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Jüdische Rundschau · 1906-06-22 · Heft 25 (22.6.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 37') JCniSCHF. RUNDSCHAU No. 25 für den Ausbruch von Exzessen gaben. Einige Geschälte wurden demoliert. Es gibt Tote und Verwundete. Die Haupt־ Strassen sind von Truppen besetzt, man hört Gewehrfetttr. Der Gouverneur von Grodno traf hier ein.*' ״P. T.-A. Blalystock. Von den Exzessen wurden hauptsächlich die Linden- und Deutsche-Strasse betroffen, ferner ein Teil der Alexander- und der Nowo-Chausseinaja-Str. Gegen Abend hörten die Exzesse auf. Heute beschützt Militär die Bewohner der Stadt. Getötet wurden nur einige Personen. Der Strassenverkehr ist cingestellt. Von den Bewohnern der Stadt wurde eitle Depesche an den Minister des Innern abgesandt.** ״P. T.-A. Grodno. (Offiziell.)' Gestern fanden in Biabstock orthodoxe und katholische Kirchenprozessionen statt. Aui der Institutskaja-Strasse wurde die Prozession von Hehräern von einem Balkon aus beschossen. Die Pilcrcr /.er» streuten sich in der Nikolai-Strasse und über den Markt. Von Hebräern wurden auf die Prozession Bomben geWoucn. Während der Panik sind in der Prozession Kinder iiicdergebeten worden. Laut Gerüchten ist ein katholischer Geistlicher zerrissen, und einem orthodoxen Geistlichen ein Bein abgerissen worden. Die Rentei und die Post wurden heschossen. Letztere funktioniert nicht.*' «Wilna. (Offiziell.) Infolge der gespannte» Stimmung der Bevölkerung Bia ly Stocks, die namentlich nach der Erinordung des Polizeimeisters sich verschönt hatte, lind der hieraus zu erwartenden Unordnungen während der religiösen Prozessionen am.l. Juni, haue der Gouverneur in Ueberein- Stimmung mit der Militärgewalt alle .Massnahmen zur Aufrtclit.rlialtung der Ordnung getroffen. Es war Militär trf der Anzahl von 1’-• Bataillonen Infanterie und einiger Schwadroneu Kavallerie aingcbotcn. Während der Prozession au denen grosse Volksmengen aus der Umgebung der Stadt teilnahmcn, wurden aus einigen hebräischen Häus.rn Schüsse abgcfeneit. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten ist bisher noch nicht festgestellt. U. a. sind zwei Kinder, welche Heiligenbilder trugen und drei Krauen ums Leben gekommen. Auf dem Marktplatze wurden •10 Schritt von einer Prozession entf-mt 2 Bomben geworfen, die aber keinen Schaden anrichteten. Diese Uebeltaten gaben den in ihren religiösen Gefühlen verletzten christlichen Arbeitern und Bauern Anlass zur sot'ortigen Ausübung der Lynchjustiz au einigen Personen, die aus Häusern, aus denen geschossen worden war. Iierauskamen. Darauf wurden auch andere hebräische Häuser iibcrfal cn. Durch Einschreiten des Militärs und des Gouverneurs wurde der Tumult auf einen verhältnismässig geringen Distrikt Leschränkt. Laut heute eiugelaufcucn Nachrichten haben die gestern erloschenen Unruhen heute wieder mit neuer Kraft sich erneuert. Es sind einige Bombe» geschleudert worden. Die Polizei Verwaltung wurde von der Volksmenge beschossen. Das Militär antwortete auf das Peuer." Das ist die Darstellung der L1BAUSCHHN ZEITUNG. Mehr erfahren ihre Leser nicht von den Krawallen, also nur clßzlelle Lügen. Dr. Paul Nathan über die Morde Der Vorsitzende des liiltsvcreins der deutschen