Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1906)
- Date
- 1906-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651467--03553-2660486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 29J — - ...» - ■ — ' ‘ ־ ־* ־ ־־ ~ - — ׳״-•״*״־■ ** ~\ Kennzeichen des Landes besprach Redner dessen Geschichte, die Eroberungen durch die Babylonier. Assyrier. Perser, Grieeben, Römer, Kreuzritter. Türken und führte dann weiter aus: Meine Ansicht über die Zukunft Palästinas ist bekannt. Augesieht der Tatsache, dass die das!!eilige!.and umgebenden Nationen, Ägypten, die Türkei und Europa, allesamt den Wunsch haben, dasselbe zu besitzen, wird, wie ich glaube, keine derselben cinwilligcn, cs irgend einer Macht zu überlassen. Somit bleibe kein anderer Weg übrig, als Palästina z u neutralisieren, und die beste Neutralisierung würde in der R fi c k g a b e a n seine recht tu ä s s i g c n Besitze r, an die Juden, bestehen. Aus diesem Grunde habe ich die zionistische Bewegung stets begünstigt. Es wurde von dem ״unveränderlichen״ Osten gesprochen, und doch ist im Osten alles in ewigem Wechsel. Es ist wahr: die Türken haben bisher keine Anstalten gemacht, abzuziehen und sic werden sich der Bildung eines neutralen Staates oder der Errichtung einer jüdischen Heimstätte im Lande in stärkster Weise widersetzen. Aber es muss daran erinnert werden, dass nichts so hoffnungslos aussah, als die babylonische Gefangenschaft, ehe sic ihr Ende erreichte. Die *Türken hatten versucht, dem allmählichen Eindringen europäischer Zivilisation Widerstand entgegenzusetzen, aber das gelang ihnen nicht und jetzt sind sie selbst gezwungen. Eisenbahnen zu bauen, und das Projekt einer Eisenbahn nach Akabah. an der Mündung des gleichnatnigen Meerbusens, ist in dieser Hinsicht besonders intcrcssant. Diese Anzeichen eines bei der. Türken sieb geltend | machenden Fortschrittes erledigen die, eine der gegen den! Zionismus erhobenen Einwendungen. Ein anderer Einwand, j auf den bereits hingewiesen wurde, bezog sich auf den י.'•••- fang Palästinas. Wenn man bedenkt, dass cs früher eine Be- | vülkerung von zehn Millionen ernährt hat. so ist es! absurd, anzunehnien. dass Palästina, weil es jetzt ner:i:\ rcinahe eine Million ernährt, nicht noch eine fernere Millio•» er*! nähren könnte. Ich habe das Wachstum des Zionismus während langer Jahre verfolgt und viele Jahre dürften noch vergehen, j che dessen Ideale sich verwirklichen werden. Aber wenn eine j Bewegung eine Wirklichkeit in der Zukunft sein soll, dann | nt u s s diese Bewegung auf Wirklichkeiten! in der Vergangenheit gegründet sein, und! Palästina ist die einzige wirkliche Heimat! des jüdischen Volkes; an P a 1 ä s t i na und au j kein anderes Land unter der Sonne sind seine nationalen Er i n n c r u n g c 11 für immerdar g c k n ü ם f t." Briefe aus Jerusalem Das Institut ״Bczalel“ Ist schon eröifnct worden, und det 1 Unterricht im Zeichnen und Malen hat bereits begonnen. Da cs der Wunsch des Herrn Professor Schatz ist. d.1־s<t die { Hauptsprache in dieser Anstalt die hebräische sei. so finden allabendlich für Schüler des ״Bezalcl״ hebräische Sprachkursc statt, die auch von manch•.־!! angesehenen Herren und Damen, die niemals daran gedacht haben, die hebräische Sprache zu erlernen, besucht werden. So fördert der ״Bezalel״ erfreulicherweise auch die Verbreitung der hebräischen Sprache in Jerusalem. Den scphardischen Vorstehern ist cs mittlerweile gcltutgen, ein Siechenhcim zu eröffnen, das trotz der knapp bcmessenen Mittel schon jetzt für viele arme und verlassene Greise eine Wohltat ist. überhaupt tritt die sprichwörtliche Gleichgiltigkeit und Interesselosigkeit der scphardischen Juden immer mehr in das Reich der Sage zurück, und man muss heutzutage nicht nur die Energie der Scphardim mit der sie notwendige Institute ins Leben rufen, bewundern, sottdern auch den Geist der Pünktlichkeit und Ordnung mit dem sie sie leiten. So sind 7: B. die scphardischen ״Talmud-Thoraschulen in mancher