Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 22 JÜDISCHE R Der Gruppenverband Posen hat, obgleich ihm nicht vkl Kräfte zur Verfügung stehen, 5 neue Ortsgruppen gegründet und 5 Vertrauensmänner in kleineren Orten gewonnen. Auch im Bezirk der Verbände jB r 1 $-י a 11 und Ober- Schlesien sind Erfolge erzielt worden. Es sind ie eine Gruppe gegründet und je ein Vertrauensmann gewonnen worden. Freilich mangelt es daselbst an euer genügenden Zahl von Agitationsredncrn, sodass immer und immer wieder dieslbcn Redner in Betracht kommen. Das Zentralbureau hat zu Beginn der Wintertätigkeit eine Rednerliste veröffentlicht und auch versucht, einzelne Redner zur Veranstaltung von Tournees zu veranlassen. Letzteres hat sich leider nicht ausführen lassen, es ist aber bereits für den nächsten Winter eine Lichtbihlcrtournce in Aussicht genommen. Bei Einzelvortrüge« auswärtiger Redner stehen meist die unvcrhältmsmassig hohen Kosten hindernd im Wege. Es ist aber anzuerkennen, dass in Schlesien die Agitation systematisch vorb•?reitet worden ist. Audi verspricht die regcmiäsSige massenhafte Versendung von Flugblättern Erfolg 111 Os tp reu ss en Ist im verflossenen Jahre ein grosser Teil der Arbeit auf die russische Auswanderung verwandt worden. Aber gerade dadurch ist dis Interesse am Ziouismuss auch bei bis dahin Fernstehenden geweckt worden. Der iieugcgriiudctc Gruppcnverbaiid Brande n b u r g- Pommern hat seine Tätigkeit durch Gründung der Gruppen Frankfurt a. 0. und Ebers wal de ־ Messingwerk, sowie durch die Gewinnung eines Vertrauensmannes in Spanda u crfolgverlieissend begonnen. Dagegen hat sich der Gruppcnverbaiid Berlin leider nicht konstituiert, sodass in seinem Bezirk ausser Berlin nur die Gruppen Leipzig und Dresden arbeiten. Im Gruppcnverbaiid Hannover hat sielt die Ortsgruppe- Götti 11 geil gebildet. Der Gruppcnverbaiid selbst leidet unter einer allzu autonomen Verfassung seiner Ortsgruppen. Den Verbänden Rheinland ־ Westfale«, Man 11- 11 cim, Eisass ־ Lothringen uiid F rcibu rg ist gemcinsam, dass sic eine grosse Anzahl von Vertrauensmännern in den kleineren Städten besitzen, die häufig genug die einzigen Zionisten an den! betreffenden Ort s;nd. Es nimmt daher kein Wunder, wenn immer wieder Vertrauensmänner in einzelnen Orten gewonnen werden und andere dafür verloren gehen. Infolge der grossen Entfernung ist die Einwirkung der Zentrale erschwert. Auch haben viele Gruppe« nur Beziehungen zu ihren Verbandsvororten. Es wäre wichtig, wenn die Vertraucnsmänncr wenigstens mit detn Vorstand des Gruppenverbandes in regelmässiger Verbindung ständen. In Rheinland ist die Ortsgruppe Mayen gegründet und beginnt energisch zu arbeiten. Die westfälischen Gruppen leiden unter persönlichen Differenzen, die schnellstens beseitigt werden müssen. Der Gruppcnverbaiid Mau 11 he Im macht Fortschritte, besonders in F r a 11 k c n t h a I, Kartsruhe und Heidelberg. Auch in Eisass ־ Lothringen sind eine Reihe neuer Orte gewonnen w'orden. Der Üruppcitvcrband Bayern hat in den Städten München, Regensburg. Nürnberg - Fürth und W ü r 2 b u r g erhebliche Fortschritte gemacht. Es wird da• selbst regelmässig und systematisch gearbeitet. Der Erfolg ist umso anerkennenswerter, als Bayern ursprünglich die Hochburg autizionistischcr Gesinnung war. Das Zentralbureau ist bemüht, die Griippenverbändc und die Ortsgruppcnauf jede Gelegenheit hinzuweisen, die sich zur Erw’eitcrung unserer Organisation bietet. Meist werden grosse Hoffnungen auf die Veröffentlichung von Rednerlisten gesetzt. Diese Hoffnung ist eine irrige. \V!r haben 111 den beiden Berichtsjahren unseres Bestehens umfangreiche Listen veröffentlicht. Sic sind aber w׳enig benutzt worden. Die Veranstaltung von längeren Agitatkmsrcisen ist fast immer