Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 238 JÜDISCHE RUNDSCHAü N׳*. I? sicli unsere armen Glaubensgenossen nicht aus dem jüdischen Stadtteil da sie inmitMbefürchten, sic könnten misshandelt werden. Hier folst andererseits ein Bericht über die Hetzereien, denen die Juden in Golpaygan, unweit von Hamadan atisgcsetzt sind: Die Laue der Gemeinde Golpaygan, die stets eine be sonders missliche war, hat sich in letzterer Zeit noch verschlinnncrt. Hier sind die Priester allmächtig. Die Behörden stehen unter ihrer Gewalt und dürfen nur dann ihres Amtes walten, wenn sie sich in die Umtriebe der Priester fügen und ihnen zur Seite stehen. Sobald sic aber in Ungnade fallen, werden sie entsetzt. Da die Priester unverletzlich sind, so treiben sic ungestört ihr Wesen fort, und unsere unglücklichen Glaubensgenossen sind ihrer Willkür preisgegeben. Besonders unheilvoll sind die hier zwangsweise vot kommenden Bekehrungen, deren Polgen sich für die Familie* der Bekehrten als höchst verhängnisvoll erweisen. Da Golpaygan weit von jeder Verbindung mit der Regierung liegt, so können die Juden gegen die Unterdrückung, der sie preisgegeben sind, keine Beschwerde führen. Noch vor einigen Tagen flehten mich zwei dortige Juden wegen einer von einem Priester an ihnen verübten Gewalttat um Hilfe an. Vor 6 Monaten hatte sich nämlich eine Jüdin zum Islam bekehrt: durch Vermittelung eines Priesters verlangte sic die Auszahlung der Erbschaft eines verstorbenen Onkels. Durch beständige Drohungen will der Priester die beim Judentum verbliebenen Geschwister dazu veranlasse. auf ihr Erbteil zu Gunsten der Abtrünnigen zu .verzichten. Zwei von ihnen, auf die ich oben hinwies, denen cs gelang, zu entfliehen, erzählen mir. wie ihre Brüder eingesperrt lind ausgeplündert, wie ihre Schwestern gequält und geschändet worden waren. Dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre ist nicht zu erhoffen, da die Priester nach Belieben schalten und weiten. Ich habe an den Minister des Äusseren ein Gesuch gerichtet und ihn darum gebeten, den Juden, die gleich den Muselmännern, sich als treue Untertanen des Schahs erweisen, seinen Schutz angedeihen zu lassen und den betreffenden Klagefuhrcrii zu ihrem Rechte zu verhelfen. — — Persien ist eben das europäischste Land unter allen islamisehen Staaten. Juden in Yemen Dem Bericht des Herrn Somckh, Direktors der Allianceschule in Kairo über die Juden in Yemen entnehmen wir folgende Stellen: Die Juden bildeten vor Jahrhunderten in Yemen eine zahlreiche und blühende Kolonie. Die Zeit ihrer Niederlassung lässt sich niclst genau feststellen, doch sind sie höchstwahrschcinlich seit über 25 Jahrhunderten dort ansässig. Mit dem Triumph des Islam begann für sic eine Acra der Verfolgungen. Es wurden ihnen allerlei Hemmnisse in de:* Weg gelegt, sic mussten sich allerlei beschämende Plackereien gefallen lassen .und trotz der türkischen Herrschaft wurde dieser Sonderstellung bis auf den heutigen Tag kein finde bereite!. Immer noch müssen die Juden Sanaäs in einem abgesonderten und entlegenen Stadtteil zusammengepfercht leben. Die Eingeborenen bekennen sich zur schulischen Sekte Alis. Sowie die Perser betrachten sie den Juden als ein minderwertiges, jedes Erbarmens unwürdiges Wesen. Sic behandeln ihn daher mit einer unbeschreiblichen Grausamkeit. Darum war die türkische Herrschaft unseren Ulaubensgcnossen willkommen. Dass es aber trotzdem den Aufständen, die seit 2 Jahren das Land verheeren, bis jetzt nicht möglich war ein Ende zu machen, ist ein Beweis dafür, dass diese Herrschaft bisher keine tiefe Wurzel zu schlaget» vermochte und dass sich hundertjährige Sitten der Roheit t;1!d Barbarei nicht so leicht abschaffen lassen. Im Interesse der Kultur und der Menschheit, deren die Türken in diesen entfernten Gegenden die einzigen Träger sind, ist es daher wünschenswert, dass sie bald den Sieg davontragen. Sollten sie!» aber die Inländer fernerhin als die Machthaber des Landes behaupten, so würdet! die Plackereien unter denen die .luden zu leiden haben und die von den türkischen Behörden abgeschabt zu werden im Begriffe stehen, wiederum in Gang kommen. Mit der Wiederherstellung des Imanats von Sana.