Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU •_Seite 33 herängctretcn werden kann, wenn die Gewählten der Juden in der Rcichsduma der Würde und der Ehre des Jüdischen Volkes entsprechend handeln werden — fordert die allgemeine Ver- . sanmilung der Petersburger Zionisten. dass die jüdischen Abgeordneten sofort eine jüdisch-nationale Parlamentstraktion bilden, und. durch innere Disziplin zusammen geh alten, in allen speziell-jüdischen Fragen solidarisch Vorgehen.“ Petersburg. Die Fraktion der Bauern •und der Sozialisten hat mit 106 gegen 6 Stimmen beschlossen, die Glcichbcrcchtigung der Juden zu fordern. National-jüdische Gruppe in der Duma Aus Petersburg wird dem WEG gemeldet: Die jüdischen Abgeordneten sitzen in der Duma nebeneinander. Sie werden eine national-jüdische Gruppe bilden und in allen jüdische•! Fragen geeint Vorgehen. Ihre gegenwärtige Taktik geht dahin, nicht mit all/.us charf er Kritik hervorzutreten. die zur Abkiirziiiig der Lebensdauer der Duma beitragen könnte, sondern zunächst innerparteiliche Arbeit zu leisten, für ihre weitere Taktik werden die Beschlüsse des bereits legalisierten ״Verbandes zur Erlangung der Gleichberechtigung für die Juden“ massgebend sein, der am 22. zu einer Konferenz Zusammentritt, Polnische Duldsamkeit Die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Warschau hat auf Grund der neuen Verordnung des Ministers der Yolksamklärung. derzufoJge in sämtlichen Elementarschulen der Unterrieht in sämtlichen Fächer!'* ausser der russischen Sprache erteilt werden solle, die städtische Sclmlinspektion in Kenntnis gesetzt, dass in den von der jüdischen Gemeinde unterhaltenen Schulen die polnische Unterrichtssprache eingeiührt werden solle. Gleichzeitig hat die jüdische Gemeinde ihren Lehrern mitgeteüt. dassjmolgcdcsscn. dass seit Neulahr in thn von ihr unterhaltenen Schulen die polnische Unterrichtssprache eingeführt wird, diejenigen Lehrer, die der polnischen Unterrichtsspräche recht mächtig sind, ihre Posten verlassen müssen. Diese Beschlussfassung hat unter den Warschauer Juden grosse Erregung hervorgerufen. Von der f/lekkahahn Die Nachrichten von der Mekka- oder Hedschäsbahn lauten jetzt weniger günstig. Trotz der Auifindung mancher kleiner neuer Geldquellen, z. B. einer Passstcuer zugunsten des Balmbaucs. scheut es an Geld zu fehlen, obwohl der Bedarf an Bargeld immer nur gering ist. Soldaten arbeiten und werden vom Kriegsministerium bezahlt, die Bevölkerung leistet wertvolle Dienste. Material wird zum Teil kostenlos geliefert und hörangebracht. So bleiben nur die fremden Lieferer und die Beamten des Baues und des Betriebes zu bezahlen, was natürlich nicht von dem dürftigen Betriebe der Bahn aufgebracht werden kann. Zwischen Haifa und Dcraa verkehren selten durchgehende Züge. Störungen gehören nicht zu den Ausnahmen, und der Betriebsdirektor Godin hat viel zu tun. um dem Verfall zu steuern. Trotz dieser Zustände, einer Folge des noch sehr geringen Verkehrs auf der Balm, also trotz der unbedeutenden!Betriebseinnahmen, scheint man sich hier rosige Zukunftsbilder zu machen. Das Jradeh,•nach'dem in diesem Jahre Medina erreicht werden soll, ist noch in Kraft, und soeben ist der Befehl für eine sehr bedeutende Vermehrung der Eisenbahntruppen erlassen worden. Dies wird mm zur Foge haben, dass die fetzt bei einer Zahl von rund 3000 Soldaten als Arbeitern schon nicht leicht zu überwindenden Schwierigkeiten der Versorgung־ mit Wasser und Lebensmitteln sich so steigern, dass man sie nicht mehr zwingen kann. Der Bau von Wassersammelbecken ist noch weit zurück, es wird nötig sein, den Arbeitern das Wasser auf den Schienen hcranzufahren. Ebenso muss es mit den Lebensmitteln geschehen. Ob die türkische Verwaltung solchen Anforderungen gewachsen sein wird, ist sehr fraglich. Es wäre überall nicht leicht, 15 000 Mann in der Wüste zu verpflegen, Palästlnapioniere In Lodz wurde eine Gruppe -Palästina-Pioniere“ gebildet, die zum grössten Teil aus Poatei-Zion besteht. Die Bedinguiigen. unter denen die Aufnahme in die Gruppe erfolgt, waren: Alter über 18 Jahren, streng zionistisch-palästinensisches Bekenntnis. dk: Zahlung von einer Miiidcstsunmic von •10 Rubeln (die in Raten zu 1 Rubel abgetragen werden Können), gemeinsamc Knsscuführimg. Verpflichtung gegenseitiger Unterstützung, Abreise nach Palästina im Herbst 1006. Ein Mitgtied der Gnippc wurde in der Vorwoche nach Palästina voiatisgesaitdt. Die Gruppe der Odessaer-Phiincre zählt bereits 600 Mitglieder. I Aus Amerika Die .,Jüdische Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues״ (Jcwish Agricultural Aid Society) hat. wie der soeben ausgegebene Verwaitungsbcricht mitteilt, im verflossenen Jahre 42 Familien mit 183 Seelen als Farmer angesiedelt, von deiten 25 aus Russland. 