Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 21 Seilt 366 . JÜDISCHE RUNDSCHAU; ־. * t י. * *; * * ־ $ * , ״ .\•' V m 1904 Der Schiffsverkehr von Jaffa Im Jahre ' Segelschiffe Dampfschiffe Gesamtzahl . Durchschnitt v. 1900 1904 ' Nationalität Anzahl der Schiffe Tonncngehalt (englische tons״) Anzahl der Schiffe Tonncngehalt Anzahl der Schiffe Tonnengehalt Anzahl der Schiffe Tonnengehaft Grossbritannien _ 1 150 178839 150 178839 136 148239 ׳ Türkei . 405 13009 7 5305 . .412 18314 389 24708 Oesterreich-Ungarn _ — 91 141838 91 141838 78 123182 Russland * — — .103 139461 108 139461 72 95708 Frankreich — — . 52 107000 52 107000 60 117266 Italien 3 446 35 48437 38 48883 ־ 28 36.49 Deutschland — ׳— 29 667S4 29 , 66784 22 40595 Belgien — 256 6 7812 . 6 7S12 1 1562 Griechenland 1 11 9460 12 9716 ' 11 5794 Andere Staaten — — — —■ — 2 2266 Totalsumme 409 13711 489 70-1936 893 718647 799 595869 do. im Jahre 1903 Vermehrung des Schiffs- 310 12429 425 576820 765 ■ 589249 701 538027 Verkehrs 1904 1 (״ engl. TonnczrlOU 69 ),0-18 kg 1282 64 128116 133 129398 38 578-12 gleichen kann. Das Ergebnis dieser Tatsache ist, dass OelJ ins Land kommt. In dem Masse nun, in welchen; die cim:eborene Bevölkerung davon profitiert, steigert sich auch die Nachfrage nach Baumaterialien und anderen Utensilien, wie auch nach Luxusgegenständen europäischer Arbeit. Dadurch wird auch der Handel mit Grossbritannien und den Ländern des europäischen Festlandes im allgemeinen angespornt. In Hinsicht auf die Lage der Landwirtschaft muss man es zugestehen, dass die Ernten des Jahres 1934 nicht so er- . gebntsrcich waren als diejenigen des Vorjahres. Schuld daran war der Regenfall des Winters 1903/1904, der beträchtlich unter dem Durchschnitt blieb. Die Gerstecrnten in der Umgebung von Gazah waren jedoch ziemlich gut, und so wurden während der Sommermonate des Jahres 1904 ungefähr 1 500000 Scheffel Ocrste von diesem Platze —־ meistens nach Grossbritannien — verschifft. Der Wert dafür wird ungefähr aui 85000 Pfund Sterling geschätzt. Die Weintrauben und Olivenernten waren nicht so gut als diejenigen des Jahres 1903, die Orangenernte aber, welche von einem sorgfältig organisierten Bewässerungssystem und nicht vom Rcgenfall abhängt, war sehrreichlich. Die hauptsächlichen Früchte, welche ausserdem noch in Palästina wachsen, sind Aprikosen, Mandeln. Pfirsiche, Pflaumen, Melonen. Granatäpfel und Quitten. Längs der Küste von :Palästina wachsen in grossen Mengen Wassermelonen, besonders jedoch in der Nachbarschaft von Jaffa, wo der sandige Boden und der Überfluss an Wasser ihren Anbau sein begünstigen: Die Weinkultur vermehrt sich zusehends. Diese wird hauptsächlich in den deutschen und Jüdischen Kolonien und in den nördlichen und südlichen Abhängen t’;5־ Karmelberges betrieben. Die Stadt Hebron, ungefähr 22 englische Meilen südlich von Jerusalem, ist durch, die Qualität ihrer Weintraubcu. welche, in beträchtlichen Mengen!11 ihrer Umgebung wachsen, sehr berühmt. Mandeln. Pfirsiche und Aprikosen werden mit gutem Erfolge in einigen jüdischen Kolonien kultiviert und erlangen bei sorgfältiger Pflege einen Zustand erstklassiger Vollkommenheit. Gemüsezucht wird in ganz Palästina betrieben, und zwar Kartoffeln, Lattich, Zwiebeln, Blumenkohl. Kohl. Kohlrüben, Arüschokkcn. Erbsen und Bohnen