Juden. Dr. Nathan, ätisserte sich in einer Unterredung: ״Die Ereignisse in Russland snd so ernst, dass wir 1ms hier ini Bureau jetzt in Permanenz erklärten. Stündlich laufe.: aus den verschiedensten Teilen Russlands bei mir zahlreiche Depeschen ein. die samt und sonders davon zu berichten wissen, dass genau wie in den Oktobertagcn der Versuch gemacht wird, über ganz Russland blutige Metzeleien zu inszenieren, die freilich in erster Reihe die Juden treffen, die aher in höherem Grade darauf berechnet sind, den freiheitiiehen Parteien Russlands von neuem outen Aderlass zu applizieren. Gerade heute mittag wiederum halte ich itbor Ei 111 and. da erklärlicherweise die r11ssi««;h•* Zensur derartige Telegramme nicht durchlässt, eine Depesche von höchster Wichtigkeit erhalten. Sie ist unterschrieben von mir befreundeten Russen in massgebender öffentlicher Stellung. In diesem Telegramm heisst es: ..Der Vorfall In Bialystock Ist er« lesenerirtasse.i der Be- 8מיו׳ eines Planes, nach dein Vorhdde der Cktobcrtnge Metzeleien über ganz Russland zu veranstalte». Die Geiahr ist eminent. Das Lehen Tausender steht wiederum auf dem Spiele. Die Öffentliche Mehlung der zlv'lislcrte» Welt muss über die Ereignisse aufgeklärt werden." Jene iiini Personen, die gemeinsam das Telegramm unterzeichnet Kuben, und die Mehrzahl sind Christen, sie sind nur eine Gewähr dafür, dass sie die Beweise für i h r c B e ha u p t u 11 g cn bereits in liä nd e 1! ha b c 11. Sie sind kühl urteilende Männer, die infolge ihrer Stellung in der Lage sind, die Situation zu überblicken, und die über Be- Ziehungen verfügen, die cs ihnen ermöglichen. von geheimen \ Vorbereitungen Kenntnis zu erlangen. ehe dieselben volle6 ׳.:; sind. Ich bin überzeugt, dass Männer extremer Richtung es i fiir ihre politischen Pläne in Russland als zweckmässig vrachten, dass neue Massakers Platz greifen, Sie mögen das Blutvergiessen auch ihrerseits bedauern, aber sie wissen, dass der Zusammcitbrüeh alsdann um so sicherer erfolgen wir״. Heute gibt es in Russland nur noch ein einziges, einigermassen intaktes politisches Zentrum, von dem aus nach meine: Ansicht die Reorganisation des schwer geprüften Landes ausgehen kann, das ist die Danut. Gelingt es aber den Reakta ־ ttäreu. durch die schwarzen Hundert in Russland an den vvrsehiedensten Orten Massakres zu inszenieren, so wird ttatnrlieh die Duma zu immer entschiedenerer Stellungnahme gvzwungeii und dieselben Kräfte, die die Massakers eutfessJ.׳. werden auch den letzten gesunden Kern des politischen Lebens in Russland, die Duma selbst, zertrümmern, das wäre Prof;!;:- niicrung der Anarchie im ganzen Land. Die letzte Stütze d-r Reaktionäre besteht in der bewaffneten Macht, und diese b,־- wafmete Macht wird von Monat zu Monat unzuverlässiger. Dazu kommt die immer gefährliche! er Bewegung unter de 1 Bauern. Ich wage nicht zu hc.'