Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 297 No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Versammlung ab. Nach Erteilung des Absolutoriums ergreiit zum Jahresbericht das Wort als erster Dr. Wilhelm Grauer. Er konstatiert mit Bedauern, dass die Kultusgemcindc noch immer kein eigenes Gymnasium habe, und gedenkt mit Be* trhbnis des Umstandes, dass die Taufen sich von Jahr zu Jahr vermehren. Umso grösserer Dank gebührt den Lehrern, welche ihr Möglichstes tun. um das religiöse Empfinden ihrer Schule zu starken. Nachdem auch Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai zum Jahresbericht gesprochen hatte, wurde dieser zur Kenntnis genommen. Kleine Mitteilungen Berlin. Der Verein . ־r Erhaltung des überlieferten Judentums halt seine erste Generalversammlung am Montag, den! 21. Mai, in Ncumanns Festsiilcn, Rosenthalcrstr. 36. im Kleinen Saale, ab. Wir weisen auf die wichtige Versammlung unsere Berliner Leser ganz besonders hin. Berlin. Nachdem der Entwurf eines neuen Gesetzes fibe! die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden Preussens vo!, Seiten des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Rosin in Freiburg i. B. cingclaufcn ist. hat der Ausschuss des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes beschlossen, zunächst zu demselben keine Stellung zu nehmen, sondern ihn den grösseren Gemeinden, sowie den Provinzial- und Bezirksverbänden in Preusseu zur Bcgutachlug vorzulcgcn. Der Entwurf soll auch, sobald er gedruckt ist, den jüdischen Blättern zugctcllt werden. Die Fratien-Vcreinigung des Humanitäts-Vereins Gewul- Tau zu Berlin begeht ihr lOjühriges Jubiläum am 20. Mai 1906, vormittags 11 Uhr. im Saale ״Gesellschaft der Freunde‘*, Potsdamerstr. 9. . Berlin. Der verstorbene Rentier J. Jnliusbcrecr vermachte dem Krankenhause der jüdischen Gemeinde daselbst 3*10 000 Mark. . Das Legat hat die Genehmigung ues Landesherrn erhalten. Aus Posen. Herrn P1 a c z c k lassen die Lorbeeren Jungjudas nicht ruhen. Auch er will einen Diskutierk 111 b nach dem Vorbildc der unsrigen gründen, ihn aber mit deutschfreisinnigem Weihwasser taufen. Tii'chtigc Universalredner aus seiner Gesellschaft sollen dabei Gelegenheit fiu* den. sich oft und unter stürmischem Beifall reden zu hören. Dresden. Der Verlag der hier erscheinenden DEUTSCHEN WAXHT. des Parteiorgans der sächsischen Antisemiten, hat die Eröffnung des Konkurses beantragt. Jüdische Abgeordnete Zu der von uns wie von anderen jüdischen Zeitungen wiedergegebenen Mitteilung über die jüdischen Abgeordneten in der Gossudarstwennaja Duma müssen wir berichtigend er- Käuzen, dass Dr. Frcnkcl ein seit langen Jahren getaufte r Jude ist, der früher stets sehr stark antisemitisch schillerte. Er scheidet also bei einer Aufzählung der jüdischen Abgeordneten aus. Marokkanisches Judenelend Die Sammlungen der Alliance Israelite Universelle für die notleidenden marokkanischen Juden haben bis zum 10. d. M. 25*100 Pranken ergeben. Hiervon sind 6100 Franken von der Deutschen Konferenzgemeinschait der Alliance belgcstcucrt worden. Odessa. Nach den Aufstellungen des vor Jahresfrist von zionistischer Seite in Jaffa gegründeten fnformatiousbureau sind ab hiesigen Hafen nach Palästina vom 1. Januar 1905 bis 10. Januar 1906 1320 Juden ausgewandert. Das nach Palästina initgebrachtc Kapital beträgt pro Kopf ungefähr 100 Rubel. Umati. Hier hat man zwei Dumakaudidaten der Kadetten arrestiert: Rabbiner Dr. Alter und Bilinkis. Man hat sie arrestiert. nachdem die jüdische Organisation beschlossen hatte, sich nicht mit den reaktionären Parteien zu vereinigen. Mukden, 16. April. Alle Juden sind aus Wladiwostok ausgewiesen wordenzur Erledigung ihrer Geschälte wurde ihnen nur eine dreitägige Frist gewährt. Die russischen Behörden machen bekannt, dass künftighin niemand ohne militärischen Erlaubnisschein nach Wladiwoslock reisen darf. Sostiowlce. lu einem nur von Juden bewohnten