass dort energischer Widerstand erfolgen würde. General v. Bader wollte die Verantwortung nicht übernehmen, die Ruhe während eines würdigen Leicheuzuges für die Opfer aufrecht zu erhalten, daher wurden sie am Montag 11 Uhr aui jüdischen E a s t f u 11 r e n zum Friedhof gebracht. Durch Boten bis zur Grenze, von d.r Grenze 11.34 Uhr per Telegramm: Die Untersuchung wegen Ermordung des Polizeimeistcvs Derkatsehow hat ein wichtiges Ergebnis gezeitigt: es ist ein Zeuge gefunden, in dessen Gegenwart vier Tage vor der Ermordung‘ des P o l i 7. e i in e i s t e r s ein Schutz* m a 11 n gesagt hat, es stehe ein grosser P o g r ״ in bevor. Auf den Entwand des Zeugen, der Polvzchreistcr Derkatschc v werde den Pogrom nicht ziilnsseii.!;,merkte der Scliut/m 1.1; höhnisch: Bis dahin habe Derkatschcw zu \crscbwindem. Bialystock und das Ausland Die Greuel von Bialystock Italien zu einer lebhaften Ent* rüstungskiiudgebimg im britische* Unterliause Veranlassung gegvbeu. Aus London wird berichtet: T 11 o r 11 e ( Arbeiterpartei) tragt an. ob. che eine britisch׳.• Flotte zu einem offiziellen Besuche nach Krön* Stadt geschickt würde, und ehe weitere Schritte in bezug auf bestimmte freundschaftliche Abmachungen mit Russland 1" . des Auswärtigen An tes erwidert, dass er nicht in der Lage sc. derartige Vorstellungen zu machen, stellt Thome die Frage, welchen Zweck denn d e Entsendung der britisch.cn Flotte nach Kronstadt verfolge, und ob Sir Edward Grcy Kenntnis davon habe, dass in Riga Knaben und M ä d e h c 41 hinge* richtet worden seien. Kcir Hardie stellt dann an Grcy die Anfrage, ob er in den Zeitungen das von fünf Mitgliedern der Duma Unterzeichnete' Telegramm gesehen habe, nach dem die J u d e 11 m e 1z e l e i e 11 in Bialystock noch fortgesetzt werden sollten, und diese offiziell von der russischen Regierung begünstigt würden, und ob das nicht Grund genug für, seine Amtsstelle sei. um ihren Einfluss bei der russi* sehen Regierung gebr.nd zu machet|. dass Lolchen Verbrechen gegen die Zivilisation Einhalt getan würde. Sir Edward Grcy erwidert, dass er die Depesche in den Zeitungen gelesen habe, aber keine amtliche Kenntnis irgendwelcher Art davon besitze. Was den Elottenbesuch anb. lange, so beabsichtige die Aa* miralität, im Sommer eine Flotte zu einer Kreuztour nach de.־־ Ostsee zu schicken, in deren Verlauf nach den ])isherigen Fest* Setzungen diese Flotte schwedische, deutsche und russi* sehe Hüten besuchen solle. Fs dürfte verfrüht sein, anzu* nehmen, dass Ereign'sse eintreten würden, die die Admiralität veranlassen wurden; Aenderungcn.au diesen Dispositionen'vorzuiiehmcn. Als Heir Hardie daun weiter tragt, ob im Falle der Fortdauer der M e t z e I c i e n Befehl zum N i c 11 t besuch russischer Hüten als Zeichen der M i s s b i 11 i* g u n g'Englands gegeben werden würde, erwidert Grcy, da*s er seiner bereits erteilten Auskunit nichts h i n z u t ü g c!1 k ö n n c. Len hier von den britischen Commons veitretencn Stand* Punkt nimmt auch die Londoner Presse ein. ,Ein Telegramm meldet: MORNINU POST. TRIBÜNE und DAILY NEWS vertangen im Hinblick auf die in Bialystock begangenen Grausamkeilen der Besuch der britischen Flotte in Kronstadt unter* l lc 1 e; sie erklären weiter, cs sei uninöglicl!. dass England mit der gegenwärtigen russischen Regierung eine! Verstand.* gimg abschliesse. DAILY TELEGRAPH sagt, man dürfe der russischen Bureaiiratic nicht gestatten, noch mehr Geldmittel zu erlangen. Die hier von! DAILY TELEGRAPH gegebene Anregung, die russische Regierung durch Versagung des Kredits zur Herbe.'mhrmtg menschenwürdiger Zustände im Zarenreich zu zwingen, findet bei der Londoner Haute Fiiuuce allerdings wenig Gegenliebe. Wir berichteten schon, dass Lord Roth- Schild gestern Sir Edward Grey auisuchte und mit ihm Mittel zur Vermeidung weiterer Judenmetzeleien erörterte. Eine praktische Konsequenz scheint diese Unterredung aber nicht;•habt zu haben: Politische Rücksichten binden der britischen l inan/.welt die Hände. Die grossen jüdischen Finanziers haben ebenfalls in Suchen der russischen J u d e 11 in e t z e I c i c 11 miteinander konferiert. Sie wagen aber offenbar nicht, ein energisches V o r * g e h e n gegen die russischen Finanzen als Zwangsmittel in Aussicht zu stellen, da damit eine Schädigung der französischen Interessen stattfind.'ji könnte, iir die Frankreich dann England verantwortlich machen dürfte. Der bekannte Eiiiauzmaim Sir Samuel Montagu meint•: jedoch, dass wenigstens die Juden sich von ferneren Zeich- 1 nnerii russischer Anleihen so lange fern halten sollten, bis absolute polifsche Gleichheit zwischen Juden und Christen ii Russland bestünde. Einzelheiten vom Morden Die Zahl der Toten in Bialystock beträgt annähernd hu'idert. Die hiesige jüdische Presse berichtet manche Einzel* heiten. die an die Kischinewer Greiicltaten erinnern. So wu־• d;n der Familie des jüdischen Lehrers Wollstc'n. bestehen I aus dem l.chrer. seiner Frau, zwei Söhnen und einer Tochter. Nagel in die Köpfe geschlagen und hierauf alle in Stücke ge* schnitten. Auf einigen Hiusbüdca wurden jüdische Mädchen, die s׳ch dort versteckt hatten, vergewaltigt dann wurde ihnen der ,Jauch aufgeschlitzt. Vietc wurden gefoltert, alsdann getötet und von den Mördern sofort begrabe». Mau KiürciiU: weitere Judc1thetz.cn in Hornel. Grodno uid Wilna. Kattowltz. 19. Juni. Russische Flüchtlinge aus Biaiystocv treffen fortwülireid in Kattoui:/. ein. Paris, 19. Juni. WabrerJ früher die Pariser Presse die russischen Gewalttat e!1 gern ein w enig versehEierte