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Jüdische Rundschau · 1906-06-01 · Heft 22 (1.6.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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I -״• / Seite 32-4 jüdische Rundschau׳׳ % No. 22 Bericht der Literaturkommission Die Zusammensetzung der Kommission ist mancherlei Wechsel unterworfen gewesen. Sie bestand im vorletzten Berichtsjahre aus dem Unterzeichneten als Vorsitzenden, ferner den Herren Dr. Moses und Julius Si ni 0 n -Mannheim und Sondhefmer-Frankfurt. Die Herren Dr. Moses und Sondheimer schieden während des letzten Jahres infolge Mangcls an Zelt aus der Kommission aus, eine Ergänzung der Kommission gelang bisher nicht. Trotzdem ist eine nicht unerhebliche Arbeit geleistet worden. Behandelt wurden folgende Angelegenheiten: 1. Herausgabe einer aufklärenden Palästinabroschüre. Der Plan wurde vorläufig vertagt. 2. Am Jüd. Volkskalendcr 1905/06 wurde in der Art mitgearbeitet, dass die vier Obengenannten als Redaktionskommission fungierten. 3. Die Broschüre des Unterzeichneten: ״Was will der Zionismus“ wurde umgearbeitet und in 2. Auflago herausg'egeben. 4. Die Herausgabe eines Vortragsheftes wmrdc bcschlossen, das wichtige Fragen der Bewegung in kurzen Referaten stets von mindestens zwei verschiedenen Seiten beleuchten und so die Grundlage für anregende Debatten in den Ortsgruppen schaffen soll. 5. DaU Flugblatt No. 6 wmrdc entworfen und veröffentlicht. 6. Eine Instruktion für die Abhaltung von öffentlichen Versammlungen und deren Ausnützung durch die Ortsgruppe wurde entworfen. Sie liegt z. Zt. dem Zentralkomitee zur Begutachtung vor. Massgebend für dies Unternehmen war die Beobachtung, dass die Ortsgruppen vielfach keineswegs verstehen, aus den mühsamen und oft mit erheblichen Kosten veranstalteten Vorträgen irgend welchen Nutzen ln finanzieller und agitatorischer Richtung zu ziehen. 7. Eine Reihe von Entwürfen zu Flugblättern, Broschüren usw\ wurde geprüft, musste aber infolge von Mängeln abge* lehnt w'crden. 8. Die hauptsächlichste Arbeit der Kommission, an der sich aber ausser dem Unterzeichneten bedauerlicherweise nur Herr Simon beteiKgie, bestand in der Vorbereitung zur Herausgabe eines A.-B.־C.-Buchs, über welches das Weitere an anderer Stelle ln dieser Nummer der JÜDISCHEN RUND- SCHAU veröffentlicht wird. Dasselbe ist soweit gefördert, dass wir hoffen können, in etwa Jahresfrist die Drucklegung vo lendet zu haben. Im Wesentlichen wird der Erfolg dieses überaus wichtigen Agitationsmittels von der Unterstützung abhängen, die uns von Seiten der Gcslnmingsgcnosscn zuteil werden wird. Wir richten daher an alle Zionisten die dringende Bitte, sich uns zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Dr. Friedemann. Palästina-Verein oder Schekel? Der Vorschlag von Dr. Moses-Mannheini (die finanzielle Sicherstellung der Paifistinakonimissioi! durch Gründung eines ..Vereins zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas“ betreffend) begegnete bis vor wenigen Wochen in der deutschen zionistischen Oeffcntlichkeit nur vereinzeltem Interesse. Erst der für den Delegierten tag kürzlich angckümligtc Gegenantrag der Gruppe Hamburg-Altona, dem sich die ..Berliner Zionistisehe Vereinigung“ mit einer kleinen Modifikation anschloss, zeugte von lebhafterer Teilnahme an der dringlichen Sache. Es bleibt zu bedauern, dass die Kürze der Zeit bis zur Ent- Schliessung des Delegiertcntagcs eine eingehende Diskussion nicht mehr ermöglicht. Der Wege, die prekäre Lage unserer wichtigsten Institution zu beheben, gibt es nun zwei: Die obligatorische resp. faku!־ tative Einführung eii'Ss Palüstinaschckcls oder die ..Organ!- sation freiwilliger Gaben im Palästinavcrcin“. Ideelle Gesichtspunkte sprächen für den erstcrcn. Man küjsnte es für wertvoll halten, dass die wirtschaftliche Erforschung Palästinas durch'zionistische Gelder allein ermöglicht wird: es sei zu erwarten, dass die Leitung e;ner Steuer für die Palästina-. arbeit das Interesse für die Resultate dieser Arbeit steigern wird. Andererseits würde d'c Zahl der Schckelzahler eine Gewähr für die Mühe des Etats der Kommission bieten. Diese ..Garantie“ ist jedoch in Wirklichkeit äusserst problematisch. Denn lässt der Eingang der Schckelgelder. der elementarsten Abgaben für die Organisation, wie die dringenden Apelle der. A.