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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · Heft 18 (4.5.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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t Ho. 18 Seite 254 JÜDISCHE RUNDSCHAU Schluss bedeutet endlich, dass niemand bei Seite steht, der in Reih’ und Glied stehen sollte, und niemand Ge- Wehr bei Fuss steht, der imstande ist, die Waffe für das Volk zu führen. Wir schlossen uns zusammen wie treue Brüder; tun, um das Ziel des Zionismus zu erreichen. j Zu diesem Marsche nach dem Ziele, das heute kein anderes ist, denn gestern und chegcstern und das morgen und in alle Zeit dasselbe sein und bleiben wird, wie an dem Tage, wo wir zum ersten Male um Jerusalem Tränen der Trauer trocknen mussten, müssen wir unserer Leitung die Mittel geben, deren sie zur Führung des Zuges bedarf. Wenn Geld zu allen Dingen nütze ist, wenn es für jede Arbeit notwendig ist, wenn es nichts weiter ist als die Arbeit, die der einzelne mitleistct in der Gesamtarbeit, so ist Geld doppelt notwendig, wenn es sich um eine grosse Arbeit, um die Erreichung eines grossen Volkszielcs handelt. Wo gäbe es ein Heer, und noch dazu ein Heer auf dem Marsche, das des Geldes entraten könnte? Und wir halten uns doch, müssen uns doch für ein Heer auf dem Marsche halten. Die Heereskosten, die bei jedem Volke aus den allgemeinen Steuern bestritten werden, aus Steuern, die direkt und durch Zölle aller Art eingchoben werden, die einen sehr grossen Teil des Einkommens aller Yolksangehörigcn in Anspruch nehmen, können wir nur aus einer einfachen Kopfsteuer decken, die wir uns selbst auferlcgt haben, die freilich durch die mosaische Gesetzgebung bereits die nationale Weihe, die Weihender Geschichte hat. Der Schekel ist die historisch geweihte zionistische Kopf- Steuer, die jeder zu zahlen hat, wte die mosaische Gesetz* gebung sich ^ausdröckt_ בל יוצא צבא der ״zum Heere auszieht“, d h., jeder Jude, der sich mit auf dem Marsche befindet, den das zusammengeschlossenc Heer der nach Jerusalem gerichteten Volkssäulc der Juden einschlägt. Gross, hoch und heilig ist die Idee! Wir sind die letzten, die der Idee die Weihe nehmen wollen. Aber es gilt, die Idee in die Wirklichkeit umzusetzen. Wir dürfen nicht dem Plastiker gleichen, der seine Bilder in die Luft hauen will. Darum müssen wir nicht bloss Steuern unserer Leitung bewilligen, sondern sie auch zahlen. Es ist von grosser Bedeutung, dass das Aktions־ komitec der Steuerciuhebung, die nicht als unangenehme Last dem Volke galt, sondern als soziale und natio* nale Pflicht, wie in alter Zeit die Weihe der feierlichen Handlung geben will. Eine Last kann die Steher nur Das Schulgespenst (LUK0a060a3ub) Humoreske aus der jüdischen Vergangenheit in Lithauen. Von Leo Lewanda. Aus dem Russischen übersetzt von William Z e i 11 i n. I. Es war im Sommer des soundsovielten Jahres seit der Welterschaffung .... Genauer weiss ich es leider nicht — wohl aber erinnere ich mich der vielfachen Mandate, die mein Vater in seiner Eigenschaft als Hausbesitzer allwöchentlich vom Polizeiamt und von der städtischen Einquartierungskommission erhielt, und nach deren Empfang er jedesmal in Wut geriet und brummte: ״Sie wollen unscreinen nicht leben lassen!" Auf diesen verhängnisvollen Mandaten prangte das Jahr 1SJ2. Kaum acht Jahre alt, liess ich mein Licht bereits im Chcder (Privatreligionsschulc) leuchten und studierte | dort sein, wo sie ungerecht oder wo sie nicht in ihrem Werte für das Volk und