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Jüdische Rundschau · 1906-04-27 · Heft 17 (27.4.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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17 .»א JÜDISCHE R U N D S CH AU Seite 243 verstand von der SachlaRe sofort in Kenntnis. Er erhielt die Weisung. die Sache vorderhand auf sich beruhen zu lassen und den Kranken, sobald er wieder hei Bewusstsein ist, zu bcfraccn. ob er den Uebertritt wirklich wünschte. Allein auch jetzt licss die fanatische Erau niemanden ans Krankenbett herantreten. und als sie sah. dass alles, insbesondere die Verwandten und Ercundc ihres Mannes, ob ihres Vorgehens entnört wurden ־- cs ßab zwischen ihr und denselben furchtbare Auftritte — erklärte sie. ihren Mann ins Rote Kreuz-Spital überführen zu wollen. Die (N.B. jüdischen) Aerzte wollten dies unter Hinweis auf den immer gefährlicher werdenden Zustand des Kranken nicht zulassen, mussten aber angesichts des wütenden Oeberdens der Brau endlich doch ztißcben, nachdem dieselbe eine Erklärung aufsetzte, worin einzig und allein nur sic die Verantwortung für die Transferierung ihres Manncs übernahm. Einige Tage später starb der Maler im Roten Kreuz-Spital. ... . . ״ Aus dieser den Tatsachen vollständig entsprechenden Dar- Stellung ergibt sich also klar, dass von der Spitalsverwaltung dem Kranken nicht, wie gemeldet wurde, das Bett vor die Türe gesetzt wurde sondern dass von derselben die weitgehendste 1 oieranz geübt werden wollte, indem man sich angesichts der geschehenen perfiden Scclcnfängcrci ins Unvermeidliche fügen und bloss mit einem prinzipiellen Protest dagegen remonstrieren wollte, was mittlerweile auch geschehen ist. Sowohl der jüdische Oerueindevorstand als auch die Chewra-Kadischa, deren hingaben gegenwärtig dem Kultus- und Unterrichtsministerium 1 vorlicgcu. werden sich auch mit dem prinzipiellen Erfolg he- | gnügen und nicht auf der Exhumierung bestehen. Wir Juden ' wissen cs ja von jeher, dass die Hand eines aut sein knuom- | schcs Dogma pochenden Knplänclicns viel mächtiger ist als der ׳ Gesamtvorstand der grössten Judengemeinde auf dem Konti-; nente. selbst־ zu einer Zeit, wo fast gleichzeitig mit diesem Gewaltakt am majorem dei gloriam der Prinzipal dieses Kooperators durch Beihilfe jüdischer Stadtverordneter zum Pfarrer der angesehensten und fettesten Pfründe gewählt wurde. Lueger und Konsorten aber dürfen sich ins Fäustchen lachen, wenn sie daran denken, dass so was noch im XX. Jahrhundert in ..Judapest“. der Haupt- und Residenzstadt des von ihnen stets angegeiferten ״verjudeten“ Staates, Vorkommen kann. Russische Anleihe Herr Mendelssohn Ist der Erbe eines Namens, der ohne Willen und Wissen seines Trägers die Fahne der Anglciehung und Entjudung wurde. Herr Mendelssohn ist Christ — — nicht nur eilt Namenschrist, trotz seines jüdischen Namens, aber Herr Mendelssohn ist nach Petersburg gefahren, um mit der russischen Regierung, mit der Regierung des unmenschlichen Durnowo. des ränkespinnenden Witte, auf denen der Flucfi des Landes ruht, wegen der Anleihe zu unterhandeln. Alle russisehen liberalen Zeitungen, alle russischen Männer, in denen ein Fünkchen von Gewissen noch glimmt, haben gegen die abztischliesscndc Anleihe protestiert. Die mächtigste Partei im Lande, die Konstitutioaell-Demokraten. haben gedroht, eie Anleihe nach dem Zusammentritt der Duma nicht zu sanktionieren. Was kümmert das den christlichen Bankier mit dem jüdischen Namen Moses’ von Dessau? — Er weiss ja. dass Gott sei Dank noch Knuten und Geschütze und Kosakensäbel gibt, um eine widerspenstige Duma auseinanderzujagen. Und doch musste Herr Mendelssohn die russische Anleihe fallen lassen. Es war nicht seine Schuld. Es war ein Wink von oben, — aus Berlin. Dafür Kibt’s in Wien einen ungctaulten Juden, den Herrn T a u s s i g. •Wie schloss doch Maxim G o r k i j s Aufruf gegen die russische Anleihe: ״Begreifen wohl die Jüdischen Bankiers Europas, dass sic Russland Geld geben zur Organlsatlon von Judcnlictzcn?? Wenn sic cs begreifen, dann kommt Ihr Verbrechen nur ihrer Habsucht gleich, und die Geschichte wird Ihnen In der Zukunft die verdiente Vergeltung nicht schuldig bleiben.