Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 240 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 17 klärung des Vorfalls, der geeignet sei. die Initiatiye der Konferenz zu, beeinträchtigen. Bezeiclinenderwcise ging der F.v zess’von"Christen aus. die mit Recht in der Algeciras-Konferenz, das Hindringen christlich-europäischen Geistes in Atarckko erblicken. Die Resolution, die die Konferenz auf Anregung des..Hilfsvcreins" (?) auf dem Pariere gefasst hat. wird ia doch auf dem Papiere bleiben. Vielleicht aber wird die Alliance, wenn auch wenig. durch ihre Fürsprache bei der französischen Regierung erreichen, zum Schutze der marokkanischcn .luden. Im übrigen beruhen die .Mitteilungen anderer Blätter, wonach die Alliance Jsraclite gelegentlich der Algeciraskonferenz nicht für die marokkanischen Juden cingetreten sei, auf einer völligen Unkenntnis der wirklichen Schlage. *יייי Allerlei Ein ״Yiddisches“ Theater in London London. Schon lange trug man sich mit dem Plane, ein ..Tiddisches" Theater, wie es sich in Amerika vielfach so grosser Beliebtheit erfreut, in London zu gründen. Nun ist das ״Pavillon-Thcatrc" zu einer solchen Kunststättc unigewandelt worden. Das erste Stück, das dargestellt wurde und einen ausserordentlichen Beifall fand, hiess ..Hannete. die Schneiderin" und war von S. Fe in mann. Fs ist die rührende Geschichte von der geheimen Fhe eines «,eichen Bankiersolmes mit der Tochter eines armen jüdischen Händlers. Die Musik im Alten Testament Über dieses Thema hielt Universitätspröicssor Doktor Cornill im Kindergartenverein zu Breslau einen fesselnden Vortrag. Fr zeigte, dass das Volk Israel unter allen Völkern des Altertums der A'msik am meisten huldigte, sie im hausliehen und öffentlichen Lehen liebte und pflegte und kein Fest, keine Königskrönung, keine Hochzeit, kein Ciastmahi ohne Musik ieicrtc. Musik an der Bahre, Musik heim Auszug und hei der Heimkehr der Krieger, Musik vor allem beim Gottesdienst!! Aus den Psalmen erhalten wir Kunde von den Musikinstrumenten in Altisrael. Man liebte heitere Töne und schönen Rhythmus . Der Redner wies aut Jubal. den Stammvater der Tonkünstler und den Erfinder der Musik, hin. von dem im ersten Buche Moses erzählt wird. Zu Davids Zeiten gab cs schon berufsmässige Sänger und Sängerinnen. Der jüdische Volksmund benützte musikalische Ausdrücke auch für seine sprichwörtlichen Redensarten. Wenn er sagte, jemand sei zum Saitensplcl geworden, so hiess das: dieser jemand sei ins Gerede gekommen — cs werde über ihn gcklascht. Nachdem der Vortragende die Musik im Tempel geschildert und einen Abstecher in das Gebiet der assyrischen Musik gemacht hatte, wandte er sich den Musikinstrumenten des alten Volkes der Juden zu. Die ältesten seien die Schlaginstrumente gewesen; ihnen seien die Blasinstrumente und die Saiteninstrumente gefolgt. Unter Hinweis auf alle die Stellen der Schrift, die uns Kunde gehen von dem musikalischen Leben jenes bedeutsamen Volkes, plauderte er interessant über die einzelnen Instrumente - - die Pauke, die Sistra, dem Schellenbaum, den Triangel, die Spitzliarfc. die Zither, die Harfe Davids, über ein Blas- Instrument, das Luther in seiner Übersetzung als Pfeife bczeichnet habe .das aber wohl eine Schalmei gewesen sei. über die Flöte tisw. — und gleichzeitig flocht er iu seine Darlcgungen recht anschauliche Schilderungen des damaligen Volkslebens und der grossen Tempclfcsie. Die Tempelmusik — so schloss er — sei längst verstummt: doch nicht umsost habe sic getönt. Durch den Tcmpclgcsang scic״ die Psalmen entstanden und in ihnen lebe die fromme Musik Alt-Israels xveiter — In ihnen werde sie für immer fortlebcn. Ein neues Buch Die sozialen Verhältnisse der Juden In Russland. Im Auftrage des Zionistischen Aktions-Komitees bearbeitet vom Bureau für Statistik der Juden in Bcrlin-Halcuscc. Jüdischer Verlag, Charlottenburg 1906. Preis 2 Alk. Unter obigem Titel ist eine zeitgemässc und für alle die ienigen, die der Lage der Juden in Russland Interesse ent gegenbringen, sehr erwünschte Arbeit erschienen. Das Bureau für die Statistik der Juden hat. vom Zionistischen Aktions- Komitee beauftragt, auf Grund des jüngst vom russischen statistischen Zentralamte veröffentlichten Alaterials die Vcrhältnisse der russischen Juden in eingehender, wissenschaftlich exakter, dabei aber auch klarer und übersichtlicher Weise allscitig beleuchtet, dadurch ist zum ersten Mal eine ausführliche, auf zuverlässige Quellen beruhende Darstellung der sozialen Struktur der