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Jüdische Rundschau · 1906-06-01 · Heft 22 (1.6.1906) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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I I No. 22 ij, י ׳־ י JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 329 Wir haben in der Erklärung des Anwalts einiges streichen 7.u sollen geglaubt. Was iibr bleibt, äst auch noch reichlich genug. 11111 die Regierung zu nötigen, unverzüglich gegen den Anwalt gerichtlich vorzugellen und ihm Gelegenheit zu geben, vor preussischen Richtern de;: Wahrheitsbeweis für seine Beschuldigungen anzutreten. Lässt die Regierung dies© Vorwürfe und Bezichtigungen rrHg über sich ergehen, nun. so hätte sie sich selbst verurteil:.־* Das war am IS. Mal. Bis heute ist noch keine Anklage erfolgt. Verband der deutschen Juden In der 2. Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden hat Justizrat Fuchs zu den Aufgaben, welche des Verbaudes harren, unter c) worin eh gesagt: ״Der Verband der Deutschen Juden hat grosse Aufgabengebiete vor sich, de bisher tmbcackert geblieben sind, weil keine Sonderorganisatioiieri da waren, welche ihnen eine erschöpfende Fürsorge haben widmen können — ich denke au die Frage der Naturalisation, der F.inwanderuug. der Auswandentng, der inländischen ScJcluig — und er hat ein geistiges Band lierzustelkn zw'scIkii den Sonderorganisationeii. die geistig verwandte Gebiete b'sher selbständig ohne Fühlung untereinander und mit dem grossen Ganzen bearbeitet haben. Ich meine, dass wenn uns auch die internationalen Kolonisationsgcsc1lsclnft.il nicht berühren, wir doch mit den Vereinen Fühlung nehmen müsse:;, die vom nationalen Standpunkt aus die Hilfsaktionen gestalt;;». die im Auswandernngswesen im Auslande notwendig s'ud. Fine Reibe der vorgedachten Fragen sind gar nicht, eine 2 Jerc Reihe bisher von den verschiedcnstcn Sonderorganisat;־. cri zum Teil mit grossem Ei!cr behände!! worden: aber es ier.l: die Zentralstelle, welche diese Organisationen zusainmenmss: und sie nach gemeinsamem Plan arbeiten lässt. Das Yat.rland mag sein Finwanderungs* lind Atiswanderiuigsw esen, seTre äussere und innere Anr.iedelimg'spolitik regeln, wie es will, aber wir dürfen nicht dulden, dass man Leute «lisch iebt, sie von Maus und Hof verjagt aus keinem anderen Grunde, als weil sie Juden sind, dass in dem Staatsvertrage des Deutschen Reiches die Juden nicht als Mitglieder des grossen Ganzen. s::1dcrn als Juden behandelt uni so differenziert werden, wie es dem Zar und dem König von Rumänien beliebt, seine Juden zu behandeln.“ Der GENERALANZEIGER fragt mit Recht: Was hat der Verband arrrcsicbts der Massenauswelsungen für eine Wirksamkeit entfaltet?. ״Ausweisungsschmach“ Zu der Ausweistingsselirrach. die durch die gestrige Rcichstagsverliandlung wieder in den Vordergrund gerückt ist. strömt dem VORWÄRTS noch Immer neues Material zu. dessen völlige Verwertung ihm leider der Raum verbietet. Nur das wird hervorgehoben, dass in mehreren Füllen, deren Details der VORWÄRTS aus naheliegenden Gründen vorläufig unterdrücken zu müssen glaubt, ähnlich wie schon in früheren Jahren von gewissen Uiitertcamtcn versucht worden ist. unter der Fuchtel der Ausweksuiiggefahr hiesige Russen zu politischen Spitzcldkiisten gegenüber ihren hiesigen Landsleuten zu bestimmen. Ferner wird dem VORWÄRTS folgende Resolution zur Verfügung gestellt, die das Märchen von der Schmutzkonkurrenz der russischen Arbeiter und der Sehnsucht der deutschen Arbeiter nach Abschiebung der russischen Kollegen aufs gründlichste widerlegt: ״Die am 10. Mai 1906 in Pachuras Klubhaus, Landsberger- Strasse 39, zahlre’ch versammelten Photographcngchillen, Mitglieder des Deutschen Photc-graphcngehilfen-Vcrbandes. protestieren aufs energischste gegen die Ausweisung mehrerer Kollegen (russische Staatsangehörige). Dieselben haben sich bisher in Preussen auch nicht das geringste zuschulden kommen lassen. Sic sind auch pekuniär in gesicherten Verhält* nissen, so dass sie in keiner Weise dem Staate oder der Gemcindc zur Last fallen würde«. Die Versammelten betrachten die Ausweisungen als einen brutalen Verstoss gegen jedes Gefühl der Menschlichkeit, der Humanität und der Gastfrcuud- Schaft Wehrlosen gegenüber. Die Versammelten fordern unvorzügliche gesetzliche Regelung des Fremden rechts für das ganze Deutsche Reich einheitlich und auf wahrhaft freiheitlieher humaner Grundlage aufgebaut. Erst «ach Erfüllung dieser Forderung werden die allen Gesetzen