Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 22 (1.6.1906)
- Date
- 1906-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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22 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 319 Jüdisclitiational ist der Zionismus. Seine nationale Glaubenslehre ist von seinem ersten Präsidenten in die klassische Form des Baseler Programm es gekleidet worden, von dem kein Titelchen hinweggenommen werden kann und zu dem nichts hinzugefügt wird, bis sein Zweck erfüllt ist. Daher wird dieses Baseler Programm, das vom ersten Kongress .als das Grundgesetz des Zionismus fcstgelegt und das in seiner Integrität von jedem Kongresse und insbesondere vom siebenten wiederum bestätigt worden ist, die unerschütterliche Grundlage jeder zionistischen Tätigkeit und nicht zum wenigsten des zehnten deutschen Delegiertentages sein. Man kann niemandem ins Herz sehen, und es wäre sehr verderblich, eine Partei- Inquisition cinztifiihrcn oder um sich greifen zu lassen, aber in dem unbedingten und uneingeschränkten Be kenntnis zum Baseler Programm haben wir ja einen Prüfstein, der die Nichtzionisten uhd Zionisten immer noch scharf scheidet. Der Schekeltäg war die grosse Frühjahrsmusterung der zionistischen Heerscharen, und sie hat, wie wir aus den Meldungen aus allen Ländern ersehen, ein neues kolossales Anwachsen der zionistischen Kämpfer ergeben. Und das ist um so wichtiger, als man diesmal allenthalben den Schekel cingchoben hat mit dem ausdrücklichen und immer sehr deutlichen Hinweis auf das Baseler Programm. Wir gingen dabei von dem Gedanken aus, der in dem jüdischdeutschen Sprichwort zum Ausdruck kommt, wonach man mit einem Körper nicht zugleich auf zwei Cliassues sein kann. So wenig man zugleich Mitglied der nationalliberalen und der deutschfreisinnigen Partei sein kann, so wenig kann man im Judcnvolkc zugleich zwei Parteien angehören. Und cs war daher notwendig, dass der Gegensatz des Zionismus zur Assimilation wieder betont wurde und dass man den Schekel nur einhob und weiter einheben wird, von solchen, die wirklich . Zionisten sind und sich zum Baseler Programm bckennen, nicht aber von der sehr grossen Zahl derer, die uns und unserer Idee doch nur ״sympathisch gegenüberstehen“. Die Sympathie verhindert nicht, dass cs schliesslich doch ein Gegenüberstehen ist. Wenn so die jüdischnationale Idee und das Baseler Programm die unerschütterlichen Grundlagen der zionistischen Partei bilden, an denen wir mit zäher Treue hängen, so ergibt sich unsere Tätigkeit von selbst. Was Uns dem Zwecke des Baseler Programms näher bringen kann und was also als Mittel von ihm in Aussicht genommen wird, ist Gegenstand zionistischer Tätigkeit. Fs ist die Tätigkeit für das wieder erxvachende Jüdische Volk. Unser Weg, der von Osten kam, wendet.sich wieder gen Osten־, dem Lande entgegen, das wir lieben, auch ohne Kundschafter aus- *senden zu müssen, um es zu erkunden. Der Weg, den der Zionismus cingeschlagen hat, ist der Weg des Jüdischen Volkes nach Zion. Elj&qim. Bericht des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland für das Jahr 1905—1906. I. Allgemeiner Bericht. Die Tätigkeit des Zentralburcaus hat sich im Bericlitsjahr 1905906!׳׳ naturgeinäss in den durch Jas Statut vorgeschriebenen Bahnen bewegt, wie wir sie in unserem ersten Jahresbericht eingehend charakterislert haben. Wir haben hierbei auch in diesem Jahre die Grenzen innegehalten, welche beobachtet werden müssen, damit die Ortsgruppen nicht ihr individuelles Leben verlieren und die notwendige Initiative einbüssen. Der untenstehende Sonderbericht über die Tätigkeit der Gruppenverbände und Ortsgruppen ze:gt, inwieweit diese auf unsere Intentionen eingegangen sind und ihre Aufgabe durchgeführt haben. Es mag nochmals ausdrücklich betont werden, dass die Aufgabe des Zentralbureaus nicht darin besteht, die gesamte Agitationsarbeit selbst zu leisten, sondern dass cs mir die Voraussetzungen für eine systematische Tätigkeit der Gruppen und der einzelnen Parteigenossen schauen und allgemeine Grundsätze über die zwcckitiässigstc Art und Weise, in der man Agitation zu treiben h?1, ausarbeiten kann. Nach dieser Richtung glauben wir getan zu haben, was sich tun liess. Wir haben den Ortsgruppen und Vertrauensmännern irr den 9 Monaten vom September 1905 bis Mai 1906 30 Rundschreiben zugehen lassen, die sich' über alle Gebiete der Propaganda erstreckten. Unsere Vcrtrauensniänncr haben somit fast allwöchentlich ein hesolideres Schreiben erhallen, das sie zu bestimmten Tätigkeiten anregte oder ihnen neue Mittel für die Propaganda in die Hand gab. ln gleich ausgedehnter Weise haben wir die zionistische Oeffentliehkeit selbst durch die wöchentlich in der JUED1SCHEN RUNDSCHAU erscheinenden ״M!Heilungen des Zentralbureaus“ auf dem Laufenden erhalten. Wir glauben, dass diese beiden Publikationsformen ein wcsentli lies Moment zur ständigen Aufrechterhaltung der Agitationsarbeit darstellen. Auch in diesem Berichtsjahre haben wir eine Reihe neuer Broschüren und Flugblätter herausgegebcii. Das Flugblatt No. 6 ist in 3. Auflage mit dem zehnten bis fünfzehnten Tausend erschienen. Von der altbewährten Broschüre ״Was will der Zionismus“ haben wir mit Unterstützung ihres Veriasseis Herrn Dr. Ado’t Friede mann eine zweite, wesentlich vermehrte und bis auf die jüngste Zeit weiter geführte Autlaue erscheinen lassen. Da die erste Auflage von 100^0 Exemplaren in 2 Jahren vergriffen war, haben wir v icderum 10000 Exemplare drucken lassen. Die Gedenkrede, die Dr. Franz Oppenheimer auf der Jüdis :l:en Gedenkfeier zu Berlin, am 22. Januar 1906, gehalten hat, haben wir unter dem Titel ״Alte und neue Makkabäer“ in einer Auflage von 4000 Exemplaren lierausgcgeben. Auch die Broschüre Dr. Leopold Kahn's ״Warum?, die alte Lehre im Lichte neuer Katastrophen“, die in Oesterreich in 30000 Exemplaren verbreitet 'st, haben wir in mehreren tausend Exemplaren erworben. Die bereits im vorigen Bericht angekündigte Broschüre Nord aus: ״Der Zionismus und seine Gegner“ ist ir zwischen in 10000 Exemplaren erschienen. Von .d• Festschrift ״Die Zukunft der Juden“, die Zionistische Propagandakommission herausgegeber haben wir eine zweite Auflage herstcllcn lassen Dagegen ist es uns nicht gelungen, die vo־ gekündigte Palästinabroschüre zur zu bringctu Auch ein Flugblatt über das ” nisnius und Staatsbürge rr leider nicht druckfertig geworden. E' nistisehe A-B-C-Buch noqh nicht können wir »Mitteilen, dass die Hauptan Stichwörterverzeichnis, fertig gestellt, ui Artikel unter die Mitarbeiter verteilt situ