Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651469--03603-2660538- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
No. 22___ JÜDISCHE RUNDSCHAU _Seite 327 der.kühlen Temperatur Hamburgs siel! vorteilhaft verbessert I hat. Durch dieses Laser in Hamburg wird der Wein in West- I Europa vertrieben. . * 1 c) Maskarct Batia; jetzt gewöhnlich bei seinem altbiblischen Namen E k r ״ n genannt, liest ungefähr 6 englische Meilen südöstlich von Richon-le-Ziön. Dieser Platz wurde im Jahre 1S83 von Bannt Edmund von Rothschild angekauft welcher darin erfahrene Kolonisten ans der Provinz Grodno in Russland als Ansiedler plazierte. Zu der Kolonie gehören ca. 950 Morgen gut tragfahiges Land; die Bevölkerung zühlt etw׳a 250 Seelen. Da die Kolonisten zuerst mit gutem Erfolge Ackerbau trieben, aber als orthodoxe Juden in jedem siebenten Jahre das Land brach liegen lassen und nicht säen wollten, und im Groll die Erlaubnis ihrer Rabbiner nicht bcachteten, entschied sich die Verwaltungsbehörde Baron Roth- Schild;, die Anbaufläche für Getreide aui gewisse Grenzen zu beschränken und statt dessen einen Versuch mit der An- Pflanzung von fruchttragenden Bäumen und Orangenliainen zu machen. Aprikosen sind von den Kolonisten von Ekron mit Erfolg gepflanzt worden. Trotz alledem ist der Ertrag dieser Obstzucht noch nicht genügend; um diese Anlagen für die Dauer halten zu können und unabhängig zu machen. d) Katra. dessen hebräischer Name ..Ge der all“ ist. etwa 4 englische Meilen südlich von Ekron gelegen, wurde im Jahre ISS1־ gegründet. Es ist von einem Teil der russischjüdischen Studenten kolonisiert, w׳clchc lange Zeit in Rischou- Ic-Zion und Mulebbis als Tagelöhner gearbeitet haben. Gederot ist eine Weinbau treibende Kolonie. Das Land, das zu dieser gehört, hat etwa 750 Morgen Ausdehnung. Diese Kolonie wujde von den Chowewe Zion gegründet! eine Ge- Seilschaft, deren Ziel die Förderung von Ackerbau und Industrie ist. Diese Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Odessa und wurde im Jahre 1890 von der russischen Regierung anerkannt. Seitdem hat sich diese Gesellschaft sehr entwickelt und eine beträchtliche Tätigkeit gezeigt; mehrere Gesellschaften unter demselben oder anderen Namen, welche aber denselben Zweck haben, sind in Deutschland, Gross- Britannien. Oesterre ch-Ungarn und in den Vereinigten Staaten von Amerika gegründet worden. Jede jedoch arbeitet einzcln für sich. Die Chowewe Zion Gesellschaften i1׳ Europa haben sich vor einigen Jahren durch ein Zentral-Komitee in Paris vereinigt. Die Kolonie Gederah neben einigen anderen in Nord-Palästina, verdankt ihre Existenz dieser Gesellschalt. c) K u s t i n c h. etwa fünf englische Meilen direkt südlieh von Gederah und.etwa zwölf englische- Meilen von Asca- Ion gelegen wurde im Jahre 1895 gegründet. Zirka 1200 Morgen Land gehören zu dieser Kolonie. Seine Bevölkerung besteht aus 150 Menschen. Die Kolonisten sind erfahrene Arbeiterund bebauen das Ackerland hauptsächlich mit Weizen. Gerste und Sesam. Diese Niederlassung Ist die südlichste der jüdischen Kolonien in Palästina. f) R e h o b 01, eine Weinbau treibende Kolonie, liegt ungefähr drei englische Meilen nördlich von Ekron und etwa fünf englische Meilen südlich der Eisenbahnstation Ramleli. Zirka 2100־ Morgen Land werden bebaut Die Niederlassung