der Kultur ur:J Zivilisation des 20. Jahrhunderts hohnsprgehenden polizeiliehe« Willkürakte ein Ende haben. Dr. Isidor Wolfgang Marmorek Am 16. Mai fand in Wien die Bestattung unseres verstorbenen Gesinnungsgenossen Dr. Isidor W o l f g a n g Marmorek statt. Im Trauerhanse hatte sich eine grosse Zahl von jüngeren und älteren ,Berufsgenossen, zionistischen Freunden und Abordnungen eingefunden, darunter der Vorstand der Kultusgcmeindc mit dem Präsidium an der Spitze, Dcputatior.cn der Chcwra-Kcdischa, des österreichischen zionistisehen Landes- und inncröstcrreichischcn Distriktskomitces sowie vieler zionistischer, allgemein-jüdischer und Philanthrop»- scher Vereine. Jüdische Abgeordnete in Ungarn Es beiinden sich unter den neugcwählten jüdischen Abgeordneten: Sandor Pal (parteilos). Mesöii Vilnios (Sozialist), Markbreit Oyula (Ve r f assu ng s par tei). 16 Kossut 11 partei: Dr. Kardos Samu. Dr. Bakonyi Samu. Dr. Bartha Ödön, Farkasbazy Zsigmond. Dr. Fried Lajos. Dr. Hajdti Prigyes, Hintenstei»» Lafos, Kelemen Samu. Lanyf. Moritz. Molnar Jcnö, Nagy Sandor, Dr. Rajk Aladar, Sag Mano. Somogyii Aladar. Szattnari Mor. Szuni'og Milialj־. 3 Demokraten: Dn. Vaszsoityi Viltnos; Leittier Adolf, Dr. Brodi Ernö. Ausserdem ist in Ungvar Visontai auigetreten, dessen Wahl gesichert ist. Am Vorabend der Judenmetzeleien Aus Odessa wird der RUSS. KORR, geschrieben: Eine neue Judcnmctzclci droht. Leider haben die hiesigen Zcitungen keine Möglichkeit, die Wahrheit ans Licht ztr bringen. Die. Personen, denen der Schutz der ״Ruhe" übertragen worden ist. haben mir den ״Stimmen der Presse“ die Redefreiheit gelassen, die es übernommen haben,' Menschenhass und Mcnschcnvcrnlchtimg zu predigen. Und man muss cs ihnen lassen — sic haben noch nie so ausgiebig von ihrem Recht Gebrauch gemacht, als jetzt. Es vergeht kein Tag. an dent in der hiesigen ״Schutzpresse“ n’cht etwas Neues. Sensation Erregendes, das gegen die ״Juden“ gerichtet, erscheint. ״Die Judcnwäliler haben die Stimmen für die Kadetten gekauft, und die erste Reichsduma gehört ganz und gar den Juden. Den wahrhaften Russen und dem Väterchen Zaren droht eine grosse Gefahr.“ Ganze Haufen von Aufrufen und Proklamationen, die zur schonungslosen Vernichtung’ der Juden am'fordern, werden überall verbreitet. Die Schuld au der Ermordung von Pogrcbuoy. eines der Haupthclden der Oktobergreuel, die von einem Sozialrevolutionär verübt worden Ist, (nicht von einem Juden), wird in diesen Aufrufen den Juden zur Last gelegt, an denen mau für das unschuldig vergossene Blut Rache nehmen muss. Der Rabbiner der Stadt Tschcrnowitzy erhielt Briefe, die den Vorschlag entlinltcn. in den Synagogen zu verkünden, dass, wenn auch nur ein einziger Polizeibeamter erschlagen wird, dafür d:e ganze jüdische Bevölkerung der Stadt von» Kleinsten bis zum Grössten niedergcmetzelt werden soll, und dass die Juden den Tod von Pogrebnoy mit ihrem Leben und Gut biissen sollen. Der Vertreter des Stadthauptmanns, Giers. hielt beim Begröbnis von Pogrebnoy eine sehr rührende Rede und licss sic!» unter anderem in Bezug' auf die Juden folgendermassen aus: ״Als ich und der Herr Stadthauptmann an deinem Bette standen, fragtest du nur eins: ״Wofür?" Und als du im Sterben lagst, riefst du uns zu: —- ״Brüder, nehmt Rache!“ De'n Vermächtnis werden wir hvilig erfüllen! Wir werden dich rächen! Wir werden dich rächen!“ So sprach Giers. der jetzt infolge der Abro:se des Generals Grijojcw nach Petersburg d־'e Stelle des Stadthauptmanns von Odessa vertritt. Es ist überflüssig, auszuführen, wie derartige Reden auf die Hefe des Volkes wirken. Wir führen h!cr zwei Tatsachen aus: Vorige Woche verfolgte ein Hooligan plötzlich zwei jüdisehe junge Leute, die ganz friedlich auf der Semskajastrasse gingen: er schoss mit dem Revolver auf sie. Als die Nachharn Schüsse hörten, liefen sie zusammen und fragten den Hooligan, weshalb er auf Menschen schiesse. ״Das sind Juden, und es ist erlaubt. Juden zu töten." Auf der Alcxaudrowskaja schrie auch einer von diesen ״wahrhaften Russen", das Messer in der Hand: ״Her mit den Juden, ich schneide ihnen alle die Hälse ab. Ich werde dafür »ücht bestraft! Aui allen Strassen, an allen Ecken hört man uns. Bald werden wir die Juden niedermetzeln!" Und i!» einer solchen Atmosphäre leben tagaus tagein mehr als 150 000 Juden! Die Reaktion Hie und da machen sich jetzt ln Russland kontrarevolutionäre Bestrebungen bemerkbar, die die Aufmerksamkeit der i

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