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Jüdische Rundschau · 1906-06-01 · Heft 22 (1.6.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 318 JÜDISCHE RUNDSCHAU ~ No. 2 Der1O.D0!3glert8ntagdorZiamst!scl1en Vereinigung fOi־ D8utse!־(ar;d am 4. und 5. Juni 1906 in Hannover Börse, Osterstrass© 16b. Tagesordnung: 1. Eröffnungsrede des P r ä s i d e n t e n des Zentralkomitees. 2. Bureauvvahlen. 3. Bericht des Zentralbureaus und der Kommissionen. . 4. Pressreferat. 5. Die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung. Referenten: Assessor Dr. . Adolf Friedemann, Berthold Feiwel. 6. Palästinafragen. Referent: Professor Dr. Otto Warbürg. ... 7. Neuwahlen. ־ ״ ׳ Die Sitzung des Zentralkomitees indet bereits am Sonntag, dem 3. Juni d. J., nachmittags 4 Uhr, in dej Börse, Osterstr. 16b (Konferenzzimmer) statt. Die .Mitglieder des Zentralkomitees werden dringend um pünktliches Erscheinen gebeten. Die Delegiertenkarten werden in Hannover vom Ortsausschuss im Vorsr.al der Börse ausgegeben. ־ Diejenigen Ortsgruppen, welche ihre Wahlen bis zum Erscheinen des Blattes noch nicht angezeigt haben, werden gebeten, ihre Mitteikingen an Herrn Rechtsanwalt Dr. Hantke, Hannover, Hotel Continental, zu schicken. An dieselbe Adresse werden noch ausstehende Berichte über Schekeleingänge und Veranstaltungen an den Schekeltagen erbeten. Der Delegiertentag wird Montag pünktlicn um 9 Uhr eröffnet. Die Delegierten werden daher dringend gebeten, zur festgesetzten Stunde zu erscheinen. Siehe ferner Seite 332. \. L - Der zehnte Delegiertentag Am 11. Juli des Jahres 1897 fand der erste Delegiertentag der deutschen Zionisten zu Bingen am Rhein statt. So war diese erste Tagung der deutschen Zionisten, die•, nur von ganz wenigen besucht war, bereits ein erster t^chritt in der Richtung des Kongresses, der bef.eits einberufen und bereits mit dem Banne der Protestrabbiner belegt worden war. So viele, die heute sich zum politischen Zionismus bekennen, standen damals noch beiseite oder hielten sich wenigstens sorgsam fern von der politischen Partei der Zionisten, die auf dem ersten Kongresse nicht erst gchören wurde, sondern sich zum ersten Male fest organisierte. In Bingen wurde damals der n a t io na 1 e Grundgedanke als das wesentlichste Fundament gemeinsamer Arbeit fcstgelegt und ״die Schaffung eines G e in einwesens, dessen 11 a t ü r - lieh e-n Mitte fp'u ukt der historisch geweihte Boden Palästinas bildet, auf legalem Wege an zustrebe 11“ als Forderung aufgestellt. Als erstes und wichtigstes Mittel zu diesem Zwecke erklärte der erste Delegiertem?.?, der deutschen Zionisten ״die Förderung der jüdischen Kolonien• in Syrien und Palästina“. Wenn somit dieser erste Delegiertcntag zwar streng auf dein Boden der Gründung eines Judenstaates in Palästina stand, so kam der grosse politische Zug erst durch den Baseler Kongress in die Bewegung. Aber wir würden schweres Unrecht tu«, am zehnten Delegiertentage des ersten zu vergessen und seine. Bedeutung geringer zu bewerten, als ihm zukoinmt. Denn er ist für Deutschland neben dem ersten Zionistenkoiigrcssc der Ausgangspunkt organisierter Arbeit. Die Organisierung der zionistischen Parteiarbeit ist ja die wesentliche Aufgabe der Zionistischen Vcrcini- Kung für Deutschland und sic erfüllt ihre Aufgabe erst und einzig und allein dann, wenn ihre Arbeit der Organisierung, d. 11. der Zusammenfassung und nicht der Zersplitterung gilt. Als Einheitspartei des Jüdischen Volkes ist der Zionismus ins Leben getreten und mir als Einheitspartei hat er Zukunft und Be recht;- gung. Er ist der bewusste Gegensatz gegen alle dezentralisierenden Kräfte im Judentum, die offen oder versteckt ans den! Judentum hinrmsolreben, mul beruht auf der Zusammenfassung tmd dem engen organisierten Zusaimnenscliluss der Juden, die am historischen Judentum festhaken und dein Judentum eine Zukunft schaffen wollen. W er den Zionismus nur als Hilfe für die Unterdrückten aufiasst, hält ihn für viel zu klein und •ist nicht imstande, seine Grösse zu fassen. Er ist P.'iilozionist, wenn er auch glaubt Zionist zu sein. Jeder Zionist weiss, dass der Zionismus für ihn selbst die Losung der Juden- und Judentumsfrage bedeutet, und deshalb ist er fiir ihn ein Teil seines Selbst, ein Stück seiner Seele, ja, seine Seele, seine jüdische Seele selbst. Darum geht er ganz und restlos in der zionistischen Idee auf und kennt keine Lösung der Judenfrage, als die im Zionismus gegebene. Für ihn ist der Zionismus die Lösung der Judenfrage, ist er das Judentum. Er kann nicht vom Zionismus lassen, ohne sich seiner selbst zu entäussern. Das mag Fanatismus sein. Nur dass dieser Fanatismus eine Forderung der jüdischen Volksccle ist. Denn der Zionismus ist der Angstschrei einer gcängsteten Volksseele, die um ihr Leben bangt. Der Zionismus ist die einzige Hoffnung eines seit zwei Jahrtausenden rücksichtslos verfolgten und brutal unterdrückten Volksgeistes und Volkskörpers. Aber eben darum kann der Zionismus der Angleiclumg an die andern keine Zugeständnisse machen, und er muss immer wieder zu seinem Ausgangspunkte, der jüdisch nationalen I d e e ,y zurückkehren. Es ist in früheren Jahren einmal vorgekommen. dass ein Zionist im Eifer für die Sache den Schekel, die Kopfsteuer, die die Zugehörigkeit zur jüdischen Volks- Sache bedeutet, von einem Nichtjuden angenomm.cn hat. Die Einrichtung der leider fast vergessenen ״Schekelspende“ hatte ihn dazu verleitet. Das war ein grosses Versehen. Denn da der Zionismus eine jtidisclmationale Partei, da er das Jüdische Volk auf dem Marsche darstellt, so kann der Schekel nur von Juden angcnommen werden. Und so unmöglich in einer jüdischnationalen Partei Christen im Vorstand sitzen können, so wenig können sie auch Mitglieder der Partei sein, die eine jüdischnationale ist. Das hat nichts damit zu tun, dass es eine kategorische Forderung des jüdischen Gesetzes ist, dass der Fremde im jüdischen Staate gleichberechtigt sein muss,

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