-K. beweisen, die notwendige Zuverlässigkeit verbessern um wie viel weniger kann bei einer neuen, ungewohnten Steuer mit einiger Sicherheit auf die Stabilität der entlaufenden Mittel gerechnet werden. Selbst wenn man hierin für die Zukunft optimistischer wird, bleibt es ein bedenkliches Expcriment den breiten!Massen der Zionisten, d. 11. denen, die nicht tätig in der Bewegung stehen und die sielt noch nicht daran gewöhnt haben, die Zahlung von Schekel, Landes- und Ortsgruppeubeiträgen nicht als Opfer zu betrachten, eine neue Pflichtleistung aufzubürden. Die fakultative Einführung des Palästinaschekels kann nicht den Zweck erfüllen, ausreichende Mittel für die Kotttmission bercilzustcllcii. Man ist kein Pessimist, wenn man annimmt, dass im günstigsten Fall von 20 0011 organisierten Zionisten die Hälfte den Schekel bezahlt. Die gewonnenen 100 000 Mark reichen nach den Angaben vo!1 Prof. Warlntrg in einem in der WELT erschienenen Aufsätze iil er ״Zionistisehe Wirtschaftspolitik“ bei weitem nicht au:, die vorliegenden Projekte (Anlage eines Genossenschaftsgutes, einer Musterfarm und einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in Palästina) zu realisieren. Es s'nd dort 300000 Mark gefordert worden und cs ist klar, dass unsere Organisation diesen Betrag in absehbarer Zeit nicht atitbringen kann. Man mag cs bedauern, dass w:r aus eigenen Kräften nicht imstande sind, die Pionierarbeit in Palästina zu leiten: über Tatsachen kommt man damit nicht hinweg. Alts Gründen der Zweckmässigkeit darf die Organ!- sation der Sammeltätigkeit, wie cs der Antrag Hamburg-Altona fordert nicht auf Zionisten beschränkt, sondern muss auf die weitesten jüdischen Kreise ausgedehnt werden. Der Vorschlag von Dr. Moses-Mannheim bietet hierfür die geeignete Grundläge. S. R. ן«׳^״זד.ו?{ז IjI I 1׳f\K . J <iä Li •.!#יזוון U. - . •-4 '•pipil wlUi ו. * 1 (r cif ab!1 ש P Eine Erwiderung von Dr. Hop p c -Köttigshcr •.י Herr M. Lcvitc hat zu meinem in No. 15 der JUEDl- SCH EN RUNDSCHAU erschienenen Aufsätze ,.Brauereien und Brennereien in Palästina“’) in No. 19 einige Bemerkungen gewidmet, worin er zu zeigen sticht, dass ich die Sache von einem etwas einseitige ni medizinischen Standpunkt bet!fach',tot 1m׳J einige wesentliche Gesichtspunkte übersehen haha welche deti Vorschlag Proi. \V a r b u r g s :11 etwas anderem Lichte erscheinen lassen. Le vite behauptet zunächst, dass cs w gar nicht nötig sc!, dass der Alkoholproduzent und der Alkoholliändler die alkoholischen Getränke auch selbst konsumieren. Nein, uttbedingt notwendig an und für sich ist cs nicht, wie die Erfahrung zeigt, ist dies aber der gewöhnliche Lauf der Dinge. Die Statistiken aller Länder beweisen, dass kein Beruf durch den Alkoholismus so gefährdet ist und unter dieser Seuche so sehr leidet als der Beruf der mit der Herstellung und dem Vortrieb alkoholischer Getränke beschäftigter Personen. Für Preusscn hat dies erst wieder vor kurzer Zeit der bekannte medizinische Statistiker Professor 0 11111 b r o d t vom Pfcussisehen Statistischen Amt in Berlin in einer ausführlichen Arbeit nachgewiesen, die unter dem Titel: ״Die Sterblichkeitsvcrlüiltnisse der Gastwirte und anderer männlicher Personen, welche mit der Erzeugung und dem Verkauf alkoholischer Getränke gew'orbstttässig beschäftigt sind, ittt Vergleich mit anderen wichtigen Bcn11.sklassen“ im Klinischen Jahrbuch 1904 erschienen ist. Lcvitc scheint nun zu meinen, dass die Juden eine Ausnahme machen, imd weist in dieser Be- *) Einige sinnentstellende Druckfehler Jn diesem Aufsatz möchte ich bei der Gelegenheit gleich korrigieren. Auf S. 181 Sp, 2 Z. 22 v. o. heisst es ״Völkern•* statt ״Idealsvölkern“: S. 201 Sp. 1 Z. 12 v. o. ״Nach der Statistik" statt ״nach derselben Statistik“: Z. 19 v. tt. ״Degeneration" statt ״netteration“. Das Schlusswort S. 202 heisst nicht: ״In Palästina kein Branntwein und keine Brauereien“, sondern ״keine Brennereien tmd keine Brauereien“.

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