wurde im Jahre 18S1 gegründet von einer Warschauer Gesell- Schaft, bestehend aus 50 reichen Mitgliedern, von denen 45 sich bis jetzt in der Kolonie niedergelassen haben. Die übrigen Eiiuf lassen ihren Besitz durch einen Verwalter bcarbeiten und in Stand halten. Die Kolonisten liefern ihre 1 rauben an die Kellereien <011 Richon-le-Z:ou. Die Kolonie hat etwa ungefähr 250 Einwohner, eine Schule und Bibliothek und verwaltet sich selbst durch ein gewähltes Komitee, und ist auch durch den reichlichen Ertrag des Bodens für ihre weitere Existenz gesichert. Dicht an die Kolonie Rehobot schlicsst sich d:c kleine Kolonie Esra an. welche eigentlich zu Reholmt gehört und auch in der Tat beinahe ein Teil von Rehobot ist. Die Ansiedler hingegen wurden von der Chowüwü Zion Gesellschaft, die oben bereits erwähnt wurden, ausgesandt und setzen sich im ganzen* aus fünf jüdischen Arbeitern zusäumten, von welchen jedem ein kleines Haus liebst Stall gehört. ׳ Jedem gehören etw׳a 10 Morgen Land, auf welchen sie Gemüsebau treiben. g) Wädi -Hanen -v eine ganz kurze Strecke nordwestlich von Rehobot gelegen -־ wurde im Jahre 1883 gegründet, und wird jetzt von der ..Jcwish Colonisation Associahon“ (genannt ״J. C. A.“) unterstützt. Den Kolonisten gehöre« etwa 300 Morgen, sehr ergiebiges Land, von welchem über 200 Morgen mit Wein bepflanzt sind. Der Rest ist mit Orangen und Gemüsegärten besetzt. Die Einwohnerzahl beträgt 120. Viele von ihnen waren in anderen Kolonien als Arbeiter beschäftigt, und haben nur sehr kleine Grundstücke zur Bepflanzung. Einer der ersten Ansiedler dieser Kolonie besitzt eine sehr grosse Imkerei, bestehend aus beinahe 200 modernen Bienenstöcken, welche eine sehr feine Qualität Honig produzieren, der unter dem Namen Orangenhonig bekannt ist.. Diese Kolonie ist eine der best florierenden, und scheint eine glänzende Zukunft vor sich liegen zu haben. h) Ar tut. — Diese Kolonie, welche dicht m der Nähe der Eisenbahnstation Dcir-Aban an der Jaffa-Jerusalem Linie licgl׳. w׳ar ursprünglich von einer britiscltcn Wohltätigkeitsgcscllschaft gegründet worden zum Zwecke der Niederlassung von Christen als Bauern im heiligen Lande. Da der Bewerber aber nur wenige waren. w׳urde die Kolonie int Jahre 1896 au eine Bulgarische jüdische Gesellschaft verkauft. Diese Gesellschaft bestellt aus 50 Mitgliedern, von welchen jedes einen jährlichen fixierten Beitrag zur Erhaltung der Kolonie leistet; 14 von diesen haben sch mit ihren Familien (insgesamt 75 Seelen) in der Kolonie niedergelassen, und 5 andere Mitglieder haben ihre Familien in Jerusalem, bearbeiten aber in Gemeinschaft mit den anderen den Grund und Boden. i) Mozah. gewöhnlich Kalonija genannt, ein Weinbau treibende Kolonie, liegt an der Jafraer Landstrassc, ungefähr 4 Meilen von Jerusalem entfernt. Es ist eine kleine Kolonie, die in! ganzen 112 Morgen Land umfasst, und von sieben Familien bewohnt wird. Im Jahre 1895 wurde sie gegründet von der Jerusalemer Loge des unabhängigen Ordens Benai^ Britli. Unterstützt wird sie von dieser Loge und von den Chowöwü-Zion in Köln. Die Kolonisten von Mozah verkaufen ihre Trauben entweder in Jerusalem, oder sie keltern seihst daraus Wein. » * / י ׳ ’ . Beim;Berichte über die jüdischen Kolonien Palästinas möchte ich die jüdische landwirtschaftliche Schule von Mikw;e- Israel. 