9 aus Rumänien, 6 gps Galizien stammen. 2 in Amerika als Söhne russischer Immigranten geboren sind. Siebzehn dieser Farmer haben sich ־in Süd-Dakota aui Honicsteads (Regierungslaud) im Umfange von 160 Acres niedergelassen: 20 haben Farmen gekauft, 3 gepachtet; 2 Unverheiratete sind bei jüdischen Landwirten in Michigan als Tagelöhner untergebraeht worden. Die Installationskostcii beliefen sich auf 6—700 Dollars pro Familie: einzelne werden bis zur vollen Selbständigkeit noch 3- 400 Dollars erhalten müssen. Mau sieht, dass die Kolonisation hi Nordamerika erheblich billiger ist als in Argentinien. Während der letzten fünf Jahre hat die Gesellschaft 202 jüdischen Familien dazu verhojfcn, sich auf Homestcads niederzulassen. Dieselben besitzen jetzt •insgesamt 25 000 Acres Land. Vieh. Gebäude, Geflügel, Maschinen. Die inzwischen von ihnen ausgeführten Amcliorationen haben den Wert ihres Bodens auf 400 000 Dollars gesteigert während die Kosten sich mir auf 75 000 Dollars beliefen. Der Bericht macht den reichen Juden in Amerika den Vorwurf. dass s:e die Möglichkeit, jüdische Einwanderer auf Regicrungsläridcrccai. die zu zehn tausenden von Acres zur Verfügung stehen, anzusiedeln, nicht benutzt haben, ln Nord- Dacota allein sc'en gegenwärtig noch 7000 Acres frei, die ganz gut in jüdischen Besitz übergehen könnten. Der Bericht schliesst mit der Bemerkung, dass die Gesellschaft keine philanthropische sei. dass vielmehr das Geld gegen hypothcknrischc Sicherheit geliehen ist und mit 31-• Prozent verzinst wird. Die Farmer s'nd also durchaus keine Almosencmpfäiiger. - •' Kleine Mitteilungen■' Die jetzt auch fromme STAATSBÜRGER-ZEITUNG schreibt: .,Was noch gefehlt hat. Ein jüdisch-nationaler Rudervercin ist von zionistischer Seite in Berlin ins Leben gerufen worden. Er soll, wie ein Aufruf besagt, gleich dem seit einigen Jahren bestehenden jüdischen Turnverein ,.Bar- Kocliba“. der physischen Regeneration des jüdischen Volkes dienen. —■ Wasser .hat aber doch keine Balken!?“ Dieses deutsche* Volk hat doch wirklich Witz und — — ״Gaist ä Ja Chammerstein“ — Von jüdischen Bev.c!!nc1־n In Berlin NW. Ist ein Gesuch an den Vorstand der jüdischen Gemeinde von Berlin um Errichtung einer Synagoge in Berlin NW. gerichtet worden. Berlin. Der eben erschienene 73. Jahresbericht der BarucI! Aiicrbach'scltcn Waisca-Erzichungs-Anstalten (Schönhauser Allee 162) weist gegenüber dem in dem früheren Anstaltsliause erreichten höchsten Bestand von 77 Zöglingsstellcn jetzt 55 Knaben und 30 Mädchen aut. Die Zöglinge besuchen im allgcmcmcn bei vorhandener Veranlagung und Leistungsfähigheit höhere Schulen, besonders begabte und würdige Knaben sogar bis zur Maturitäts-Prüfung: die Mädchen scheiden In der Regel erst nachdem sie für ihren Beruf vorgebildet und erwerbsfähig geworden sind, aus der Anstalt. Im ganzen haben bisher über 600 Waisen in den Anstalten eine über das Mass der notdürftigen Fürsorge hinausgehende Pflege. Erziehung und Ausbildung gefunden. Für das Fortkommen der entlasseneu Zöglinge, aus deren Kreise wieder manches Rühmliche und Erfreuliche berichtet wird; sorgen bis zur Selbständigkeit oder Verheiratung eine grössere Anzahl von besonders verwalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben.• Diese erforderten einschliesslich Gottesdienst Bureau, Renten u. a. Zuschüsse eine Gesamtausgabe von 78 234 Mark, die Verpflegung 51’/* Pt. für den K״pf unJ Tag. d. «t. etwa ־’’•» Pf. mehr als im Vorjahre. An Zinsen aus eigenem Vermögen stehen etwa 48 000 Mk., an Renten 1650 Mk.. an Jahresbeiträgen 8}00 Mk. zur Verfügung; im übrigen sind die Anstalten, zu deren Unterhalt weder Stadt noch Gemciude im geringsten beitragen, zur Deckung ihrer Bedürfnisse und zur Tilgung der noch in Höhe von 90 000 Mk. aui ihnen lastenden Bauschuld auf das Wohlwollen ihrer Gönner, an dem es!ihnen auch kl dem abgelaufenen Jahre nicht gefehlt hat, angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. A. Strelnz die Herren B. Marckwald. Kommerzienrat E. Lohnstein, Generalkonsul E. Landau, Professor Dr. F. Liebermau:׳. Geh. Kommerzienrat J. Loewc und G. Mosler. Ehrennu'itter sind: Frau Reeha Marckwald. Frau Professor Ciieilie Liebermaim. Frau Konsul Flora Frankel und Frau Konuuerzunrat l.lsc Israel. Posen. Die Laudwirtschaftskammer führte 160 russische Juden für Zwecke der Landarbeiten in der Provinz Posen ein.