inj grossen Quantitäten, ausserdem Spargel und ״Bamich“ (liibiscus csculentus) eine Pflanze aus der Familie der Malvaceen. Spargel wächst wild, meist zwischen Kaktushecken, wird jedoch nicht so gross wie der kultivierte, hat aber einen sehr angenehmen Geschmack. ״Bamieh“ (liibiscus csculentus) ist ein Licbllngsgericht der eingeborenen Palästiner und wird viel konsumiert. . Die Frucht ist von polygonaler Gestalt, ungefähr drei Zoll lang und fingerdick. Diese Fruchtkapseln, in Indien, wo diese PiUnze ebenfalls kultiviert wird, Okra und Gombo genannt, werden unreif wie Gemüse zubereitet und gegessen; unentwickelt macht man sie wie Kapern ein. Der Stengel liefert gleichfalls Bastfaser, und der Same enthält ein öl von unangnehniein Geruch und Geschmack. In Verbindung mit diesem kurzen Bericht über die Landwirtschaft in Palästina wollen wir gleich einige kurze Bemerkungen über die dortigen deutschen Kommen anschlicssen. - Beiden begannen ihre Disputationen in der Tat, sobald sie beisammen waren. Aber trotz jahrelangen Polcmisierens blieb die leidige Frage unentschieden, denn auf beiden Seiten schienen die Argumente schier unerschöpflich zu sein. Eines schönen Tages wollte der Mann das letzte, unbedingt überzeugende Argument, die Ohrfeige, zur Geltung bringen, aber sonderbarer Weise stimmten sämtliche Hausgenossen gegen eine derartige gewaltsame, praktische Lösung der Frage, so dass ietztere nach wie vor nur im Wege theoretischer Disputation erörtert werden konnte. In der fünften Hauseeke — ״Erlauben Sie, wird der erstaunte Leser fragen, hat denn das Haus fünf Ecken? Ich muss ihm gestehen, dass ich selbst mir nie darüber klar geworden bin, wie dies möglich war, es ist aber sicher, dass das von mir beschriebene Haus derartig schlau gebaut war, dass es fünf Ecken besass. In der fünften Ecke also stand der Kochofen, in dessen Nähe Sich stets sämtliche Hausfrauen tummelten, die Ge- Sichter von Kuss geschwärzt und in den Händen Messer und Ofengabeln. So glichen sie Drachen, die einen im geheizten Öfen bewahrten Schatz eifrig bewachten. Auf welche Weise sie ihre ebenso gleichmässig grossen als schmutzigen Töpfe unterschieden, blieb mir immer ein unergründliches Geheimnis. Fügen wir nun zu den obenerwähnten Hausgenossen noch die zehn Jungen, die unser Cheder bildeten, den Meiamed, seinen Gehilfen, noch etwa ein halbes Dutzend Kinder der Hausbewohner, die Dienstmagd, eine der Hauswirtin gehörige Ziege, die beständig im Hause weilte, den Hahn nebst seinem Harem und den Kater’, so wird sich der geehrte Leser leicht die Physiognomie unser im vollen Betrieb befindliche Noahsarche vorstellen können. Während im Cheder die Lektionen ausgeschrieen wurden, die Soldaten ihr ״Auf der Strasse, auf der Chaussee“ anstimmten, der Hauswirt sein ״Wecliol maatninim“ sang, zeterte das Ehepaar Kussiel, klirrten die Hausfrauen mit den .Ofengabeln, weinten die kleinen Kinder und blökte die Ziege — es war ein Wirrwar, ein Heidenlärm, dass man üavonlaufen konnte. Und dennoch ergriff niemand die Flucht; die Kraft der Gewohnheit und die eiserne Geduld der Juden war so mächtig, dass sich niemand von dieser-!ästigen Umgebung inkommodiert fühlte. Jeder war mit sich und seiner Arbeit beschäftigt und ignorierte vollkommen die im Hause herrschenden mannigfaltigsten, höchst unhar-