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Jüdische Rundschau · 1906-04-27 · Heft 17 (27.4.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 17 (27.4.1906)
Date
1906-04-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 242 No. 17 halieii ich mir zur Ehre aurcchne. ist. bewiesen zu haben, dass derartige Anschauungen irrig sind. Dazu hatte ich üus Recht. Ich habe gesagt, dass die Lage, welche die russischen Juden, besonders das jüdische »Proletariat, das unglücklichste albr Proletariate. erleidet, ungerecht ist; ich habe das tapfere hingreifen der amerikanischen Diplomatie in die russischen Augeleeenheiteu nach den Scheussliclikciten von Kischincw gerechtfertigt; teil habe auch gesagt, dass Frankreich nicht durch un* bedachtsame Anleihen eine (lewalt befestigen sollte, deren Zeit vorbei ist. Diese Gedanken haben beunruhigend geschienen. *. . . . Möchte:! die Gepflogenheiten des aticien regimc. das in J Frankreich tot und in Russland im Sterben ist, nicht in der Pariser Reclitsfakultüt fortleben." Ls bleibt abzuwarten, ob der Unterrichtsminister sich veranlasst sehen wird, den Fakultätsbeschluss aufzuheben, wie es sein Recht ist. Inzwischen zeigt der Fall des Herrn Leon Allemand. dass der Zarismus und seine Rcgierungsmethodcn, die Judenmetzcleien inbegriffen, wenn sic in Russland sclc.st dem Zorn des wacligeriittelteii Volkes erlegen sind. Immer noch eine Verteidigerin haben werden: die Rechtsiakultat von Paris. Assimilanten und Zionisten in Galizien Lemberg. Line Anzahl Notabein der jüdischen Gesell־ schau in Galizien, jüdische Reichsrats־ und Landtagsabgeordnetc sowie andere hervorragende Männer des Judentums er• Hessen soeben einen feurigen Aufruf, in welchen sie Ver- Währung gegen die Scparativhestrebuugen der Zionisten einlegen und ihnen den Kampf ankündigen. Die Verfasser des Aufrufes geben der Überzeugung Aus• druck, dass die Zionisten nur einen verschwindend kleinen Teil der jüdischen Gesellschaft Galiziens ausmachen. Die überwältigende Mehrheit aber wolle von eine! eigenen jüdischen Autonomie nichts wissen, sondern will mit der polnischen Nation durch dick und diimi gehen, nur wäre sie nicht so organisiert wie die Zionisten und betreibe nicht eine marktschreicrische Agitation. Jetzt wollen aber die polnisch gesinnten Juden einen rücksichtslosen Kamm' gegen die Zionisten eröffnen und fordern die politische Gesellschaft aus. ihre Assimilationsbestrelnmgeii dadurch zu unterstützen, dass die Christen tnassenhait zum /iidischcn Bernhard Goidmannschen Volksschulverciiie als Mitglieder beitreteu. weil dieser Verein eben die Assimilation der Juden mit den Polen propagiert. Nebbich!-Nebbich! Eine Bekehrungsgeschichte In Ofen-Pest macht derzeit eine Taufuffairc kolossales Aufsehen, von der die RUNDSCHAU bereits berichtete. Nichtjüdische Blätter und nach ihnen auch jüdische berichten darüber folgende entstellte und unwahre Geschichte: Der Maler Alexander Bihari, von dem einige schotte Bilder: ״Der Dortlump“, ״Die Progratumrede". ״Vor dem Richter" u. a. auch weiter bekannt geworden sind, war Jude. Fr hatte eine Malschule und heiratete eine seiner Schülerinnen, eine Katholikin. Lr blieb Jude, sic Christin. Da wurde et krank. Und er bat um Aufnahme in das Pester Spital der jüdischen Kultusgemeinde. Während seiner Krankheit aber nahm seine Lrau die Bekehrungsversuche auf. sie wollte ihren jüdischen Mann katholisch machen. Lr sträubte sich lange, wurde aber doch mürbe. Die jüdische Spitalsvcrwaltung widersetzte sich dem offene•« Verlangen der Frau, ihren Maut, taufen zu lassen. Im jüdischen Spitale dürfe das nicht gcschehen. Da verbündete sielt die Frau mit einem eifervollen katholischen Geistlichen und dieser kam verkeidet. d. 11. in' Zivil zu dem Kranken und taufte ihn. ' Dieses Vorgehen rief in den Kreisen der Soitalsförderer eine derartige Entrüstung hervor, dass dem Kranken das Bett vor die Tür gesetzt wurde. Lr wurde in das Rote Kreuz-Spital gebrach; und dort starb er. Die Ausweisung war keinesfalls angebracht, doch möchten wir sehen, was für ein Lärm geschlagen würde, wenn das Gegenteil geschähe. Sagen wir. wenn im Kloster der Barmherzigen Brüder ein christlicher Mann von einem verkleideten Rabbiner zum Judentum bekehrt würde. Als Bihari tot war. begann der Streit tim seine Leiche. Die jüdischen Behörden sagten: das Gesetz sei nicht befolgt worden. Bihari sei als Jude gestorben. Niemals habe er seinen Willen kundgegeben, aus der mosaischen Religionsgemeinschaft auszuscheiden, seine Taute sei ungültig. Und der stell vertretende Bürgermeister von Ofen-Pest. Herr Julius Roszavölgyi. neigte dieser Ansicht zu. Lr trug der Witwe auf. durch einen Martikelauszug zu beweisen, dass ihr Mann Katholik geworden sei. Da ihr dies aber nicht möglich wäre, müsse sie sich darein finden, dass ihr Manu einstweilen auf dem jüdischen f riedliof