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Jüdische Rundschau · 1906-06-01 · Heft 22 (1.6.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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tj vJ [ja u\juü\j1j Abonncmcntsprels tfnschUcsslich L1TF.RATURBLATT vierteljährlich: 1. tfarch die Expedition: «) ln Berlin —,90 Mark. nach aus- «ärts 1,— Mark, c) ftir das Ausland 1,50 Mark. i. fm PeiUbonnement 1,25 Mark. Allgemeine «Jüdische Zeitung; Redaktion: Expedition und Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: Vertag JQdiicht Rundschau, E.O. m.b.H., Berlin N.M, AugusUlrasse 49a. . Insertionspreis die »Itrgespaltenc Pctlt-ZcIle oder deren Raum 25 Pfennig BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Telephon: II, 3337. aeschlfUttuoden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uh׳t Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDISCHGN RUNDSCHAU nur bet voller Quellenangabe gestattet. Nummer 22 Berlin, 8. Siwan 5666 — 1. Juni 1906 XI. Jahrgang * Dem zehnten Delegiertentage Aus allen Gegenden Deutschlands strömen am 11. Siwan die Sendboten der zionistischen Ortsgruppen zusammen, um über das Beste ihres Volkes zu beraten. Wenn auch mancher Unterschied in der Auffassung der Mittel zur Arbeit sich geltend macht, so ist'doch durch das Programm und .durch die gemeinsame Idee der Weg der Verständigung gegeben. Es kann nicht die Absicht eines Zionisten sein, seinem Kampfgenossen vorzüschrciben, in welcher Weise er seine Arbeit für das verfolgte Volk leisten soll, wenn er nur arbeitet für das Volk und für Zion. So wie Zion ein Postulat der jüdischen Seele ist, so ist die Arbeit für dieses Zion das wichtigste, was ein Jude seinem Volke leisten kann, wenn er überhaupt daran denkt, dass das jüdische Volk auch eine Zukunft haben soll. Das Märchen vom Dornröschen hat sich an unserm Volke und unserm Lande versucht, in Wirklichkeit umzusetzen, nur dass der Dorn oder die Spindel woran sich die Prinzessin Juda verletzt hat, einen zweitausendjährigen Schlaf statt eines hundertjährigen ausgelöst hat. Und mit der Prinzessin Juda ist ihr wunderschönes Land in einen schweren Schlaf versunken und eine undurchdringliche Hecke von Dornen und Gestrüpp macht den Weg ungangbar zu dem verzauberten Lande und zur verzauberten Prinzessin. Die Zeit des Fluches ist ihrem Ende nahe. Der Retter muss kommen, der die schöne Prinzessin mit einem Kuss auf ihren Mund aus dem Tausendjahrsschlafe erweckt und damit das Land, das der Prinzessin gehört.כימי השמים על הארץ so lange der Himmel über der Erde steht. .... Unser Dornröschenvolk und unser Dornröschenland harren sehnsuchtsvoll der Erweckung zu .neuem Leben und der Zionismus ist der Prinz, der das Wunder vollbringen wird. Im Zeichen der Wiederaufnahme unserer Geschichte, der Wiedererweckung unseres Volkes, der Wiederbelebung unserer Sprache, der Wiedererlangung unseres Landes treten wir zur deutschen Tagung des Zionismus zusammen. Wir wollen arbeiten. Wer es nicht will, trete ruhig beiseite und hindere die Arbeiter nicht, die am Werke sind. Zur Arbeit bedürfen wir der Einigkeit und der Einsicht, dass diese Einigkeit und die gedeihliche Arbeit in der freiwilligen Unterordnung unter das selbstgegebene Gesetz, unter die selbstgewählten Führer ist. Der Zionismus hat bitterschwere Tage hinter sich. Er hat seinen grossen Führer und Vorkämpfer verloren und er hätte — so schien es einen Augenblick — beinahe seine Einheit und Einigkeit eingebüsst. Der grosse Führer, der von uns geschieden, hat das ganze Volk als Erben hinterlassen, die Einigkeit und Einmütigkeit zu wahren, die allein uns einem Ziele näherbringen kann. Als der grosse Mann zum letzten Male vor seinem Volke stand, als er ohne es selbst zu ahnen seine grosse Abschiedsrede an sein Volk hielt, da liess er ihm in dieser Scheidestunde in der Schlussrede des sechsten Kongresses ein Trosteswort, das uns auch in dem Leide und der dauernden Trauer um unsern grossen Toten stärken wird, wie es uns in unserm Schmerz getröstet hat, das Wort des königlichen Psalmisten: 'אש אשבחך ירושלם תשבח יסיג ״Wenn ich Dein vergässe Jerusalem, da verdorre meine Rechte!“ Indem wir nie die Treue zu Zion brechen, wahren wir die unverbrüchliche Treue unserm grossen Führer. Wir scharen uns um sein Andenken, wie wir uns um den Lebenden geschart haben und sind auch weiter eine grosse einige Schar, ein einig Volk von Brüdern, ln der Einigkeit liegt unsere Kraft. Diese Einigkeit allein verbürgt dem Jüdischen Volke seine Zukunft. In diesem Sinne der Einigkeit, der einmütigen Arbeit für den Zionismus begrüssen wir den zehnten Delegiertentag der deutschen Zionisten. Wir wünschen, dass seine Beratungen dazu beitragen mögen die Einigkeit im Gesamtzionismus und damit im Gesamtvolke noch mehr zu festigen. Wir wünschen, dass jeder Delegierte sich immer fühlen möge, als wären die Augen unseres Herzl auf ihn gerichtet. Wir ehren das Andenken unseres grossen Meisters, wenn wir in seinem Sinne uns der Volkssache unterordnen, wenn wir das Gewehr schultern und in Reih und Glied marschieren. Dann dürfen wir sagen, dass wir den Schwur treu halten, den wir alle an seinem Grabe mitgeschworen haben: . . . אם אשכחך• ירושלם תשכח ימיני In diesem Sinne begrüssen wir den zehnten Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ln diesem Sinne begrüssen wir die Delegierten in Hannover. Die Redaktion der JUEDISCHEN RUNDSCHAU

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