daran gescheitert, dass die Redner sich auf jüngere Zeit nicht freimachen konnten. Wir hoffen jetzt grössere UNDSCHAU_;_Seite 321 Erfolge durch die Veranstaltung von Vorträge« mit Lichtbildern aus Palästina und über Werke jüdischer Künstler zu erreichen. Leszynsky. Bericht der Nationalfond- Verwaltung für Deutschland Ein Bericht über den Jüdischen Nationalfond kann nicht viel Neues bringen, da ja die wöchentlichen Ausweise in de: JUEDJSCHEN RUNDSCHAU von den erfreulichen Fortschritten des Fonds regelmässig Kenntnis geben. In der Tat muss gesagt werden, dass sich der Jüdische Natioiialfond jetzt einer für jüdische Institutionen äusserst seltenen Popularität erfreut, vergeht doch unter den deutschen Zionisten kein Pa% milicnfesl, ohne dass des Nationalfonds gedacht wird. Mit Genugtuung kann daher auch konstatiert werden, dass der Fond und seine sämtlichen Unterabteilungen an sich wesentlieh höhere Vcrgleichsziffern aufzuweisen haben als Im Vor- Jahre. Es bleibt dabei zu berücksichtigen, dass der letzte Berieht, der im vorigen Jahre dom neunten Delcgiertentag in Basel Vorgelegen hat. die Zeit bis Ende Juni 1905 cinschioss, so dass für das Jetzige Berichtsjahr tatsächlich nur die Ziffern von 10 Monaten vorlicgen; die w’eitcrcn 2 Monate sind nur schätzungsweise analog den letzten 2 Monaten eingestellt. Bei aller Anerkennung dieser Resultate muss aber gesagt w׳erden, dass der Natioiialfond noch nicht diejenigen Fortschritte gemacht hat, die den Gründern bei seinem Entstehen vorgesclnvcbt haben. Es ist daher Pflicht eines Jeden Zionisten, an der Wcitercnlwickclung des Jüdischen Nationalfouds mitzuarbeiten und für denselben, jeder an seiner Stelle, die regste Propaganda zu machen. Wir lassen nunmehr die Ziffern selbst sprechen. An Nationalfond-Geldcrn ohne Zweckbestimmung sind Im Berichtsjahre 9162 Mk. eingegangen. Für Eintragungen ins Goldene Buch des Nationalfonds sind 60-18 M. zusammengekommen; es .sind im Berichtsjahre 24 frühere Eintragungen vollendet worden, 34 neue Eintragungen angefangen und 10 neue beendet worden. Es muss hieran die Bitte geknüpft werden, die wir wiederholt in der JUEDISCHEN RUNDSCHAU ausgcsprochen haben, dass nur solche Neueintragungen beantragt werden. möchten, bei , denen die Spender sich auch für die volle Summe, die bekanntlich 205 Mk. beträgt, verbürgen können; so sind eine ganze Reihe von Konti für die Eintragung noch offen, an die letzt überhaupt niemand mehr denkt, und die somit ihren eigentlichen Zw׳eck verfehlt haben. Die Angclcgenheit der Diplome (Quittungen über die erfolgte Eintragung) ist nunmehr in zufriedenstellender Weise erledigt. Das Zentralbureau des Jüdischen Nationalfonds In Wien hat jetzt sämtliche noch ausstehenden Diplome ausgefertigt und abgesandt. Auch die Oelbaum-Spcnde, die gerade in Deutschfand die meisten Anhänger gefunden hat, hat sich in recht erfrculicher Weise entwickelt; cs wurde« insgesamt 809 Bäume mit 4854 Mk. gespendet. Um das Sammeln für die Oelbaumspende zu erleichtern, hat die Verw׳altu«g recht geschmackvolle Quittungen anfertiger, lassen, die In Zukunft — mit rückwirkender Giltigkeit vom 1. Januar dieses Jahres ab —־ jedem Spender gratis zugehen werden. . Gleich Erfreuliches ist vom Herzt-Waid zu bcrichten; allerdings schwebte den Urhebern des Gedankens eines Herzl-Waldcs in Palästina eine w׳cit grössere Anzahl von Bäumen vor; man sprach damals von 100 000 Bäumen, die in wenigen Jahren angepflanzt werden könnten. Dieser ursprüngUchen Absicht gegenüber müssen freilich die bisher für diesen Zweck gesammelten Spenden noch recht klein erscheinen, doch steht es zu erwarten, dass die deutschen Zionisten diesem Denkmal unseres toten Führers auch fiirderhii das grösste Interesse entgegenbringen werden, sodass die