Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1906)
- Date
- 1906-04-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 2M) J 0 Dl SC HK RUNDSCHAI־ No. 17 jüdischen Geldgebern zuliebe «Jen schönsten russischen Osterspass auf eine andere. gelegenere /ücit verschiebt. Freilich ist für andere Leute, die kein baarcs luteresse an der Gründung der russischen Schw indeliinanzcn haben, das ruhig verlaufene Osterfest nur ein Beweis dafür, dass die russische Regierung sein* wohl in der tage war. die Judenkrawalle vom November 1905 zu verhindern, w e 11 ח sie es nur gesollt h fi 11 c. Aber sie konnte sie gar nicht verhindern wollen, denn das hätte ja geheissen, dass sie ihr eigenstes Werk verhindert hätte. Oie jetzige russische Regierung is* die AiistÜterin und Leiterin der Mordtaten vom Noveiubcr gewesen, und wer ihr (ield gibt, der macht sich zum Mitschuldigen gegen die russischen Biirgcrparleien und vor allem gegen die Jude n. Pas ist jedem klar, der nicht übermässig dumm ist. Aber grade au übermässiger nummheit haben die Juden doch wahrlieh nicht gelitten, die cs zu solchem Vermögen brachten, dass.die russische Regierung sich an sie für die Lanzierung der Anleihe wendet. Wenn sie aber nicht übermässig dumm sind, wenn sie sogar klug und gerissen sind, wenn sie einen Hinblick haben in die Verhältnisse des Landes, mit dem־ sie so grosse und nach ihrer Meinung einträg• liehe Geschäfte machen wollen, so müssen sie es verstehen, dass sie mit dem Blute der ermordeten Stammesgenossen wuchern, die den Hass ernten, den s i e gesät haben. Pas Geld, das sie den russischen Gewalthabern um der Zinsen und des Linissionsgcw instes willen zuschanzen, verwandelt sich in Mordwaffen, die sich gegen-unschuldige Juden, gegen schwache Weiber, gegen wehrlose Kinder richten׳. Aber diese reichen Juden wissen nichts von einer Vergeltung; denn sie sind freisinnig und glauben nur an e i 11 e Macht, an die des Geldes. Sie sind hervorragende Rechenmeister. Aber sie könnten sich verrechnen. Penn sie veranschlagen die Wut eines unglücklichen, durch sie verratenen und au die Mordscharen verkauften Volkes 7,11 gering Sie könnten denselben ialschen Calcti! machen, der einen Plehwe verdorben hat. Aber sie glauben nur an das Geld, ebenso wie der russische Finanzminister das Geld auch ans Jndcnhänden nimmt, ohne Bedenken: denn Judcngeld ist zu Waffen zum Judemuord genau ebenso gut wie anderes Geld, (}egen diese Logik ist nichts zu machen. Pie österreichischen Juden aber, in deren Mitte der ungeheure Frevel geschieht, sie, an deren Namen der Schimpf haften bleibt, den Judenmörderii die Waffen gegeben zu haben, sie sollten in einer Weise dies e Herren reichen Juden von sich abschütteln, die das Scliandwerk unternommen haben, dass sie nicht zum zweiten Male danach gelüstet, um das Goldene Kalb zu tanzen, das Herr von Witte für sie gegossen hat. Pas Volk trägt die Leiden iür die Sünden derer, die tun das Goldene Kalb tanzen. Aber so heisst es in der Geschichte vom Goldenen Kalbe: 'טי אער חטא־־לי אטהגו טכפי J c 11 u d a L w (י w s k i. y Ein Abend bei den Deutsch-Nationalen Zu einer f’rotestvcrsanunliing lud gestern der Deutschnationale H;u1dlun>׳sgchi!tenvcrl»a11d alle Handlungsgehilfen Berlins ein, um an einer Kundgebung gegen das Ältesten- ־Kollegium der Berliner Kaufmaimscliait teilzimehmeu, welches letztere in einer Hingabe an die Berliner Stadtverordneten־ Versammlung um Ablehnung der neuen Wertzuw aclisstcucr- Vorlage petitioniert hatte. Per Referent des Abends war der bekannte christlich-soziale l’artciiiilirer l.ic. Mumm, der vor der zahlreichen Versammlung das Thema in eingehender Weise behandelte. Fr wandte sich sehr schart gegen das Ältesten- Kollegium, das sich in der betr. Fiugabe als ausgesprochene Vertreterin einer ganz bestimmten Art von Kapitalisteniateressen, nämlich der Terrainspehulatiou gezeigt habe, hiermit aber t direkt gegen das Interesse der Kreise, die eigentlich von ihm vertreten zu werden Anspruch haben, nämlich des wirklieh arbeitstätigen Handels- und (iewcrbestanJes verstossen habe. Denn, da diese Stände ein lebhaftes Interesse au billigen Mieten haben, so müssen sh־ eine Steuer gegen die den (irtmd und Boden verteuernde, d. 11. die Mieten erhöhende Terrain- Spekulation mit Freuden begrüsseti. Fr illustrierte die badenverteuernde Wirkung der Terrainspekulatiou an einigen sehr drastischen Beispielen, aus denen hervorging. wie kolossal I überhaupt in Berlin der (irimd und Boden im Werte gestiegen | ist, so dass also eine Steuer, die eilten kleinen Teil diese;, den 1 Fnipfängeri! ganz unverdient zugetallcnen Wertzuwachses, der Allgemeinheit nutzbar machen w olle, durchaus gerechtierTgl erscheine. Der Redner sprach sachlich und enthielt siet!, im ) Gegensatz, .11 einem nachher anstretenden Diskussioiisrednei aller antisemitischen Hinweise. Fine andere Tonart schlug jedoch der eben genannte Diskussionsredner, ei ן Vorstandsmitglicd der Deutsch-Nationalen, an. Dieser riet mit volli tönender Stimme in die Versammlung, die dies mit jubelndem I Beifall aufnahm, wie viele Namen sich unter den Aikcsien der Aus meinem Märchenbuche Der Ring des Propheten Elijjahu (Schluss.) Pa schwieg der Alte seufzend, und der hebräische Jüngling erkannte noch mehr als früher die traurige Lage seines Volkes. Pa sah er plötzlich unter dem Hauten eine Gestalt, die er früher nicht bemerkt hatte. Ls war ein alter, grosser Mann mit selmeew eissem Haar,• das über die bochgewachsenen Schultern in!nächtigen Locken herabwallte. Barhiss, mit kurzen Hosen, und einem bis auf die Knie reichenden Rocke, so stand er da tmd schielte zu Ben-Jckutiel herüber, als wollte er sagen: ״Siehst du, ich lebe immer noch, aber du kennst mieli wohl picht mehr." .Jedoch Ben-Jckutiel kannte uen ewigen Juden noch sehr gut tmd sagte: ״Ich keime dich noch sehr wohl, der du beinahe mein getreulicher Begleiter w arst, von Anbeginn meiner Wanderimg bis Mzt!" ״Nun, Ben - Jckutiel, w illst du deine Wanderung fortsetzen, willst du uns über das grosse Meer begleiten, in das Land der Freiheit, um mit auzuselicn wie es uns ein Land der Knechtschaft wird, wie alle Länder zuvor, die uns gastlich als Länder der Freiheit aulgenommen hatten? Willst du sehen, wie man auch jenseits der Ozeane den Juden verfolgt, w ie er drüben vor Hunger stirbt, der hier vor Schlägen umkam? Nein, wenn du nicht die grausige Wanderfahrt machen m usst wie ich, so kehre um bei Zeiten!” ״leb mag nicht mukehren: denn mit welchem Gc-' sicht könnte ich dem edlen Propheten Elijjahu wieder unter die Augen treten, der mir so huldvoll und freundlieh diese Wanderung gestattete. Wie darf ich es wagen, zuriiekziikchren, da ich mich ihm gegenüber vermass, dass ich nie mehr zurückkehren werde!'* ״Pu sprichst wie ein Kind," sagte der ewige Jude.