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Jüdische Rundschau · 1906-04-27 · Heft 17 (27.4.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 17 JÜDISCHE RUNDSCHAU׳ Seite 245 Trtimpeldor. Ostrowski. Friedman». Crinspun. Prcshcrowskiusw. Wofür habe» sic den Georgsorde» •L Klasse erhalten? Sind das .luden oder Christen? Kriegskameraden von Port- Arthur, meldet euch! Sagt, oh ich nicht die Wahrheit rede? Haben wir nicht ebenso wie unsere christlichen Kriegs* Kameraden gelitten? Warum schmäht man uns? Warum verleumden uns die bösen Leute? Wofür dieser Hass? Warum lebten wir in Port-Arthur wie Brüder zusammen -- und hier, was geschieht hier . . .!" Flüchtlinge Zürich. Gegenwärtig hat die Schweiz einen grossen Zuzug solcher russischer Juden, welche infolge Ausweisungsbefehl des Berliner Polizeiräsidenten gezwungen sind, die nrcussiseke Hauptstadt zu verlassen. Auch auf Beschwerde beim Ober- Präsidenten wurde der Ausweisungsbefehl nicht zurückgenonunen. Die allermeisten der davon Betroffenen wissen nicht, was ihnen zur Last gelegt wird. Ls handelt sich meistens um solche Leute, die Handwerker sind und bereits an ihren neuen Aufenthaltsorte Arbeit gefunden, die ihnen erlatibt hätte, sich und ihre Angehörigen anständig zu ernähren, ohne die öffentliche Wohltätigkeit zu beanspruchen. Gegen die willkürlichen Ausweisungen kann ja niemand etwas tun. Dagegen muss auf das Entschiedenste dagegen protestiert werden, dass die falsche Beschuldigung erhoben wurde, als hätten die Ansgew ieseiieu oder auch nur ein minimaler Teil von ihnen sich irgend etwas zu Schulden kommen lassen, um so mehr als in judenchristlichen Blättern die ungeheuerliche Behauptung aufgetancl.t ist. als fände!: die Aus- Weisungen statt, nachdem der ״Hilfs.ervin der deutschen Juden" sich zur Mithilie der Regelung der Ausweisungen bereit erklärt haben. Wir wissen sein wohl, dass der Hilisverein eine dcutsc h nationale und keine jüdisch nationale Politik treibt. aber diese halb oder ganz ausgesprochene Beschuldiguug muss auf das entschiedenste zuriiekgewiesen werden. Die Ausweisungen sind auch jetzt mit einer einzigen Ausnahme vollkommen ..konfessionell", d. 11. es werden nur Juden ausgewiesvit! Ls ist keine Frage. dass der ..Hilisverein" genannte Behauptung als das zurückweisen wird, was sie ist. — als 1. ii g c und Erdichtung! Auf deutschen SchifFen Wir gaben einer grösseren Zuschrift Raum, in der über die erbärmliche Behandlung rnssischjiidischer Emigranten aui den Schiffen der Cmiard-Linie geklagt wurde, und glaubten uns berechtigt zum Unterschied auf die deutschen Schüfe hinweisen zu dürfen, zu deren Benutzung ja die russischen Auswanderer durch die Ballinagcuten förmlich gez.wungeii werden. Leidet können wir diesen Gegensatz, nicht aufrecht erhalten. So musste in Amerika das Reehts’schut/.bureuu die die jüdischen Auswanderer gegen die Mannschaft des deutschen Dampfers Prütoria von der Hanihurg-Amcrika-Littie eingereicht haben. Die Matrosen haben auf der letzten Reise in brutalster Weise jüdische Männer. Kranen und Kinder geschlagen. Der Kapitän und die Mannschaft leugnen diese Misshandlungen. Sie erklären, dass die ו»י1־ jüdischen l'liichtliuge in einem hysterischen Zustand sich befanden, dass sie sich den Vorschriften widersetzten und dass ihnen weiter nichts geschehen sei. als dass sie während eines Sturmes nach einem sichern Ort ..gedrängt" worden sind. Die Aussagen der Passagiere lauten anders. So sagt ein gewisser Schmnl Alken aus. dass er am dritten Tage der Reise nach dem Zwischendeck geschleppt wurde. Dort schlug man ihn geradezu nieder und hieb auf ihn mit langen Liederriemen. Als er fragte, warum er geschlagen würde, antwortete man ihm: Man würde jeden Juden an Bord schlagen. .Man hätte euch alle in Kiscliiiicw totsclilageu sollen.“ Ein anderer Passagier. Lisak Less, sagt aus. dass seine Frau mit dem ledernen Ende der Taue geschlagen worden sei. ״Jedesmal, wenn wir den Versuch machten, fröhlicher zu se׳n und das Elend zu vergessen, das wir hinter uns gelassen." sagte Lcss. ..kam irgend ein Matrose und machte unserer Freude mit einem Ledertau ein Ende, das eben so schlimm war wie die Knute unserer russischen Verfolger. Meine Frau wurde geschlagen, wahrend ich sie nicht beschützen konnte.“ Frau Lina Levin und ihr Mann Jakob geben an:: ..Während eines Sturmes wurden wir z.usammcngepkrcht wie Schafe. Ich war erst in der vorderen Reihe und wurde roh zuriiekgestnssen und gesehlcu־ uert. während ich mein zweijähriges Kind in den Armen trug. Als ich nicht schnell genug zurück konnte, weil ich krank war. gab mir ein Matrose einen Stoss und schlug mich zu Boden. Als ich eines Tages eine■ Treppe hiuiiutergehen wollte, gab mir einer der Matrosen einen Stoss. dass ich der Länge nach am das untere Verdeck fiel.'