Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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$citc 294 J Ü DIS CHE RUNDSCHA U Ko. 2(1 das Vorstandsmitglied der SyiuigogcugeiiieiiKle. Hctr Heldenheim, so selir in seinen patriotischen Gefühlen gekränkt, dass er im höchsten Zorn einen Schutzmann luden liess. Dieser war glücklicherweise so vernünftig, den (ializier nicht festzmiehmen. sondern gab ihm nur den Rat. baldigst weiter zu reisen. \Vir meinen, dass namentlich in der Zeit unerhörter preussischer Judenverfolgungen (siehe die Massetiaiisweisutigeu aus־. Uindischer Juden aus Berlin!י Herr Heidenheini seinen patriotischen Überschwang etwas hätte dämpfen können. Mindestens schien es uns sehr überflüssig, zur Erledigung diesc.s unbedeutenden Vorfalles die Dienste eines prcussischen Polizeibeamten in Anspruch zti nehmen.•־ RHEINISCHE ZEITUNG. Posen, I. Mai. Heute traf hier eine Ministerialkonunissiou ein. der Vertreter des Norddeutschen Lloyd und der Hamburg- Amerika-Linie behufs Inspektion der Posener Kontrollstation für russische Auswanderer beigegeben sind. Es soll ein neuer Ministerialerlass über die Reise russischer Auswanderer durch das Reichsgebiet bevorstchen. Sollen vielleicht die das Schamgefiihl jüdischer Frauen und Mädchen verletzenden Untersuchungcn abgeschafft werden? Posen, II. V. Oft. Die heut veröffentlichte Liste der Geschworencn zeigt neben 23 Evangelischen auch 7 Polen — * ein böses Zeichen für die Wertschätzung deutsch-freisinniger Proteste! Aus ״Ueberzeugung“-vom Vorteil Wien. Wie das DEUTSCHE VOLKSBLATT meldet | haben in Wien in den letzten 2 Monaten HO Taufen von Juden stuttgefnnden. die zum Katholizismus iibergeireteii sind. Wenn man der SCHLESISCHEN ZEITUNO glauben darf, so lassen die Berliner Lorbeeren der Deutschen die Polen nicht schlafen. Sie schreibt: ..Während die jüdisch-liberale!,resse nocli über die Ausweisung russischer Juden aus Berlh*. zetert, sieht man sich jetzt auch in Galizien zur Ausweisung der seit vorigem Jahre im Lcmberger Bezirke ansässigen russischen Staatsbürger, zumeist Juden, veranlasst. Den durch diese Massnahme Betroffenen wurde nachstehende Zuschrift der Leinberger Bezirkshauptmamischaft eingehändigt: ״Da die im Innern des russischen Staates durch den russisch-japanischen Krieg hereorgerufencu Zustände schon einen normalen (laug angenommen haben und daseihst die Oefahr für die Juden bcreits geschwunden ist. verbiete ich Ihnen und Ihrer Familie den weiteren Aufenthalt hier im Lande und ändere Sie entschieden und unwiderruflich auf, mit Frau und Kindern sowohl Ihren bisherigen Aufenthaltsort als auch die Grenzen dieses Reiches zu verlassen, und nach Russland, beziehungsweise in Ihren Geburtsort oder in jene Ortschaft zurückzukehren, von wo Sie hierltergekoinmen sind, und dies soätestens hinnen dreissig Tagen nach Einhändigung dieser Aufforderung, widrigenfalls Zwangsmassregeln angewendet und Sie nach dem nächsten 'Grenzort gebracht werden sollen. -י Statthaltercirat Franz.“ Landtagswahlen in Kroatien-Slavonien Mit grossem Interesse sah man In allen politischen Kreise״ dem Ausgang der Wahlen entgegen. Wir Juden haben uns bisher zumeist an der Seite der Regierungspartei gehalten. Aber auch bei uns trat ein merklieber Umschwung ein! Nach Berichten, die nahezu aus allen Wahlbezirken einlaufen, hat ein grosser Teil der jüdischen Wähler für die oppositionellen Kandidaten gestimmt. Und es ist da eigentlich ganz gleichgiltig. welcher oppositionellen Partei oder Fraktion der betreffende Abgeordnete angehürt. Die kroatischen Juden wollten demonstrativ bekunden, dass sie einer Regierung, die ein Gesetz 111» Landtage cinbrachte. worin ein $ 14 enthalten, der den Übertritt aus einer christlichen Religionsgcnossen- Schaft zur jüdischen mit der Motivierung verbietet: ״Weil das patriotische Gefühl sich mit der jüdischen Religion nicht verciAbarcn lässt'•!“ einer solchen Regierung ihre Unterstützung nicht mehr wollen angedeihen lassen. Wohl wurde seinerzeit in Agra eine von viele״ kroatischeu Rabbinern und Gemeindevorsteher״ besuchte Protest- Versammlung abgchalten; der Erfolg dieses energischen Profestes gegen obenerwähnten Paragraphen bestand in einer farblosen, gewundenen Erklärung von Seite des Sektionschefs Chavrak. Welche Folge״ eine solche Tendenz zeitigt, hat uns nun diese Wahl gezeigt. Protestversammlung gegen den Wiener Kultusvorstand Wien. Samstag abend fand im Saale Gmh. 11. Stefaniesf!asse. eine zahlreich besuchte jüdische Wähl er ver- Sammlung statt. Dem Referate des Herrn Max Mark 11 s über das Thema: ״D a s allgemeine Wahlrecht und die K 1! 