2Ji englische Meilen von Jaffa entfernt, nicht unerwähnt lassen. Die Schule wurde im Jahre 1870 von der ..Alliance Israölite Universelle“ gegründet. Zu der Schule gehören an 600 Morgen Land. 100 Schüler werden umsonst unterrichtet. Ausser dem landwirtschaftlichen erhalten sie auch einen allgemeinen Unterricht. Nach einem fünfjährigen Besuche dieser Schule werden sic dann als Aufseher in die Kolonien geschickt. Von den erwähnten Kolonien wurden drei, nämlich Mulebbis (Petacli Tikwah), Richon-le-Zioa und Ekron, von!Jarr.n Edmund de Rothschild gegründet und weiter unterstützt; drei, nämlich Katra (Gederot). Kustiuch und Mozah. .verdanken,.ihre Existenz der Chowöwö-Zion-Gcsellschaft: und d!e drei noch übrig' bleibenden, Rehobot. Wädi-Hanen und Artuf sind von Privatpersonen gegründet worden, und werden auch von diesen' unterhalten. Wie schon oben festgesleilt. sind diese .sieben beschriebenen Koloiu'en in dem Bezirke des!.r.glischen Konsulats zu Jerusalem gelegen. Ausser diesen gibt es aber noch verschiedene, hauptsächlich jüdische Kolonien, welche in Nord-Palästina und Syrien gegründet wordcii sind. Einige von״ diesen sind in den letztvergangenen Jahren bcrächtlich gewachsen und sind, wie uns berichtet wird, blühende ׳ letneinwesen. Am 1. Januar 1900 wurden die von Baron Edinond de Rothschild gegründeten und unterhaltenc.11 Kolonien von diesem der bereits oben erwähnten ״Jcwish Gojonisation Association“, genannt .,JCAV einer Gesellschaft die von den! verstorbenen Baron Hirsch hn Jahre 1891 errichtet w׳urde. übergeben. Die Jcwish Colonisation Association“ nahm allerdings diese Ucbcrgabe .nur unter gewissen Bedingungen an. Nach einer von diesen* Bedingungen musste der Baron Rothschild eine Garantie für jedes Defizit, das von der Verw׳altung dieser Kolonien verursacht werden würde, und das dann eigentlich ־ on der ״JCA“ zu decken wäre, übernehmen. Es w׳urde so- *hum eine Komniiss'on aus der ״JCA“ gewählt welche zusammen mit dem Baron Rothschild die Oberaufsicht über diese Kolonien haben sollten. Das Komitee der ״JCA" beschloss die Ausgaben der Verwaltung zu vermindern, untüchtige Kolonisten :־.u bezahlen und fortzuschicken. und das A11w׳ach$en des Wertes des den zurückgebliebenen Kolonisten angewiesenen Landes lu eitler solche« Weise zu regeln, dass die Ansiedler im Laufe von zehn Jahren fähig sein sollten, sich selbst zu er-!:alten. Es wurde beabsichtigt, jeder Kolonie. sow׳eit wie nur rgend möglich. Selbstverwaltung zu gcwiihreit. und jeden Kolonisten, der sich dauernd in einer Kolonie niedergelassen habe, daran dauernd zu beteiligen. Durch dies Arrangement kamen die Niederlassungen in einen Zustand gelinder Gärung, und nicht nur einzelne Individuen, sondern ganze Familien beschlossen, das Land zu verlassen, um nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nach Kanada, nach Australien und Süd- Afrika auszuwandern. Diese Verändermigen wurden nun andauernd ausgeführt eine grosse Anzahl von Beamten wurden entlassen; zahlreiche arab»scltc Bauern, welche in den Kolonien angestellt waren, erhielten ebenfalls ihre Entlassung. Diese Massnahmen der neuen Verwaltung mögen rauh erschienen sein, waren jedoch nötig, um schwache und unbrauchbare Elemente aus den Niederlassungen zu entfernen; und kom* petente Personen, die berufen sind, darüber zu urteilen, sind