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Jüdische Rundschau · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 292 Der in vorstehender Bestimmung enthaltene Grundsatz scheint uns in der gegenwärtigen Fassung des § 4 des Gesetzentwurfs nicht genügend berücksichtigt zu sein. Denn dort ist die Befreiung von einem bestimmten Religionsunterricht nur auf Grund ausdrücklicher Erklärung des Erzichungberechtigten, nicht, wie in dem landrechtlichen Fall, schon bei Stillschweigen des Erziehungsberechtigten für geboten erklärt. Es kann zweifelhaft sein, ob die Antragsteller durch den § 4 des Gesetzentwurfs auch den im Landrecht behandelten Fall treffen wollen. Jedenfalls scheint uns dies der Klarstellung zu bedürfen. Für den Fall, dass der Reichstag den § 4 des Gesetzentwurfs überhaupt annehmen sollte, beantragen wir daher, den § 4 wie folgt zu fassen: ״Ohne schriftlichen Antrag des Erziehungsberechtigten darf kein Schulkind zu einem anderen als dem für die Glaubensgemeinschaft des Kindes eingerichteten Religionsunterricht oder Gottesdienst zugclasscn werden. Der Erziehungsberechtigte kann die Freilassung des Kindes auch von dem so eingerichteten Religionsunterricht oder Gottesdienst verlangen, wenn derselbe seiner religiösen Überzeugung nicht entspricht." Verband der Deutschen Juden. Dr. E. Lachmann, Vorsitzender•!==־-’ Rundschau »■ יל.ך--- 1__---1 Berlin. Der Verein Jüdischer Studenten (im B.J.C.) an der Universität Berlin crofmete am Mittwoch, den 2. Mai, durch eine zahlreich besuchte Antrittskneipe im ,.König v. Portugal sein 23. Vereinssemester. Wie stets lieferte der würdige Verlauf der Kneipe den Beweis dafür, dass die Bestrebungen des V.JSt in den weitesten Kreisen der jüdischen Öffentlichkeit sich die Sympathien aher derer erworben haben, in denen an warmes Herz für die Sache des Judentums schlägt. Die Tendenzrede hielt ßdbr. Rosenblitth. auf die A.H.A.H. sprach Fux Salomon. ln längeren Ansprachen beglückwünschten^ den Verein zum Semesterbcglnn die Chargierten der befreundeten studentischen Korporationen ״Hasmonaca" und ״Dahlemia“ sowie cr.c Vertreter der Alliance Brachte Universelle״ des jüdiselten Volksvcreins, des Dibbuk Chawerim und die Vereinigung Jüdischer Akademiker. Herr Redakteur Dr. Jukus Moses bctonte in sc.ncn Ausfülmmgen die Bedeutung des V. J. St für die indische Bewegung der Gegenwart Die Kneipe schloss in feuchtfröhlicher Fiduktät. —- Das wissenschaftliche' Programm des Vereins für das Sommersemester sei hier in Kürze aufgeführt: Es werden folgende Vortrüge gehalten: 8. Mai: A.H. Rabbiner Dr. Em.l Cohn: Uebcr religiöse Ausdmcksformcn. 15. Mai: Herr Moritz Baum: Politischer Zionismus und zionistische Politik. 22. Mai: Herr. Dozent Dr. Elbogen: ־־ Vorboten des Barkochbaaufstandes. 12. Juni: Bdbr. Rosenblüth: D.e wirtschaftliche Lage der Juden Preussens zu Beginn der Emanzipation. 19. Juni: A.H. Pr. Kirschncr: (Thema unbestimmt) 26. Juni: Herr Gymnasiallehrer Dr. Calvary: Jüdlsene Nüancen in der deutschen Prosa. 10. Juli: Bdbr. Moses: Die kulturelle Lage der Juden Preussens zu Beginn der Emanztpation. 17. Juli: A.H. Dr. Max Eschcibacher (Thema unbestimmt) Der Ausbildung der Bdbr. Bdbr. dienen die «internen wissenschaftlichen Kurse: A.H. Dr. Namiot: Hebräisch für Anfänger. A.H. Gotthold Weil: Hebräisch für Fortgeschrittene. A.H. Th. Zlocisti: Historische Ucbungen über die Zelt der Emanzipation. A.H. Dr. Soskin: Einführung in die Palästina- Kunde. — An jedem Sonntagvorndttag turnt die Aktivitas in der Turnhalle des Rcichcnhcimschcn Waisenhauses. — Das Präsidium des Soimncrsemesters bilden: jur. Siegfried Moses, jur. Felix Rosenblüth F. M., plnl. Arno Wagner, phil. Louis Stcmberg, K. W., med. Sally Lebowitz T. W. Zuschriften sind zu richten an den Schriftwart phil. Arno Wagner, Grosse Frankfurterstrasse 86 oder an die Kneipe des V. J. St. Gips- Strasse 12 a. ׳ In der Nciwehr Die Schlägerei des Grafen Pückler mit einem Kaufmann Levy» die, wie berichtet, in dineut Berliner Hotel erfolgte, bcschädigte Jas Reichsgericht. Die leiden waren am Speisetisch in Streit geraten: der Kaufmann Leopold Levy hatte mit einem Schlagring und Graf Pückler mit einem Regenschirm geschlagen. Dann fassten sich die Gegner und wurden endlich durch einen Hotelbediensteten auseinander gebracht. Das Landgericht I in Berlin hat am 2 .Juni v. J. Levy wegen gefährticher Körperverletzung zur Strafe verurteilt. Seine Re- Vision, durch Rechtsanwalt Leonhard Friedmann