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Jüdische Rundschau · 1906-06-08 · Heft 23 (8.6.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 23 (8.6.1906)
Date
1906-06-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 23 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 343 schlossen sich von der Beratung die Jew.-Col.-Ass. und die Alliance aus. Die Verantwortlichkeit, welche insbesondere den Verwaltern des Hirsch'schen Vermögens nach dem Willen des Testators obliegt, hatte cs ihnen zur doppelten Pflicht machen sollen, an ieder Massnahme mitzuarbeiten, welche auch nur einen entfernten Erfolg zur Verbesserung der Lage unseres unglücklichen Volkes erhoffen Hisst, und cs ist geradezu bctrübend, zu sehen, dass das Vcrstrnidnis für jede HilfstfUigkcit aufhört, sobald die Einberufcr eines noch so gut gemeinten Planes die verhassten Zionisten sind. Die Herren handeln nach dem Grundsatz: ״ich kenne deine Gründe zwar nicht, aber ich missbillige sie.“ Einer besonderen Betrachtung bedarf noch unser Verhältnis zur ITO. Dasselbe war anfangs gut, hat sich aber in der letzten Zeit nicht unerheblich verschlechtert. Wenn auch vielleicht auf zionistischer Seite vereinzelte Fehler gemacht sein mögen, so ist doch unbedingt die Hauptschuld der itoistischen Führung beizumessen, insbesondere in England hat sich durch das Vorgehen des Herrn Zangwill ein Kampf der einander doch so nahestehenden Organisationen entwickelt, der beklagenswerte Formen angenommen hat. Bis zur Generalversammlung der Jto, die im Herbst stattfinde, müsse unsere Stellung zur Jto in der Schwebe bleiben. Man beachte die geachtete Position des Hilfsvcreins in Palästina, der nicht lediglich französische Politik treibe. (Beifall.) Nachdem der Redner noch die allgemeine Lage im Zionismus und des Zionismus 1111 Judentum und in der nichtindischen Welt gewürdigt hatte, schloss er mit dem Appell, in der zionistischen Arbeit, nicht zu ermüden und hinter anderen Organisationen nicht zurückzublcibcn, die weniger hohe und wichtige Ziele mit nicht geringerem Eifer verfolgen. II. Berthold Feiwel B c r 111 o I d F c i w c I erstattete hierauf das Korreferat zu diesem Berichte über die allgemeine Lage. Erst gestern wäre es ■ihm möglich gewesen, in• das Referat Dr. Friedemanns, zu dem er korreferieren solle, einen Einblick zu erhalten. Uebcr die allgemeine politische Situation des Zionismus lässt sich sagen: Die Bewegung und das Aktions-Komitee sind politisch geblichen. Was an politischen Schritten getan wird, entzieht sieh unserer Beurteilung. Aber die poltischen Ausstellten des Zionismus in Palästina sind nicht schlechter, sondem besser geworden. Augenblicklich ist die Frage wieder in Fluss, der Entwicklungsgang unübersehbar. Der Akahakonflikt cröffnete wieder die Möglichkeit internationaler Ver- Wicklungen, in denen Palästina und der Zionismus in direkte Beziehung zu einander treten. Es wäre sehr verkehrt, wenn die ..politische“ Gruppe Pessimismus inbetreff der Palästina- Politik verbreiten würde. Der politische Apparat unserer Bewegung!st aber f״r diese Dinge noch zu unentwickelt; er muss gesteigert und ausgebaut werden. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) — Bel vorgeschrittenen Geistern wird die politische ReputaFon des Zionismus immer grösser.' Wir werden ernst genommen und rücken in den Kreis politischer Betrachtungen. Das Endziel des Zionismus wird, trotz aller Kritik im einzelnen, als berechtigt anerkannt. Die Bewegung schreitet fort. Zwar entzieht sieh Russland der genauen Beurteilung, aber es ist nicht wahr, dass die jüdischen Massen das Vertrauen zu den Zionisten verloren haben.' Dafür zeugen die zionistischen Abgeordneten der Duma. Der Fortschritt ist aber vor allem ein qualitativer und zeigt sich in gesteigerter Regsamkeit, pas sozial-ökonomische Moment ist stärker geworden, so dass der Zuwachs ln Galizien hauptsächlich auf die Poaic-Zion entfällt. Auch das innerpolitisciie Interesse ist gewaltig gewachsen. Das zeigt sich charakteristisch