“ Diese reichen Juden Während sogar die Preussischc Regierung sich feierlich lossagt von dem blutbefleckten Russland und warnt, Geld in den alles verschlingenden Krater der Revolution zu werfen, während Gorky und alle hervorragenden Geister des Tyrannen- Staates mit flammenden Worten Europa und insbesondere die Juden beschwören, der russischen Mordherrscfiait kein Geld zu geben, das doch nur zur Volksuntcrdrückung und Juden- Verfolgung dient, muss der ehrliche Jude mit Macht seine Stimme zu feierlichem Einspruch gegen eine unglaubliche latsachc. gegen ein schweres Vergehen im. Judentum erheben, das seine״ aufrechten Stolz vor den Völkern vernichtet. Der Erzfeind der Juden, der fluchwürdige Mörder unserer Brüder, der das Kind Im Muttcrlcibe nicht schonte, der Juden zu Hirn* derttausenden hohniachcnd von den Trümmern ihres Besitzes trieb, hat um schnöden Vorteiles willen, che noch die Leichen unserer vielen hundert Märtyrer vom November ganz ver* modert waren, von Juden Geld bekommen, von Juden, weiche hohe Ehren unter uns gemessen. Eine Vereinigung österreichischcr Banken hat durch jüdische Vermittlung der russischen Regierung Geld geliehen. Hier müssen wir sagen: Gegen dieses Gesindel von reichen Leuten, die sich zu Mitschuldigen und Anstiftern russischer Mordbanden machen, die um des schnöden Mammons willens das Geld zu neuen Judenhetzen, zu neuer Unterdrückung hergeben, ist kein noch so scharfer Ausdruck scharf genug! Es ist nur der reine Vorteil — soweit Reinheit in Betracht kommt. — der die Handlungsweise der österreichischen jiidisehen Finanziers bestimmt hat. Unsere russischen Brüder können cs aui Heller und Pfennig berechnet bekommen, um welchen Preis man sic verraten hat. Die Judenhetzen der russischen Regierung haben ihre Geldverlegenheit mit herbeigeführt, denn die Organistatiou der schwarzen Hundertsschaiden macht nicht geringe Kosten. Vielleicht ist die Regierung den Bandcnnilirern noch Geld schuldig und wird jetzt ver* gniigt aus den Millionen bezahlen, welche ihr von Österreich!- sehen Juden gegen guten Nutzen zur Verfügung gestellt wurden. Von österreichischen Juden, welche in der jüdischen Ocffcntlichkcit eine grosse Rolle spielen. Wir machen gewiss keinen Unterschied zwischen den Juden verschiedener Länder. Aber wenn die österreichischen Juden z.ulasscn, dass diese Leute, die sich zu Helfershelfern und Anstiftern der Judenmordc in Russland machen, weiter jüdische Ehrenstellen inncliabcn. und diese dadurch beschmutzen, so fällt der Makel aui die österreichische Judenschaft als solche zurück. An den österreichischen Juden wäre es, zu beweisen, dass sic für Ehre und Recht, gegen Schande und Verrat solidarisch sind. Sic müssen durch Abwesenheit von der Zeichnung der Anleihe zeigen, dass sie ihre Ehre nicht um Prozente verkaufen. Den reichen Herren aber, die um materiellen Nutzen alles tun. gebührt noch ein Nebengewinn. Zu ihrem Bargeld möge ihnen der Zar die Photographien der getöteten jüdischen Sclbstwehr, der von Lanzen durchbohrten jüdischen Säuglinge, der geschändeten, erwürgten und aufgesclilitzten Weiber in kostbarem Rahmen schicken. Das sind die richtigen Ehrendipiomc für ihre Tat Die Stärkung der Reaktion durch die europäischen Finanzmänncr ist der schwerste Schlag für das jüdische Volk in Russland. Es wurde bekanntlich gerichtlich festgestellt, dass die russischen Mordbrenner, die Huligans, von der russischen Regierung fiir die Mordarbeit pro Tag bezahlt und mft dem nötigen Revolver ausgerüstet wurden: ferner, dass!11 einzelnen Städten, wie z. B. in Hornel auf hohen Befehl das russische Militär aktiv an den Judenmassakres teiigenommen hat. So-- bald die angcgrificucn Juden sich wirksam gegen die Mörder zur Wehre setzten, griff das Militär ein. cntwaffnctc die Juden, um den Mördern freie Bahn zu schaffen. In Nr. •17 von Dr. Blocli’s OESTERREICHISCHER WOCHENSCHRIFT vorigen Jahrganges wurde ein Brief aus Odessa abgedruckt, in weichem es wörtlich heisst: ״Ticitraurig fiir uns ist der Gedanke, dass die Waffen, die die russischen Soldaten gegen uns richten, zum grossen Teil von dem Oelde gekauft sind, das unsere jüdischen Glaubensgenossen im Westen dem russischen Staat vorstreckten. Mit diesem Gefdo wurden Mordbuben gegen uns gedungen, wurden die Revolver und die Patronen bezahlt, die man Ihnen fiir das grossen Schlachten geliefert. Die europäischen Finanzrminncr sind so Mithelfer dieser Bluttaten gewesen. Sagen Sic cs ihnen!“ In der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kuitusgemeinde vom 15. November v. J. wurde nadistchcr.dc Resolution einstimmig zum Beschlüsse erhoben: ״vYir v trimer aer wiener Juücnscnatt haben uns heute versammelt, um im Namen derselben öffentlich Ausdruck zu geben der aus tiefstem Herzen quellenden Empörung über die Duldung jener erschütternden Vorgänge in Russland, welche gegenwärtig die ganze zivilisierte Weit mit Schrecken und Entsetzen crtüllen. Nicht mit jenen wollen wir rechten, weid e m tierischer Verkommenheit ihrem Bhitdurstc und ihrer Raubsucht fröhnen; unsere Anklage gilt vielmehr jene״ Faktoren weiche durch skrupellose Aufwiihlung der Volksleidenschafen! durch unerhörte Nachgiebigkeit gegenüber dem Terrorismus fanatisiörter Banden an entsetzlichen Orcueitaten sich mitschuldig gemacht und siel! als die intellektuellen Urheber furchtbarer Schanutatcn mit unausrottbarer Schmach beladen haben. In unsagbarem Schmerze um die hingexvordeten Mär-

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