vertreten, kam am!3.'Mai vor dem Reichsgericht zur Verhandlung. Bchauptet wurde Verkennung der vermeintlichen Notwehr, da der Angeklagte sich als Jude andauernd durch den Grafen bedroht gefühlt habe. . Der Angeklagte führte dies persönlich ebenfalls aus und versicherte, dass er den Grafen nicht zuerst angegrifien habe. — Das Reichsgericht erkannte a£er mit Rücksicht auf die tatsächlichen Feststellungen auf Verw e r f u n g der Revision.. Der Sekundant bei den Ausweisungen Der Abgeordnete Lattmann von der ״Wirtschaftliche Ver« einiguiig" im Deutschen Reichstag hat sich bei seinem Kampfe im Dienste der neuesten prcussischen Judenverfolgung dagegen verwahrt, mit dem minderwertigen Antisemiten A h l w a r d t und Pückler in einen Topf geworfen zu werden und nahm für sich den sittlich-ernsten, deutschen Antisemitismus in An. Spruch. Wir sind darauf ebenso neugierig als auf die Frage, wie viel Antisemiten übrig bleiben werden, wenn man die minderwertigen Elemente unter ihnen ausschiiesst: Nim aber hat die HESSISCHE RUNDSCHAU, ein ebenfalls antisemitischcs Blatt, wiederholt dem' Abgeordneten Lattmann vorgeworfen. er habe wider besseres Wissen unter seinem Ehrenwort eine falsche'Tatsache behauptet, ohne dass der Mann, der so turmhoch über A h 1 w a r d t und Pückler steht — er ist auch preussischcr Richter — es bisher zu einer Bc* richtigung der immerhin nicht allzu harmlosen Tatsache gebracht hat. Jetzt piekt die HESSISCHE RUNDSCHAU, indem sie von einem ״dcutschsozialcn Abgeordneten schreibt, der einen schweren und erweislich wahren Vorwurf ruhig in der Holinnng cfnstcckt, dass die Zeit über alles Gras wachsen lass t.“ Herr Lattmann ist der Kämpe für die Sittlichkeit und Christlichkeit der Massenaustrclbung von Juden aus Preussen. Wie steht es inzwischen mit der Geschäftsführung des antisemitischen Abgeordneten Hirse!!!? Die STAATSBÜRGER ZEITUNG wird die Antwort gern erteilen-?? Wirkungen der Austreibungen Mitteilung der Handelskammer zu Berlin. In ihrer Vollvcr- Sammlung vom 27. v. Mts. beschäftigte sich die Berliner Handelkanmier I mit der Frage der Ausweisung von Ausländern. Die neuerdings verfügten Ausweisungen, durch die namentlich viele Angehörigen der russischen Nationalität (sic!) getroffen worden, ziehen eine Schädigung hiesiger Wirtschaftlieber Interessen nach sich. Die Kammer beschliesst deshalb, bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, dass bei den Ausweisungen, die nicht aus politischen Rücksichten als notwendig angesehen werden. Rücksicht auf die gefährdeten Interessen von Handel und Industrie genommen werde. In Sosnowlce haben in den letzten Tagen verschiedene Versammlungen stattgefunden, in der zu den Ausweisungen von russischen Staatsangehörigen aus Berlin Stellung genommen wurde. Es wurde beschlossen, die Massnahmen mit einem Boykott deutscher Exporteure zu beantworten und die polnfschen Werke zur Entlassung der deutschen Beamten innerhalb drei Monate aufzufordern. Diese Versammlungen waren freilich nicht allzu stark besucht; sie werden aber als Vor- Iäufer für eine allgemeine grosse Versammlung angesehen, die in den nächsten Tagen stattfinden soll. Auch zu dem Grenz־» verkehr mit den benachbarten deutschen Städten Kattowitz usw. will man Stellung nehmen. Die Beschlüsse sollen den Interessenten in anderen polnischen Städten zugängig gemacht werden, damit diese sich dem Vorgehen anschliessen. Es geht wieder los Anklatn. Gemeinheiten haben rohe Hände in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf dem alten Friedhofe der israelitischen Gemeinde hier verübt. Eine grosse Anzahl von Grabdenkmälern ist ans der Erde gerissen oder umgeworfen, die Grabhügel sind teilweise arg beschädigt, worden. Der Vorstand der Gemeinde setzt für Ermittelung der Täter eine Belohnung von 20 Mark aus. % Wie war zu Köln es doch vordem ״Ein (Jbcrpatrlot. Aus jüdischen Kreisen schreibt man uns Ein merkwürdiger Vorfall spielte sich Samstagmorgcn in der Synagoge au der Roonstrasse ab. Ein zugereister gaUzischc» Jude war während des Gottesdienstes eingeschlafen und während des Gebetes für den Kaiser sitzen geblieben. Der Mann wurde geweckt und aufgefordert, sich zu erheben, er weigerte sich jedoch und blieb sitzen. Es ist zu bemerken, dass der Galizier die deutsche Sprache nur unvollkommen verstand und nicht recht wusste, worum es sich eigentlich handelte. Indessen wurde durch das Benehmen des Ma.mes

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