seinen Zusammenschluss verstanden wird. Dieses Verstehen der Steuer ist bei uns noch viel wesentlicher und w ichtiger als bei den Völ- # kern, bei denen infolge der staatlichen Organisation der Steucrzw’ang existiert. Darum ist die Vorbedingung der Schekelzahlung das Verständnis für seine Notwendigkeit. Während aber in unseru Kreisen bereits die Notwendigkeit erkannt wird, noch einen besonderen Palästinaschekel neben dem Kongressschekel 1ms freiwillig und darum eben obligatorisch aufzuerlegen, gibt es noch weite Kreise in unserem Stamme, die der Judenfrage gegenüberstehen mit jener verständnislosen Politik, die Chamisso'in seinem Szeklerlandtag so prächtig zeichnet. Ihnen das Verständnis für die Notwcndigkait der Schekelzahlung, d. h. die Notwendigkeit des zionistischcn Zusammenschlusses für das Jüdische Volk zu eröffnen, sind die Tage der feierlichen Schekcleinhebung im Mai von grösstem Wert. Weil wir den Schekel nur annehmen von solchen Juden, die ausdrticklich das Baseler Programm mit keinem ״Wenn“ und keinem ״Aber" anerkennen, darum ist die Ein- Setzung der Schckcltagc von so grosser Bedeutung für die Ausbreitung der zionistischen Bewegung. Wenn wir uns bestreben einerseits möglichst viel Schekel einzuheben, andererseits keinen Schekel zu nehmen ohne das Bekenntnis zum Baseler Programm, so dient diese grosse Frühlingsmustcrung unseres Heeres dazu, neue Zionisten in grossem Masse zu werben, neue Kämpfer der Fahne zuzuführen und Rekruten zu werben für das Jüdische Volk auf dem Marsche. Es war ein schöner Gedanke, im Monat Mai die Schckeltage festzusetzen. Die Zeit zwischen dem Pessachfest, das die Geburtsstunde unseres Volkes feiert, da Israel aus Aegypten zog, das Volk Jakobs aus der Nation fremder Zunge, בצאת ישראל '״‘בצרים בית יעקב כעם לעז und dem Feste, wo wir die Schaffung der nationalen Kultur, der ethischen Kultur des Jüdischen Volkes feiern, ist voll von grossen nationalen Erimterungstagen besonders aus der Zeit unserer grossen lionalcn Kämpfer des Rabbi Akiba und seines grossen ßar-Kochba. In diese Frühlingszeit mit den grossen nationalcn Erinnerungen fallen die Schekeltage, wo das Volk in der ganzen Welt zerstreut und zerspcllt sich eins weiss, als ein einziges grosses Heer aut dem Marsche. Und dieses Heerf w׳eiss, dass heute Musterung gehalten wird. An solchen lagen fühlt jeder Zionist, dass er in Schritt und Tritt mit seinen Kameraden vor dem Feldnach der Tradition unsrer Urväter unter der bewährten Leitung meines Mclamed’s (Lehrers) den Talmudtraktat über Ehescheidungsprozesse. Aus verschiedenen Giünden, die mich aber nichts angingen, war ich damals noch unverheiratet; immerhin konnte binnen kurzem der Fall meiner Verheiratung eintreten, zumal ich als frommer Jude gesetzmässig gehalten bin, je eher, desto lieber Hymen zu huldigen. Und so konnte es ebensogut auch leicht möglich sein, dass über kurz oder lang meine; Ehescheidung unumgänglich notwendig war. Es war also ganz in der Ordnung, dass der wackere Lehrer sich redlich bemühte, seinen achtjährigen Zögling in das Labyrinth der Ehescheidungsprozessverfahren ehzuführen. Hätte ich doch damals schon die Vernunft besessen, die weise Vorsicht meiner Glaubensgenossen, die Arznei bereit zu halten, bevor die Krankheit in Sicht ist, zu erfassen und gebührend zu würdigen! Aber der Verstand kommt eben erst mit dem Alter, und so muss ich denn offen gestehen, dass cs mir beim Einpauken | der Ehescheidungsprozesse zumute war, als müsste ich

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