in Russland und in Oesterreich. Hier hat der Zionismus durch die Wahlrechts- und Autonomie- Bewegung einen ungeahnten Aufschwung genommen, an Ausdchnung und an innerer Kraft. Unser Verhältnis zu Palästina beginnt ein innigeres, persönlicheres zu werden. Die Palästinalicbc ist seit dem 6 Kongress mehr gewachsen als in den letzten 10 Jahren. In Deutschland leiden wir an dem Mangel prononzierter politischer Forderungen, die uns das Interesse jedes deutschen Juden sichern. Hier ist nur durcii eine faktische Palästinaarbeit Begeisterung in die Bewegung zu bringen. Die Lauheit des deutschen Zionismus findet ihren Ausdruck in der geringen Opfcrwiliigkcit. Der deutsche Zionist leistet kaum dn Drittel der materiellen Opfer, die der organisierte deutsche Arbeiter seiner Bewegung bringt. Es fehlt also gerade das, was die Domäne der zionistischen Bewegung in Deutschland sein sollte, die materielle Leistung. Der Einzelne muss dazu erzogen werden, mit ganzer Person und ganzer Kraft fffr unsere Arbeit sich cinzustcllcn. (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion Unter allgemeiner Teilnahme, die sicli durch Erheben von den Sitzen kundgibt, gedenkt der Vorsitzende einer Zahl von lieben Mitgliedern, die im vergangenen Jahre der zionistischen Organisation in Deutschland durcii den Tod entrissen worden seien, vor allem der Herren Kallenberg -Tilsit, Ams0n- Nürnberg und Hertz-Hamburg. Ausserdem widmete er Worte herzlichen Andenkens unsertn verstorbenen Akttonskomitecinitgiicde Dr. 0$cr Kok esc h und D r. Wolf* gang J. Mar m 0 r c k. Nachdem Herr Max W o 11 s t c in e r namens des Legitiiiiationsausschusscs über die Giltigkeit der Waiden berichtet hatte, setzte die Diskussion ein, in der Herr Dr. Jc r c!11 ia s- Posen zuerst sprach. Herr Dr. Jeremias iülirtc aus, dass aus Van!bcri;s Brief im JEWISH CHRONICLE zu ersehen sei, dass sich die Situation zu ungunsten der zionistischen Paiästinabestrcbungen nicht bessere. Von einer Aendernng, zum mindesten von einer Besserung sei nicht die Rede. Wür dürfen nicht die gute Situation aufgeben, in der wir uns in andern Ländern bcfinden, um in den Hexenkessel türkischer Diplomatie zu geraten. Eine Volksbewegung sei der Zionismus und nicht eine Landbcwcgting. Es habe keinen Zweck, vier oder fihif kleine Kolonien als das Resultat zionistischer Arbeit zu errichten. Das Einwanderungsverhot, das lange vor dem Zionismus bcstanden hätte, wäre seit dem Kongresszionismus nur wieder cingcschärft und verschärft worden. Die wichtigste Autorität' über alle türkischen Verhältnisse, Vambcry, dessen Gewicht nicht darunter leiden könne, dass Vambcry getaufter Jude sei, hätte ausser der feststehenden Meinung Dr. Herzls den Beweis gegen iede Arbeit in Palästina gegeben. Der nächste Redner, Dr. Israel A uc r bac 11 -Berlin, *führt an, dass immer Herzl zitiert würde, um mit seinem Namen und seinen Worten fede Gelegenheit und Ansicht zu rechtfertigen, die grade Hcrzi am meisten von sich gewiesen haben würde. Jetzt werde auch Vambcry hcrangezogen, um Herzls Ansichten festzustclicn. Herz! habe aber genau gewnsst. wie weit er mit Vambery gehen duritc, habe sicli wob! dessen Meinung angchört, hat sich seiner Vermittlung einmal bedient, ohne sich jedoch durch dessen Ansicht in seinen Entschlüssen beeinflussen zu lassen. Herr Dr. Jeremias habe die Ansicht der Jto hier vertreten, von deren systematischen Angriffen auf den Zionismus der Redner sagt, dass mau genau verfolgen könne, wie sic in England ihr Hauptquartier finden, der eigentliche Kopf der Jto wäre aber nicht dort, sondern In Bern in der Schweiz, ein Ableger sei nach den! Osten von Deutschland verschlagen. Diese Ideen sind kein Produkt des deutschen Zionismus, sondern ein auf dem Umweg über die Schweiz zu uns gelangter englischer Import. Redner wirft der deutschen Leitung einen Mangel an Leben vor und weist auf die Gefahren hin, die durch diese Schlaffheit den! Zionismus in Deutschland entstehen, Als Muster

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