‘» hegannen nämlich die Hetzereien gegen unsere Glaubensgenossen von neuem. Wiederum wird ihnen in Anwesenheit eines Muselmannes das Tragen einer besonderen Kleidung autcrlegl, ferner müssen sie sich in allerlei Demütigungen fügen und eine liesondere Steuer entrichten. Es ist unter solchen Umständen leicht begreiflich, dass die Juden den Eriolg de! türkischen Truppen sehnlich wünschen und dass sie jeder Fortschritt der Rebellen in Verzweiflung bringt. Dies vorargen ihnen die Araber umsomehr, als sie von «Jen Türken unterjocht zu werden befürchten. Ferner stellen Araber und Türken nicht nur in Hinsicht auf die Sitten und Kultur einander fremd gegenüber; auch auf dem religiösen Gebiete sind sie von einander getrennt. Der Jude, der selbst schwach und geknechtet ist. muss also inmitten dieser beiden unvetsöhnlichcn Elemente sein, kümmerliches Dasein nisten, ohne jeden Ratgeber, der ihm aus seiner Not hcraushili'i; vermag er ja, da er auf . sehr niedriger Kulturstufe stellt, der ihm drohenden Gefahr nicht vorzubeugen. Eine nur annähernde Schätzung der jüdischen Bevölkerung lässt sich schwerlich vornehmen. Die Angaben der Inländer, die einander widerspreche•:!, dürften als sehr übertrieben gelten. Man darf aber annclimen, dass Juden überall im Lande, ahgesehen von der Küsteuregion, in kleineren oder grosseren Gruppen versammelt, leben. In Hodcidah befindet sich keilt einziger Jude, und in Mokka, wo im vorigen Jahrhundert eine bedeutende Gemeinde blühte, sind nur noch vereinzelte Familien zu finden, die um eine zertrümmerte Synagoge lagern. Im vorigen Bericht wurden zwei Tabellen •der jüdischen Bevölkerung in Yemen veröffentlicht, erste re gibt 15 051' Seelen, die zweite *13 350 an. Die erste Tabelle dürfte als uiivollkommen betrachtet werden, da manche von Juden bewohnte Ortschaft darin ausgeblieben ist. Dagegen halte ich die Ziffer von 35 000, die als Durchschnittszahl angegeben wurde, für zuverlässiger. Der grösste Teil der Juden lebt in Satiaä. Ihre Zahl soll 20000 betragen, andere behaupten sogar du CHX'. Diesen Schätzungen könnte darum Glauben beigemesseu werden, weil es in Sauna 20 grosse Synagogen geben soll, von denen •I insgesamt £000 Personen fassen können. Leider ninum die Bevölkerung infolge des Krieges und der Hungersnot taglicli ab und die dadurch gerissenen Lücken wurden durch einen Mehrbetrag von Geburten nicht gefüllt. nicht lange wahrte! Sei gegriisst von Herzen, Herr, sei gegriisst!“ Und die Baume und Sträucher, alle, alle freuten sich, dass er wicdcrgekchrt sei und sagten: ״Sei uns gegriisst, Herr, sei uns gegriisst!“ Vor ihm stand, bedeckt die mächtigen Schultern mit langen weissen Silberlocken der Prophet Elijiahu, und sein langer weisser Bart wallte ihm bis über die Knice. Sein Feuerblick ruhte auf Ben-Jekutiel, als er ihn in mildem Tone fragte: ״So schnell schon zurück? Das hatte ich selbst freilich nicht geglaubt! Was hast du denn gesehen, gib mir Kunde davon, damit auch ich es weiss. Hast du gesehen, dass das Volk Israel in irgend einer grossen Schlacht oder in irgend einem grossen Kriege besiegt worden? Sprich, ist nicht irgend das der (}rund deiner so schnellen Rückkehr und deiner Traurigkeit?“ *O edler Prophet Elijjahu, du Fürst des Volkes Isracls, o, wenn es doch mir dies gewesen wäre, aber, was ich gesehen habe—dagegen wäre das, was du sagst, noch als ein Glück anzuschcn. Zerstreut und verfolgt wnndert mein, unser unglückliches Volk von einem La•!(! zum anderen. Und was das Schlimmste ist, cs glaubt nicht, dass cs leidet, und blutet doch aus tausend Wunden. Ja, es will nicht, dass man ihm hilft; cs hält sein Leiden für ein göttliches Werk zum Segen iiir die Völker Und doch ist es durch seine Zerstreuung der Fluch für sich selbst und für die anderen. O! warum muss gerade mein Volk so unglücklich werden, mein Volk, das es doch wahrlich nicht verdient hat? Und ich, Tor, habe den König Jannai geschmält, und doch ist seine Zeit die Zeit des Glückes gegen diesen Jammer und dieses Elend. O,. . . dass doch König Jannai lause leben möge!“ ״Und was gedenkst du nun zu tun?“ ״Was soll ich beginnen? O Prophet Elijjahu, ich werde nie mehr ruhig, nie mehr glücklich sein, seitde:!! ich gesehen habe, wie unglücklich mein Volk zugrunde