Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 296 _ J Ü DJ S C fl E I mag, die verheerende Wirkung eines unabwendbaren Naturgesetzes, des Gesetzes der Wahlverwandschaft, und sind daher überzeugt, dass diese schmachvolle Fahnenflucht, diese traurige Zersetzung nicht mehr zum Stillstand kommen wird, als bis die Verbindung aller irn Judentum vereinigten Elemente eine so innige geworden ist, dass keine noch so starke Anziehung eines fremden Elementes imstande sein wird, diese Geistcsverwandtscliaft zu überwinden. Eine solche Verbindung lässt sieb aber nicht durch das blosse Sch’tna hcrstellen. Dazu gehört das Weohavta, eine vor * keinem Opfer zurück• schreckende Liebe zur Religion. Und um eine solche zu erwecken und wach zu halten, bedari •es des Wchoja im S c h 0 m 0 a, einer unablässigen Sclbsterziclnmg durch Gehörsam gegen die Forderungen des ererbten Judentums. Darum glauben wir auf dem rechten Weg zu sein, wenn wir das hohe, auch von den Liberalen verfolgte Ziel der E r 11 a 11 u 11 g des Judentums, dadurch zu erreichen hoffen, dass wir uns um die Palme des überlieferten Judentums scharen. Unsere liberalen Brüder müssen sich freuen und uns Dank wissen, dass wir auf einen! anderen Wege als sie dem g e - me in sam cn Ziele entgegenstreben. Erreichen sic es nicht, vielleicht sind wir glücklicher. Freilich sind wir nur gering an Zahl, aber cs war ja stets das Schicksal Israels, in der Minderheit zu sein: ״Ki attem ham'at.V Was uns an Zahl und Einfluss abgeht, das müssen wir durch Einigkeit und Tat•; kraft ersetzen, zwei Eigenschaften, die von jeher lieber im engen Kreise als in der grossen Menge gewohnt haben. Denken wir an das Wort des Propheten: ״nicht durch die Grosse des Heerbannes und nicht durch die .Macht des Ansehens, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerscharen.“ An der lebhaften Debatte beteiligten sich die Herren Friedmann, Karfunkel, Chain!, Dr. Wechsclmaun, Casper, Dr. Lcwy und Wedcll. In seinem Schlusswort beleuchtete Dr. Baneth die besonderen Aufgaben des Vereins, der nach seinen Satzungen ״dahin zu wirken hat, dass die religiösen Einrichtungen der hiesigen jüdischen Gemeinde stets auf solcher Höhe stehen, dass sic von allen Mitgliedern ohne Bedenken benutzt werden können.“ Der Redner wies auf einige Mängel hin, deren Beseitigung umso dringender zu wünschen wäre, als sie auf den wichtigsten Gebieten des Geineindclcbcns sich fühlbar machen; in der Waisenpflege, in der Religio nsschul«, in der Stellung des Rabbinats. ln den Waisenhäusern müsse darauf geachtet werden, dass die Zöglinge nicht nur in der Anstatt selbst am Sabbath weder Schulnoch Handarbeiten verrichten, sondern auch in der Schule die Heiligkeit des Tages nicht verletzen. Die von der Gemeinde unterhaltenen Religionsschulcn stehen mit wenigen Ausnahmen auf liberalem Boden. Wenn aber die Freunde dieser Richtung beanspruchen, dass ihre Kinder durch den Religionsunterricht in keinen Konflikt mit dem Elternhause gebracht werden, so könnten die Konservativen mit gleichem Rechte dasselbe für ihre Kinder verlangen. Ist die Gemeinde nicht imstande die erforderliche Anzahl von Religionsschulcn zu errichten, sollte sic doch wenigstens den verschiedenen Synagogcnvcreinen, insbesondere den weniger leistungsfähigen, die mit grossen Opfern dem Bedürfnis abzuhelfen sich bemühen, durch weitherzige Unter- Stützung das Leben etwas leichter machen. Was würde mau von einem Magistrate denken, der die Stiefmütterliehe Behandlung einzelner Stadteile damit rechtfertigen wollte, dass diese weniger Steuern aufbringen als die bevorzugten? Fast noch wichtiger als die Rcligiousschule ist eine seiner Bedeutung angemessene Steilung des Rabbinats. Was nützen die vollkommensten religiöse!! Einrichtungen, wenn sic nicht unter der Botmüssigkcit der allein zuständigen Aufsichtsbehörde stehen? In vielen preussisehen Gemeinden hat der Rabbiner ein vertragsmässiges Vetorecht insofern, als ohne seine Zustimmung keine kulturellen Neuerungen eingeführt werden dürfen. Dieses Recht ist freilieh ein Messer ohne Stiel und ohne Klinge, denn der Vorstand UNDSCJIAÜ No. 20 kann den Rabbiner nach Ablauf der Vertragsfrist entlassen und