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Jüdische Rundschau · 1906-05-04 · Heft 18 (4.5.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 18 (4.5.1906)
Date
1906-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Schlangen züngeln um ihn empor und zischen ihm ins Antlitz. Er aber sicht nichts davon und merkt nicht auf das ötterngczücht. Denn in der Ferne gewahrt er die hohe Burg Zion, umflossen vom goldenen Strahl der Leben spendenden Maiensonnc. Ueber Palmen und gewundene Bhmicnpfade schweift sein Blick zu einem glücklichen Jerusalem inmitten grünender und blühender Gärten in einem blühenden und reichen Judenlande. Der jüdische Mai, der Tag, an dem die Frühlirgssonne nicht bloss für die Menschheit, nein erst einmal wieder für das zwei Jahrtausende lang geknechtete Volk aufgehen soll, muss kommen. Zwei Jahrtausende bitteren Leides haben wir um ihn gebangt, haben wir uns nach, ihm gesehnt und haben wir ihm entgegengearbeitet. Der jüdische Mai muss kommen. Die Wiutcrnacht hielt unsern Volkskörper schon viel zu lange in ihrer eisigen Umklammerung, als dass wir uns jetzt nicht noch viel mehr, noch viel glühender nach der Maiensonnc sehnen sollten. Aber wir haben inzwischen gelernt, dass Lenzessonne, die allen andern Völkern Licht und Leben brachte, die in die Fenster aller Unterdrückten hineinleuchtet, noch lange nicht hoch genug gestiegen ist, um auch zugleich durch die schmalen Luken und Lücken in die finsteren Ghetthomauern hineinzuleuchten, und es wird noch lange dauern, bis in unser Heim' ein Strahl gelangen kann. Während die Völker von Befreiung und Freiheit träumen, während sie bereits Freihcitsfeste feiern, fliesst das Blut unserer Märtyrer in breitem rotem Strome für die Freiheit —-— anderer. Denn wo noch immer Juden sich an den Kämpfen für Freiheit und Volkswohl beteiligt haben, sie selbst als Juden haben das Geringste von den Früchten ihres Kampfes geerntet. Denn der jüdische Mai ist nicht möglich im גי*ות. Erst in unserm eigenen Lande wird es geschehen, dass der arme und gehetzte Jude leiblicli und geistig ein Riiheplätzchcn findet. Und er bedarf der geistigen Ruhe und Sammlung noch beinahe mehr denn der leiblichen Erfrischung und Auffrischung. So gross, so brennend, so unendlich drängend und dringend die Judennot ist, noch viel grösser, unendlich viel drängender und dringender ist die Not des Judentums. Wenn die Juden ein eigenes Land haben müssen, wenn sie zur Lösung der Judenfrage fiir sich und die andern in Palästina ihre Heimat neu gründen . müssen, so bedarf das Judentum noch viel mehr der Heimat. Denn in der Fremde wäre es dem Untergang geweiht in langsamen aber sicheren Dahinsiechen. Für das Judcnatm, für die alte Kultur, die Moscheh Rabbcnu geschaffen. bedürfen wir eines Landes, bedürfen wir unseres Landes. Denn wenn cs vielleicht wenigstens theoretisch denkbar, wenn auch tatsächlich nicht ausfiihrbar wäre, dass in irgend einem andern Lande die Judenfrage zur Ruhe kommen könnte, die Judentumsfrage kann nur in Palästina gelöst werden. Darum ist der Zionismus nicht nur die einzige Lösung der Judenfrage, soriern er ist die einzige .Möglichkeit, das Judentum als Kultur, als Gcistcsgrössc zu erhalten. Der zionistischc Gedanke ist bereits. Rückkehr zum Judentum. Aber nicht der Gedanke genügt, so wenig es dem Bildhauer genug wäre, seine Kunstwerke zu denken oder sie mit dem Meisscl in die Luft einzugraben. Das wären luftige Bilder, von denen niemand befriedigt würde ausser der Phantasie des Künstlers. Eine Volkskraft bedarf aber etwas Besseres als der blossen Phantasie, als der dichterischen Ausgestaltung eines schönen Gedankens. Der Gedanke muss W i r k I i c h - keit werden. Das Bild muss in Stein gehauen werden, damit cs der Ewigkeit trotzen kann. Das Volk ist ein Plastiker, das seine Bilder uicht in die Luft haut. Um aber dem Gedanken greifbare Gestalt zu geben, hat sicli die zionistische Partei gebildet, hat sie sich organisiert und ihre bedeutendste Leistung und ihre wichtigste Aufgabe ausser dem Schöpfergedanken ist ihre Organisation und ist die tatsächliche Leistung für diese Organisation. Das Fremdwort Organisation gibt aber vielleicht zu manchen Missverständnissen Anlass. Deshalb ist es besser, es einmal durch das verständlichere und nicht minder genaue Wort Zusammenschluss zu ersetzen. Die Grundlage aller Arbeit für das Jüdische Volk im Sinne seiner Erhaltung ist der Zusammenschluss. Der besteht darin, dass wir zuerst einmal lernen müssen, der selbstgcwoüten und deshalb selbstgewählten Leitung zu folgen. Der Zusammenschluss bestellt ferner für uns darin, dass wir den Führern Gehorsam leisten und für unsere Führer, dass sie die Beschlüsse der Koneresse zur Ausführung bringen. Zusammenschluss bedeutet Unterordnung des einzelnen unter unsern üesamtwillen. der in den Kongressen und in'der'vom Kongress eingesetzten Leitung zum Ausdruck kommt. Zusammen-

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