.'cn, dass das gegenwärtige russische Ministerium die Kraft hat. der brutalen reaktionärer. Nebcnregicrung mit ihren gefährlichen Plänen Einhalt zu gebieten. Man muss voraussetzen, dass die Regierungen der zivil* * sierten Welt über diese Sachlage gleichfalls vollständig unterrichtet sind. Die oifcntliclic Mein'ung der zivil'sierten Weit hat ein Recht, vor allem ihren lmmanitärcü Impulsen zu folgen. Fiir die Regierungen kommen aber vor allem sdr gewichtige reale Interessen in Betracht. Eiir Deutschland und Krank reich insbesondere handelt cs sich darum, da Milliarden, die in Russland angelegt sind, zu retten, und jede neue tiefe Erschütterung Russlandzerstört gewaltige Summen. Ich wciss, dass gerade jetzt bereits eine ganze Anzahl deutscher lärmen, die in Bialystock engagiert sind, die nötiger, sachlichen Unterlagen und Dokumente zusatnnionstellcn. um die Hilfe der deutschen Stnatsrcgicruug anzurufen. Gleiche? wird zweifellos in anderen Staaten geschehen:. auch darüber habe ich schon Nachrichten. Man beginnt in!־'rankreich jetz* um seine Milliarden sehr ernstlich und mit Recht besor - zu werden. Eine solche getrennte, aber gleichzeitige Aktie•:: könnte Russland zu seinem eigenen Heile vielleicht retten, und zwar vor seinen schlimmsten Feinden, der anarchistischen Reaktion, die mit Naturnotwendigkeit die Anarchie im bergebrachten Sinne des Wortes Hervorrufen muss und Hervorrufe,: wird. Ich glaube, so schloss Dr. Nathan, dass schon die nächste;׳ Tage zeigen werden, oh die herrschende Macht in Russland, die sinnlose und barbarische Nebcnregicrung ist.‘‘ Weitere Nachrichten Grodno, 17. Juni. Nach Meldungen über die Unruhen in Bialystock, die dem O o 11 verneur zugekommen sind, haben dort noch in der letzten Nacht Zusammcnstösse zwischen Truppen und Revolutionären stattgeninden. Letztere bcbch״sseu das Polizeigebäude von benachbarten Häusern aus den: Hinterhalt. Sic worden durch Truppen mit Salven aus diesen Häusern vertrieben, sciztcn die Häuser aber vor *dem Verlassen in Brand. Die Feuerwehr vermochte das Feuer nicht zu loschen, da sieh in den Häusern eine grosse Menge von Schicssmnterial befand, das explodierte. Die Truppen er■ litten keine Verluste. Es sind alle Massnahmen ׳gctroffen, um eine Erneuerung der Unruhen zu verhindern. Bialystock. 17. Juni. Die Ruhe ist heute wiederhergcstellt, obwohl noch die ganze Nacht hindurch Revolvcrschiisse fielen. Reisende, auch Juden, werden wieder 010' «׳ Stadt zugelasscn. General Bader (Antisemit) ist zum militärischen Gouverneur ernannt worden. Bader ist Balte unJ war irühv.1 deutscher Nation. Der einzige, der bei der Debatte über Bialv. stock in der Duma gegen die Vollbercchtigung der Juden sprach, war der baltisch-deutsche Herr von Hevden! Petersburg, IS. Juni. 12 Uhr 36 Min. nachts. Dumaallgeordnete erhalten die Bestätigung, dass die Judenhetze in Bialvstock mit Vorbedacht inszeniert worden is• Es stellt auch jetzt fest wer den erlogenen offiziösen Bericht, den sogar Minister Stnlipvtt desavouiert )tat. verlasst Hat. )'יי stamm: von einer gänzlich untergeordneten Persöulichkci.. dem t;iederen Regierungsbcamten Stukalln. Ein zweites Schreibet! von, zuverlässiger Seite, das Pumaabgeordueten?»gegangen, b.'ir.gt Einzelheiten darüber, in welcher Weise in den Kaserne!; zu Bialvstock die Soldaten zur Beteiligung an der Hetze aufgefordert worden sind. Es wird hier in politischen Kreis.!׳ j nickt daran Bezweifelt. dass die Reaktion weitere Metzeleien In einer ganzen Reihe anderer Städte bereits vorbereitet I!:*» Das Beweismaterial für diese Tatsache strömt von a!:.׳u

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