1111 s s 111 b e“ iolgte eine lebhafte Diskussion, in der insbesondere die Beteiligung des Kultusvorstehers R. v. Tntissig an der Plazierung der russischen Anleihe scharf gegeisselt werde. Schliesslich gelaugte folgende Resolution e i 11 s t i 111 ni i g zur Annahme: ״Die liier versammelten Juden erhalten sich überzeugt, dass das veraltete Zcnsurwahlrecht dui Wiener Ktihiisvorstand den! jüdischen Volk entfremdet und ihn üenmrulisiert hat: die Versammlung spricht diesem Vorstände ihre Entrüstung aus. dass er, obwohl die meisten Vorsteher nur ihrer Verpflichtung, für eine Wahlreform einzutreten, die Mandate verdanken, auch die bescheidenste Reform mit leere״ Ausflüchten hiiitertrieben hat. und fordert. den Vorstand auf. einen R. v. Taussig, das reichste Produkt jenes reaktionären Wahlsystems, auszustossen. Da nur das allgemeine gleiche Kultuswahlrecht eine wahrhaft jiidiselk Vertretung sichert, drückt die Versammlung ihre Entschlossenlieit aus. dieses Ziel mit allen Mitteln zu erkämpfen.“ -Eine zweite Protestvcrsaiiimhuig fand am 25. d. Mts. statt. Die Einberufcr haben vorher folgenden Aufruf erlassen: ״Juden Wiens! Die russische Regierung, deren blutige Verbrechen. Gewalt und Schandtaten den Abscheu der gesamten zi\ilisicrten Welt erwecken, hat sich wiederum au den curopäisclicii Geldmarkt um eine Milliardeiianleilie zur Fortsetzung ihrer schmachvollen Unterdriickungspolitik gewendet. Und die Reichen und Mächtigen Europas stellen sich bereitwillig in den Dienst von Mördern! In Oesterreich und Wien sind cs jüdische Kapitalisten, die dem russischen Absolutismus, der im Blute Tausender unschuldiger Juden Russlands watet, Scliergcndienstc leisten. Ein Wiener Kultusrat. ein ajigeblieber Repräsentant des Judentums, hat auf sich die imsagbare Selitinch geladen, für die Beschallung von Millionen zur Organisation neuer Judemnassakres den Vermittler abgegeben zu haben. Juden! Durch die Subskription der russischen Anleihe verkauft ihr um 5 Prozent die Ehre des jüdischen Volkes, ihr werdet des Mordes an Tausenden Volksgenossen mitschuldig, ihr macht euch zu Verbündeten Durnowo-Wittes gegen die Freiheit aller Russland bewohneudeu Völker! Klimmt zu der Mittwoch den 25. d. Mts.. 8 Uhr abends, im Hotel Post. l. Bcz.. Fleischmarkt Nr. 16. stattfindenden Volksversammlung. -- Tagesordnung: Die jüdischen Kapitalisten und die russische Anleihe, um eurer Entrüstung Ausdruck zu geben. Agitiert und erscheint in Massen! Di: Einberufcr!“ Aus dem christlichen Russland In den leitenden jüdischen Kreisen Russlands wird die Frage lebhaft erörtert, ob die vom russischen Volk frei gewählten jüdische n Reichsduma - Mitglieder sich ohne weiteres in Petersburg werden aufhalten dürfen. In den Be- Stimmungen für die Rciehsduma ist nicht erwähnt worden, dass die Wphl eines Juden zum Reichsduma-Mitglicd ihm das Recht gibt, in der Hauptresidenzstadt Russlands uneingeschränkt zu wohnen. Bei der in Russland herrschenden Polizciwillkiir und den in Bezug auf die Juden so oft verübten .,Missverstätidnissen“ ist cs nicht ausgeschlossen, dass irgend ein Revicrlcutnant auf den Pass des jüdischen Reichsduma־Mitgliedes mit roter Tinte den Vermerk machen wird: ,.na wyjesd״) ‘־zur Abreise“). Der Starke weicht mutig zurück Gegenüber der irrigen Meinung, dass deutsche Politik die Türkei zu ihrem Vorgehen in El-Arlsch veranlasst und sie dann sozusagen imstiche gelassen hat. spricht die folgende Notiz, die durch die halb, und ganzoffiziösen Blätter geht: ״Einer neuen Verdächtigung der deutschen auswärtigen Politik tritt folgende Meldung der KÖLNISCHEN ZEITUNG entgegen: Vor einiger Zeit ist in den Blättern eine lange Geschichte erzählt worden über eine angebliche deutsche Expedition, die aus Syrien kommend zuerst bei den Türken sehr freundlich aufgenommen, dann aber ־von den Ägyptern aiigehalten worden sei. Wie sich jetzt hcrausstcllt, handelt cs sich um sieben jüdische Ackcrbaukolonlstcn, die von Syrien nach Ei-Arisch reisten, deren Führer ein Deutscher war. und die im übrigen der türkischen und russischen Nationalität äugehörten. Von einer deutschen Expedition oder Mission ist also gar keine Rede.“ Also nicht die Deutschen, sondern die Juden sind sind cs, durch die cs da unter bei Akaba cs beinahe zum Krieg gekommen wäre. Deutschnationales aus Afrika ln der Monatsvcrsammlung des Swakopinunder Bürger- Vereins am 19. März kam ein nicht mehr sonderbarer Vorgang zur Sprache, über den die Swakopinunder DEUTSCH-SÜD- WESTAFRIKANISCHE ZEITUNG folgenderinasseu berichtet: