Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 35$ JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 24 Falls Sie der Meinung sind, dass auch Ihren Lesen! jene Artikel zu Gesicht gekommen sind, würden Ste mich duren Abdruck dieses Briefes verbinden. Hannover, den 6. Juni 1906. Sammv Oronemann. Rechtsanwalt. Jüdische Lehrervereine Frankfurt a. M. Am letzten Donnerstag fand unter sehr starker Beteiligung die Hauptversammlung des fsracntlscltcn Lefirervercfns Irti Grossherzoctiini Hessen, »in I liilaiitropin statt. Ausser den Gasten nahmen zirka 30 \ eremsnntglieder an den Sitzungen teil. Pen Mittelpunkt der \crh311dlungcu bildete das Thema: ..Die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichts־*. Die beiden Reallehrer E sehe Iba eher -Mainz als Reserent und Rabbiner Dr. Goldschmidt -Offenbach zeigten, wie der Unterricht methodisch zu verbessern und umzugestahen sei. Die Diskussion war eine sehr lebhafte. Da in allen Zwcigvcreinen des Verbands der israelitischen Lehrervereine im Deutschen Reich dasselbe Thema behandelt, so wird später durch eine vom Verband gewählte Kommission eine Zusammenfassung aller Richtungen und Anschauungen bewerkstelligt, um schliesslieh den Verhandlungen eine praktische Bedeutung zu geben. Essen. Der Verein Israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens feierte im Hotel Royal sein SOjühriges Bestehen. Mitglieder und Ehrengäste hatten sich sehr zahlreich eingcfuuden. Der Verein indischer Rcllglonslehrcr Ostprenssens hielt am 4. d. Mts. seine 19. Lehrerversammlung in Königsberg ab. Die Versammlung beschloss 11. a. die Einrichtung eines Fortbildungkursuses in Religionsfächern für die jüdischen Lehrer unserer Provinz in die Wege zu leiten. — Herr Waisenhaus- Inspektor Peritz-Königsberg referierte Ober das neue Volksschul-Uiitcrhaltungsgcsctz in Rücksicht am die Indischen Schulen und die Interessen der jüdischen Kinder in den durch dag Gesetz innerlich unigestaltcteu allgemeinen Volksschulen. Fr wies auf die Tendenz des ganzen Gesetzes hin, das das öffentliche Volksschul wesen Prcusscns streng koniessiouelt und unzweifelhaft cliristlicli-kirehlich uusgestaltcn will; auf die schweren Gefahren, die den religiösen Interessen der jüdischen Kinder unter diesen Umständen dort drohen, und bczeichr.ete es als eine notwendige, der jüdischen Glaubensgemeinschaft von den Verhältnissen aufgedrungene Fordcrimg, nunmehr zur Sicherung ihrer religiösen Interessen, wo nur immer möglich, eigene jüdische V o 1 k s s c h ulen zu errichten. — Die Versammlung nahm mit grosser Majorität ielgendc Resolution an: ״Der Verein indischer Religionsichrer Ostpreussens erklflrt es mit Rücksicht auf die Veränderung, welche das Wesen der allgemeinen Volksschulen! nach seiner religiösen Se'te durch das neue Volksschul-Unterhaltungsgesctz erfährt.• für notwendig, dass ü b c r al 1, wo es irgend möglich ist, eigene jüdische Volksschulen errichtet werde n.“ Den nächsten Vortrag hielt Herr Prediger Sturmann- Osterode über die methodische Umgestaltung des hebräischen Unterrichts. Die vom Referenten ausgestellten Leitsätze wur• den angenommen. Mit der Versammlung war auch eine kleine Lchrmittdausstclhmg neu erschienener Bücher, speziell für den hebräischen Unterricht, verbunden. Hannover. Der Verein jüdischer Lehrer In der Provinz Hannover hielt Pfingsten die 42. Versammlung ab. Auf der Tagesordnung standen unter anderem folgende Gegenstände: 1. Das Scluilunterhaltungsgesetz (Waller- Moringen); 2. Beiträge zur Vertiefung des biblischen Gc- Schichtsunterrichts (Bach-Hildcshcim): 3. Bericht über Wanderbibliothek. Im Anschluss daran Bericht über literarische Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Pädagogik und der Religionswissenschaften (Rothschild-Achini). Ein Rückblick auf das vergangene Jahr werfend, bemerkte der Vorsitzende, dass durch das energische Eingreifen der Lehrer und der Landrablmiec der Provinz, die die jüdische Schule tetceücndeu Fragen des Schuhititcrhaltimgsgesctzcs eine befriedigende Fassung erhalten haben. Am Schlüsse seiner Begriissmig for• derte der Vorsitzende zu einem Hoch auf den Kaiser auf. Hieraui begriisste der anwesende Landrabbiner Dr. Lew in s k y - Hildesheim im Namen der Landrabbiuer der Pro• vinz Hannover die Versammlung, verspricht in herzlichen Worten, dass die Landrabbiner auch in Zukunft ihre Tätigkeit in den Dienst der jüdischen Schule und der Lehrer stellen wollen und kommt dabei aut die Audienz zu sprechen, die sie im letzten Jahre in Sachen des Seliuliinterlialtungsgesetzes hatten. Fr hob hervor, dass der Minister die Landrabbiner in ausserordentlich wohlwollender Weise empfangen habe, und ihren Wünschen soweit als möglich Rechnung zh tragen versprach. Dann gab der Vorsitzende einen kurzen Bericht über das letzte Vercinsjahr. Herr Waller- Moringen erhält nun das Wort zu seinem Referate über das Schulimterhaltungsgesctz. Fs knüpfte sich daran eine lebhafte Besprechung, bei welcher besonders Landrabbiuer Dr. Lewinsky- Hildesheim nochmals über die Audienz bei dem Minister unter Darlegung der Akten sprach. Auf Anregung dts Seminarlehrers 1. e v y - Hannover wurde ein Antrag angenommen, dahin zu wirken, dass in den grösseren Orten der Provinz Hannover. namentlich aber in der Stadt Hannover selbst, jüdische Volksschulen errichtet würden. Zur Ausführung dieses Planes wurde eine Deputation gewählt, welche demnächst damit an die Vorstände herantritt. Am zweiten Verliaiidlungstage erhält Herr Rot sc hi Id das Wort zu seinem Vortrage über die Wanderbibliothek, und im An- Schluss daran über literarische Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Pädagogik und der Religionswissenschaften. Referent stellte folgenden Antrag, der auch zur Annahme gelangte: ..Zur Hebung des Interesses seiner Mitglieder, und ,mit Rücksicht darauf, dass der grösste Teil der jüdischen Lehrer der Provinz Hannover wegen Unabkömmlichkeit nicht an den Ferienkursen der Rabbinatshochscliulen tcilnehmcn kann, stellt dr*r Verein dem Vorstände anheim, alljährlich mindestens einen wissenschaftlichen Vortrag zur Anregung und Belelirung halten zu lassen.“ — Fs folgt der Bericht über literarische Neuerscheinungen. Hierauf hielt Herr Bach- Hildesheim einen Vortrag über Beiträge zur Vertiefung des biblischen Geschichtsunterrichts, der allseitigcn Beifall bei der Vcr- Sammlung fand. Hamburg. Zum Bau der neuen Gemeinde-Synagoge am Bornplatz. Der Aussenbau geht jetzt seiner Vollendung entgegen und die Handwerker sind schon mit der inneren Hinrichtung beschäftigt, damit das neue Gotteshaus auch im September d. J. seiner Bestimmung übergeben werden kann. Kineii Hnnptsclimuck werden die kunstvoll gearbeiteten Glaslenster bieten, auch ist nach einer neucien Bestimmung be• schlossen worden, dass die inneren Wände bis zur Hälfte echte Marmorkleidung erhalten. Die heilige Lade, die ganz ans.weissem Marmor besteht und in Frankfurt a. M. bergestellt wird, wird auch bereits in nächster Zeit zur Aufstellung . gelangen. Der Deutsch-Israelitische Synacogcn-Vcrband hat bekanntlich auch beschlossen, zum September d. J. einen zweiten Rabbiner anzustcllen, der Herrn Oberrabbincr Hirsch unterstellt sein und bei dessen Übersiedelung nach dem neuen Gotteshause die Wirksamkeit an der Kolilhöfen-Synagoge üheriielimen soll. Auch der ״Verein zur Förderung jüdischer Gemeinde-Interessen" hat sich mit dieser Angelegenheit bcschänigt und der Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass die Wahl nach den nämlichen Grundsätzen erfolgt, die fiir die Wahl des Oberrabbiners nach den statutarischen Bestimmungen des Synagogcn-Vcrbandcs gelten. Danach soll die Entscheidung nicht nur in die Hand des Vorstandes und des Delegierten- Kollegiums ruhen, sondern auch unter Mitwirkung von zwei nicht dem Synagogen-Verband unterstellten Rabbinern, sowie von sechs nicht der Verwaltung angehörenden Mitgliedern des Verbandes erfolgen. Bei der Wichtigkeit des zu besetzenden Amtes erachtet man eine derartige Erweiterung des Kreises der Männer, welche die in der Vornahme der Wahl liegende Verantwortung zu tragen haben, für angemessen, zuma! wenn hierbei zugleich das Wort zweier, von dem Vorstand des Verbandes unabhängiger Rabbiner mit in die Wagschale fallen dürfe. Auf die geschmackvolle Inneii-Ausstattung der neuen Synagoge am Bornplatz wird von seiten der leitenden Architekten besonderer Wert gelegt. Soeben ist mit der Ausführung der elektrischen Kronen, inneren Kandelaber und Wandarme die hiesige Firma D. H. W. Schultz & Sohn hetraut worden. Kleine Mitteilungen _ Berlin. Eine neue Synagoge zu errichten, ist der Wunsch der im Nordwcsten Berlins wohnenden jüdischen Bevölkeruiig. Sic hat an den Vorstand der jüdischen Gemeinde deshalb folgende Petition gerichtet: Der Nordwesten Berlins entbehrt in hohem Masse der geistlichen Fürsorge. Es wohnen dort 950 jüdische Steuerzahler, *1000 Seelen, die wahrend des ganzen Jahres, mit Ausnahme von zwei Feiertagen, an denen