Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1906)
- Date
- 1906-04-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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feeite 221 No. 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Man Sollte meinen: Mossc und Konsorten täten besser, sich um die durch die jüngsten Vorgänge im Zarenreiche viel schwerer getroffenen blutarmen russischen Juden zu bckiiminern, die zu Tausenden im Auslände umhertrren müssen und andere Sorgen haben als die: ob irgend ein verrusster Staat h la Preussen — sich ihrer studierenden Söhne auch recht liebevoll anniuuut! Es wäre vergebene Mühe, der Mosso-Garde das Klägliche ihrer Baltcn-Bemuttcrung beweisen yu wollen. Selbst bei denen muss sie sich mit ihrem Oebahreu lächerlich machen, die an sich durchaus mit der prcussischcu Hilfsaktion cinverstanden sind. Das BERLINER TAO!:BLATT schwingt sich nämlich zu hocharischeu Gefühlen auf; es phantasiert davon: Lage ״unserer Stammesgenossen in den russischen Ostsee- Provinzen“ müsse verbessert werden usw. Da haben die Balten-Verehrcr antisemitischer Koulcur mal wieder etwas zum Lachen. Sic mögen sich die unerwartete israelitische Buudcsgenossenschaft bellaglich schmunzelnd gefallet! lassen; aber im Innern werden sic das Gefühl der Verachtung für Judas Stamm und Judas Zeitungen um einige Grade erhöhen.“ VORWÄRTS. Jüdische Kunstdenkmäler ln der vierten ordentlichen Hauptversammlung der Gesellschalt zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler zu Frankiurt a. M. gedachte der Vorsitzende Charles L. H a 11 g a r - teil der verstorbenen Mitglieder I)r.• Heinrich Meyer Colm- Berlin, Julius Goldschmidt-Wonus, Edmund Kantorowitz- Pos». Zadok Kahn-Paris, I־'. D. Moeatta-London und Meyer S. lsancs-Newyork. machte die Anzeige, dass im laufenden Jahre wieder ein reich illustriertes Heft der MITTEILUNGEN hcrausgegcbcii wird, berichtete über die Vorbereitungen für die in E’raukfurt geplante Ausstellung für jüdische Kunst, Geschichte und Kultur und teilte mit, dass aui den dritten dcutsehen Kunstgewerheausstcllung zu Dresden Direktor!־'rauherger einen Synagogenraum angcmcldct hat. z.u dessen Her- Stellung die israelitischen Gemeinden und Kunstfreunde die erforderlichen Mittel ziisaiumcngcscliosseii haben. Direktor Frau berger erstattete den Bericht über das abgelautcuc Jahr. Daraus geht hervor, dass dank der Mitwirkung verschiedener Künstler und Gelehrten die Sammlungen der Gesellschaft sich vermehrt haben. Vom ״Hilfsverein“ Das ״christliche“ BERLINER TAGEBLATT bemerkt zu dem Berichte des Hilfsvereins der Deutschen Juden u. a. Folgendes: ״Demgemäss hat es sich der Gescluiftsaussehuss des genannten Vereins zu einer Hauptaufgabe gestellt, überall in jehen Ländern so viel als angänglicii einen geordneten Unterricht für die Heranwachsende jüdische Jugend einzurichten. Für diese Bildungszwccke stellt der Verein seine leider nur zu beschränkten Mittel mit grosser Liberalität zur Verfügung. Jede dieser vom Hilfsverein deutscher Juden gegründeten Schulen, namentlich in den türkischen Ländern, wird aber zugleich ein vorgeschobener Posten für deutsche Bildung, deutsche Sprache und für deutsche Sitte. Ein Moment, das unter den dort obwaltenden Verhältnissen durchaus nicht zu unterschätzen ist. Es will doch wahrhaftig schon etwas bedeuten, wenn die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Jerusalem von einem i!! Deutschland erzogenen Pädagogen In deutschem Geiste geleitet wird. Die hier ausgebildeten Lehrer werden in sehr kurzer Zeit zu den wirksamsten Pionieren des Deutschtums in Palästina gehören. Der vorliegende Berieht verdient die ernsteste Beachtung nicht bloss seitens der deutschen Juden, sondern auch seitens der Behörden in Staat und Reic 11." Gesamtarchiv der Deutschen Juden Eine von Berliner und auswärtigen Mitgliedern gut bcsuchte Sitzung des ״Kuratoriums des Gesanitareliivs der deutsehen Juden“ wurde am 1. April im Bureau des D. L G. B. abgchalten. Das Archiv wurde am 1. Oktober 1905 im Hause Liitzowstrasse 15 unter Leitung des Herrn Dr. Tüubler, der durch das hiesige kgl. Geheime Staatsarchiv iiir sein Amt ausgebildet wird, dem ein Hilfsarbeiter zur Seite stellt, eröffnet. Bereits hat eine grössere Anzahl von Gemeinden ihm ihre Akten übergeben, andere haben das gleiche zugesagt, mit noch anderen werden Verhandlungen geführt. Dazu kommen die Archivalien des Dcutsch-Israelitischeii Gemciiidebundes und eine Anzahl von Urkunden aus Privatbesitz. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass diese bedeutsamen und vielfach unersetzliehen Schriftstücke, die in den Händen ihrer bisherigen Besitzer, seien es Privatleute oder Gemeinden, wie die Erfahrung lehrt, vom Untergang bedroht sind, durch Uebergabe an das Gesamtarchiv bewahrt und der historischen Wissenschaft nutzhar gemacht werden. Jede Gemeinschaft ist es ihrer Ehre schuldig, alle auf ihre Vergangenheit bezüglichen Urkunden zu sammeln und vor der Vernichtung zu schützen. Auf einzelne Gemeinden hat das Vorhandensein des Archivs erzieherisch gcwirkt, indem auch solche, die vorläufig noch nicht zur Abgabe ihrer Schätze bereit sind, sich nunmehr die Ordnung und Ver- Währung derselben angelegen sein lassen. Das anzustrebende Ideal bleibt es, dass alle historischen Dokumente der deutschen Judcnheit an einer Stelle vereinigt werden. Von besonderem Werte sind die geschlossenen Gruppen, d. h. Sammlungen sämtlicher Geiiieindeaktun während eines längeren Zeitraumes; solche sind besonders von Darmstadt (mit dem Jahre 1650) und von Ostrowo (mit dem Jahre 1656 beginnend) eingegangen. Das älteste bisher eingegangene Archivstiick rührt aus dem Jahre 1570 her. Das Kuratorium beabsichtigt, durch eine populär gefasste Denkschrift das in jüdischen Kreisen noch wenig verbreitete Verständnis für die Bedeutung des Archivwesens zu heben und durch die Ernennung von korrespondierenden Mitgliedern in allen Teilen des Reiches seinen!Bestrebungen Förderer zu gewinnen. Einer bei den Staatsarchiven bewährten Einrichtung entsprechend soll an die Vorstände der jüdischen Gemeinden die Aufforderung gerichtet werden, keine Kassation %011־ Akten vorzuiichmen. ohne sich mit dem Ocsamtarchiv in Verbindung gesetzt zu haben. Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin Liudcnstrassc •15/50. Verzeichnis der im Sommer-Semester 1906 zu haltenden Vorlesungen: Herr Dr. Ban et 11 wird lesen: 1) Talmud babli Kidduscliin, Kap. Hl. •1 Stunden, Wittwochs und Freitags 10—12 Uhr. 2) Talmud babli Jotna (kurs.). Kap. II, •1 Stunden, Montags und Donnerstags 10- -12 Uhr. 3) Talmud ier. Berachot, Kap. 11. 1 Stunde. Donnerstags 12—1 Uhr. •!) Jorc De‘a (Tur und SdiuIcliairAruch 95). 2 Stunden, Mittwochs 8—10 Uhr. 5) Eben ha'czcr XYH (Forts), 1 Stunde, Montags 12—1 Uhr. 6) Mischüe Thora, Buch 7, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 9—10 Uhr. Herr Dr. Ellbogen wird lesen: 1) Pentateuch mit alten liebr. Koinuicntaren. 2 Stunden, Sonntags und Mittwochs 10—11 Uhr. 2) Talmud babli Schebuot, Kap. IV, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8—10 Uhr. 3) Die ersten Niederlassungen der Juden in Europa. 1 Stunde, Freitags 10—11 Uhr. •I) Der Abschluss des Talmuds und die Saboräer, 1 Stunde, Freitags!1—12 Uhr. 5) Geschichte des Synagogen- Kultus und der synagog. Literatur. 2 Stunden, Freitags 8—fo Uhr. 6) Historische Hebungen. 1עי Stunden, Dienstags 9—10גי Uhr. Herr Professor Dr. May bäum wird lesen: 1) Methodik des jüdischen Religionsunterrichts (Forts.), 1 Stunde. Dienstags 5—9 Uhr. 2) Homiletische Hebungen, 2 Stunden, Freitags v 10 Uhr. Herr Dr. Yaliudu wird lesen: 1) Prophetische Texte in historischer Folge (Forts.). 3 Stunden, Montags, Dienstags una Donnerstags 12—1 Uhr. 2) Die Bücher Samuelis mit Berücksichtiguug tcxtkritisclicr prägen. 2 Stunden, Montags 10—12 Uhr. 3) Ausgewählte Stücke aus der hebräisch-atidalusischcti Literatur. 2 Stunden, Donnerstag 10—!2 Uhr. 4) Bachja’s Chobot Hallebabot mit Berücksichtigung des arab. Originals (Forts.). 2 Stunden. Dienstags 10-12 Uhr. 5) Lektüre arabischer Texte für Fortgeschrittene (privatissimc), 2 Stunden, in noch zu bestimmenden Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Das Gesets ״Über die Verhältnisse der Juden“ vom 23. Juli 182 ,17־ Stunden. Montags und Donnerstags 8—9 Uhr. Die Eröffnung des Sommer-Semesters findet am 21־. April um!2 Uhr vormittags statt. Als Zuhörer für die .Vorlesungen sind in erster Linie die rite immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität -־ und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommcii. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen teilnehmcn. Die Anmeldung erfolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Kollegiums, Herrn Dr. J. Elbogen, in seiner Wohnung, Krausnickstr. 7, täglich (mit Ausnahme der Sabbathc und jüdischen Festtage) vr׳u 12—1 Uhr. Berlin, im April 1906. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Jüdischer Volksverein in Berlin Der Jüdische Volksvereln in Berlin, über dessen Tätigkeit schon mehrfach berichtet wurde, hat sich veranlasst gesehen, 1 i 1 > r 1 1 I I t I 4, % 1S $ i t * I I h I 1 k ■f* ‘j % # 4!