bis zu! Wahl des Nachfolgers seine Neuerungen durchsetzen. Immerhin ist der Zustand noch erträglicher als das in der Berliner Mustergemeinde zulässige Verfahren. Hier öst der Vorstand auch in religiösen Fragen Souvcrain. Das Rabbinat hat kaum eine beratende Stimme. Es braucht nicht gefragt zu werden, und wird es gefragt, braucht sein Gutachten kein Gehör zu finden. Auch über die Anstellung der Rabbiner auf dem leider nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Inserats liessg sieh noch manches sagen. - So schloss der Redner; aber das Angeführte dürfte genügen, um dar zu tun, welch grosse und bedeutsame Aufgaben unseres Vereines harren. I Aus Gemeinden und Vereinen! Berlin. Die Rcllglciisschulc der Israelitischer! Synagogengemeinde (Adass .lisroel), deren Direktor Dr. M. Hildes- 11 c i!11 c r ist. veranstaltete in der Sophien-Sclmle, Weinmeister, strsse 16'17, ilire diesjährige öffentliche Prüfung. Dem gleichzeitig versandten Scliulbericlit entnehmen wir. dass die Schule von •ISO Kindern besucht wurde, die in 10 Knaben- und 8 Mäa• clienklassen Unterricht erhielten. Das neue Schuljahr beginnt Sonntag, 22. April. Posen. Die Synagogen* G e m c i u d c!! des Regie* rungsbezirks Posen sind zu einem Verbände ziisaminengetretcn. Der Verband stellt sich insbesondere die Aufgabe, das Religionsscluilwcsen. sowie die Ausbildung von Religio;!sichrem und sonstigen Kultusbeamtcn zu fördern. Der jährliche zu zahlende Beitrag beträgt für ‘jede Gemeinde bei einer Alitgliederznhi bis zu 100 Seelen 20!Mark und steigt bis zu je 100 Seelen um 5 Mark. Privatpersonen können als ausserordentliche Mitglieder aufgenommen werden. Bei der Generalversammlung des Verbandes erstattete der Verbandsvorsteher Herr Bankier Ignatz Goklschmidt (Posen) den Jahresbericht. Im Berichtsjahre haben 29 Gemeinden dem Verbände angehört. Die Gesamteinnahme im abgclaiifencn Geschäftsjahre betrug 2787,16 Mark. Der Einnahme stellte sich eine Ausgabe von 1S3I.S-1 Mark entgegen, so dass der Bestand am 1. lanuar 1906 955,32 Mark betrug. Die Reellnunc pro 1905 wurde geprüft, richtig befunden und die Entlastung ausgesprochen. Sodann wurde der Etat pro 1906 in Einnahme und Ausgabe mit 2*116.31 Mark festgestellt. Das Referat für die Versammlung hatte Herr Dr. Lcwin (Wresehen) übernommen. Zu Ausschussmitgliedern auf z.wei Jahre wurden die Herren Justizrat Salz (Posen). Geheimrat Herz (Posen), M. Werner (Posen). Lippmann (Lenk) wieder- und die Herren Rechtsanwalt Goklschmidt (Ostrowo). S. Gold־■ Schmidt (Lissa) neugewählt. Anschliessend fand eine Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Synagogcngenicindcn des Regierungsbezirkes Posen statt, und wurden zum Verbands- Vorsteher Herr Bankier Ignatz Goldsclunidt, zum stellvcrtretenden Verbandsvorsteher Herr Justizrat Salz, zum Kassenftihrer Herr S. Silberberg (Posen) gewählt. Straubing. Der hiesige Synagogenbauvercin wird in diesem Jahre mit dem Bau der Synagoge beginnen, der Bauplatz, ist bereits angekauft. Wanne (Wesif.). Die jüdische Gemeinde beschloss den sofortigen Bau einer Synagoge. Basel. Anlässlich der Barmizwah seines ältesten Sohnes machte der Gemeindepräsident. Herr Dreyfus-Brodsky, der Gemeinde die Mitteilung, dass Cr zum Andenken an seine Eltern, besonders an seinen Vater, den langjährigen Präsidenten und Ehrenpräsidenten der Gemeinde, Herrn Dreyfus-Ncumann, die Summe von 100 000 Franken zu einer vom Vorstände noch näher zu bestimmenden Stiftung schenke. Am Sonnabend, dem 6. Mai fand in der altebrwiirdigen Zigeunersynagoge zu Prag ein feierlicher Schlussgottesdienst statt. Diese Synagoge stellt in jenem Teile der ehemaligen Juden-, jcGA Josdstadt, welche! in der nächsten Zeit zu Assanierungszwecken abgebrochen werden muss. Dieses Schicksal traf vor mehreren Jahren die Neu Synagoge und harrt auch der Hofsyuagogc. In einem anderen Teile Prags״ in der Jerusalcmsgasse, erhebt sich der Prachtbau eines neuen Tempels, des Kaiser Franz Joscph-JubiläumsG'empels. Dieser wird noch im Laufe dieses Sommers eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Budapest. Die Repräsentanz der Pester israelitischen Kulttisgcmcindc hielt am 6. d. Mts. ilire ordentliche General-