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Jüdische Rundschau · 1906-05-18 · Heft 20 (18.5.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 20 (18.5.1906)
Date
1906-05-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 286 JÜDISCHE kratischcn im Reichstag cliristliclicn Parteigenossen die Jiidenvertcidiguiig überlassen. Sie haben höhere Interessen zu vertreten, Interessen des dciitsclmationalcn Kosmopolitismus, dem nichts Deutsches und nichts Menschliches, sondern nur alle Jüdische fremd ist. Wie sang dpeh der SCHLEM1EL: Nttii schmück' dir die Locken mit Laub, mein Kind, Den Busen mit duftenden Strüussen, Sechs jüdische Volksvertreter sind Gewählt im Königreich Preussen. Wir müssen gestehen, dass wir im Reichstag und Landtag Sclmtzjuden haben, auf die wir Musterschutz nehmen können, Reichsmusterscliutzjuden, wie sie des Heiligen Römischen Reiches allergctreueste Kammerknechte nicht wackerer unter sich hatten. Gegenüber solcher Trefflichkeit verstummt die Rede des Nörglers. Er möge den Staub Deutschlands, von seinen Füssen schütteln, wie jene Juden, denen die Fürsorge der Regierung des christlichen Staates den Ent- Schluss leicht macht, Berlin zu verlassen. Wohltaten über Wohltaten werden den Juden in Preussen erwiesen, den deutschen wie den aush'indisehen.und ausser den jüdischen Landtagsabgeordneten sieht das keiner ein. ״Es kennt der Ochs seinen Eigner und der Esel die Krippe seines Herrn, Israel erkennet nicht, mein Volk sieht nicht.” Diese Männer allein haben ihre Würdigkeit für den Sitz im Landtage erwiesen und werden weiter in ״Melier beredter Schweigsamkeit das Banner des Judentums hochhalten, das nur nach der Meinung bornierter Hetzer durch den Kot geschleift wird. V o g e l s t r a u s s. Deutsche und Juden über die Ausweisungen I. Ein christlichdeutsches Blatt Das Blatt, das die Interessen der grössten Kartoffeln vertritt, schreibt: Die Ausweisungen. Die sozialdemokratische Interpellation über die Ausweisung der russischen Juden ist vom Stellvertreter des Reichskanzlers RUNDSCHAU No. 20 im Reichstage so beantwortet worden, wie sie es verdiente. Der Vertreter der verbündeten Regierungen hat die sachliche Beantwortung abgefeimt, weil das Reich in der Sache nicht zuständig ist. Dieser Standpunkt ist ohne Zweifel richtig: auch darin wird man den! Grafen von Posadowsky unbedingt zustimmen müssen, dass trotz der Handelsverträge die Einzel- Staaten das unzweifelhafte Recht halten, lustige Ausländer ohne Angabe von Gründen auszuweisen. Darüber, welche Ausländer lästig fallen oder als lästig erscheinen, haben lediglich die staatlichen Behörden zu befinden. Wer das zugibt. - tind das muss allerseits zugegeben werden. für den fällt die sozialdemokratische Interpellation in sich zusammen. Es ist. wie gesagt, recht erf;culiclu dass der Stellvertreter des Reichs- Kanzlers in der denkbar kühlsten Eorm die Beantwortung ablehnte und sich an der Erörterung nicht mehr beteiligte. Minder erfreulich ist cs allerdings, dass die Sozialdemokratie mit einem gewissen .•Scheue des Rechts darauf liiuwciscn kann, dass die Vertreter der Reichsregiertmg und der prcussische׳: Regierung in einem früherem ähnlich liegendem Falle e .1 anderes Verfahren cingeschlageu und die betreffende Interpcllation beantwortet haben. Wir wollen auf den damaligen Fall nicht e-ingche־,!; nur das darf als mildernder Umstaui gelten, dass er etwas anders lag. als der jetzige. Die Regierung möge aber aus der vergleiehsweisen Heranziehung jenes!