־ ״. Elir die innere Wahrheit dieser Erzählungen spricht der Ion. Das sind dieselben Redewendungen, wie sie den jüdischen *Emigranten an allen deutscher. Grenzstutinheu entgegengeschlendert werden. Das sind sanitäre Institutionen, die Grenz- Stationen, die Aufsichtsbehörden. Schläge und Schimpfworte scheinen in gewissen deutsch(.•» und preussischeu Kreisen als sanitäre Massregelu für die russischen Juden angesehen zu werden. Und die Aufsichtsbehörden? - Sic rühren sich nicht. Die jüdischen Organisationen? Sie ״verhandeln" mit den Schiffahrtsgesellschaften. Und die öffentliche Meinung? . . . Ach. es bandelt sieb doch nur um russisciie Juden. Deutscher Handel in Amerika Die STA ATSBURGFRZFITUNG schreib: über einen Vortrag eines Dr. Dunker: ״über die Bedeutung des jüdischen Elements in Amerika iiir unsere deutsche Industrie machte gelegentlich eines Vorträges Landesgewerberat D r. Dunker im Zentral .ereiii für Handelsgcogranhie einige bemerkenswerte Mitteilungen. Ritssland hat durch die russische Revolution bekanntlich viele Juden verloren, die sich nach Amerika gewendet haben und namentlich New-York atiisuchten. New-York kann sich jetzt einer Ziffer von 1״ Millionen Juden ״erfreuen“. Da der amerikanische Attssenltandel meist von Ausländern besorgt wird. Schotte», deutschen Jüdin nsw .. so ist cs bei den Eigenschaften der jüdischen Kaufieutc klar, dass auch die sehr betriebsamen russischen Juden in diesem Aussenhandel bald eine grosse Rolle spielen werden. Dr. Dunker schilderte die eiugewauderteii Juden als sehr vorwärtsstrebend, äusserst zähe und überaus anpassungsfähig. Ihre Kinder sprechen deutsch und englisch, wenn auch nicht in der klassischen Form. Sic verwenden sehr viel auf die Ausbildung der Söhne, mehr als auf die der Töchter. Hier wächst ein Geschlecht heran, sagte Dr. Dunker, das gc• eignet ist. auf dem mittel- und siidanicrikauischcn Markte dem europäischen und namentlich deutschen Wettbewerb sehr getährlich zu werden! Ls ist wahrscheinlich, dass, wen!! geeignet vorgcbildete Kaufieutc den Auslandsmarkt für Amerika studieren, sie auch wieder die amerikanische Industrie dahin beeinflussen werden, dass sie sieb dem Markte noch besser aupasst. Sie kann das nicht in dem Masse, wie die deutsche: aber sie kann cs doch »och mehr tun. als es jetzt geschieht. ־ ־ Die amerikanische Konkurrenz, würde nach diesen Darlegungen iiir unsere Industrie durch das verstärkte Eintreten des anpassungstähigen jüdischen Elementes also doppelt gefährlich werden!" Wie können der STAATS!iURI 1ERZ1 :G UN( 1 beipfliciiteii. dass den Amerikanern und ihrer Industrie die wertvollen jüdischen Volkskrüftc bereits jetzt vo» grossem Vorteil und Nutzen sind und dass dies i» progressivem Masse zunimmt. Die Politik der STAATSBURGERZEITUNG, des ihr gesj,uhungsverwaudten Polizeipräsidiums zwingen die russischen Juden zu der Wanderung über de See. wohin sie ausser ihrer Tüchtigkeit und Arbeitskraft auch die Erinnerung an das Land mituehnieu. in dem die STAATSBURGERZEITUNG und ihre Genossen eine Macht bedeuten. Von dieser Erinnerung hat das Deutschtum noch viel grösseren Schaden. Aber was geht das die St.-B.-Z. an. wenn ihr Geschäft geht. Zigarettensteuer und Judenelend Aus Kairo. 6. April, wird der WELT geschrieben: Aus Siidrusslaiid kamen, vertrieben durch die entsetzlichen Verhältnisse im Reiche des Zaren, zahlreiche jüdische Emigranten nach dem Orient, namentlich nach Acgvptcn. Viele von ihnen fanden als Zigarettenarbeiter in den Zigarettenfabriken Kairos Beschäftigung. Infolge der drohenden Gefahr der Einiiihruug der Zigarettcnskuer in Deutschland und des damit verbundenen Ausfalls au Absatzgclegenheiten haben viele Fabrikcu ihre Tätigkeil eingeschränkt oder eingestellt, so dass Hunderte v o!1 j fi d i s c h e 11 Arbeitern b r o 11 o s g eworden sind. Die Fabrik Engel und die von Laurent habe» je!011 Arbeiter entlassen. Von den weltbekannten Firmen haben Dimitrino & Co. ilire Arbeiten zeitweilig eiligestellt. Hiervon sind ISO Arbeiter betroffen wurden. Die Firma Kvriaz.i fröres hat sogar .101» Arbeiter entlassen müssen. Nur die Firma Dimitrino & Co. arbeitet jetzt wieder, aber nur mit beschränkter Arbeikrzahl. Die anderen müssen neue Exportgebiete suchen. Die brotlos gewordenen jüdischen Arbeiter sehen‘ einer schweren Zukunft entgegen. Judenverfolgung in Marokko Madrid, 10. April. Am letzten Samstag verbrannte in Tetuan (Marokko) eine durch den Gottesdienst fanatisierte Menge in der Franziskanerkirche eine Judasfigur, drang dann in die Synagoge ein und zerstörte die Kultushiicher. Der Exminister Viltanucva. der auf einer Studienreise in Tetuan anwesend war. und der spanische Konsul nahmen die Beschwer• den des Rabbiners entgegen. Der HF.RAI.DO forderte Auf-

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