Teile der Ortschaft Zarckl sind 53 Häuser von einer Feuersbrunst cingeäschert worden. Die Not der obdachlos gewordenen Familien ist sehr gross. Wilna. Der frühere Redakteur Sehlossberg wurde wegen Veröffentlichung von Artikeln, die angeblich znm Umsturz der bolehcndeu Staatsordnung auffordern, zu einem Jahre Festungshalt verurteilt. Eine Synagoge für Soldaten Die Pilis-Csabacr israelitische Gemeinde beabsichtigt, einen Tempel zu bauen, und zwar in erster Reihe nicht für sich selbst, sondern für die zahlreichen jüdischen Soldaten, die im Pilis-Csabacr Lager weilen und während diesci Zeit — in welche meist auch die grossen Feiertage fallen — keine Gelegenheit haben, am Gottesdienste tcilzunchmn. Die Gemeinde kann aus ihren eigenen Mitteln den Bau eines noch so kleinen Tempels nicht bestreiten, aber sie zählt mit Recht darauf, dass das Militärärar und der Staat zu den Baukosten beitragen werden, da es ja auch in ihrem Interesse gelegen Ist. dass die jüdischen Soldaten, geradeso wie die christlichen, dem Gottesdienste beiwohnen können. In erster Reihe aber hat die gesamte J u d c!1 h c i t Ungarns die Aufführung des Tempels zu ermöglichen, da ja die jüdischen Soldaten, die ins Pilis-Csabacr Lager gelangten, sich aus dem ganzen Lande rekrutieren. Boston. Am 21. März, nachmittags, ist im hiesigen Back Bay-Distrikt der Grundstein zum neuen Tempel der Israeli* tischen Kongregation Adath Jisrael gelegt worden. Dieser neue, ganz, aus Vermonter Granit zu erbauende Tempel wird eines * der imfkmierendstcn, gottesdienstlichen Zwecken gewidmeten Gebäude unserer Stadt werden, in der Gcsamtnnlagc vielfach der biblischen Beschreibung des Tempels Salomonis nachgebildet, jedoch mit Hinzufiiguug des pittoresken maurischen Bau- Stils. Die erw ähnte, unter Leitung von Rabbi Charles Fleischer stehende Kongregation ist die leitende jüdische Gemeinde Bostons. Anlässlich der Zeremonie der Grundsteinlegung hielt Prof. Georg F. Mores vom semitischen Departements der Harvard Universität einen Vortrag. Aus Amerika Das von dem Erdbeben zerstörte San Francisco zählt 25 000 Juden. Juden gelangten In der mächtig aufstrebenden Stadt -- 18-16 zählte sic nur 600. 1S-19 bereits 20 000 und 1890 schon 306 000 Einwohner — zu hohen Ehrenstellen: Abraham C. Labatt war bereits im Jahre 1851 Ratsherr. Joseph Shannon Kämmerer von San Francisco. Bereits im Jahre 1S52 schickte dje Stadt die Juden Elkan Hcidenfcld und Isaac Cardoza in die gesetzgebende Körperschaft. Uber die Entwicklung der jüdische!! Gemeinde lässt sich lolgendes sagen: 1819־ •wurde zum ersten Male gelegentlich der hohen- Feiertage in einem gemieteten Zimmer Gottesdienst abgelialtcn und zwar unter Leitung von Joel Noah, einem Bruder des bekannten Mordcchai Manuel Noah, der bereits ISIS einen eigenen jüdischen Staat errichten wollte. 185-4 gründete Dr. Fckinanii die Sabbatschule und rief im folgenden Jahre die erste jüdische Zeitung: GLEAMF.R (Sammler) ins Leben, der dann später die Zeitungen: VOICE OF ISRAEL utul JEWISH MESSENGER folgten. Ueber eine deutsche Siedelung ln Natal berichtet die DEUTSCHE KOLONIALZEITUNG: Sic ist die älteste deutsche Siedelung Natals und heisst N e wf -Ger in a n y. Man erreicht sie von der Bahnstation aus auf schattenlosem Fahrweg durch freundliche, gewellte Gegend in etwa einer Stunde. Dieses New- Oermany verdankt seine Entstehung einer englischen jüdischen Gesellschaft, die hier Baumwolle anzuptlanzen beschloss und dafür im Jahre 18-18 eine Anzahl gänzlich unbemittelter deutscher Auswanderer aus Westfalen. Hannover und Pommern als erste deutsche Kolonisten Natals, im ganzen IS9 Personen, eiufiihrtc. Verein zur^ Erhaltung des überlieferten Judentums. Einladung zur 1. Generalversammlung Montag, 28. Mai, abends 9 Uhr in Neumanns Festsäle, Rosenthalcrstr. 36) (Kleiner Saal). Tagesordnung: I. Berichterstattung. 2 Vorstandsvvahl. 3. Vereinsangelegenheiten. ij* Gäste sind willkommen. ד* י * f