Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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«ד־ *rs ־״Mö» wc i »״ wta■■ **■**•׳.*?> *_*,־ *־־-«*p» Seite 308.__ _JÖ D IS CHE, RLIND SCII AU . No. 21. IR- . .. : . Bericht über den Handel Palästinas im Jahre 1905 /on C o n s u 1’ D i c k s 011, . Per, Stand des Handels im Konsulardistrikt während des des Bcrich'tsjahres verdient als günstig bezeichnet zu werden. Das zeigt sich im Anwachsen des (lesamtwcrtcs von Export und Import und Kauz besonders im Tomictigeüalt der Schiffe, welche während des Jahres den Hafen von Jaffa auliefcii Der Aufschwug des Handels ist grosscnteils dem zu verdaukcn. dass die‘Getreide- und Orangenernten infolge reichlicher Rcgcntälie gut war und dass keine Ouarantänebcstimniungcn zur Anwendung kamen. Ucbcrhaiint haben Handel und Verkehr Palästinas seit, der Eröffnung der Balm zwischen Jaffa und Jerusalem im Jahre 1892. ständige Fortschritte 'gemacht, was sich des ferneren aus den wachsenden Einnahmen des Zollhauses zu Jaffa ergibt. Diese betrugen vor ungefähr 20 Jahren '10000 Pid. Stcrl.. während sic für das abgelaufcnc Jahr auf etwa 40000 Pfd. Stcrl. geschätzt werden.- Weiteren Anreiz bietet dem Handel die jährlich wachsende Zahl von Touristen, die itti Frühling und Herbst in grossen Scharen auf besonders gecharterten Dampfern aukommen und nicht wenig zur günstigen Haudelslage des Jahres 1905 beigetragen haben. Der Gesamtwert des Exports und Imports im vergangenen Jahr betrug Ml.820 Pfd. Ster!.. 63.200 mehr als im Vorjahre mit 76S.620 Pfd. Sterl. - Der Erport im Jahre 1905 betrug 367 820 Pfd. Sterl. gegen 295 300 im Jahre 1901. was einen Zuwachs um 72.570, Pid. Sterl. oder 2-1.5 Prozent ergibt. Es wurde eine bedeutende' Menge Hirse, Feigbobnen. Weizen und Bohnen cxportie.t da die Ernten infolge der reichlichen Regcnfälle gut waren. Auch der Wert des Orängencxports zeigte ein Anwachsen. Im Jahre 1905 wurde für 114.650 Pid. Sterl. exportiert gegen 103.950 Pid. Sterl. im vorhergehenden Jahr. Da die •Preise gegen Ende der Saison stiegen, war cs den Verschiffern, 1uög־ lieh, gute Preise zu erzielen, was diesem Handelszweig einen neuen Stimulus gab. Wassermelonen wurden gleichfalls in. grösserer Menge denn im Jahre.1904 exportiert. Ihr Wert betrug. 1S.S00 gegen 11.000 Pid. Sterl. im. Jahre 190-1. . Grosse Mengen Wein und Spirituosen wurden im Jahre 1905 exportiert. Es wurden 3.70S.4000 kg im Werte von 47.020 Pfd. Sterl. hauptsächlich nach Deutschland. Grossbritaunien und Amerika verschütt gegen 3.512.581 kg im Werte von 37.S60 Pid. Sterl. im Jahre 1904. Das macht 195.819 kg und 9.160 Pid. Sterl. mehr im Jahre 1905. Bezüglich der übrigen Exportartikel für DevotionaHtn'und Häute ein Zuwachs, bei Seife, Sesam, Wolle und Koloquinten Abnahmen zu. verzeichnen. Rundschau «* Vom'Auswanäerüngsbureau ■ Dem ersten Jahresbericht des Zcntralhurcaus für Jüdische Aiiswatideruugsangelegcnheiten (Hilfsverein der ' Deutschen Juden). Berlin. I.fitzowstr. 8. entnehmen wir über die Auskiinftscrtcilung folgende, Einzelheiten:״־ ‘ . . Die brieflichen Abfragen, die an das Bureau von Auswans derer» gerichtet worden, sind, betrugen insgesamt 1184. davon kamen aus Russland S00. aus Oesterreich 210. aus Rumänien SO. aus anderen Ländern, darunter Deutschland. Amerika. Chile, Kanada. Schweiz. Belgien. Holland. England,'Frankreich 91. Der Sprache nach waren von den Briefen: russisch 430. Jüdisch-Deutsch 245. Hebräisch 155. Deutsch 2m». in anderen Sprachen (polnisch, englisch, französisch) 74. ' Die Briefe gingen aus von rund 7500 Personen, di die Anfragenden zum Teil Familien. -Gruppen, •Vereine oder gar Gemeinden waren; etwa' 100 riiftrTch von christlichen Auswanderungslustigen dicr. diese fast alle aus Oesterreich- Ungarn. . . Von den Anfragenden gaben sich aus: 40 Prozent als Handwerker. 