beigesetzt werde. Lr könne ja noch immer exhumiert f werden, wenn sie ihren Piozess in dieser Sache gewonnen habe. Die Saclte bat aber eine ganz unerwartete Waldung genommen. Der städtische Magistrat von Ofen-Pest schloss sich dem Urteil des Bürgermeisters nicht an. Lr erklärte sich für inkompetent in dieser Angelegenheit und sagte: cs sei das unantastbare Recht der Familie, einen Toten aus ihrem Kreise so beerdigen zu lassen, wie sie es für richtig halte. Da der in seiner schweren Krankheit getaufte Maler Bihari überdies in einem katholischen Spitale gestorben sei. so fehle dem Magistrat jede Macht, die Leiche von dort zu holen und sie dem jüdischen Vereine auszulicfern. Der Tote müsse also jetzt nach den Anordnungen der Witwe, das heisst, nach römsicli-kathoiischem Ritus begraben werden. Und so geschab cs. Die jüdische Kultusgcmeindc. die Chewra-Kadischn und andere jüdische Körperschaften in Ofen-Pest gaben einen!Totest zu Protokoll und erklärten, den Prozess um die Leiche des Malers Bihari, der als Jude gestorben sei. in allen Instanzen zu führen. So weit die deutschen und deutsch sein wollenden jüdischen Zeitungen, besonders in Wien. Ueber diese laufe des jüdischen Malers Alexander Bihari werden jetzt im FGYLNLOLSLG Mitteilungen gemacht, die den katholischen Glaiibcnscifcr in noch viel drastischerem Licht zeigen. Wer sie liest, wird begreifen lernen, wie sehr die Propaganda der Missionare in China und anderen Ländern einzig mul allein Schuld ist an den Mordtaten und blutigen Kriegen. derui Zeugen wir waren und noch sind. Das ungarische Blatt berichtet: Alexander Bihari. einer unserer bedeutendsten Maler, licss sich vor ungefähr zwei Jahren in seinem 50. Lebensjahre mit einer Szoluoker Christliehen Lehrerin, einem?!jährigen Mädchen, zivilrechtlich trauen. Der Lite entsprossen zwei Mädchen. Während der ganzen Zeit ihres ehelichen Lebens konnte es die l rau tiiclit durchsetzen, dass sich Maler Bihari. der seinem väterlichen Glauben treu anhing, taufen lasse, ja. er erklärte seinen jiidisehen Intimen öfter, dass er trotz seiner Mischehe ein guter Jude bleibe und seinen eventuellen Sohn Jude werden lassen wolle. Vor einigen Monaten wurde Bihari krank um! als sich sein Zustand vor einigen Wochen verschlimmerte, licss er sich im jüdischen Spital aufnehmen. Lr scheint absichtlich ins j ii d isehe Spital gegangen zu sein, da er einem Freunde damals sagte: er wisse wohl, dass dies sein letzter Gang sei. Im י Spital erhielt er in einem separaten Zimmer die sorgsamste Pflege. Seine Frau, die ihn dahin begleitete, setzte ihre Bckehrmigsversuchc auch dort fort, und als der Zustand ihres Mannes sich immer mehr verschlimmerte und der Patient zeitxveilig bewusstlos wurde, stellte Frau Bihari an den Spitals- Verwalter die Frage, was man dazu sagen würde, wenn man ihren Mann, der Christ zu werden verlange, im Spital taufen würde. Hierauf wurde ihr bemerkt, dass man. obwohl mau christliche Sterbeskranke selbst ohne verwandtschaftliche Aufforderung bereitwilligst mit den Sakramenten versehen lasse, in diesem Falle das Ansinnen zuriiekweisen müsse, da Bihari als Jude a ti f g c 11 o 111 tu e n wurde; falls er selbst seinen L’cbertritt wünsche, so möge er dies vor Zeugen erklären, worauf man seiner Taufe ausserhalb des Spitals kein Hin* dernis in den Weg legen werde. Von dieser Stunde an licss die um das Seelenheil ihres .Mannes so sehr bekümmerte Frau niemanden mehr zum Bette desselben treten und gebordete sich jedesmal wie rasend, so jüdische Verwandte oder Freunde den Kranken in liebten Mnmenten fragen wollten, ob er wirklich wünsche, Christ zu werden. Tags darauf entfernte sich Frau B. — an ihrer statt blieb ihre Mutter bei dem Kranken — - und kam Bald darauf in Bcgleittmg dreier Herren in Zivilkleidung, von denen einer eine Handtasche trug, zurück. Zwei der Herren. Künstlerfreundc des Kranken, blieben vor der Tiirc des Krankenzimmers stehen, während die Frau mit dein das Täschchen tragenden Herrn, einem Kanlaii des V. Bezirkes, aber ohne irgend ein geistliches Abzeichen, zutn Kranken liiuciugiiig. der um diese Zeit, nach Aussage der Wärterin, noch immer bewusstlos war. Was mm am KiuukeubeUe vwgmg. lässt sich nur. da die Wärterin hinausgeschickt wurde, ans folgendem wissen: Der Geistliche trat nach kurzer Zeit im Ornate heraus und erklärte den mitgebrachten und vor der Tiirc harrenden Zeugen, dass Bihari die Taufe bekomme:«, und bat sic. die dem Gesetze entsprechend auszustcllcnde Erklärung zu unterschreiben, was aber die Herren zurück wiesen, da sie bei dem Taufakte nicht zugegen waren und auch Biharis Erklärung nicht vernommen haben. Der Soitalsvcrwalter. der dann von Frau B. von dem Geschehenen in Kenntnis gesetzt wurde, machte derselben ob ״nies sonderbaren Vorgehens Vorwürfe und setzte■ den. Spitals-

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