*alles durch die Sozialdemokratie die Lehre entnehmen, dass cs 1111bedingt geboten ist. in solchen Fragen sich der schönsten Kousciiuenz 7:1 bcflcissigen. I)a die Sozialdemokratie mit ihrer Interpellation im Reichstage nicht den gewünschten Erfolg hatte, gedenkt, wie verlautet, die freisinnige Volkspartei des Abgeordnetenhauses ihr Hilfe zu leisten und hier eine Interpellation wegen der Russenausweksungen anzubringeu. Wir glauben kaum, dass diese IiUerpcHnEon der prcussischeu Regierung und insbesondere dem zuständigen Minister des Innern tiubeaucm sein würde: im Gegenteil. wir nehmen wo!!! mit Recht an. dass er gern die Gelegenheit ergreifen wird, den Standpunkt nochmals von der Volksvertretung festzulegen, den er in der Frage eingenommen und bereits vor Abordnungen einiger jüdischer Gesellschaften dargclegt hat. Dass er diese Abordnungen überhaupt empfangen bat, mag manchem um so befremdlicher erscheinen, als eine der jüdisehen Gesellschaften, nämlich die Alliance Isrnelite,• gar nicht preussisch. auch nicht deutsch, sondern internrtioaal (ist. Die jüdischen Gemeinschaften, welcher Art sie auch sein mögen, haben im Grunde genommen keinerlei Befugnis, den Vertreter der preassisclun Staatsregicruugcn über Massnahmen zu interpellieren, die er im Bereiche seiner Zuständigkeit getrofien hat. Sie mögen sich, wenn sie dazu das Recht zu haben gjauben. über einzelne Massregeln beschweren; im allgemeinen den Minstcr über die Grundsätze s ines Vorgehens zu interpcilicrcn. dazu fehlt ihnen eigentlich jeder Beruf. Der Minister ist trotzdem so höflich gewesen und hat die Herrschaften empfangen. Zionisten einst und jetzt Einst schlug die brave Kampfgenieindc Erbarmungslos und unermüdlich Die malcdeitcn Zionsfeindc. Doch ach, d i e Zeit ist längst verflossen: Jetzt lebt man mit den Feinden friedlich Und prügelt nur noch die Genossen. J u n g in a 11 n. Das Schulgespenst (UJk0.106ch3hu) Humoreske aus der jüdischen Vergangenheit in Lithaucn. Von Leo L e w a 11 d a. Aus dem Russischen übersetzt von W i 1.1 i a m Z c i 11 i 11. (Fortsetzung) Diese Bockzeitreclinung erhielt sich lange in der Gasse, selbst nachdem von dem bewussten Ziegenbock nur noch Hörner und Pfötchen übrig geblieben waren. — Höchst wahrscheinlich mit Rücksicht auf die üben geschilderten Bequemlichkeiten waren die Häuser unscres Gässchens weder von einem Zaun oder einer Hecke umgeben, noch überhaupt von einander abgegrenzt, so dass sic eigentlich keinen Hof besassen, dagegen stand aber das ganze Gässchen zur persönlichen wie gemeinschaftlichen Verfügung seiner Bewohner. Genau betrachtet, ist die Bezeichnung ״Gasse“ hier auch mir als ״epitheton ornans“ auzuselicn, da cs vielt*.ehr die Form eines einzigen länglichen Hofes hatte, zu dessen beiden Seiten je 10 Häuser standen, deren Eigentiimer in der glücklichen Lage waren, keine langwierigen und kostspieligen Prozesse führen zu müssen. Zu* gleich waren sie aber der Notwendigkeit überliohen, jene bescheidenen Gebäude aufftilircn zu lassen, welche kein Hof entbehren kann. Im Zentrum des Gässchens glänzte eine Piützc, von ansehnlichen Dimensionen; nachdem ihr ein Witzhold den konventionellen Namen ״Teich“ gegeben hatte, bildeten sich die Leute ein, im Besitz eines wirklichen Teiches zu sein. Daher wuschen die Frauen ihre kleine Wäsche darin, oder sie spülten ihre Küchengeräte ah oder sic badeten im Sommer die kleinen Kinder darin.-־ Manche waren sogar von dem Wunsche beseelt, in dem Teich Fische angeln zu können. Leider bewies die Wissenschaft, wie eitel dieser Wunsch war, denn die von dem örtlichen Hydrographen vorgenommenen Untersuchungen ergaben, dass, abge-

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