jüdischen Bevölkerung in Russland geliefert. Das erk der J.C.A. erfüllt diesen Zweck insofern nicht, als ihr eine private, nur auf manche Gebiete des russischen An- ' sicdlungsrayons sich erstreckende und fast ausschliesslich die ökonomischen Verhältnisse behandelnde Originalerhebiing zui gründe lag. Ausserdem ist dieses Werk in russischer Sprache erschienen mul daher für die westeuropäischen Leser utrzugänglich. Dagegen behandelt die Arbeit des Bureaus für Statistik der Juden in 12 Kapiteln folgende Punkte: Konfession und Nationalitäten im russischen Reiche, örtliche Verteilung und Dichtigkeit, die Auswanderung. Verteilung auf Stadt und Land. Gebieten. Fhesehlicssungeii und Sterbefälle. Geschlechts- •Verhältnisse, Altersgliederung und Familienstand, die Sprache. I Elementar- und höhere Bildung. Berufsverhältnisse, korper- I liehe Gebrechen und Geisteskrankheit. Die Arbeit gewinnt | dadurch an Bedeutung, dass zum Vergleich mit den jüdischen I auch die Verhältnisse bei den niehtjüdischen Konfessionen und j Nationalitäten in Russland heraiigezogen sind. Gerade jetzt 1 war die Erforschung der grundlegenden Tatsachen von ganz I besonderer Wichtigkeit, da mau. ohne sie zu kennen, kaum j eine richtige Antwort auf die brennende Judenfrage daselbst l finden kann. In der nächsten Nummer unseres L1TFRATURULATTFS erfolgt eine ausführliche sachliche Besprechung der hochwichtigen Schrift. Kleine Mitteilungen Jubiläum eines hebräischen Gelahrten Unser Gesinnungsgenosse, Herr Dr. Moritz Cliaimzer, literarischer Direktor und Prokurist der Ofiizin W. Drugulin in Leipzig, feierte am 12. April sein 25jiihriges Geschäftsjubik'ium. Den Weltruf. den diese• Firma auf den! Gebiete des orientalischen Druckes iu den letzten Dezennien erlangt hat. verdankt sic unbestritten der stillen Mitarbeit des nnspruclislosen, bescheidenen Gelehrten. Unter dem zahlreichen ^clirifteil, um deren Förderung bezw. Neuschaffung der Jubilar hervorragende Verdienste sicli erworben hat. seien hier mir einige der uns Juden an! meisten interessierenden erwähnt: Fine schöne hebräische Qiiadratschrif; mit angegossener Vokalpunktatioii. eine •monumentale halbrabbinische. _ derjenigen des Arztes Abraham Conat (zweite Hälfte des 15. Jahrhiniderts) iiachgebildet und die berühmten nesturianischeii i-chriftcn. Fine besondere Auszeichnung wurde dem Jubilar zu ’l ei! durch ein Anerkciiuungs- und Glückwunschschreiben der Kgl. Sächsischen Kreisliauptmanuscliaft. Jüdische Weber gesucht Dem 1SRAELITISCHFNN GFMFINDFBLAT i F in Köln ging von Herr Rabbiner Dr. Frank das nachstehende Schreiben zu: A u i f o r d c r u 11 g. Ich erhielt in den letzten Tagen von der Verwaltung einer Spinnerei bei Köln ein Schreiben folgenden Inhalts: «In unserem Betriebe beschäftigen wir seit einiger Zeit nichrcre Weber jüdischer Konfession, welche infolge der U11ruhen aus Russland ausgewaiulert sind und gestatten uns die höfliche־ Anfrage, ob Sie veranlassen können, dass uns seitens des Hilfskomitees noch 10 bis 15 dieser Leute zugetührt werden. Eventuell wäre es uns auch angenehm, wenn Sie die Adresse namhaft machen würden, an welche wir uns dieserhalb wenden könnten. Wir haben mit diesen Webern gute Erfahrungen gemacht, und verdienen dieselben täglich •I Mark und mehr usw." Ich erkläre mich bereit, jüdischen Webern nähere Auskünfte ״/־ erteilen. Köln, 12. April 1906. Rabbiner Dr. Frank. Es gibt in Preussen eine Behörde, die solche Leute aus- Nveiscn würde, da sic der Wohltätigkeit usw. zur Last fallen oder aus ähnlichen Gründen. I Berlin. Seitens der jüdischen Gemeinde smd Kurse eiligerichtet worden, die bezwecken, Scmiiiaristinnen Gelegenheit zu bieten, sich auch in sämtlichen Fächern des jüdischen Religionsunterrichtes und in der A*»ctl10dik dieser Disziplin auszubildeu. Die Datier der Kurse, deren Besuch iinteiigeltlich ist. beträgt, entsprechend der flauer des Semiuarbesuchcs, bei vier Stunden wöchentlich drei Jahre. Am Ende der Ausbikhmgszeit soll eine Abschlussprüfung stattfindeii und über deren Frgebuis den Teilnehmerinnen ein Zeugnis ausgestellt werden. Der Besuch der Kurse ist auch geprüften l.ehrerinncn gestattet. Der Unterricht findet Montag und Donnerstag nachmittag statt. Leiter der Kurse ist der Rektor der .Mädchenschule der jüdischen Gemeinde Dr. Giitniaiin. Kaiserstr. 20',tn. der Anniclduugcu entgegennimmt 1111U zu jeder weiteren Auskunft he- I reit is*. 1 Mamburg. Am 19. Anril 1906 fand die Geueralvcrsamm- I lung der Palästina-Handelsgesellschaft statt. Einer der Haupt-