Hinsicht weiter fortgeschritten, als die unsrigen (die der deutschen und russischen Juden), denn während die Jugend in der Talmud-Thora der Aschkcnazim ohne jede allgemeine Bildung bleibt und auch in der hebräisehen Grammatik nur spärlichen Unterricht erhält, sind die Sephardim bemüht, ihre Kinder auch ^mit der allgemeinen Bildung ein wenig vertraut zu machen. Es wird dort ausser dem hebräischen Uniei rieht auch die arabische und türkische Sprache gelehrt, und die Schule hat bisher erfreuliche Forischritte auizuweisen. ln dieser Anstalt wird zwar grosses Gewicht auf Reinlichkeit und Ordnung gelegt, leider befindet sic sich aber in einer der schmutzigsten und engsten Gassen, so dass für einen Fremden der Eintritt nicht sehr einladend ist. Noch eine andere seohardischc Anstalt ist besonders hervorzuheben; Das Misgah-Ladach-Hospital. welches vor ungefähr % Jahren gegründet worden ist und jetzt unter der Lcituuir der. angesehensten Männer der scphardischen Genieinde steht. Dieses Krankenhaus muss in mancher Hinsicht als ein verdienstvolles und höchst notwendiges Institut bczeichnet werden. Leider befindet sich dieses Hospital gegenwärtig in einem sehr misslichen pekuniären Zustande, da grosse Schulden aut ihm lasten und die Einnahmequellen erschöpft sind, weil die meisten Gelder jetzt nach Russland zur Hilfeleistung für unsere Brüder verwendet werden. Dieses Hospital sollte aber nicht nur in seinem jetzigen Zustande erhalten, sondern hei der wachsenden Bevölkerungszah! und den mangelhaften sanitären Verhältnissen womöglich noch umgebaul und bedeutend vergrössert und namentlich, worauf ich in meinem letzten Berichte unter Erwähnung der von Herrn Kieferndori für eine Reform der allgemeinen Krankenpflege unternommenen Schritte besonders hingewiesen habe, auch mit einem Stab gelernter Krankenpflegerinnen verseilen werden. $ In der Nummer f» der WELT habe ich über die Gründung eines Vereines ״Kchilat Jakob״ (und nicht : Jischuw-Ercz- Hakodesch) Mitteilung gemacht, dessen Bestreben dahin geht, die hiesige ungarische Jugend zu Bauern aut dem Boden Palästinas hcranzuzicheii. Ich freue mich jetzt, mitteilcn zu können, dass der Ruf des Vereins hei manchen unserer ungarischen Brüder Auklang gefunden und dass man schon die einnahm. Auf dum ansehnlichsten Platze inmitten des Hauses befand sich das improvisierte Bivonak der einquardierteu Soldaten, wo sie ihre Ranzen, Tschakos, Mäntel und sonstige Appcrtinentieu aufgestapelt hatten. Hier putzten sic ihre Equipierung, besserten sie die Wäsche aus, flickten sic die Stiefel und rauchten sic iibelduftendcn Tabak. (Fortsetzung folgt.) An Israel Verhallet nun, ihr bangen Klagelieder. Der Freude nur sei der Gesang geweiht, Der Freiheit gold’nc Tage kehren wieder, Entschwunden ist die ernste Priifungszcit, Vorüber Druck und schwere Tyrannei: Jehova’s Volk ־ - es fühlt sich stark und frei! — Du hast Jahrhunderte im Kampf gerungen, Verachtung war des Juden herbes Los, Die Zeit der Vorurteile ist bezwungen Und Wonne lächelt aus der Zukunft Schoss: Durch finst’re Wolken bricht der Freiheit Licht, Drum Israel, mein Volk! verzage nicht! — Dich hat der Herr vor anderen Nationen Zum Werkzeug seiner Gnade auserwähit, Der Sturm der Zeit vernichtete Millionen: Du standest fest, durch Glaubcnskraft gestählt. Gelitten hast du nach des Herrn Gebot: Der Glaube war dein Anker in der Not! — So, Israel, halt fest an deinem Glauben, Es ist dein Ziel, dein allerhöchstes Gut, Es ist ein Schatz, den nimmer Menschen rauben. Der dich beseelt mit kräftig starkem Mut: Ob Völker auch im Zeitensturm vergehn, Jehova’s Volk wird ewiglich bestehn! — Und so von Frömmigkeit, von Dank durchdrungen. Bewahre dich vor Ucbermnt im Glück, Vergiss nicht, dass du Klagen einst gesungen, An deine Tränen denke Israel! zurück: Gelassen trage nun so Freud’ als Leid: Erhalten wird dich Glaubeiiscimgkeit! -- Magdeburg, den 19. September 1838. Detmold Löwen heim. Aus: Allgcm.Zcitur.g des Judentums. IS3S, No. 131, $ 529/5J1».