15 Prozent als Landwirfc öder lamlwirtseliaftliebe Arbeiter. 15 Prozent als Kau Heute. 20 Prozent gaben *■ keinen Beruf an und 10 Prozent waren ohne bestimmten Beruf. Die Brieic enthielten über 5000!Tagen. Von den Anfragen bezogen sieb dem Lande nach auf Nord-Amerika 35 Proz., England 10 Proz., Kanada!5 Proz.. Argentinien 10 Proz.. Kuba'10 Proz.. Palästina 5 Proz., auf andere lind unbestimmte Länder 15 Prozent. ..Dem sachlichen Inhalt nach bezogen sieb von den Fragen auf• den Arbeitsmarkt 25 Proz.. auf Reiserouten und Reise-, kostet! 20 Proz.. au! Einwanderungsbeschränkungcu 20 Proz., auf Durchzugsbeschränkungen in den Dnrcliwauderiiiikslündern namentlich Deutschland 15 Proz.. auf andere Verhältnisse, auf geeignete Einwanderungsländer, auf Unterstützungen etc. 20 Prozent. . Zu den 7500 Personen, die sich brieflich über die Aus- Wanderungsverhältnisse erkundigten, kommen noch etwa 1000 Personen, die ' mündliche Auskunft in Berlin oder bei den Organisationen an der Grenze cinholten. Ausser diesen haben rund 8700 Personen von den! Zentral־ Luireau und seinen Schutzkomitccs Erleichterungen und VergiinstiKimgen wühreiid der Reise erfahren, so dass Insgesamt etwa 17200 Personen direkten Nutzen gezogen haben durch die Gründung des Bureaus. Diese Zahl wird ganz erheblich vermehrt durch diejenigen, die indirekt durch die Korrespondcnzblätter und durch die Veröffentlichungen vorteilhafte. Belehrung und Auskünfte erhalten haben. sieben Kilometer weit, ohne müde zu werden, auf den! achten aber begann ein Regenschauer niederzugehen, weshalb sie sich eilends nach dem nabe gelegenen Walde begaben, tun den Regen abzuwarten und zugleich schliefen sie fest ein und als sie erwachten, war schon der Mittag nahe. Ohne weiter zu raisonieren, traten sic eilenden Schrittes den Heimweg an, zwar ohne Psalmen und Gesänge, dafür aber mit Zahn- und Kopfweh, manche sogar mit einem wohlerworbenen Rheumatismus. Sie gelangten, aus Furcht, einem Bekannten zu begegnen, auf Umwegen durch entlegene Strassen nach ihren Wohnungen. Eine der unmittelbaren Folgen dieses Feldzuges war nun, dass die Synagogengemeinde, welcher Rabbi Meir angehörte, geruhte, dem Helden dieser Campagne den Titel eines Palästiners zu verleihen, der ihm fortan eigen blieb und bei niemand Ironie, Gelächter oder irgendwelche Stichelei hervorrief. Es schien den Leuten vielmehr, als habe er diesen Spitznamen bei seiner Geburt* erhalten. Ich weiss nun nicht, ob dieser, oder noch irgend ein anderer Zwischenfall das Leben meines Melamed so vergiftete, — soviel steht fest: dass er stets schwer- 1 mfitig und mürrisch war, niemals schmunzelte, häufig seufzte und beim Gespräch den andern nicht ansah, sondern immer zur Seite und in die Ferne blickte, obwohl der Gesichtskreis dieses Männchens nicht besonders weit sein konnte .... Weiss der liebe Himmel, woher es eigentlich kam, aber im allgemeinen galt seine Missstimmung als Zeichen eines niakelhaften Gewissens. Ich kann aber beteuern, dass Rabbi Meir nicht nur sehr ehrlich und gewissenhaft, sondern sogar ehrenhaft war; seinen Schülern gegenüber war er streng aber gerecht und weder streitnoch rachsüchtig, wie die meisten Melamdim. Wege» dieser guten Eigenschaften war er von seinen Schülern geachtet und geliebt, obwohl ihnen sein mürrisches Wesen zuweilen unwillkürlich Furcht einjagte. Wir zitterten oft vor seinem kalten, zerstreuten Blick. Seine Apathie war ganz merkwürdig: nichts vermochte ihn zu erregen oder gar in Ekstase zu versetzen, geschweige denn ausser Fassung zu bringen. (Fortsetzung folgt.) t